First Light

Wie mir berichtet wurde, war wohl Traumwetter in den letzten Tagen angesagt. Viel mitbekommen habe ich davon allerdings nicht, da ich wieder Sonderschichten am Boot eingelegt habe. Na gut, einmal war ich dann doch vor der Tür. Hatte nach drei Tagen endlich die neuen Solarzellen auf dem Dach, und ihnen ein kurzes First-Light spendiert. Aber der Reihe nach:

Die alten Panels waren mit 2 x 80 Watt nicht wirklich extrem unterdimensioniert, aber aufgrund der längeren Reise, die auf einem ungünstigeren Breitengrad beginnt, entschied ich mich für neue, leistungsfähigere Panels von Centrosolar. 2 x 105 Watt. Da diese allerdings deutlich kürzer, etwas höher und geringfügig breiter sind, waren die alten Halterungen nicht mehr zu verwenden. Neue mussten angefertigt und befestigt werden, um optimale Stabilität und Unterlüftung zu gewährleisten. Und um ehrlich zu sein: Eine ganz schöne Herausforderung bei der runden Form der hinteren Kabine. Das Biegen der schrägen Winkel war Millimeterarbeit und kostete mich inklusive der Montage fast zwei komplette Tage. Dazu die neue Verdrahtung, der neue Laderegler, abdichten und schliessen alter Löcher im Rumpf – ein hartes Stück Arbeit. Aber es hat sich gelohnt! Auch der Anstellwinkel der Rahmen wurde verändert. Dazu sollte man wissen, dass Sonnenlicht im Lot auf die Solarzellen fallen sollte, um maximale Effizienz zu ermöglichen. Dazu müssen die Zellen aber auch in den Tropen in etwa dem Winkel des Breitengrades montiert werden. Wie auch immer, die Aktion war erfolgreich. Hier auch noch mal ein Dankeschön an die Firma SAB Berschneider für all das Isolations- und Kontaktfett (alle Anschlussdosen wurden damit kiloweise komplett verfüllt bzw. alle Kontakte behandelt). Und auch an die Firma Klumpp aus Altlußheim, die mir ganz kurzfristig mit dem Material für die Winkel ausgeholfen hat. Und, klar, ganz lieben Dank an Centrosolar für die neuen SOLARA Panels und den Laderegler. Das war wirklich Klasse!

Und was tun mit all der Energie? Es wurde Zeit die Elektronik und Verkabelung zu modifizieren. Und wo fängt man an? Richtig, man erstellt erstmal eine Zeichnung von dem alten Wirrwarr. Das Resultat: Schlagartig wurde mir dann auch klar, warum manche Geräte nie einwandfrei arbeiteten, und warum der Stromverbrauch zu hoch war. Und mir wurde klar, wie wenig Wert auf Sicherheit gelegt wurde. Das wird sich ändern, und ich werde NICHTS von dem alten Konzept übernehmen. Aber das war ja sowieso der Plan nach dem Kauf. Unter Testbedienungen läuft die Kommunikation aller neuen Geräte bereits fast perfekt. Einziges Problem war der Autopilot, der sich nicht einen Millimeter bewegen wollte. Aber auch das Problem konnte ich heute nach vollständiger Demontage der Antriebseinheit lösen. Sobald der neue Batteriemonitor zur Verfügung steht, werden alle Komponenten neu verkabelt und ausreichend abgesichert – Geräte am Bussystem werden galvanisch getrennt (über Opto-Koppler) und eben nicht nach dem „Hauptsache billig“-Prinzip zusammengeklemmt. Ein neuer NMEA Buffer und Mulitplexer zur galv. Trennung kostest zwar gleich wieder mehrere schmerzliche hundert Euro – aber ich versprach ja: An der Sicherheit wird nicht gespart!

Und als nächstes? Die Medikamentenliste muss weiter zusammengestrichen werden, ein Arzt der’s verschreibt gefunden werden *lacht*. Ein neuer Para-Sturmanker wird benötigt, ein Sonnenschutz muss dran, neue Antennenhalter, Innenbeleuchtung, Wellenschutz. Ruderanlage und Fuss-Steuereinheit muss umgesetzt, Pumpen installiert werden. Ich muss weitere Lebensmittel organisieren, das Wasser- und Ballasttankproblem lösen, Entsalzer muss wieder im Boot verbaut werden und alle Ventile im Rumpf müssen raus. Ich muss die Ruderschienen abdichten, beide großen Decksluken müssen ersetzt werden … STOP! … nein, langweilig wird mir so schnell nicht.

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