Endlich mal anfangen … und ankommen!

„Wie gestaltete sich der Schreibprozess bis zum fertigen Buch?“, das wollte gerade jemand wissen. Wie habe ich mich zum Schreiben motiviert, wie lang hat es gedauert? Ich finde, das ist ein schönes Thema für den Einstieg in einen neuen Blogeintrag. Willkommen zurück! Also, es war einmal …

Mein Buch „Tosende Stille“ ist über zwei Jahre gereift. Klar, erst einmal wurde alles sortiert und gesichtet: tausende Emails, Tagebuch-, Logbucheinträge und natürlich Fotos, Fotos, Fotos … und Videos. Wieder und wieder begann ich aufs Neue mit dem Schreiben, warf dann aber doch die kurzen Texte schnell in den Mülleimer. Ich war einfach nicht zufrieden mit meinem Schreibstil, und, vor allem: ich war unzufrieden mit den Antworten, die ich auf die großen Fragen – die mich letztlich allein im Ruderboot auf den Ozean getrieben hatten! – im Buch geben konnte. Im Dezember 2013 wurde es aber langsam knapp, der Abgabetermin des Manuskriptes näherte sich in großen Schritten. Februar 2014, noch 10 Wochen – dann sollte Manuskript eigentlich beim Verlag vorliegen. Und wenn ich am Besten funktioniere, dann unter großem Druck, ohne viel Kopf, mit viel Herz – dann waren sie da, diese Antworten! Nur, um daraus ein Buch zu machen, musste ich erst in den rauschenden Fluss der Kreativität und Motivation springen, „es fließen lassen“. Die nackte Schreibarbeit erstreckte sich über sechs Wochenenden, kaum Schlaf, der Text ran mir aus den Fingern. Ende Januar waren wir dann auch schon mit dem Lektorat durch. Pünktlich, logisch, wie immer! Zwei Kapitel pro Wochenende hatte ich geschrieben, dann immer fünf Tage um Luft zu holen und um die Gefühle zu reflektieren. Das war harte Arbeit – aber sie ging mir erstaunlich leicht von der Hand, auch wenn ich physisch und psychisch beim Schreiben völlig ausbrannte. Früher hatte ich einfach zu viel Zeit mit unnötigen Dingen verschwendet, mir viel zu lange Gedanken darüber gemacht, wie ich eigentlich schreiben will – wie ich den Schreibprozess anstoßen kann, welche Software ich verwenden möchte – zum Tippen, zum Planen, zum Strukturieren. All das fühlte sich schon so schrecklich produktiv an, führte aber genau deshalb am Ende nie zu einem fertigen Manuskript – und um das geht es ja letztlich! Ich war beschäftigt mit unzähligen anderen Dingen, die „irgendetwas“ mit dem Buch zu tun haben mochten – und das fühlte sich ermüdend an – also musste es doch Arbeit, musste produkutiv sein, oder? – aber das Schreiben selbst gelang nicht, es kam einfach nichts dabei raus. Ich hatte einfach nie den Anfang gefunden der in mir „zündete“ und damit natürlich auch nie das Ende. Stattdessen: Schreibblockaden, Ideenstau, Lustlosigkeit, Textaversion, Größenwahn vom guten Buch … so viele Ideen und viel Träumerei …naja – aber dafür wenigstens auch größenwahnsinnig komplizierte Schreibprogramme und Software, mit denen ich mich ablenken und den ganzen unnötigen Wirrwarr – den Lärm im Kopf – jonglieren und arangieren konnte. Was tun?

Anfangen! … und dann darin vergessen, dass man eigentlich gar keine Lust zum Schreiben hatte und doch sowieso alles viel zu komplizert ist … das, was der Kopf ja gerade erst so kompliziert gemacht hat, um daran zu zerbrechen. Take it easy!

Einfach anfangen, losschreiben, fließen lassen und am Besten hinter sich abbrechen. Und dann spielt es überhaupt keine Rolle, wo und wie man schreibt, solange man einfach loslegt und schreibt. Erst quält man sich und füllt die erste halbe Seite. Und dabei vergaß ich dann überraschenderweise immer recht schnell, dass ich eigentlich gar nicht schreiben wollte oder konnte – auf Seite zwei stürzte ich meist (unbemerkt vom Kopf mit all seinen Plänen) in den Schreibrausch und die Uhr tickte im Galopp herunter. Ungezügelte Emotionen, unbändige Lust. Gelang das mal nicht, gönnte ich mir ein kurzes Nickerchen und begann sofort nach dem Erwachen mit der Textarbeit – noch bevor ich überhaupt erst keine Lust zu Schreiben bekommen konnte. Immer neben dem Bett: Notebook, Notizblock und Audio-Rekorder. War ich mal ganz im Schreibprozess verhaftet, kamen die besten Gedanken im Schlaf, ganze Seiten füllte ich in meinen Träumen. Und dort fand ich auch die letzten Antworten die ich suchte. Dann ist es wichtig, sofort nach dem Aufwachen alles zu notieren, noch bevor der Kopf sie zurechtstutzt oder verkompliziert oder einfach unter dem Alltagsmüll begraben will … weil es so einfach ja schließlich nicht sein darf! Wer brauchte denn dann noch so ein klugen Kopf? Das ist doch inzwischen oft alles was wir geworden sind, zu was wir konditioniert wurden. Kopf, Ego, Kontrollfreak. Der schreibt doch Bücher sowieso nur für sich selbst … was soll so auch schon dabei herauskommen? Bücher sind für andere Menschen, aber unser Kopf teilt oft nicht so gern bedingungslos, gibt nicht, fordert lieber für sich selbst etwas ein (Erfolg, Stolz, Ruhm, Anerkennung). Aber das Herz, das teilt gern … man sollte es unter all den wirren Gedanken mal suchen gehen. Der Verstand ist ein tolles Werkzeug zum Schreiben, aber ein furchtbar schlechter Schriftsteller … vielleicht noch ein „passabler“ Sachbuchautor … möglicherweise … im allerbesten Fall. Der Verstand will in erster Linie nur Verstand sein … gelobpreister Richter und Henker über das eigene Schicksal … aber ein Schriftsteller, der für andere schreibt, das wird er nie und will er nie sein.

Die ganzen „produktiven“ Schreibprogramme habe ich wieder von meinem Rechner gelöscht. Was ich wirklich benötige, ist ein hübscher Editor, der Spaß macht, der nicht im Weg steht und nicht mit seiner erschlagenden Funktionsvielfalt nurmehr zur Spielerei einlädt und ablenkt – der das Wesentliche kann: Bilder vom Kopf in eine Text-Datei transportieren. Dann vielleicht noch ein Outliner, ein Gliederungseditor – der ist sicher ebenfalls ganz hilfreich, um den roten Faden locker! zu spinnen, um Ereignisse einzuordnen und dem Ganzen eine grobe! Struktur zu geben, ohne es einzuzementieren und sterben zu lassen. Dann noch ein guter Taskmanager und Kalender fürs Projektmanagement – sofern das nicht auch mit dem Outliner zu bewerkstelligen ist oder vica versa. That’s it! Am Ende galt für mich: Nur nicht zu viel planen und abstecken – je fester man das Korsett für den Rahmen der Geschichte schnürt, desto weniger Luft bekommt man als Autor darin. Und Kreativität braucht Raum und Luft … ist das Atmen von kühler Freiheit im Moment des eigentlichen Schreibens!

Am neuen Buch schreibe ich bereits, schauen wir mal, ob was zum Verlegen wird. Am Computer verwende ich einfach nur noch Ulysses III. Meist im Fullscreen Modus – nur Text … und die geniale Markdown-Formatierung, sonst nichts. Und Markdown finde ich einfach großartig! Nie wieder mit – ohnehin unnötigen! – Formatierungen herumärgern, ganz ohne Maus den Text strukturieren, Anmerkungen, Notizen, Zitate einfügen. Ulysses kümmert sich darüber hinaus spielend um die Verwaltung der Dokumente und Projekte – alles lässt sich gruppieren, sortieren, exportieren und problemlos mit dem Tablett oder Smartphone synchronisieren. Alles ganz schnörkellos, durchdacht, hübsch – nie im Weg, und immer dort, wo es benötigt wird. Export nach MS Word ist kein Ding, leider wohl beim Lektorat dank seiner Korrekturnachverfolgung unvermeidlich für den Lektor.

Beim Outliner hatte ich mich zu Beginn für Omni Outliner entschienden. Das würde sicher auch genügen. Nach einer Weile aber, habe ich diesen Prozess trotzdem in eines meiner Lieblingsprogramme überführt: „Omnifocus“. Ganz gleich wie kompliziert die Projekte sind, in Omnifocus lassen sie sich strukturieren, terminieren und in Kontext mit anderen Aufgaben und Tasks setzen. Hier können Ideen gesammelt, aufbereitet und mit Notizen und Ressourcen verknüpft und ergänzt werden. Ob man darin auch einen Plot oder Charakter entwickeln kann … auch das geht sicher.

Letztlich: Es existieren bestimmt mächtige Programme zum Schreiben: Scrivener, Pages, Word zum Beispiel. Aber meine Meinung ist: Wer nur einen kreativen Text benötigt, sollte produktiv schreiben und sich nicht nur darin produktiv fühlen, dass er in komplexen Programmstrukturen herumwandelt und das bisschen Text stundenlang herumoptimiert. Also: Simplifizieren!

Und sonst? Wenn Garnichts ging, eine halbe Stunde meditieren, dann lief es wieder. Spazieren gehen. Musik, ein gutes Glas Wein … viel Licht … und, manchmal: Schlafmangel – dann wird’s authentisch, wenn der Kontrollfreak im Kopf mal müde wird! Robins oder Wilson haben immer bildgewaltige Texte auf LSD gesprüht – und Burkowski ist der Alkohol aus den Fingern auf’s Papier geschwitzt. Lasst Euch berauschen vom Leben … raus aus dem Alltag, reins ins Herz. Den Kopf ausschalten. Kreativ sein – nicht kreativ sein wollen. Kreativität entsteht aus Leidenschaft, ist Freiheit, aus sich selbst heraus. Allein der Zwang, kreativ sein zu müssen oder zu wollen, ist es, was am Ende die Kreativität völlig blockiert. Kreativität ist da, hier, jetzt – nicht woanders, nicht morgen! Die Suche danach, ist der einzige Grund warum wir sie nicht finden, ist der Kampf, der Krampf, das Aufopfern und Verzweifeln. Und was wir mit dem Kopf suchen, ist ohnehin nicht Kreativität – es ist nur das, was wir daraus machen und zu begehren versuchen: Ein selbstgestricktes Konzept, ein faule Karotte zum jagen, zum beschäftigt bleiben. Die Jagt ist das, was den Verstand Verstand sein lässt und legitmiert, sonst nicht. Warum sollte er damit aufhören? „Wir leiden, weil wir begehren“ (Buddha) Also, lasse ich mich treiben und finde den Fluss und tauche ein im Moment, im Augenblick! Nun gut, vielleicht kann euer Verstand etwas aus diesen Zeilen herausziehen, keine Ahnung. Falls dem doch so ist, dürft ihr es gern behalten, teilen und verwurschteln. Aber vielleicht ist es bei euch auch ganz anders. Schreibt mir falls ihr Gedanken dazu habt.

Und sonst? Diese Woche war wieder ein Highlight unter Highlights. Wunderbare Rezensionen, großartiges Feedback zum Buch, schöne Interviews. So macht das Spaß!

„Janice Jakaits Erfahrungsbericht ist so direkt, nah, ehrlich und unverfälscht wie wenig, was man sonst zu lesen bekommt. Zum einen ein packendes Abenteuer über eine unglaubliche und mutige Ausnahmereise, allein als Frau über den Atlantik rudernd. Zum anderen die berührende Beschreibung einer Reise zu sich selbst, in die echte innere Freiheit. Ohne jedwede Pathetik tief, wahr und überaus klug. Eine reine Bereicherung – unbedingt lesenswert!“ (Rezension von Nicole Swidler)

oder

„Janice Jakait benutzt die einzigartige Natur des Ozeans, um den Leser zum Nachdenken anzuregen. Diese Mischung von Sprachgewalt und Erlebnislyrik zugleich, ist ein literarisches Meisterwerk. Auch die Tiefe ihrer Wortwahl hat mich sehr berührt“ (Rezension Michaela Löschner)

Da sitze ich nun und bin ganz außer mir vor Freunde. Der größte Motivator: Spaß!

Jetzt noch ein paar aktuelle Dinge, dann will ich mal wieder weiterschreiten:

  • Das Interview bei HR-Info ist bereits als Stream online und darf angehört werden. Am Sonntag um 10:05 / 14:05 und 18:35 Uhr dann auch im Radio.
  • Das kurze Portrait im SWR Fernsehen vom Dienstag gibt es hier zum nachschauen in der ARD Mediathek.
  • Dann noch ein kurzer Beitrag beim SWR4.
  • Morgen, am Freitag um 10:00 Uhr sitze ich im SWR1 Studio in Stuttgart. Das wird live sein, also schaltet bitte ein! In der Nacht dann im SWR Fernsehen auch als Videoaufzeichnung.

Und jetzt noch ein Hinweis auf den neuen Newsletter, für den ihr euch eintragen dürft … soweit für den Moment.

UPDATE; Das aktuelles Fernsehinterview „Leute Night“ vom 11.4. ist jetzt online.

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