Der Traum

Ich hatte einen sehr intensiven Traum letzte Nacht, um nach dem Aufwachen festzustellen, dass er wirklich mal genau so passiert ist:

Ein grauer, komplett verregneter Herbst-Nachmittag im Erzgebirge. Ich, bestimmt schon ganze acht Jahre alt, komme nach Hause vom Spielplatz, kann kaum sprechen, weil ich sonst einfach nur heulen würde. Mama spürt zwar dass etwas nicht stimmt, bohrt aber nicht weiter nach und hört irgendwann auf zu fragen – es stimmte letztlich andauernd irgendwas nicht mit mir, und selten war es tragisch. Es wurde dunkel draußen, und kalt! Schrecklich kalt! Als ich ins Bett muss, kann ich es nicht mehr unterdrücken, heule Pfützen und Mama gibt jetzt natürlich keine Ruhe mehr, will endlich wissen was los ist …

„Es ist ganz allein und nass und es friert doch jetzt Mutti!“
„Wer ist allein?“
„Ja das Plüschtier!“
„Welches Plüschtier?“
„Das bei den Garagen in der Pfütze liegt. Es ist ganz kaputt und liegt bestimmt schon ganz lange da.“

Und wer mich kennt und weiß, wie ich lange und intensiv ich heulen kann, der weiß natürlich auch, dass meine Mutter irgendwann nachgeben musste: „Dann bring es eben morgen mit! Dann schauen wir.“

Ich wachte als erste auf, und an diesem Tag wollte ich auch ausnahmsweise mal nicht liegen bleiben oder gar ein Fieberthermometer an die Glühlampe halten – es war immer noch dunkel draußen, mir blieb etwa noch eine halbe Stunde, bis ich mich für die Schule fertigmachen musste. Also zog ich mich schnell an, rannte aus dem Haus …

Mama, die mit einem kleinen Plüschtier gerechnet hatte, das sich schon irgendwie auskochen lies, schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Ich sehe sie heute noch vor mir, wie sie an der Wohnungstür steht und ihr einfach komplett die Worte fehlen. Aber ich stehe schon in den Startlöchern für die nächste Heulattacke, ihr bleibt keine Zeit für Vernunft. „Dann wirf es erstmal in die Badewanne!“

Das arme Ding war sicher mal etwa siebzig Zentimeter lang, völlig zerfetzt, mehr Pfützendreck als Plüschtier. Ich stand im Hausflur neben einer Lake aus dreckigem Pfützenwasser und grinste Mama an. „DANKE!“
Als ich aus der Schule kam, hatte Plüschi schon zwei Touren in der Waschmaschine hinter sich. Wir schätzen, dass er, sie, es … mal ein stattlicher Bär war. Am Tag darauf schon ratterte die Nähmaschine in der Küche. Beim Ausstopfen durfte ich helfen und schüttet das neue Füllmaterial aus dem großen Sack. Papa stand daneben und schüttelte einfach nur mit dem Kopf.

Ja, und so wurden Plüschie und ich damals ziemlich beste Freunde … und so kam ich zu diesem Traum letzte Nacht. Als Mama fertig war, ent-puppte sich Plüschie übrigens als ein waschechtes Sitzpferd – alle waren überrascht, sogar Papa!

Ja, ich war schon ein tolles Kind, und mit meinen Eltern hatte ich wohl auch ziemlich großes Glück!

(Das Thema, über das ich gestern mit Freunden sprach, und dem auch ein ganzes Kapitel in meinem Buch gewidmet wird gerade, ist übrigens EMPATHIE. Und irgendwie passt das auch gerade dazu.)