Auf halbem Weg

Was du suchst, das sucht auch dich, so heißt es.
Nur müsse man Gott auf halbem Wege entgegenkommen,
ermahnte uns Jesus. Doch wie genau tut man das?
Etwa indem man Gutes tut, gleich einer Mutter Teresa;
die am Ende eines Lebens voller guter Absichten
doch bitterböse und enttäuschte Briefe an Gott schrieb?
Wo wahrhaft Gutes getan wird, bedingungslos,
als Tugend des Herzens, da wirkt Gott bereits in uns.
Doch wo der Geist danach strebt, das Richtige zu tun,
da hat alles seinen Grund und seinen Zweck.
Da handelt er bedingt und entfernt sich genau darin
immer weiter von Gott, der Liebe und aller Tugend.
Wer nur Gutes tut, um gutes Karma anzuhäufen,
dem wird dafür gutes Karma abgezogen,

dieser Satz fasst es ganz wunderbar zusammen.
Wer nur handelt und wirkt, um dem Licht näher zu sein,
der wandelt in einem Schein, der die Dunkelheit verbirgt.
Wer nur ins Leuchten strebt, ohne auch in die Dunkelheit
zu schauen, der bleibt für das wahre Licht ewig blind.
Wo der große Geist, das Dao, verloren ist,
da machen sich Rechtschaffenheit und Heuchelei breit
,
das gab uns Laotse im Daodejing mit auf den Weg …
Da würden Liebe und Menschensinn nur mehr gepredigt.
Wie also kommt man Gott auf halbem Wege entgegen?
Nur indem man sich seine Schatten bewusst macht!
Indem das Wissen solange um Wissen ringt,
bis es erkennen will, dass es überhaupt nichts weiß.
Indem der Wille solange nach Kontrolle und Macht strebt,
bis er erkennen will, dass er absolut machtlos ist.
Dann erst erlangt der Mensch wirkliche Weisheit
und gelangt in den unbändigen Strom der Tugend.
Dann ist er wieder in Gott, so wie Gott in ihm ist.
Dann erst begreift der Mensch, dass gut gemeint
noch lange nicht gut ist; und dass Gottes Maß
jenseits des irdischen Richtig und Falsch angelegt wird.
Wenn das Kartenhaus des kleinen Geistes zusammenfällt,
dann erst ist der halbe Weg zum großen Geist gegangen.
Dafür braucht es den ganzen Mut und größte Ehrlichkeit,
seinen Schatten und Verfehlungen mitfühlend zu begegnen,
und ebenso viele große Enttäuschungen zu erfahren.
Denn nur sie sind das Ende jeder Täuschung …
und damit der Beginn der Wahrhaftigkeit.

Die Welt in der Welt

Der nur scheinbar einzige Weg in dieser Welt erfüllt und frei zu sein, ist Egoismus. Das Herz schließen vor all dem Leid auf dem Planeten, in einer kleinen hübschen Weltenblase leben, aus der heraus man sich aber natürlich über das Unrecht auf Erden empört. Vielleicht fliegt man zusammen mit Gleichgesinnten, und schaut einfach, dass man möglichst alle Stromschnellen im Fluss des Lebens zügig überwindet. Und stets neue Ziele und Wünsche am Horizont sind wichtig, Bewegung oder Ablenkung, denn wer nach vorne oder nach hinten schaut, der muss sich nicht wirklich umsehen, und vor allem nicht stehen bleiben und den Weg hinterfragen. Bis dieser Fluss irgendwann dennoch im Nichts mündet, an das man besser gar nicht denken will. Dieses Glück bedingt immer ein Unglück an anderer Stelle und für andere Menschen, – dieses Glück bedeutet auch immer eine Abhängigkeit von günstigen äußeren Umständen und Privilegien. Wer das alles verliert, verliert sich dann selbst. Dieses Glück ist nur ein Schein und ein Gefängnis. In diese Blase gelangt nur äußerst selten ein wirkliches Licht, dem auch die Seele zurück in wahrhaftige Freiheit und Erfüllung folgen kann.

Aus Fülle wird Leere

Die romantische Liebe ist erst einmal lediglich eine Illusion, die nur über einen gewissen Zeitraum aufrecht erhalten werden kann. Sie ist eine der Wurzeln der modernen und unersättlichen Kultur geworden, eine Vorstellung nur, die oft aber schon mit der Muttermilch aufgesogen wurde; die andere Menschen schon früh als Erwartung in uns projiziert haben. Mögen wir ihnen Sinn geben und sie erfüllen und fühlen lassen! Später aßen wir im Kino Popcorn zur diesen Storys und begannen selbst immer mehr zu träumen… von Prinzen, Prinzessinnen, Helden und Geschlechter-Stereotypen. Das ist der Stoff aus dem unsere Persönlichkeit im Webrahmen der Gesellschaft und Kultur gewoben wurde.
Die Externalisierung unserer Gefühle in Form von vorgestellten Wünschen, Träumen und Sehnsüchten erzeugt in uns selbst gleichsam ein Loch, eine vermeintliche Leere, ein Mangelgefühl. Beides bedingt sich gegenseitig: die Fülle die wir im Außen suchen, erzeugt eine innere Leere, – wir hängen dann an einer neuen, aber unsichtbaren Nabelschnur. Das ganze „System“ funktioniert übrigens auf diese Weise, indem Erfüllung im Außen versprochen wird, bis wir uns dann veräußerlichen und damit gleichsam ein Mangelgefühl im Innersten erleben. Ein Teufelskreis, der uns immer weiter von uns selbst und unserer Fülle entfernt. Das Ego springt dann hier gern ein und erzählt uns, wer wir sind, wer wir nicht sind, wer wir waren und wer wir sein wollen. Und dann sind wir im Kopf unterwegs und jagen ?unsere? Ziele, die Erfüllung und Glück versprechen. Je mehr wir in veränderten äußeren Umständen die Erfüllung suchen, umso abhängiger werden wir, und umso extremer pendeln wir zwischen Erfüllung und Enttäuschung. Das macht sehr müde und krank auf Dauer. Spätestes das ist dann für viele zwangsläufig ein Weckruf. Komplettes Abstumpfen wäre eine Möglichkeit weiterzuträumen.

Jedes Gefühl nach dessen Erfüllung man sich sehnt, ist immer ins uns, – die Fülle ist in uns! – sonst könnten wir es nicht ersehnen und nach außen auf Menschen oder Objekte projizieren. Ja, und dann treffen sich vielleicht zwei Menschen, es passt von den Vorstellungen und den biologischen Faktoren, – Dopamin und Serotonin fahren Achterbahn, – und dann projizieren sie sich ineinander, so wie ein Doppelspiegel. Natürlich fühlt sich das wie Erfüllung an erstmal. Zudem sind wir dann gegenwärtig und im Vollrausch der Neurotransmitter und Hormone, und spüren uns selbst. Und damit auch den anderen. Doch die Spiegel bekommen nach einer Weile Risse, die Abbilder werden verzerrt, und der Körper fährt allerspätestens nach zwei bis drei Jahren herunter, bevor er ausbrennt und wir komplett im Sexualhormonnebel verblöden. Verlustangst ist nur ein Symptom dieser Abhängigkeit übrigens. Und dann?

Das Wirkliche passt dann selten noch wirklich zu unseren Vorstellungen, und dann verändern sie sich auch ständig, bei all den anderen verlockenden Möglichkeiten und neuen romantischen oder intensiven Geschichten, die wir hören und lesen und uns zur Fantasie machen. Dann versuchen wir die Risse zu kitten und den anderen wieder zurechtzubiegen. Dann geht der Zirkus los! Bis man entweder „zumacht“ und sich eilig trennt, oder ewig mit der Trennung herumeiert, oder sich eben doch damit abfindet, wie es ist, weil so ein Drama noch besser scheint, und weniger Angst macht, als wieder ganz allein und ungeliebt zu sein. Und vor allem: als diese Leere erstmal wieder spüren zu müssen; bis sich was anderes als Ersatz findet. Ohne Trennung wird es dann gähnend langweilig in solchen Beziehungen oder alles muss eben immer extremer werden. Dann beginnen wir zu idealisieren und zu fantasieren, was wir uns mit ständiger Entwertung und Enttäuschung an anderer Stelle erkaufen. Alles was nicht wirkliche Fülle ist, kommt immer im Doppelpack mit seinem Gegenpol.

Bedingungslose und unabhängige Liebe ist aus einem Gefühl des Mangels heraus unmöglich. Erst wo der Mensch dieses Gefühl in sich selbst reaktiviert, aufhört zu spiegeln und zu projizieren, entsteht Liebe aus der Fülle heraus. Es ist kein Handel mehr, keine Abhängigkeit, frei, ohne Angst und tief wie der Ozean. Bedingungslose Liebe ist kein Lautes Geschrei, kein Ideal, kein Traum, kein Schein, keine Story, – sie ist sanft, aber gewaltig!, sie ist weit und tief, und sie ist alles, was wirklich IST und alles, was wir wirklich SIND. Sie ist die Fülle, die wir sind, wenn wir wirklich wieder gegenwärtig und ganz bei uns bleiben, – uns eben nicht mit den Gedanken in den äußeren Umständen verlieren und verzetteln, oder im Gestern oder im Morgen. Sie ist Tugend, sie ist Hingabe, sie ist ein Fließen. Hier. Jetzt. Ganz. Und erst dann können wir wirklich auch bei anderen sein, – sie in ihrer Fülle lassen, erfahren und lieben. Und erst dann offenbart sich uns wieder ganz das Unvorstellbare, und damit das unermessliche Wunder, das allem innewohnt. Es passt nicht in alle Köpfe und Filme dieser Welt! Dafür ist es zu groß.

Liebe ist der Urzustand. Menschen sind „Aus Fülle wird Leere“ weiterlesen

Darüber spricht man doch nicht

Der bekannte britische Neuropsychologe und Neuropsychiater Peter Fenwick gilt mit seinen 84 Jahren längst als ein Pionier in der Untersuchung von Nah-Tod-Erfahrungen. Unzählige Studien mit zehntausenden Patienten fasst er so zusammen: „Es gibt keinen Zweifel an dem Phänomen, er selbst war einst der größte Zweifler. Und es sind weitaus mehr Menschen mit diesen oder vergleichbaren Erfahrungen konfrontiert worden, als man erwarten würde. Die Erklärungen im Gehirn allein zu suchen, sei einfach nur engstirnig.“
Doch eines fand ich besonders interessant in seinen Aussagen: Seine Studien belegen klar, dass es in der Natur dieser Erfahrungen starke kulturelle Unterschiede gibt. Was Menschen nach Infarkten, Schlaganfällen oder nach schweren Unfällen erfahren, ist stark von der Prägung durch die Kultur und die Religionen abhängig. Während die Amerikaner und Europäer nach der klassischen körperlichen Selbstentgrenzung zumeist durch einen Tunnel gehen, ist es bei Japanern fast immer ein Fluss, der sie fortträgt oder zu überqueren ist. Und was auch immer die Natur dieses Phänomens sein mag, es wird oft als realer und wirklicher erfahren, als das alte Leben selbst. Diese Tatsache allein scheint mir ausreichend, um das Thema ernst zu nehmen und nun auch hier einmal näher zu beleuchten.

Warum finde ich das faszinierend? Weil es sich exakt mit dem deckt, was ich zweimal erlebt und über viele Jahre versucht habe zu ergründen. Mich trieb die Frage, welchen Einfluss haben Geist und Persönlichkeit auf derartige Erfahrungen bzw. welche Konsequenzen haben unser Verhalten zu Lebzeiten und unsere Prägung auf das, was wir während dem Sterben dann erfahren … und zumindest möglicherweise auch danach.

Natürlich spricht man erstmal nicht so gerne über das Sterben und die Möglichkeit, dass das Bewusstsein selbst mindestens noch ein Weile nach dem Tod des Körpers aktiv bleiben könnte. Erstens, weil es mit der Ratio unmöglich zu erklären ist; und Zweitens, weil es nach wie vor in unserem Kulturkreis ein Tabu ist. Doch selbst wenn diese Phänomene im Hirn selbst passierten, – und da wird mir jeder der es erlebt hat zustimmen, – dann muss das Gehirn auch zweifellos dazu in der Lage sein, vermeintliche Realitäten zu erschaffen, die auf allen Ebenen und bei Weitem alles übersteigen, wozu unser Hirn im Alltag im Stande scheint. Allein das wäre schon mehr als nur bemerkenswert! Die Erfahrungen überschreiten derart unser Vorstellungsvermögen und alles, was wir aus Träumen kennen, dass die meisten Menschen sie zweifellos als mystische Erfahrung oder Gotteserfahrung beschreiben würden. Auf der anderen Seite kann auch festgestellt werden, dass unser Alltag selbst eine reine Projektion und Vorstellung sein könnte dann; was wiederum den Lehrmeinungen des Hinduismus oder Buddhismus sehr nahe kommt.

Mich persönlich führten die eigenen beiden Nah-Tod-Erfahrungen und eine amerikanische Studie mit todkranken Patienten, denen man die Angst vor dem Sterben nehmen wollte, damals zu Experimenten mit nicht-suchterzeugenden psychoaktiven Substanzen. So lassen sich unter anderem mit Dimethyltryptamin (DMT), Ibogain oder Psilocybin (Magic Mushrooms) vergleichbare Zustände herbeiführen. Erst später fand ich den Zugang auch über die Mediation, auch das ist möglich. Die absolut überwiegende Anzahl der Patienten, denen in der Studie reines Psilocybin verabreicht wurde, sprach von lebensveränderten Erfahrungen, – es konnte gezeigt werden, dass diese Zustände den meisten Patienten sogar weitgehend die Angst vor dem Sterben nehmen konnte. Das war erwartet worden und konnte bestätigt werden. Das eine derartige Studie überhaupt genehmigt wurde, ist natürlich ein seltener Glücksfall.
Zu Beginn neigt man allerdings nach derartig extremen Erfahrungen dazu, sie recht schnell wieder in die alten Schubladen des Denkens einzusortieren und abzuheften; bis zur nächsten Reise, die einem wieder den Kopf wäscht und das Ego kleinlaut werden lässt. Man verliert sich sehr schnell wieder in einem Paradigma, das man dann für die neue Wahrheit hält. Erst nach Jahren beginnt man wirklich, diesen Umstand und die Natur des Denkens selbst zu betrachten.

Aber was kann ich heute mit etwas Abstand und meinen Erfahrungen zu dem Thema feststellen?

Nun, es bestehen für mich keinerlei Zweifel mehr darin, dass unser Selbstbild und Weltbild eine mentale Projektion ist. Gern z.B. auch im Visuellen Kortex, also im Sehzentrum im Gehirn. Nur ist auch der Kopf, den wir sehen, selbst davon betroffen. Im Grunde ist alles was wir a priori mit unseren fünf Sinnen wahrzunehmen (Objekte), als auch die Wahrnehmung selbst (Aktion) und der Wahrnehmer (Subjekt) im Geist eine Interpretation, also ein Abbild und damit objektiviert und beeinflusst. Nichts anderes steht in den Veden oder Upanishaden seit tausenden Jahren übrigens. Frei nach Friedrich Nietzsche: „Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen.“ Kein Licht gelangt in unseren stockdunklen Schädel. Was wir sehen, wäre dann lediglich ein Feuer der Neuronen. Wenn es den eigenen Körper aber erst einmal in zwei Hälften gerissen hat, und man dann reines omniperspektivisches Bewusstsein bzw. Gewahrsein (oder gern auch „Gott“) erfahren durfte, oder wenn man während der OP aus dem Körper und vom Operationstisch stieg, dann kann es keinen Zweifel mehr an der imaginären Natur unserer vermeintlichen Wirklichkeit geben. Auf der anderen Seite ist es ohne so eine Erfahrung unmöglich, sich das auch nur vorzustellen.

Doch ich komme zu folgendem Schluss: Ganz gleich ob wir dem Tode nahe sind oder mit psychotropen Substanzen experimentieren; ob wir in Trance fallen oder meditieren: der Zustand unseres Geistes entscheidet massgeblich darüber, in welche Erfahrung wir dann hineinfallen, ob in einen Fluss oder in einen Tunnel … und das ist erst der Anfang natürlich. Erleben wir erst einmal die Selbstentgrenzung selbst, geht die Essenz unserer Überzeugungen alsbald wieder in Resonanz mit Erscheinungen, die wir da nun erfahren und selbst manifestieren. Man könnte das gut und gerne auch karmische Verstrickung nennen. Bei der erstbesten Möglichkeit assoziiert sich dieses geistige Residuum, – dieser Rest der Persönlichkeit! – , wieder mit anderen Erscheinungen, und verliert und vergisst sich darin… und verirrt sich dabei auch mal komplett. Gerade deshalb zitieren tibetische Mönche über Tage neben dem Leichnam aus dem tibetischen Totenbuch, dem Bardo Thödröl, das eine Art Wegweiser auf dieser Reise sein soll.

Nun, welche Konsequenzen hat das für das Sterben?

Letztlich die: Das zum Beispiel ein gieriger oder egoistischer Mensch mit hoher Wahrscheinlichkeit „Darüber spricht man doch nicht“ weiterlesen

Trugbilder der Tugend

Als die menschlichen Tugenden verloren gingen, und als die Herzen immer seltener die Sprache der Bedingungslosigkeit sprachen, da begannen die Menschen mit bedingten Gedanken nach Tugenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Güte zu streben. Rechtschaffend wollten sie sein, stets das Rechte und Richtige denken, fühlen und tun. Damit war auch erst das Falsche und Unrechte geboren. Mit Ratio, Logik und vermeintlicher Vernunft rangen sie fortan um die natürlichsten Dinge, so wie Liebe, Treue, Freiheit, Achtung und Mitgefühl, – die Tugend bekam einen nachvollziehbaren Grund, machte nun Sinn und wurde zum großen Ziel erklärt. Das Selbstverständlichste der Welt noch musste fortan erst verwirklicht und erreicht werden. Alles diente einem Zweck nun und bekam auch seinen Preis. Wahrhaftige, sanfte, aber tiefe Gefühle wichen lauten und spektakulären Gedanken; große Visionen, Pläne, Träume kamen in die Welt, aber Gegenwärtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Vertrauen und Mut starben langsam aus. Und wo sie sich doch noch zeigten, da wurden sie gefeiert und auf die Bühne gezerrt. Alles Echte wurde idealisiert und darin weiter vergeistigt, doch die Menschen spürten sich selbst immer weniger. 
Ihre künstliche Welt drehte sich immer schneller als Scheinwelt unzähliger Gedanken im Kopf. Heuchelei, Hypokrisie, Vorstellungen, Ideale, Werte, Regeln und Gesetze bestimmten da über die Geschickte der Herzen. Die Tugenden selbst wichen Trugbildern, in denen die Jugend heranwuchs; und denen sie zur vermeintlichen Realität geriet. Als die Menschen aus den Tugenden gottgleiche Götzen gemacht hatten, und sie verehrten und anbeteten, da hatten sie endgültig alles Göttliche in sich verloren. Und da wachten sie auf, oft einsam und leer in der Seele, und versuchten nun auch noch mit großer Anstrengung und Absicht wieder absichtslos zu werden; zu fließen, im Augenblick anzukommen und einfach bedingungslos ZU SEIN. Mit Kontrolle und Absicht versuchten sie wieder loszulassen und sich hinzugeben … aber das ist eine andere Geschichte.

»Wo der große Geist verloren ist, da breiten sich Rechtschaffenheit und Heuchelei aus, und da werden Liebe und Treue gepredigt.« – Laozi / Daodejing

Denken in schwarzen Löchern

»Es ist nicht so, dass die Vergangenheit realer wäre als die Zukunft. Wir wissen nur einfach mehr über sie. Eigentlich wissen wir gar nichts wirklich über die Zeit, da bedient sich die Physik auch nur bei den Philosophen. Das einzige was wir bezeugen können, ist die Gegenwart« – frei nach Professor Sean Carroll, Physiker


Ich liebe es wenn Physiker ihre Hosen herunterlassen und auch mal laut aussprechen, dass ihre fundamentalen Grundannahmen selbst ein freidefiniertes – aber doch nur metaphysisches! – Fundament sind, auf dem sie aber all die hohen Gebäude errichten, die sie dann oft „Wahrheit“ nennen. In der Schule hört man sowas nicht, – da lernt man das Wort Zeit, die Uhr zu lesen, das Symbol, die Einheit .. dann wird gerechnet und danach gelebt. Schon der Mathematiker Kurt Gödel, der selbst Einstein beflügelte, bewies die Unbeweisbarkeit der Grundannahmen und Axiome der Mathematik selbst und damit ihre Unvollständigkeit. Ähnliche Ansätze finden sich in der Linguistik, Neuropsychologie und Bewusstseinsforschung. Denken mag sehr nützlich sein, doch Erdachtes selbst ist niemals wirklich: Am Ende wissen wir nichts als das, was wir uns über die Dinge ausdenken und darauf folgend zu stimmigen Versen „zusammenreimen“, die sich an der Wirklichkeit bewähren. Wie ein Text zu einer Melodie eben.

Die Gefahr besteht darin, den Unterschied zwischen der Melodie und unserem Liedertext aus Interpretationen und Ausdeutungen nicht mehr zu erkennen! Wenn es kein Gesang ist, wird die Welt nur mehr eine Welt der Worte und Gedanken .. die Gedanken werden zum Ding an sich, zur Musik, und damit konstruieren sie sich ihre Welt dann selbst. A priori = a posteriori. Dann unterwerfen wir uns dieser Zeit und ihren vermeintlichen Regeln am Ende komplett … und damit den Gedanken. Dann leben wir uns immer mehr in eine selbstgemalte Landkarte hinein, die wir über der Welt ausrollen. Und wo sie ausgerollt ist, ist die Landkarte alle Welt die noch ist. Nichts ist mehr „natürlich“, alles künstlich und erdacht. Das Wort Hölle meinte in seiner ursprünglichen Auslegung übrigens genau das! Und wofür im (Ur)Christentum dann ursprünglich der Teufel bzw. im Buddhismus Mara steht, kann man sich dann auch „denken“.

Jedes Denken und jede Wissenschaft basiert auf Grundannahmen, die in sich selbst nicht beweisbar sind. Jede Logik ist auf sich selbst bezogen und angewendet ein Paradox. Es gleicht dann der Singularität eines Schwarzen Loches … und das ist die Natur eines Paradigmas. Es ist aus sich selbst heraus, mit den eigenen Mitteln nicht zu durchschauen, nicht zu erkennen, und eben nicht zu verlassen. Fällt der Mensch der zu viel denkt erstmal über den Ereignishorizont ganz ins Denken hinein, kommt er mit keiner Methodik des Denkens selbst mehr aus dem Denken heraus. Im Gegenteil, er zieht alle mit hinein, die nicht selbst denken wollen. Doch welche Logik hat die Logik ohne sich selbst? Welchen Sinn macht Sinn ohne den Sinn selbst? Die Logik versucht alles zu erklären, damit sie sich nur selbst nicht in Frage stellen muss. Die Unlogik ist nur ihr Kind … und das geht jetzt wieder spielen – Jeanne

Die Zeit … sie vergeht um eine Sekunde pro Sekunde.
That’s the only rule … Have a good time!

ZEN für den durstigen Fisch

»ZEN für den durstigen Fisch«
Der einzige Altar für das Namenlose mit den vielen Namen, – für das Selbst, das Dao, das Urbewusstsein, das All-Eine, Brahman, Gott … ist ein leerer Altar. Wer könnte das Namenlose und All-Eine denn noch verehren wollen, als verirrte Gedanken allein, die sich gerade darin noch weiter verirren. Auch kümmern das Namenlose keine Gewänder mit bedeutungsvollen Symbolen, und keine klugen oder hohen Worte mehr, – es trägt nichts als sich selbst, und seine Sprache ist das Schweigen, in dem viel zu viel gedacht und gesprochen wird. Wem könnten denn diese Worte und Symbole noch etwas bedeuten, als nur den Gedanken selbst; die sich doch nur durch diese Worte und Symbole überhaupt erst vom Namenlosen getrennt wähnen. Ist es doch alles was sie sind. Abstrakte Vorstellungen. Und im Denken und Sprechen trennen sie nur alles immer weiter von allem. Wer denkt über was nach, wer spricht zu wem, und wer hört zu? Trennung und Verengung, die Natur des Denkens selbst. Das Namenlose hat nichts mehr zu suchen, nichts mehr zu finden, – nichts mehr zu fragen und nichts mehr zu antworten. Alles ist in ihm vereint. Das Namenlose ist alles im Nichts, – wozu also noch einen Altar, wozu sich vor sich selbst verbeugen? … Und wenn du dich mit deinem Namen noch im Namenlosen suchst, dann setze dich einfach in den leeren Schrank zu ihm, in dem die heiligsten Bücher nachts wieder weggeschlossen werden. Worte und Bücher verkomplizieren nur alles. Denken ist nicht wissen! Das denken nur Gedanken die nicht wissen. Die Wahrheit ist in jeder leeren Seite zu erfahren, der Gedanken keine Beachtung schenken. In jedem Raum zwischen den Buchstaben wartet sie, bis die Gedanken sie auch dort erblicken und beGREIFEN wollen; dann verbirgt sie sich sogleich. Nur mit den Augen zu schauen bedeutet für alles andere blind zu sein. Etwas zu verstehen bedeutet gleichsam alles andere zu vergessen. Irgendwo ankommen zu wollen, bedeutet alles andere zurückzulassen. – Jeanne, die mit dem schönen Namen
»Unsinn für den hungrigen Fisch«

Du wirst niemals ..

Ich fühle alles so intensiv

Also leide ich auch

Oft auf unvorstellbare Weise

Und ich ziehe in Kriege

Von denen du niemals hören wirst

Ich kämpfe für Gefühle

Und ich ringe mit Gefühlen

Die du niemals fühlen wirst

Ich habe Dinge erfahren und erlebt

Die dir niemals widerfahren werden

Also hör auf, hör endlich auf damit!

Hör auf zu sagen:„Sei einfach glücklich!“

Glück für mich heißt, am Leben zu sein

Noch immer am Leben, wirklich am Leben

Und ich bin so viel lebendiger

als eintausend glückliche Menschen
Und hör auf zu sagen, ich soll weniger denken

und einfach andere Gefühle fühlen

Fühl nur die Hälfte dessen, was ich fühle

Ohne dabei deinen Verstand zu verlieren

Dann erst wirst du verstehn!


Ruhe!

Meine gegenwärtige Situation, dass ich einfach alles fließen lasse, damit ich selbst endlich wieder ganz fließen kann, lässt sich an folgendem Beispiel wunderbar verdeutlichen. Ich notiere mir zwei Sachen auf dem Einkaufszettel: Tabak und Zahncreme. Und dann denke ich mir noch: ‚Ach was, wenn der Tabak leer ist, dann hör ich halt auch noch auf zu rauchen.‘ Und dann geh ich zum Briefkasten, und was ist drin: Eine Tube Zahncreme … so ein mittelgroßes Testpäckchen. So in etwa, jeder Tag! Es funktioniert mit Zahncreme, und sogar mit Menschen! – es findet uns, was zu uns gehört, wenn wir uns diesem Vertrauen nur immer weiter öffnen; und es findet uns auf Wegen, die wir mit der Vorstellung nicht erwartet hätten. Und das macht das Sein wieder zum Wunder, zum Unvorgestellten! Und das steht im Kontrast zu allem, wirklich allem, was ich gelernt habe und für „vernünftig“ halte. Denn alles in dieser Welt hat doch einen Preis, nicht wahr? Und alles von Wert kostet große Mühe und Anstrengung … und so mühen wir uns ein Leben lang, wenn es oft auch nur darum geht, bloß nichts wieder zu verlieren. Dabei würde uns alles Wesentliche in jedem Augenblick neu geschenkt, wenn wir doch nur …
… und schon der Buddha mahnte uns, dass wir nur leiden würden, weil wir etwas anderes begehren, als das, was einfach sein will, und was stets rein und vollkommen wäre.

Die Ironie nun aber ist, um dorthin zurückzugelangen, musst du nun auch erstmal alles gegeben haben, irgendwo, irgendwie. So wie Siddhartha sich da selbst erstmal gegen jede Vernunft und fast zu Tode mühen musste, weil er an die Erleuchtung und Buddhaschaft glaubte. Und dann macht sogar dieser Satz in der Bibel Sinn, wo Gott nur die suchst, die ihn mit aller Anstrengung suchen. Nicht die, die nur an ihn glauben, und sich dann in materielle Sicherheiten flüchten. Es ist nämlich der Weg zurück von einem Irrweg, den wir nur alleine zu Ende gehen können, weil wir ihn auch allein begonnen haben. Zurück ins Vertrauen, zu Gott und zurück zu uns selbst finden wir nur, indem wir diesen Irrweg gegen alle existenziellen Ängste und Zweifel auch zu Ende gehen; und es ist egal für welchen Weg wir uns entschieden haben…. und woran wir da nun glauben, ob an profunde Ziele oder an Gott oder gar an die große Erleuchtung. Auf dem Weg selbst wird aus Zweifel dann Vertrauen … und aus Vertrauen wieder Gewissheit. Und was wir dann finden, dafür findet sich kein Wort mehr. Es ist einfach wieder „DAS“, was wirklich ist und was wir wirklich sind, – und es ist nichts mehr von dem, was wir da denken. Egal wie viel und wie „groß“ wir denken.

Ich habe einen Zustand erreicht, in dem es mir völlig egal ist, was ich an materiellen Dingen und „von mir“ noch verlieren könnte. Und was man wirklich braucht und will, mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf!, das findet einen. Es ist irre, wie frei das macht, und dass es umso besser funktioniert, je mehr das Vertrauen zur Gewissheit wächst. Und man kann das nicht erzwingen, es ist eine Konsequenz, es wird eine Tugend, die man auf dem Weg erlangt, – und das braucht auch die Zeit, die du brauchst, damit der Mut wächst. Denn das allein ist Mut! – mit aller Kraft vertrauen, wo du noch keine Gewissheit hast! Das ist kein moderner Trend zum Minimalismus und kein bequemer „Ab heute vertraue ich auf Gott“-Vorsatz und kein „Alles ist schon erleuchtet“-Gequatsche. Es ist einfach nur so wie es jetzt ist, – nur in der Erfahrung selbst! – und die nimmst du dann an. Allein das spült dich auf deinen Weg … ein Weg, der mir vor einem Jahr als Kontrollfreak noch allergrößte Panik gemacht hätte. Davon zu träumen ist das eine, aber dann wirklich zu fließen und in allem zu „sein“ … es ist der Untergang einer kompletten Scheinwelt im Kopf, die mein Leben und die ich selbst geworden war. Es kam fast einem Sterben nahe, um endlich das Wunder des Lebens und der Schöpfung wirklich wieder erfahren zu können. Es auch als mein Wunder erfahren zu können.

Als ich völlig allein auf dem Atlantik damals Thor Heyerdahl las, hatte ich ihn noch nicht ganz verstanden, was er da über das Vertrauen schrieb, als er ebenfalls mit seinem Floß über den Pazifik trieb. Aber ich begann zu ahnen, und selbst zu erleben. Er begriff zutiefst, dass selbst auf dem Meer alles zu dir findet, wenn du es kommen lässt, wenn du wirklich vertraust, und nicht zweifelst oder nur hoffst. Das ist dann Gewissheit, und was erstmal gewiss ist, ist dann wahr und da. Alles was uns von allem trennt, ist nur der Zweifel und die Zeit … und das ist auch alles, was uns von Gott trennt, und damit von uns selbst.

Was lebst du denn noch wie ein Bettler! Hast du denn vergessen, dass du ein Teil Gottes bist? Oder lies eben eine schlecht übersetze Ausgabe der Bibel, und dann sei eben auch nur ein Kind Gottes, das wäre doch ebenfalls schon genug um nicht mehr zu betteln und dich zu fürchten.

»Die Apostel mühen sich ab, das Boot unter Kontrolle zu halten, und nutzen ihre ganze Erfahrung, um es sicher durch den Sturm zu bringen. Aber es ist aussichtslos! Den Tod vor Augen wecken sie Jesus und flehen: „Herr, rette uns, wir sterben!“ (Matthäus 8:25). Da fragt Jesus: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr so wenig Glauben?“ Dann spricht er ein Machtwort zu dem Wind und befiehlt dem See: „Ruhe!“«

Und damit gebe ich auch schon wieder zurück an Facebook und seine Masterclass- und Webinar-Wunderwelten zum Thema „Netzwerk-Marketing“ und „Mit Daytrading zum Millionär“. Schönen Abend euch. – Jeanne via Facebook

Musik beim Schreiben:

Mit jedem Schritt

Eigentlich hatte ich alles im Leben. Verlobungsringe, reichlich Fame und Funk, viele Garantien und Sicherheiten, Geld und Aktien, Traumjob, großes Haus, Weltrekorde, Bestseller … Und gewiss hätte ich noch viel mehr davon haben können. Vor mir lagen so unglaublich außergewöhnliche Chancen. Aber alle hab ich in den Sand gesetzt Veni, vidi, violini – ich kam, sah und vergeigte eben. Nur weil mein Herz einfach keine Ruhe fand und stets weiter drängte; weil alles zwar oft sehr groß war, aber doch nicht meins; weil es mich eher verdrehte und nach unten verbog, mich kleiner und unauthentischer machte, oft lange kaum spürbar allerdings. Und so packte ich meine alte Gitarre wieder ein und folgte meinem Herzen, oft gegen jede Vernunft und gegen die allergrößten Widerstände und Hoffnungen. Auch in so manchen bodenlosen Abgrund hinein, – in lange, stockdunkle und hoffnungslose Nächte.

Jetzt habe ich nichts mehr, außer mich selbst und mein tollkühnes Herz, – weit wie die Welt, offen wie ein Scheunentor… und darin: Gott selbst und ein paar Menschen, für die das schon alles sehr richtig so ist, für die ich richtig so bin, und wirklich nah und groß. Vor mir liegt mal wieder nichts als der Horizont, und er erwartet meinen nächsten Schritt. Der Zauber, der jedem Anfang inne wohnt, er wohnt nun jedem meiner Schritte inne, wo ich nur wahrhaftig und aufrecht schreite. Und das ist alles. Nichts bleibt, alles fließt und ist bis zum Loslassen einfach nur so, wie es hier und jetzt eben ist. Aber im Augenblick dann ist es ganz und vollkommen. Und ich wurzle nirgendwo mehr, außer in mir selbst und damit auch in Gott, und in den Menschen, die ebenfalls in sich und damit in Gott wurzeln. Damit verwurzeln wir uns miteinander, ohne uns zu fesseln. Uns gehört nur der Horizont, und alles Verborgene dahinter. Hier gehört uns nichts mehr, hier sind wir nur mehr Gäste, und alles ist uns nur in jedem Augenblick neu geschenkt. Was kommt, kommt ganz; was geht, das geht für immer. Wer sich daran klammert, der klammert sich an nichts; und irgendwann klammert das Nichts dann zurück. Und wenn ich eines gelernt habe im Leben, dann das: Menschen, die das Nichts schon in den Armen hält, die reißen jeden mit sich, den sie da irgendwie noch zu fassen bekommen. Und alles was uns warnen kann… ist unser Herz. Habt Mut und hört es wieder schlagen!

Der Schauspieler Jim Carrey wünschte uns allen einmal, dass wir uns alle unsere Wünsche, und Träume erfüllen könnten, alles besitzen, alle unsere Ziele erreichen und allen Erfolg dieser Welt hätten, damit wir endlich mit eigenen Augen erkennen würden, dass das allein die Antwort nicht ist. Recht hatte er! — Jeanne via Facebook

Musik beim Schreiben: