Krieg und Frieden

Du glaubst, mich kümmern nur deine großen Erfolge, – die Siege, die du in den Schlachten des Lebens errungen hast? Nein, mich kümmern vor allem deine schrecklichsten Niederlagen! Ich will von den Schlachten hören, die du hoffnungslos verloren hast. Nur darin kann ich begreifen, was du bürdest und trägst und wer du wirklich bist. Wie du im Angesicht völliger Machtlosigkeit nicht zerbrochen bist; wie du dir deine Seele und dein Herz bewahrt hast, wie du wieder aufstehen und damit weiterleben konntest, das will ich wissen! Auch deine Waffen und Rüstungen interessieren mich nicht! Ich will nicht wissen, was du nun alles weißt oder besitzt, – ich will das erfahren, auf das du noch immer keine Antwort kennst; ich will dass du mir zeigst, was du verloren hast. Was ist denn all das wert, was du erreicht hast – wie kannst du all das schätzen – wenn du nicht ebenso viel verloren weißt?! Also sprich nicht so viel von deinen Siegen, öffne mir lieber dein Herz und gewinne damit meines; zeige mir all die klaffenden Wunden, die womöglich niemals verheilen; lass mich fühlen, was du allein nicht fühlen willst; offenbare mir deine Seele, teile deine Furcht und deine Tränen mit mir. Nur dann vermag ich mich in dir zu erkennen. Und nur dann erkennst du dich auch in mir. Und wenn wir dann, gemeinsam, aus tiefstem Herzen schweigen oder lachen, dann ist uns dieser Friede im Augenblick auch heiliger als jeder große Sieg in der Zukunft oder Vergangenheit. Ist doch alles andere als die Wahrhaftigkeit der Liebe am Ende ohnehin verloren. — jj. #mitternachtspoesie

„Die Menschen können dir nur so tief begegnen, wie sie sich selbst begegnet sind.“ – Verfasser unbekannt

Leicht wie eine Feder

Der Weg nach Hause ist
beschwerlich und schmal.
Nichts anderes passt hindurch,
als man selbst, und das,
was man gerade am Leibe trägt.
Demut, Vertrauen und Hingabe,
das darf der Geist hier lernen;
kann doch die nackte Seele
auf ihren letzten Metern
nichts mehr mitnehmen.
Wo der Mensch auf diesem Weg
nichts mehr tragen kann,
als sich selbst, erst da vermag
er loszulassen. Und siehe da!,
seine Seele wird emporgehoben.
Gewiss, es gibt andere Wege,
sicher, bequem und breit, –
alles darf man hier mitnehmen.
Und was man selbst nicht tragen
kann, das tragen andere Menschen
auf ihren gebrochenen Schultern.
Nur stehenbleiben darf man nie,
fällt doch die Seele dann,
mit all den vergänglichen Dingen,
zurück ins ewige Nichts. — jj.

Durch alle Wände

Die Liebe findet immer einen Weg!
Sie schleicht vorbei an Türen und an Toren,
und findet auch den kleinsten Spalt.
Und ist das Herz auch fast erfroren,
ihr war noch nie ein Herz zu kalt.
Sie geht durch Mauern und durch Wände,
und schwebt noch über jeden Zaun;
nur um doch am Ende,
ihr Haus in jedem Herz zu baun.

Unveröffentlichtes

Wie neu geboren;
als träfe mein Blick
zum ersten Mal auf die Welt.
Und als müsste ich wieder
das Sprechen lernen;
weil mir die Worte fehlen,
um das zu beschreiben.
Alles ist vollendet, wahrlich alles,
einfach indem es nun ist, wie es ist.
Es zerreißt mich zwischen den Wellen,
die aus meinem Herzen strömen.
Tränenbäche brechen heraus,
aus jedem Riss meiner Fassaden.
Und ich kann es nicht verstehen.
Ich kann es einfach nicht verstehen!
Unvorstellbar. Unfassbar. Unbegreiflich.
Da ist nichts zu verstehen;
da ist nur das Erfahren
oder das Verstehen.
Zwei Weltenreiche.
Und in keinem war ich
wirklich jemals lebendig …
Nur eine halbtote Bettlerin,
die sich als Königin wähnte.
Doch ihr Königreich war nur ein Traum;
Angst, das war ihr wahrer Meister,
mit ihren eintausend falschen Gesichtern.

– – – –

In meiner dunkelsten Stunde,
als die letzte Kerze verlosch,
da wusste ich dass du kommst.
Und du kamst.
Keine Sekunde zu früh.
Keine Sekunde zu spät.
Kann so einer Dunkelheit
doch nichts anderes nachfolgen,
als ein derart helles Licht.
Vertrauen ist Frieden!
Und dann findet uns alles,
obgleich alles verloren scheint.
Was immer uns begegnet,
das tragen wir in uns selbst.
In der Dunkelheit bringen wir
es zur Welt. Im Lichte dann
können wir es erkennen.

– – – – –

Die Wahrheit?
Wenn du an der Kante stehst,
vor dir nichts als der Abgrund,
hinter dir das weite Land
der unerfüllten Hoffnungen,
dort, genau dort findest du sie.
Wenn alles verloren scheint,
du dich aber nicht umwendest,
du alles loslässt, dich hingibst,
den Fuß ins Nichts setzt,
und beherzt hineinschaust,
in die vermeintliche Finsternis,
ins Auge deiner größten Furcht,
ins Antlitz der Ent-Täuschung,
dort wartet die Wahrheit auf dich.
Nur dort!
Letztlich ist die Wahrheit
nur ein anders Wort für Mut.
Wenn dir die Dunkelheit
zum inneren Licht gerät,
weil du dein Licht hineinträgst,
dann wachst du auf,
dann verstehst du,
dann macht sie dich frei.

Wo Vertrauen ist, da ist ein Weg, den kein Zweifel jemals erblicken kann.

Gute Reise!

Es ist völlig unmöglich, den Verstand mit Absicht oder Gedankenkraft zu kontrollieren oder zu überlisten. Denkst du auch um zehn Ecken herum, so wartet er dort schon auf dich, raucht inzwischen seine Zigarette. Und machst du ihm die Türe zu, dann kommt er durchs Fenster wieder rein. Wie ein Schachspieler, der jeden einzelnen deiner Züge im Voraus weiß, so kannst du dieses Spiel niemals und unmöglich gewinnen. Du kämpfst mit seinen Waffen doch nur gegen dich selbst. Und er wächst daran. Aber er wird dich stets hoffen lassen, auf einen letzten Sieg, – auf Freiheit, Glück und auf die Antwort aller Antworten; nur damit du weiter mit ihm spielst… weiter in Gedanken lebst und atmest. Immer wieder wird er dich feiern und loben, damit du weitermachst, und nie erkennst, wie er sich kleingeistig alles klein denkt, um es dann künstlich aufblasen zu können. So wie sich und dich! Und so läuft deine Uhr herunter, bis am Ende alles verloren ist. Für dich jedenfalls, oh Menschenseele! Das Wissen der Welt aber bedankt sich, für deine Lebenszeit und deine Energie. „Vielen Dank, dass Sie stets im Kopf gereist sind. Auf Wiedersehen!“ Das Wissen wird einfach mit denen weiterspielen, die dir nachfolgen, und denen du die Regeln des „rechten Denkens“ erklärt hast, so wie sie dir dereinst erklärt wurden. Für den Geist ist alles austauschbar. Auch du. Geht es doch nur um Gedanken. Wo der Verstand kein Diener mehr ist, da macht er sich die Seelen zum Knecht. Das Unvorstellbare aber vermag er sich nicht vorzustellen; die Angst ist seine rechte Hand, so wird er das Unergründliche niemals ergründen – das aber ist deine wahre Natur! Dieses Spiel kannst du nicht gewinnen. Und du gewinnst es womöglich doch, wenn du begreifst, dass es nie ein Spiel war, dass es tatsächlich um alles und um deine Seele ging, und du endlich nicht mehr mitspielst.

Wer zur höchsten Wahrheit gelangen will, zum vollkommenen Sein, der muss im Geist alles Vorstellbare und Vergängliche loslassen: Alles was er erwartet, was geschehen ist,und alles was er ist und besitzt. Es gibt keinen anderen Weg. Gedanken sind wie ein Nebel, in dem der Mensch wandelt. Ihr Lärm macht ihn taub für die Klarheit und Stille; ihr heller Schein macht ihn für das wahre Licht blind.

Auf halbem Weg

Was du suchst, das sucht auch dich, so heißt es.
Nur müsse man Gott auf halbem Wege entgegenkommen,
ermahnte uns Jesus. Doch wie genau tut man das?
Etwa indem man Gutes tut, gleich einer Mutter Teresa;
die am Ende eines Lebens voller guter Absichten
doch bitterböse und enttäuschte Briefe an Gott schrieb?
Wo wahrhaft Gutes getan wird, bedingungslos,
als Tugend des Herzens, da wirkt Gott bereits in uns.
Doch wo der Geist danach strebt, das Richtige zu tun,
da hat alles seinen Grund und seinen Zweck.
Da handelt er bedingt und entfernt sich genau darin
immer weiter von Gott, der Liebe und aller Tugend.
Wer nur Gutes tut, um gutes Karma anzuhäufen,
dem wird dafür gutes Karma abgezogen,

dieser Satz fasst es ganz wunderbar zusammen.
Wer nur handelt und wirkt, um dem Licht näher zu sein,
der wandelt in einem Schein, der die Dunkelheit verbirgt.
Wer nur ins Leuchten strebt, ohne auch in die Dunkelheit
zu schauen, der bleibt für das wahre Licht ewig blind.
Wo der große Geist, das Dao, verloren ist,
da machen sich Rechtschaffenheit und Heuchelei breit
,
das gab uns Laotse im Daodejing mit auf den Weg …
Da würden Liebe und Menschensinn nur mehr gepredigt.
Wie also kommt man Gott auf halbem Wege entgegen?
Nur indem man sich seine Schatten bewusst macht!
Indem das Wissen solange um Wissen ringt,
bis es erkennen will, dass es überhaupt nichts weiß.
Indem der Wille solange nach Kontrolle und Macht strebt,
bis er erkennen will, dass er absolut machtlos ist.
Dann erst erlangt der Mensch wirkliche Weisheit
und gelangt in den unbändigen Strom der Tugend.
Dann ist er wieder in Gott, so wie Gott in ihm ist.
Dann erst begreift der Mensch, dass gut gemeint
noch lange nicht gut ist; und dass Gottes Maß
jenseits des irdischen Richtig und Falsch angelegt wird.
Wenn das Kartenhaus des kleinen Geistes zusammenfällt,
dann erst ist der halbe Weg zum großen Geist gegangen.
Dafür braucht es den ganzen Mut und größte Ehrlichkeit,
seinen Schatten und Verfehlungen mitfühlend zu begegnen,
und ebenso viele große Enttäuschungen zu erfahren.
Denn nur sie sind das Ende jeder Täuschung …
und damit der Beginn der Wahrhaftigkeit.

Die Welt in der Welt

Der nur scheinbar einzige Weg in dieser Welt erfüllt und frei zu sein, ist Egoismus. Das Herz schließen vor all dem Leid auf dem Planeten, in einer kleinen hübschen Weltenblase leben, aus der heraus man sich aber natürlich über das Unrecht auf Erden empört. Vielleicht fliegt man zusammen mit Gleichgesinnten, und schaut einfach, dass man möglichst alle Stromschnellen im Fluss des Lebens zügig überwindet. Und stets neue Ziele und Wünsche am Horizont sind wichtig, Bewegung oder Ablenkung, denn wer nach vorne oder nach hinten schaut, der muss sich nicht wirklich umsehen, und vor allem nicht stehen bleiben und den Weg hinterfragen. Bis dieser Fluss irgendwann dennoch im Nichts mündet, an das man besser gar nicht denken will. Dieses Glück bedingt immer ein Unglück an anderer Stelle und für andere Menschen, – dieses Glück bedeutet auch immer eine Abhängigkeit von günstigen äußeren Umständen und Privilegien. Wer das alles verliert, verliert sich dann selbst. Dieses Glück ist nur ein Schein und ein Gefängnis. In diese Blase gelangt nur äußerst selten ein wirkliches Licht, dem auch die Seele zurück in wahrhaftige Freiheit und Erfüllung folgen kann.

Trugbilder der Tugend

Als die menschlichen Tugenden verloren gingen, und als die Herzen immer seltener die Sprache der Bedingungslosigkeit sprachen, da begannen die Menschen mit bedingten Gedanken nach Tugenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Güte zu streben. Rechtschaffend wollten sie sein, stets das Rechte und Richtige denken, fühlen und tun. Damit war auch erst das Falsche und Unrechte geboren. Mit Ratio, Logik und vermeintlicher Vernunft rangen sie fortan um die natürlichsten Dinge, so wie Liebe, Treue, Freiheit, Achtung und Mitgefühl, – die Tugend bekam einen nachvollziehbaren Grund, machte nun Sinn und wurde zum großen Ziel erklärt. Das Selbstverständlichste der Welt noch musste fortan erst verwirklicht und erreicht werden. Alles diente einem Zweck nun und bekam auch seinen Preis. Wahrhaftige, sanfte, aber tiefe Gefühle wichen lauten und spektakulären Gedanken; große Visionen, Pläne, Träume kamen in die Welt, aber Gegenwärtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Vertrauen und Mut starben langsam aus. Und wo sie sich doch noch zeigten, da wurden sie gefeiert und auf die Bühne gezerrt. Alles Echte wurde idealisiert und darin weiter vergeistigt, doch die Menschen spürten sich selbst immer weniger. 
Ihre künstliche Welt drehte sich immer schneller als Scheinwelt unzähliger Gedanken im Kopf. Heuchelei, Hypokrisie, Vorstellungen, Ideale, Werte, Regeln und Gesetze bestimmten da über die Geschickte der Herzen. Die Tugenden selbst wichen Trugbildern, in denen die Jugend heranwuchs; und denen sie zur vermeintlichen Realität geriet. Als die Menschen aus den Tugenden gottgleiche Götzen gemacht hatten, und sie verehrten und anbeteten, da hatten sie endgültig alles Göttliche in sich verloren. Und da wachten sie auf, oft einsam und leer in der Seele, und versuchten nun auch noch mit großer Anstrengung und Absicht wieder absichtslos zu werden; zu fließen, im Augenblick anzukommen und einfach bedingungslos ZU SEIN. Mit Kontrolle und Absicht versuchten sie wieder loszulassen und sich hinzugeben … aber das ist eine andere Geschichte.

»Wo der große Geist verloren ist, da breiten sich Rechtschaffenheit und Heuchelei aus, und da werden Liebe und Treue gepredigt.« – Laozi / Daodejing

Du wirst niemals ..

Ich fühle alles so intensiv

Also leide ich auch

Oft auf unvorstellbare Weise

Und ich ziehe in Kriege

Von denen du niemals hören wirst

Ich kämpfe für Gefühle

Und ich ringe mit Gefühlen

Die du niemals fühlen wirst

Ich habe Dinge erfahren und erlebt

Die dir niemals widerfahren werden

Also hör auf, hör endlich auf damit!

Hör auf zu sagen:„Sei einfach glücklich!“

Glück für mich heißt, am Leben zu sein

Noch immer am Leben, wirklich am Leben

Und ich bin so viel lebendiger

als eintausend glückliche Menschen
Und hör auf zu sagen, ich soll weniger denken

und einfach andere Gefühle fühlen

Fühl nur die Hälfte dessen, was ich fühle

Ohne dabei deinen Verstand zu verlieren

Dann erst wirst du verstehn!


Mit jedem Schritt

Eigentlich hatte ich alles im Leben. Verlobungsringe, reichlich Fame und Funk, viele Garantien und Sicherheiten, Geld und Aktien, Traumjob, großes Haus, Weltrekorde, Bestseller … Und gewiss hätte ich noch viel mehr davon haben können. Vor mir lagen so unglaublich außergewöhnliche Chancen. Aber alle hab ich in den Sand gesetzt Veni, vidi, violini – ich kam, sah und vergeigte eben. Nur weil mein Herz einfach keine Ruhe fand und stets weiter drängte; weil alles zwar oft sehr groß war, aber doch nicht meins; weil es mich eher verdrehte und nach unten verbog, mich kleiner und unauthentischer machte, oft lange kaum spürbar allerdings. Und so packte ich meine alte Gitarre wieder ein und folgte meinem Herzen, oft gegen jede Vernunft und gegen die allergrößten Widerstände und Hoffnungen. Auch in so manchen bodenlosen Abgrund hinein, – in lange, stockdunkle und hoffnungslose Nächte.

Jetzt habe ich nichts mehr, außer mich selbst und mein tollkühnes Herz, – weit wie die Welt, offen wie ein Scheunentor… und darin: Gott selbst und ein paar Menschen, für die das schon alles sehr richtig so ist, für die ich richtig so bin, und wirklich nah und groß. Vor mir liegt mal wieder nichts als der Horizont, und er erwartet meinen nächsten Schritt. Der Zauber, der jedem Anfang inne wohnt, er wohnt nun jedem meiner Schritte inne, wo ich nur wahrhaftig und aufrecht schreite. Und das ist alles. Nichts bleibt, alles fließt und ist bis zum Loslassen einfach nur so, wie es hier und jetzt eben ist. Aber im Augenblick dann ist es ganz und vollkommen. Und ich wurzle nirgendwo mehr, außer in mir selbst und damit auch in Gott, und in den Menschen, die ebenfalls in sich und damit in Gott wurzeln. Damit verwurzeln wir uns miteinander, ohne uns zu fesseln. Uns gehört nur der Horizont, und alles Verborgene dahinter. Hier gehört uns nichts mehr, hier sind wir nur mehr Gäste, und alles ist uns nur in jedem Augenblick neu geschenkt. Was kommt, kommt ganz; was geht, das geht für immer. Wer sich daran klammert, der klammert sich an nichts; und irgendwann klammert das Nichts dann zurück. Und wenn ich eines gelernt habe im Leben, dann das: Menschen, die das Nichts schon in den Armen hält, die reißen jeden mit sich, den sie da irgendwie noch zu fassen bekommen. Und alles was uns warnen kann… ist unser Herz. Habt Mut und hört es wieder schlagen!

Der Schauspieler Jim Carrey wünschte uns allen einmal, dass wir uns alle unsere Wünsche, und Träume erfüllen könnten, alles besitzen, alle unsere Ziele erreichen und allen Erfolg dieser Welt hätten, damit wir endlich mit eigenen Augen erkennen würden, dass das allein die Antwort nicht ist. Recht hatte er! — Jeanne via Facebook

Musik beim Schreiben: