Weniger oder mehr

Das Leben kennt zwei Richtungen und wir können nicht gleichzeitig in beide Richtungen streben, denn dann droht es uns zu zerreißen. Wenn mir meine schweren Krisen eines beigebracht haben bisher, dann das: Entweder wir lassen uns auf wenige Dinge wirklich ganz ein, denen wir Aufmerksamkeit, Bedeutung und damit Sinn geben ODER wir zerstreuen uns im Unendlichen der Möglichkeiten und hoffen, dass wir darin irgendwann einen Sinn finden werden. Weniger oder mehr. Das ist alles. Wir haben die Wahl uns auf das Wesentliche tief einzulassen oder auf das unendlich Unwesentliche nur oberflächlich. Der Sinn den wir finden ist nur der Sinn den wir allem geben. Letztlich begegnet uns immer nur das, was wir selbst hineinlegen. Es spielt dabei keine Rolle, was uns wichtig ist und woran wir glauben, aber unsere Überzeugungen sind am Ende alles was wir sind. Und wer an nichts wirklich mehr glaubt und sich auf nicht mehr richtig einlässt, der hat sich schon verloren.

ɯɐsıǝʍZ / Einsam

Die Liebe ist so ganz anders!
Dank dir weiß ich nun sicher
Dass es wirkliches Miteinander nicht gibt
Dass alle gleichsam einsam hier wandeln
Einsame Menschen reden sich leicht ein
Dass Zweisamkeit wahren Frieden bedeutet
Wenn du neben mir liegst, spüre ich

Überhaupt nichts mehr davon
Kommen wir uns nahe, vermisse ich rasch
Einklang, Vertrauen und mich selbst wieder
In deiner Seele, in deinem Wesen finde ich
keinen Halt und keine Geborgenheit mehr
Fallen wir, suchen wir im Dinglichen allein
Fallschirme und Rettungsanker füreinander
In den Ängsten und Krisen erleben wir uns als
Verbunden und miteinander verflochten
Das ist unsere Liebe, das sind Wir!


(nun lies die Zeilen rückwärts)

– Janice Jakait / 28.9.18 (inspiriert von A. Shoaib)

Ich wähnte mich frei …

Wo der dunkle Vorhang nun fällt,
der mich von der Wahrheit trennt,
da muss meine Seele bereit sein,
auf eigenen Beinen zu stehen.
Die dunklen Schnüre an meinem Leib,
die bisher unbemerkt meine Glieder

und meine Gedanken geführt haben, –
in diesem Licht nun werden sie sichtbar.
An jedem seidenen Faden scheint mein
ganzes kostbares Leben zu hängen, –
und doch entpuppt sich jeder Faden
als eine einzige große Lüge.
Ich schneide sie durch, und es schmerzt auch,
als würde ich mir die Glieder selbst abtrennen.
Wie bequem es doch immer war,
einfach nur an Schnüren zu hängen.
Fortan trägt mich nichts mehr.
Und niemand trägt mich mehr.
Ich lasse alles los und alles zurück,
auf dass die Seele leicht genug wird,
um in dieses Licht, in Gott einzugehen.
Alles andere vergeht und versinkt nur
in der ewigen Dunkelheit.
Es gibt keinen anderen Weg! –
Ich bin bereit, ihn ganz zu gehen.

j.j.

Phönix IN der Asche

Weise ist, wer sich aus ungesunden und toxischen Umständen löst und seinen Weg geht. Naiv hingegen ist der, der versucht darin zu überleben oder gar noch daran zu wachsen, indem er diese Umstände für große Lektionen hält. Es gibt keine Lektionen, nur Ausreden und verlorene Lebenszeit. Auf Asche wächst nichts, man muss ihr entsteigen.

Niemals lass dein Glück zurück!

Lasse niemals dein Glück
für das Glück zurück,
das andere dir versprechen.
Es scheint das gleiche Glück.
Doch das ist es nicht.
Es ist nicht von Dauer,
wenn es nicht deiner
eigenen Quelle entspringt.
Die, die dich beglücken wollen,
gewöhnlich brauchen sie dich.
Und die, die nichts brauchen,
die wollen dich meist nicht.
Dem einen stopfst du die Leere,
doch es gibt ihm keinen Sinn. –
Dem anderen bist du Luft,
er atmet dich dahin.
Lasse niemals dein Glück
achtlos hinter dir zurück.
Für niemanden.
Hörst du!

#janices5cents

Virtuelle Superhelden …

༄ Bedrohte Arten, viele Millionen,
und wir verfassen Petitionen.
Doch kaum geteilt und formuliert,
der nächste Wald, schwups wegrasiert!
Der Müll im Meer dreht seine Bahn,
online-shoppen, wie im Wahn.
Containerschiffe, Umweltzonen,
bedrohte Menschen, viele Millionen.
Finger, die auf Tasten schlagen,
sich nicht an andere Hände wagen.
Zimmer ohne Sonnenlicht .
Die Herzen zu, die Ohren dicht.
Virtuelle Superhelden,
in virtuellen Superwelten.
༄ In Brüssel wird das Netz zensiert,
egal, solange es noch funktioniert.
Sonst Fernsehen eben, in HD,
die Welt dreht sich zu schnell, ohje!
In Talkshows wird durchaus gestritten,
jedes Thema durchgeritten, –
nur Probleme gibt es viel zu viele,
und genauso viele Handy-Spiele.
༄ Das Klima kriegt die Wechseljahre,
unser Hauptproblem sind graue Haare, –
Daumen Hoch im Badespiegel,
wir färben ja mit Öko-Siegel!
Wir pinseln gegen den Verfall,
die Zukunft droht mit großem Knall.
Ein bisschen Yoga hier und dort,
wir transzendieren uns hinfort
von Burnout, Depression, Demenz
und Bluthochdruck mit Impotenz.
༄ Nur die Nazis stehen draußen …
in Chemnitz, Gera, Sangerhausen.
Sie drehen Tag für Tag, – Viel Glück! –
die Zeit zum letzten großen Knall zurück.
Der Staat, mit seinen (Klima)Gesetzen,
versagt, und lässt die Rechten hetzen.
Aber fünf Aktivisten auf bedrohten Bäumen,
ja!, die muss er von den Bäumen räumen!

** Virtuelle Superhelden ** // Janice Jakait // 2018

#kann_man_noch_teilen

Mutter Erde hat uns übrigens entfreundet bei Facebook. Unsere Postings kümmern sie nicht mehr. Sie zieht jetzt ihr eigenes Ding durch.

Tosende Stille …

Jede spirituelle Ideologie oder Lehre ist am Ende auch nichts anderes, als der Versuch, mit absolut nichts in einer leeren Faust, die Neugier eines Kindes zu fesseln. Am Ende muss es den Bluff leider erkennen, – die Enttäuschung wird umso größer sein, je mehr es sich in der Faust erhofft hat.

Es gibt keine Antworten und keine Wahrheit, keine Erklärung für DAS HIER. Die Erklärungen sind alles, was uns vom Unbegreiflichen, – in diesem Sinne von „Gott“, vom So-Sein trennt. Die Gedanken sind es, die uns in einer Parallelwelt im Kopf drehen lassen, in einer Welt, die nur mehr das Echo der Wirklichkeit ist und in der wir uns höllisch verzetteln und verlieren.

Nichts ist kompliziert oder schwierig, nichts ist richtig oder falsch, wenn es einfach nur so ist, wie es ist.

Buddha mahnte, dass am Ende des Weges auch seine Lehren vergessen werden müssen. Die Bibel spricht vom Himmelreich für die, die wieder wie die Kinder werden. Die Hinduisten und Taoisten sprechen von Brahman oder vom Dao, das man nicht verstanden hat, wenn man glaubt es zu verstehen.

Sieben Jahre lang dachte ich, ich habe etwas verstanden. In Momenten durfte ich „vergessen“, nur um es danach umso mehr verstehen und erklären zu wollen. „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7,3)

DIE EINZIGE ANTWORT IST STILLE.

… in der das „göttliche“ Tosen der Schöpfung einfach nur erfahren werden kann. Mehr nicht, und doch ist es alles.

Der Weg zurück in diese Stille, der Weg vom Kopf zurück ins Herz, ist der wohl schwerste Weg für uns Menschen. Es ist ein Weg nah am Wahnsinn gebaut. Weil er im Gegensatz zum Sterben bedeutet, erst einmal alles, wirklich alles an das wir geglaubt haben zurückzulassen, und doch damit weiterleben zu müssen. Aber dieses Nichts in das man dann hineinzufallen meint, entpuppt sich als die allergrößte Lüge, der wir aufgesessen sind.

Paul Brunton sprach vom langen und vom kurzen Weg. Der lange Weg, ein [notwendiger] „Irrweg“ auf dem wir uns mit aller „Macht“ des Egos selbst erkennen wollen, durch tausende von Techniken und Methoden, – auf dem wir aber letztlich scheitern müssen. Erst die „Dunkle Nacht der Seele“, wie Johannes vom Kreuz es bezeichnete, zwingt uns am Ende dieses Weges zur Selbstaufgabe (aller Lügen und [Selbst]Bilder). Erst muss sterben, was wir glauben was wir sind, damit das leben kann, was wir wirklich sind.
Dann beginnt der kurze Weg, wenn wir bereit sind zu vertrauen. Er schreitet durch uns hindurch, von allein, ohne Kontrolle, und führt uns zurück nachhause … zurück zu uns selbst, zu dem, was wir wirklich sind.
Und DAS übersteigt alles, was wir uns jemals vorstellen oder beschreiben könnten. Es ist mehr als Worte, Urteile oder Gedanken. Es ist das, in dem alle Menschen, mit allen ihren Gedanken entstehen und vergehen. Es ist endlich Frieden!

Mehr weiss ich nicht mehr … und es ist schon viel zu viel wieder.

– Janice

Neues Buch …

Vergiss nie, wer du als Kind einmal warst. Lerne auf deinem Lebensweg vor allem eines aus den Erfahrungen, die dir zuteil wurden, nämlich: genau diesem aufgeweckten Kind in dir noch mehr Ausdruck zu verleihen und zwar in Gestalt eines selbstbestimmten, unabhängigen und erwachsenen Menschen. Das allein bedeutet zu reifen. Begegne deiner Weisheit, Freiheit, Liebe, Stille, Zuversicht, Lebensfreude und deinem Vertrauen im Herzen wieder, die du Herzschlag um Herzschlag, und Gedanke um Gedanke für andere Menschen aufgegeben hast. Nimm dich selbst an die Hand, denn sonst kann es nie dein Weg sein, den du gehst. Und gehst du nicht deinen Weg, so wird er dich nirgendwohin führen, außer immer weiter weg von dir. Geh, und geh nur mit Menschen zusammen, deren Weg auch der deine ist.
Dieses Buch mag nur ein bescheidener Reiseführer sein.

Sitze gerade am Exposé für mein viertes Buch. Möchte diesen Klappentext, den ich einreiche schon einmal mit euch teilen.

So wach

Ich war so müde,
doch nun scheint es mir wieder,
als hätte ich tausend Leben lang nur verschlafen.
Als wäre meine Pupille allzu lange nur trübe
an allem Lebendigen vorbeigehuscht, –
an all den aufgeweckten Dingen dieser Welt,
die einen gar nicht schlafen lassen wollen.
In diesem Augenblick nun aber,
erwachte mit einem einzigen Lidschlag
die ganze Welt mit mir zusammen.
Fast so, als würde ich sie neu erblühen lassen,
wo sie wieder in meinem Herzen wurzeln kann.
Und als würde sie mich darin wiederbeleben,
dass sie es gleich einer Glocke anschlägt.
Ich fühle mich so erfrischt und durchdrungen, so klar.
Alles Gegenwärtige vor meinen Augen
lädt mich nun zu einem Sprung hinein ein,
so wie ein See im fernen Gebirge am Morgen,
der zum ersten Mal durchschwommen werden will.

[J.J.]

Ist es möglich?

Auszug aus „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“. Ich bin noch völlig begeistert vom Rilke Projekt Live gestern in Hanau und habe meinen Audio-Rekorder wieder spontan angeworfen.
 

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

– Rilke –