Gedanken des Tages

Aus dem Leben einer Literatin …

Entweder wir fühlen alles, oder wir fühlen gar nichts mehr! Wirklich empfindsam in den glücklichen Momenten zu sein, bedingt auch, in den nicht so schönen Augenblicken empfindsam zu bleiben. Wer nicht mehr verletzbar ist, der ist auch nicht mehr berührbar. Schmerz, Angst und Sehnsucht gehören zum Leben, sind der Boden, auf dem Glück, Dankbarkeit und Demut wachsen … auf dem der Mensch selbst letztlich erst zum bewussten Menschen erwächst. Wer Gefühle unterdrückt, trampelt lediglich den Boden fest, bis überhaupt nichts mehr darauf wächst.

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Zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Weiß und Schwarz sehen die meisten nur blassgraue Wolken. Einige wenige aber erkennen den Regenbogen und die Vielfalt seiner leuchtenden Farben.

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Du bist zu spät dran heute. Viel zu spät! Und du warst noch nie zu spät zur Arbeit. Du schreibst auch noch auf dem Handy, kaum dass du mit dem Rad durch den Verkehr kommst. Und auf der Arbeit schreibst du weiter. Du warst immer vernünftig, ja vorbildlich fast schon, auch wenn du dir Mühe gabst, rebellisch zu wirken. Und jetzt sollen wir alles hinschmeißen und abhauen? Und jetzt bin ich die Vernünftige plötzlich? Ich seh schon, wir beide tun uns gut.

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Ich weiß nichts richtig, ich kann nichts richtig, aber eines mache ich richtig: ich erlebe richtig viel! Ich erfahre viele dieser Dinge, die sonst nur in Büchern stehen oder über die Filme gedreht werden. Meine einzigen „Skills“ sind Mut, Neugier und eine Überdosis Leichtsinn. Ich versage nur komplett darin, etwas Kluges und Vernünftiges aus meinen Erfahrungen zu machen. Das liegt aber auch schon wieder daran, dass mich längst was Neues fesselt, in dem ich mich „verrenne“. Jetzt komme ich aber ins Alter und werde ruhiger und tiefsinniger. Glaube das ist gut.

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Eigentlich hatten wir uns nur verliebt. Nun aber wägen wir schon gründlich ab, ob wir eine Revolution anstiften sollten, um am Ende zusammen erschossen zu werden, oder ob wir morgen einfach durchbrennen und irgendwann friedlich am Ende der Welt entschlummern wollen, faltige Hand in faltiger Hand. Wenn wir zusammen Zwiebeln schneiden, dann kommt es uns vor, als kochten hier Beauvoir und Sartre in einer engen Pariser Küche und weinen und ringen um ein einziges Wort nur, für dieses Gefühl, das sie verbindet. Aber sie finden keines, in keiner ihrer grandiosen Geschichten, die sie sich erzählen. Und nichts davon ist erfunden.

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Die größte Herausforderung für den Menschen besteht darin, einfach nur mal ein Mensch sein zu dürfen.

Gedanken des Tages

Alles macht Sinn.
Wirklich alles.
Alles war richtig.
Wirklich alles.
Alles fügt sich.
Wirklich alles.
Alles ist gesagt.
Wirklich alles.
Am Ende gings um alles.
Und nun seh ich,
alles geht um nichts.
Kopfschütteln.
Lächeln.
Ein Laut im Hals,
in den Leib gestossen,
der nicht ganz zum
lauten Lachen reicht.
Zusammenpacken.
Das ganze alte Leben.
Deckel drauf.
Schleife drum.
Fertig.
Untern Arm damit.
Auf zum Horizont.
Es wartet noch ein
ganzes halbes Leben.
Nichts mehr zu verlieren.
Wirklich nichts.
Nichts mehr zu fürchten.
Wirklich nichts.
Nichts mehr zu erklären.
Wirklich nichts.
Alles ist, wie es scheint.
Und doch, ohne den
träumenden Geist
ist nichts davon wahr.
Ein Traum voller Träume.
Ein Traum voller Träumer.
Ein Traum den ich träume.
Ein Traum der mich träumt.
Aufwachen.
Weiterträumen.
Aufwachen.
Weiterträumen.
Das ist alles.
Und nichts ist
jemals passiert.
In meinen Augen
kann ich es sehn.
Ohne einen Gedanken…
endlich verstehn.

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Liebe, so tief, so nah, so groß. Sie scheint dich an etwas längst Vergessenes zu erinnern. Und doch, alles ist jetzt ganz anders. Das kennst du so nicht. Und es kratzt dein Ego manchmal immer noch, das auch zuzugeben. Und diese Liebe hat dich auch gerettet, dich auf die Erde zurückgeholt, dich Überflieger. Aber soweit bist du noch nicht, das zu schreiben … weil, du schaffst ja immer alles allein! Schon klar. Ins Du flüchtest du dich nur in deinen Texten. #ImTraum

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Die Wirklichkeit gleich der Sonne. Sie bewegt sich auf Bahnen durch den Weltenraum, die wir nicht überblicken. Wir selbst drehen uns auf dieser Erde, und wahr scheint, dass sie auf- und untergeht. Die Nacht scheint ein Irrweg, und doch, wo die Sonne hinter unseren Horizont taucht, steigt sie für einen anderen Menschen in den Himmel. Kein richtig, keine falsch, nur Licht oder Dunkelheit; unsere Wahrheit ist nur eine Frage der Perspektive und des Standpunktes. Jeder Gedanke der eine Wahrheit denkt, kommt in der Wirklichkeit zur Welt, und löst sich am Ende wieder in ihr auf. Und wenn längst kein Mensch mehr ist, der die Wirklichkeit zu erklären meint, wirkt sie doch weiter und zieht ohne Erklärung ihre Bahnen … bis in ihr wieder einer die Augen öffnet, und sich Gedanken über die macht.

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Steckst du erstmal in einer Schublade, haben sie dich!

Liebe ist …

Es reicht nicht, wenn du die Liebe nur am Straßenrand singen hörst und ihr ein paar Groschen in den Hut wirfst. Du musst dich nackt vor ihr hinwerfen, demütig vor ihr auf die Knie fallen und ihr alles geben, was du bist und hast. Erst dann kannst du auch sehen, wie lieblich sich ihre Lippen bewegen; kannst spüren, wie ihre Hände auf dir tanzen und ihr zitternder Atem dir den Atem raubt. Dann erst lässt sie dich wirklich kosten, und niemals wird dein Verlangen satt an ihr werden.

Liebe ist weit mehr noch, als Fantasie in Menschengestalt geschnitzt. Sie ist in ihrer Wahrhaftigkeit mehr als alle Fantasien, die ein Mensch überhaupt zu fantasieren vermag. Liebe erstickt in sicheren Komfortzonen ebenso, wie im begrenzten Vorstellungsvermögen, – damit sie auch in euren Leibern wieder atmen kann, müsst ihr raus aus dem ewig gleichen Beziehungs-Theater, das schon Generationen vor euch aufführten; raus aus dem endlos neuverfilmten Kopfkino, das seit Jahrhunderten die Massen unterhält; raus aus dem Kindergarten naiver Gefühle, die nicht erwachsen werden wollen; raus aus den Dramen und Märchen, die euch nur in Hoffnung einsperren, und ihr müsst rein, in die nackte, ernüchternde Realität. Habt Mut, lasst euch wieder anstecken von diesem Funken in eurem Herzen, der einfach nicht erlöschen will, dann verbrennt in der bitteren Enttäuschung, bis ihr selbst nur mehr Feuer seid und eure Flammen eure alte Welt in Brand setzen. Diese Liebe ist nicht mehr zu kontrollieren oder zu bändigen, sie brennt alles nieder, was nicht echt ist, bis nichts mehr übrig bleibt, als Asche und Wahrhaftigkeit.

Nur die Liebe vermag wieder zu beseelen, was die Vernunft entseelt hat. Das ist alles. Das ist Weisheit.
 

Liebe ist… eine kleine Erinnerung und Wiedereinführung:

  • Wenn klar wird, dass zu viele große Worte, auch zu viele große Momente kaputtmachen können, und dass Sprachlosigkeit ein wichtiger Teil der Kommunikation sein kann, … ja, wenn die Tosende Stille für sich selbst sprechen darf.
  • Wenn ihr wirkliche Verantwortung füreinander und eure gemeinsamen Wünsche und Bedürfnisse übernehmt, ohne die Selbstverantwortung und Achtung vor euch selbst zu verlieren.
  • Wenn sich bei euch beiden auch die Angst und Unruhe zeigen darf, mal sich selbst und die Kontrolle zu verlieren, und gerade darin plötzlich eine wirkliche Bindung, ein Vertrauen und ein WIR entstehen. Ganz sanft, fast von Selbst, ohne Zwang, ohne Druck.
  • Wenn ihr konzentriert im gleichen Raum arbeiten könnt, und das doppelt so schnell wie früher, mit doppelt so vielen gemeinsamen Pausen.
  • Wenn die Tage vergehen wie Minuten und doch die Zeit stillzustehen scheint. Der unendliche Augenblick, es gibt ihn!
  • Wenn die Pflanzen in euren Räumen wieder knospen und ausschlagen, ohne dass sie auch nur einen einzigen Tropfen mehr Wasser gesehen haben.
  • Wenn ihr die gleichen Platten liebt und hört, die ihr seit 25 Jahren kaum einem mehr vorgespielt habt.
  • Wenn selbst Death Metal wieder beim Geschirrspielen angesagt ist, und so romantisch tönt, wie Frédéric Chopin.
  • Wenn ihr auch ohne Musik tanzen könnt, und ihr selbst die Musik seid. … überhaupt, wenn ihr wieder tanzt, einfach nur tanzt! Egal wie „unmusikalisch“ sich die Umstände gestalten.
  • Wenn alles in euch und um euch zu fließen beginnt und ihr miteinander verschmelzt.
  • Wenn ihr gemeinsam singt, als stündet ihr morgens allein unter der Dusche.
  • Wenn ihr gemeinsam in Gedanken an all die Orte reist, die ihr so gern noch besuchen wolltet… und plötzlich Pläne und Taten daraus werden.
  • Wenn jedes abenteuerliche Gericht in der Küche gelingt, selbst wenn es misslingt, und wenn der Kühlschrank immer voll ist… auch mit Dingen, von denen ihr bisher gar nicht wusstet, wie unglaublich lecker sie sind.
  • Wenn die ganz einfachen Dinge plötzlich ganz groß werden wieder.
  • Wenn ihr einfach wieder werdet, wer ihr wirklich seid, und ihr auf diese Weise mehr als nur reicht… ja, dass ihr das Besondere genau darin erkennt, was euch bisher so normal und oft zu wenig erschien.
  • Wenn ihr nicht mehr immer funktionieren müsst und doch auch einander darin keine Last seid, – euch fallen lassen könnt und wirklich Halt findet, und neuen Mut und neue Stärke.
  • Wenn sich alle Sinne wieder öffnen und ihr euch selbst so wundervoll spüren könnt, wie ihr den anderen spüren wollt.
  • Wenn eure Haut einem Kleid aus Samt gleicht und die Glieder mit Helium befüllt scheinen.
  • Wenn der Duft des anderen an euch haftet, als würde er zum Teil von euch selbst werden wollen, aus Sehnsucht.
  • Wenn ihr auch gelegentlich überhaupt nicht mehr wirklich sicher seid, wer da wenn berührt; wenn ihr den anderen in euch und euch auch im anderen spürt. Wenn da einfach nur noch Berührung sein darf …
  • Wenn in Körper und Seele in Tagen heilt, was in Jahren nur immer weiter zerbrochen ist.
  • Wenn ihr stundenlang gefesselt vor einem Bild an der Wand sitzt und einander ganz neue Perspektiven eröffnet.
  • Wenn ihr einander anschaut und euer Glück einfach nicht begreifen könnt.
  • Wenn es schwerfällt, dieses große Geschenk der Liebe anzunehmen, weil ihr euch auch mal klein und unwürdig fühlt und nicht glauben könnt, DAS überhaupt zu verdienen. Und ihr doch immer mehr erkennt, dass ihr es verdient.
  • Wenn ihr plötzlich begreift, wonach ihr da euer ganzes Leben gesucht habt, und warum Selbstliebe und Liebe nur zwei Seiten der gleichen Medaille sind, und warum Glück nur echt ist, wenn es geteilt wird.
  • Wenn Staunen und Dankbarkeit euch umhüllen und euch Respekt und Demut darin ermahnen, behutsam und achtsam zu sein, dieses kostbare Glück nur nie kaputt zu machen.
  • Wenn ihr ständig die gleichen Gedanken denkt und die gleichen Gefühle fühlt.
  • Wenn ihr nahezu von selbst zueinander findet, wie zwei Magneten, ohne sich in zu komplizierten Planungen zu verzetteln.
  • Wenn ihr „einfach macht“, ohne mehr alles richtig machen zu müssen.
  • Wenn ihr euch ohne Worte immer besser versteht und mit einem Blick oft schon alles, aber wirklich alles gesagt ist.
  • Wenn ihr ausdrücken könnt, was euch gefällt oder was euch eben überhaupt nicht passt, und ihr euch plötzlich fragt, warum das nicht schon immer das Normalste der Welt war.
  • Wenn ihr plötzlich auf eure Gesundheit achtet, ohne euch zu irgendwas zwingen zu müssen.
  • Wenn Freiräume entstehen, die keine Flucht- oder Leerräume sind.
  • Wenn Vernunft und Unvernunft, wenn Kopf und Herz Hand in Hand gehen, so wie auch ihr Hand in Hand geht.
  • Wenn ihr nicht einfach nur Hände haltet, sondern die Finger miteinander tanzen.
  • Wenn ihr euch, durchaus etwas erschrocken, auf Augenhöhe begegnet, diese aber auch mal bedeutet, dass ihr euch auch hin und wieder ein kleines Bisschen strecken und aneinander wachsen müsst.
  • Wenn ihr am Abend mindestens zehn neue Fakten und Perspektiven über diese Welt kennt, die euch der andere eröffnet hat.
  • Wenn Liebe ein immer wieder unbegreifliches Wunder ist, nur dann ist es Liebe. Und nur dann.
  • … wird fortgesetzt

    Es heißt heute oft, man muss sich erst ganz selbst finden, um wirklich lieben und Liebe annehmen zu können. Das ist der allergrößte Bullshit, den ich auch selbst geglaubt und verbreitet habe. Wir werden alle kein Buddha in diesem Leben, wir sind Menschen, und zum Menschsein gehört, sich auch mal verloren zu haben.

Über die irren Wendungen im Leben

Als ich 1977 geboren wurde, sollte ich eigentlich Jan heißen, aber mein Vater setzte sich durch. Und so bekam ich einen Namen mit dem Charme eines Brotkastens, aus Blech, in Beige … ich hieß Frank. Bis heute verfolgt mich dieses Gespenst aus fünf Buchstaben durch meine Träume, lange habe ich mich geschämt, diesen Namen auch nur im engsten Kreise auszusprechen. Frank, der Leibhaftige! Denn, nach etwas über zwanzig Jahren hieß ich plötzlich Janice, ein Gericht hatte es abgesegnet. Die Geburtsurkunden wurden geändert, die Ausweise neu gedruckt und als Anerkennung für unzählige Operationen, Schulden und verlorene Freunde gab es bald auch einen Beschluss mit Stempel, mit dem alle Akten geschlossen wurden: WEIBLICH. Stattgegeben.

Nun wollte ich eigentlich aber nie Janice heißen, das wissen nur wenige. Knaller, oder!? Diese Möglichkeit, sich selbst einen neuen Namen zu geben hat man einmal in einhundert Leben, und ich ziele absichtlich daneben und schieß mir ins Knie! Meine blöde Angewohnheit, immer alles richtig machen zu wollen, war selten richtig für mich, und nie wirklich auch richtig für andere. Ich wollte nämlich Jasara heißen, **eigentlich**, aber dann trug eine Kollegin schon den Namen Sara und ich war ja eh schon Belastung und peinlich genug für alle in dieser Übergangszeit, und .. und .. und macht ja auch nichts, weil Janice war sowas wie die zweite oder dritte Wahl, und das hatte mir ja meist im Leben auch gereicht. Der zweite Platz. Bloß kein Ärger, bloß kein Stress, – vor allem nicht mit meinem fragilen Selbstbewusstsein, wo hinter jeder Ecke Verletzung und Entwertung warten konnten, weil in einer Konfrontation jemand genau dahin schlagen konnte, wo ich verwundbar war: Meine Identität! Und so bekam jeder was er braucht. Bis zum Ausverkauf der Seele. Ich schaute und dachte für jeden um fünf Ecken. Alles was die meisten sahen, war, dass ich viel zu viel dachte, und anstrengend wurde, wenn ich erschöpft war und nicht mehr wie gewohnt Energie, Zuwendung oder Zustimmung lieferte, und nicht mehr funktionierte. Was bleibt einem dann, als der Rückzug in sich selbst? Und was findet man dort?

Dieser Name Janice steht also auch für dieses Problem eben, „Immer alles richtig machen zu wollen“ – die Gefühle zu beschneiden, ständig Rücksicht zu nehmen und … Applaus bitte! … damit eigentlich eine Rolle zu leben eben, die ANDERE möglichst glücklich macht und wenig Probleme bereitet. Ich war jung, bald schlank und schön, nett und freundlich, und das bedeutete auch Weiblichkeit für mich dann eben: Mich anpassen, immer „hübsch“ aussehen, schminken, Wimpernklimmpern, wegducken und Rücksicht nehmen. Eine Rolle eben, in die man sich schnell immer tiefer reinrollt und am Ende das auch noch großartig findet.

Und dann traf ich sie, die Mutter aller Rollen: Und sie hasste meinen Namen und sie stand für alles, was ich bisher für Weiblichkeit hielt, was ich gern erfüllen wollte, um mich als Frau zu bestätigen. Ich liebte sie. Und es war eben doch alles nur Fake, die ganze Liebe, und sie war doch nur ein kleines verwirrtes Mädchen. Rollen lassen sich nämlich nicht lieben, Masken nicht berühren, Fassaden nicht durchschauen… Also suchte ich die Fenster, wie immer. Denn außerhalb des Theaters sind Rollen tot und ohne Leben.

Ich begann meinen Namen Janice nun zu hassen, auch weil sie ihn hasste; aber insgeheim, weil sie mich dafür hasste, wie ich **eigentlich** war. Lebendig noch, ein bisschen jedenfalls, und berührbar. Und da steht man dann mit einem verbrannten Namen, gedemütigt, zertreten, verbrannt, grundlos. Sie sagte: Sie mag meinen Namen nicht, weil ich ihn mir selbst ausgesucht hätte. Und verunstaltete ihn, und verborg ihn, wie sie mich versuchte damit zu verbiegen. Aber ich nahm eben Rücksicht vergab, sah die kaputte Seele hinter dieser Fassade, und unterdrücke meine Verletzungen und Gefühle. Eine echte Janice eben, passt doch! Stolz und an der Kette. Und ich hatte Recht, in der Konfrontation war ich nicht mal mehr eine Frau, weil ich keine Kinder kriegen kann und so, und ein Mann wäre ich auch keiner mehr, vor allem nicht an dieser Kette. Also wäre ich nichts. Natürlich riss meinem Löwen-Ego dann irgendwann auch der Faden und ich ging. Und ich blutete in mich und fütterte mein Ego noch größer damit. Und grübelte über die Seiten in uns Menschen.

Meine damals neue beste Freundin Emina nannte mich schon eine Weile Jeanne, was einer Abkürzung für Janice entspricht und natürlich ein großer Name ist, – ein Name einer Jeanne d’Arc zum Beispiel. Jeanne, Shan, ʒan … einfach nur Jeanne, ein Name fürs Ohr, weniger fürs Papier.
Ich begriff erstmal nicht wofür dieser Name steht, Eminas Geschichte aber steht in meinem zweiten Buch, „Freut euch nicht zu spät“. Vielleicht erinnert ihr euch daran, ich glaube die bitterste Geschichte über zwei Menschen und die Liebe, der ich mich jemals geöffnet habe. Ich habe die Geschichte erst heute wieder einem Menschen vorgelesen, und ich …. fuck! … ich heule schon wieder Rotz und Wasser auf die Tastatur jetzt grad. Sorry …
Und dennoch hatte ich damals nicht mal Ansatzweise begriffen, was Emina da für einen Verlust überlebt hat. Und Emina lachte wieder, MIT MIR, und sagte, ich und unsere Zeit bedeuten ihr viel. Dann nannte sie mich Jeanne.

Ich mochte das erst gar nicht, und ich glaube ich mochte es nicht, weil mir da zu viel Gefühl drin war, zu viel Wertschätzung, zu viel Liebe, zuviel Dankbarkeit. Und ich war Klugscheißerin in spiritueller Mission, wir einigten uns daher meist auf „Little Miss Buddha“, statt Jeanne oder Janice.

Ihr kennt meine Flucht vor dem Leben. Meine Odyssee über den Atlantik, meine Scheiße mit Drogen, Erleuchtungskonzepten und Menschen. Das war ne Reise! Am Ende lag ich da, ein Häufchen Dreck, das einfach nur seinem Herzen immer gefolgt war, aber mit dem Kopf alles richtig machen wollte, und am Ende den Preis dafür bezahlt hat, gar nichts mehr zu fühlen, und gar keinen Menschen mehr zu sehen, der es gut mit mir meinte. Mein Name war verbrannt, mein Vertrauen war verbrannt, ich war verbrannt. Mein Leben lief aus dem Ruder. Mir wurde alles egal – der kluge Kopf, das dumme Herz, der scheiß Körper, das letzte Geld, die Lust zu Schreiben, alle Menschen. Egal! Ich blieb im Feuer liegen, und da war nur noch Asche auf einmal.

Und dann sagte etwas Stopp! Es stand auf. Klopfte sich die Asche aus dem Lockenkopf. Und sah sich selbst an.

Es geht um mich erstmal! Und erst wenn ich mich wirklich sehe, dann sehe ich die anderen mit dem Herzen richtig, bin richtig berührt, kann richtig berühren und verletze niemanden für mein Glück. Und vor allem weiß ich dann anders Grenzen zu ziehen und mich zu schützen. Und könnte mit diesem Kopf und all meiner Erfahrung derweil ganz andere wundervolle Dinge vollbringen und mich viel weiter der Welt öffnen!

Ich machte meinen Frieden damit, nicht gesehen zu werden von den Falschen, und begann wieder die zu sehen, die mich immer im Herzen gesehen hatten. Aber vor allem erkannte ich mich selbst endlich wieder, und auch, dass ich nichts mehr gesehen hatte, geschweige denn gespürt. Und dann geschahen wieder Wunder, wie da immer Wunder geschahen, wenn ich wieder aufgestanden war nach einem Sturz über die Fallstricke meiner Vergangenheit.

Viele Menschen sagen: „Cool, sich den eigenen Namen ausdenken zu können, wie toll!“. Nun ja, es hat Vor- und Nachteile. Und eigentlich ist es auch etwas kostbares, einen Namen geschenkt zu bekommen von Eltern, die uns lieben, nicht wahr? Und da steige ich plötzlich aus der Asche und begreife, dass Emina mir diese Kurzform Jeanne aus ihrem Gefühl gegeben hat, so wie meine Mutter Jan aus ihrem Gefühl entschieden hat, so wie ich Jasara aus meinem Gefühl gewählt habe. Und da ist so viel JA! in all diesen Namen, und so viel Ja! war Janice auch noch. Aber eben auch so viel ..ice, Kälte, Starrheit schon, die sich in Niedlichkeit kleiden wollte, um zu gefallen und zu entzücken. So viel NEIN! zu mir selbst und dem Leben.

Und dann findest du wieder einen Menschen, der dich sieht und den du wieder sehen kannst. Und dann ist auf einmal alles anders. Und dann fragt er dich, wie du heißt …

Und ich antworte: Jeanne.

Und sie sagt: „Jeanne“ und das klingt in ihrem Mund plötzlich so groß und unbeschreiblich schön wie ihr eigener Name in meinem Ohr.Jeanne. Einfach nur Jeanne. Darin vereint sich alles. Meine geliebte Familie, in der ich geboren wurde, meine Familie, die ich in Freunden fand. Darin erklingt meine Kindheit als Junge, die ich überwinden wollte. Die eine Geschichte wurde, die ich lange verdrängen sollte. Die Frau ich dich gern sein wollte, und am Ende die Frau, die ich heute endlich bin. Und darin erklingst auch DU!

Mir hat mein ganzes Leben einen Namen gegeben, und meine Herzmenschen haben ihn mit mir zusammen wieder gefunden.

Und weil ich alles darf und es der Karriere schadet, und mir das schon seit zwei Büchern keine Priorität VOR Authentizität mehr hat, – und weil ich das Wesentliche wieder sehe, fühle und spüre, bringe ich das jetzt alles mal in totale Unordnung. Aber die, die mich sehen wollen und kennen … für die bin einfach nur noch Jeanne. Einfach nur noch Jeanne. Egal wer oder was ihr sein wollt, welche Rollen ihr ausfüllt, für wie klug, weit oder groß ihr euch haltet.. ICH BIN Jeanne.

Ich bin stolz auf mich und dankbar, und das HIER & JETZT, das verdiene ich auch! Und dass ich es überhaupt begreife als Wunder, das es ist, ist in sich selbst ein Wunder das ich vollbracht habe. Ich danke meinen Eltern, auch für den Brotkasten. Ich danke Emina und allen meinen engen Freunden und Wegbegleitern. Und ich Danke DIR, aus deren Mund ich meinen Namen nun am Liebsten höre.

** Unsere vermeintlich größten Schwächen, können unsere größten Stärken werden. **

Unsere vermeintlich größten Schwächen, können unsere größten Stärken werden.

– Jeanne

Wahre Größe

Was, wenn du einfach nur Angst davor hast,
jemandem wirklich auf Augenhöhe
und auf Herzhöhe zu begegnen?
Was, wenn deine Mauern dann komplett
einstürzen würden, und deine vermeintliche Größe
überhaupt keine Größe mehr ist?
Was, wenn sich die Demut vor dir selbst,
vor einem anderen oder der Schöpfung
hinter einer derart großen Angst
nur verbirgt, und du dich eigentlich klein,
hilflos und nackt fühlst; verletzbar eben?
Was tust du dann?
Bleibst du in diesem Feuer stehen
und lässt dich verbrennen?
Hast du die wahre Größe, das auszuhalten,
bis nichts mehr von dir übrig ist,
als deine Wahrhaftigkeit?
Bist du bereit dazu?

Im rechten Licht

Die Menschen drehen sich zumeist nur um sich selbst und spielen ihre kleinen Spielchen mit dir; unbewusst oder gar mit voller Absicht. Dann sagen sie dir, dass sie dich mögen oder gar lieben, (nur) weil es ihnen gut mit dir geht oder sie sich viel von dir versprechen. Und dann ist dir ihre Zuwendung erst einmal gewiss, und sie schenken dir all ihre Zeit und überhäufen dich mit Aufmerksamkeiten und Versprechungen; weil sie sich selbst großartig dabei fühlen und dich mit deinen Sehnsüchten verwickeln können. Das nennen sie auch gern Altruismus oder Selbstlosigkeit dann, wo es sie besonders viel kostet. Einige werden auch einfach gern gebraucht und lassen dich immer bedürftiger erscheinen, verstehst du, weil sie sich sonst selbst hilflos, wertlos und bedürftig fühlen.

Die wenigsten Menschen sehen oder fühlen dich wirklich, da wo du stehst. Aber genau die gilt es zu finden, und so ein Mensch solltest du sein: Ein Mensch, der stets mit dem Herzen gut fühlt, sieht und hört, – das Unscheinbare, das Stille, das Echte! Ein Mensch, der sich auch nicht von inszenierten Dramen oder imposanten Feuerwerken im Kopf oder Körper aus seiner emotionalen Mitte reißen und in eine nahezu unentrinnbare Scheinwelt entführen lässt, die den vernünftigsten und klügsten Gedanken stets einen unvernünftigen Schritt voraus eilt; die den Geist in endlosen Gedankenschleifen beschäftigt hält, und die Herz und Körper, die nicht mehr mitkommen, laut stöhnen lässt. Wenn Körper, Geist und Seele nicht mehr im Gleichklang klingen, dann weiß du bald nicht mehr, was du tatsächlich fühlst oder denken sollst, und am Ende weiß du nicht einmal mehr, wer du bist und was du eigentlich willst. Dann zahlst du einen unangemessen hohen Preis, denn dann kostet es dich deinen Frieden mit dir selbst.

Und du bist naiv, wo du dir in deiner Welt auch nicht vorstellen kannst, dass Menschen dich in vollem Bewusstsein sogar belügen, manipulieren oder ins Chaos stürzen würden, um sich an deinen Gefühlen und Reaktionen zu berauschen und zu bereichern, damit sie sich selbst spüren können. Die leuchtendsten Menschen sind auch zumeist voller Abgründe, mein Kind, – das möchte ich dir mit auf deinen Lebensweg geben!, – Abgründe, so tief und dunkel, dass sie meist selbst nicht mehr auf den Boden hinabschauen können; dass sie nicht einmal mehr erahnen, was sie aus dieser Tiefe heraus bewirken, und dass ihr Leben und Lieben gar kein Fundament hat. Sei achtsam, höre immer auf diese Stimme in deinem Bauch. Bringe sie niemals mit vermeintlicher Vernunft oder naiver Hoffnung zum Schweigen. Sie ist der einzig rechte Wegweiser, der dich zu Menschen führt, denen du tatsächlich vertrauen kannst; auch weil sie ihre Schatten kennen und integriert haben, weil sie ganz bei sich sind und überhaupt darin erst wirklich bei anderen sein können. Und lerne deine eigenen Schatten kennen, und übernimm Verantwortung dafür! Sie wurden dir in deiner Naivität auch von anderen aufgebürdet. Du musst sie nun tragen, konntest dich nicht immer dagegen wehren. Das ließ sich leider nicht vermeiden. Sei nicht böse auf dich und quäle dich nicht mit endlosen Schuldfragen, – an der Schuld eines anderen hätte auch meist ein anderer Schuld, das führt nirgendwo hin.

Zu wachsen und zu reifen bedeutet Verantwortung zu übernehmen, dich gesund zu verbinden und abzugrenzen und damit aufzuhören, in allem nur das Gute und Schöne zu hoffen und das Böse und Hässliche nicht sehen zu wollen. Diese Naivität musst du zwar aufgeben, aber verliere niemals deine Unschuld, denn dann erblickst du nur noch Abgründe in der Welt. Die Wahrheit ist weder schwarz noch weiß, also gibt acht bei allen Menschen, die kein Grau mehr kennen. Hüte dich vor den weißen Engeln ebenso, wie vor den schwarzen Teufeln. Und versuche selbst kein Engel zu sein, und lass dich auch nicht stellvertretend zum Teufel erklären. Sei einfach ein authentischer Mensch, sei dir deines Lichtes, aber auch all deiner Schatten gewahr. Setzte dich mit dir und diesen Dingen auseinander, – die meisten werden sich selbst und nichts davon jemals verstehen. Trage dein Licht unbeirrt in deine Dunkelheit hinein, dann erscheint auch die Welt um dich herum im rechten Licht. Und dann erkennst du auch ohne Zweifel, was Liebe und Bedingungslosigkeit wirklich bedeuten. Übe dich in Geduld, nimm dir Zeit, um dich und andere Menschen kennenzulernen; lasse dich nicht blenden, beirren oder beschleunigen. Nur die Haltlosigkeit hat es eilig, nur die innere Leere duldet keinen Stillstand. Das Richtige überrollt dich nicht und läuft dir niemals davon. Es schenkt dir stets Klarheit und tiefen Frieden!

**Dinge, die ich meinem Kind mit auf den Lebensweg geben würde … und die ich wünschte auch selbst früher erfahren zu haben.**

Vom König zum Diener

Verstand bleibt immer nur Verstand.
Ganz gleich womit Gedanken sich
identifizieren und assoziieren wollen,
sie bleiben immer nur abstrakter Geist.
Dieser Geist mag sich mit einem Körper
kleiden, mit zwei Händen und zwei Füßen,
mit Haaren und Sinnen, doch er bleibt
nackter Geist und nackte Gedanken.
Er mag sich biegen und winden, sich
in endlosen Gedankenschleifen darum
drehen, etwas anderes zu sein, als nur
Geist. Er mag sich zu Höherem und
Größerem berufen fühlen; zum Ding,
zum Ich, zum Menschen, am Ende zu Gott.
Doch nichts davon ist wahr; nichts hier
gehört ihm, und seine Gedanken vergehen,
so wie alles vergeht, an dem er sich zu
klammern und zu verwirklichen versucht.
So klug er auch sein mag, so vermag er
doch nichts anderes zu sein, als das, was
er ist: Eine Illusion von Wirklichkeit.
Und das zu erkennen, meine Freunde,
das bringt wahren Frieden. Es zwingt die
Gedanken wieder auf die Knie vor dem
Selbst, vor dem wirklichen Sein, vor dem
Unbegreiflichen und dem Undenkbaren.
Diese Weisheit zerrt das Ego vom Thron,
und macht aus einem falschen König
wieder einen demütigen Diener in
diesem Leib, in dieser Welt,
… und in Gott.

Und gewiss wird ein Gedanke jetzt denken,
dass das absurd sei, oder auch nur ein
weiterer unwirklicher Gedanke. Und so wird es
dem Ego weiter um Recht und Unrecht gehen,
anstatt dass es aus dem Weg geht.

Als ich alles verloren wähnte

Erst als ich alles verloren wähnte
und einfach nicht mehr weiter wusste,
da verstand ich zum ersten Mal,
dass es wirkliche Schuld nicht gibt.
Dass jeder jederzeit sein Bestes
gibt und das Richtige tun will;
dass das Beste aber oftmals leider
viel zu wenig ist, und das Richtige
nur ein etwas weniger Falsches.
Auch begriff ich, dass jeder Mensch eine
große Verantwortung trägt, für sich
selbst, aber auch für andere; dass aber
nur wenige wirklich in der Lage sind,
diese Verantwortung zu übernehmen,
ohne sie anderen unbewusst aufzubürden.
Auch stellte ich fest, dass Vergebung und
Selbstvergebung der einzige Weg ist,
um wirklichen Frieden zu finden; ganz
gleich wie die Umstände sich gestalten.
Erst als ich alles verloren glaubte und
keinen einzigen Schritt mehr weiter wusste,
erst da begriff ich tatsächlich auch den
Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl;
und warum jeder Mensch wirkliches
Mitgefühl verdient, und warum Mitgefühl
keinem eine Last sein muss. Im Gegenteil.
Und ich sah auch, dass ich niemals über
jemanden urteilen kann, dessen Leben
ich nicht durchleben musste. Und
dass seine Lebensgeschichte mir nur
da zur Last wird, wo sie mir die eigene
Lebensgeschichte vor Augen führt,
die ich selbst noch nicht (er)tragen kann.
Als ich nicht mehr weiter wusste, da
verstand ich überhaupt zum ersten Mal,
dass wir Menschen eigentlich gar nichts
wirklich begreifen. Dass wir all das
theoretische Wissen nämlich erst dann
verstehen, wo wir es auch umgesetzt,
erlebt und gefühlt haben.
Als die Welt über mir zusammenbrach,
erwachte ich ebenfalls zur Erkenntnis,
dass ich zwar hohe Mauern um mich
herum errichtet hatte, und unsanft
und übereilt gegen viele Mauern anderer
angestürmt war, dass ich aber selten
gesunde Grenzen ziehen und die Grenzen
anderer richtig respektieren konnte;
dass Mauern eben immer die letzten
Barrikaden sind, wo längst schon alle
Grenzen verletzt wurden; dass ein Berühren
und Begegnen weit vorher geschehen muss;
dass weniger dabei oft so viel mehr bewirkt.
Als nichts mehr ging, und ich nicht
mehr auf die Beine kam, da weinte ich
auch bitter um jeden Tag, den ich überstürzt
durch das Leben gehastet bin, statt im
eigenen Tempo der Seele durch einen Wald
zu schreiten. Und um jeden Schritt
trauerte ich, den ich nicht an der Hand
eines geliebten Menschen gegangen bin.
Als ich allein da lag, da verstand ich,
dass alles Glück dieser Welt nur ein
Glück ist, wo ich es mit anderen
teilen will, aber niemals muss.
Und dass jeder andere ein Teil von mir
und meiner Seele ist, ganz gleich ob ich
ihn liebe, fürchte, neide oder hasse.
In jedem begegne ich mir doch nur selbst.
Da fühlte ich mich wie eine Scherbe…
unter Milliarden von Scherben plötzlich.
Und anstatt weiter nach den wenigen
Bruchstücken zu suchen, die wirklich
exakt an meine Bruchkanten passten,
da begann ich einfach überhaupt mal
damit, Scherben mit mir zu verkleben.
So entstand keine wirklich perfekte
Vase vielleicht, sondern erstmal eher ein
Aschenbecher mit einer Art Rüssel dran
und zwei Flossen. Doch je weiter ich
mich verklebte, desto deutlicher zeigte
sich da etwas wundersam Schönes und
Unvergleichliches darin. Und irgendwann
wird dieses -Ding- fliegen!, daran will
ich nun fest glauben.
Und so will ich all meinen Mut,
und all meine Kraft zusammennehmen,
und mich weiter wagen und weiterkleben.

– janice jakait #NurSoGedanken

Was bleibt?

Zuerst beschleicht den Menschen eine beunruhigende Vorahnung, – ein wirkliches Begreifen will da einsetzen. Vielleicht Anfang vierzig oder Anfang fünfzig zum ersten Mal. Oder auch früher, wenn erschreckende Umstände ihn unsanft aus dem Lebenstraum reißen. Dann wandelt sich diese Vorahnung langsam, aber beständig zu einer Gewissheit, die eben nicht mehr nur Wissen, sondern plötzlich ein Erfahren und Erleben ist: „Gott, bald ist alles verloren!“
Wer bisher wenig gewagt, gefühlt und gelebt hat, der mag dieser Gewissheit über die Vergänglichkeit auch ebenso unaufgeregt und teilnahmslos ins Gesicht schauen, wie er dem Leben bisher unaufgeregt und teilnahmslos begegnet ist. Das Vergessen umhüllt alle Gedanken und Träume fortan mit seinem Nebelgewand und begleitet sie behutsam zur Tür und aus dem Leben hinaus. Die Welt winkt dem Menschen zum Abschied kurz nach, und dann ist er schon Geschichte,… eine Geschichte, die nichtmal in einem Geschichtsbuch stehen wird.

Wer im Leben hingegen den Verführungen der Sinne im Übermaß verfallen ist, wer unaufhörlich nur im Sichtbaren, im Greifbaren und Begreifbaren nach Erfüllung strebte, den trifft diese überraschende Vorahnung ungleich härter. Vermeintlich viel hat er zu verlieren, und so vieles will er noch gewinnen. Doch ganz gleich wie sehr er seine Sinne noch einmal an der Welt berauschen will, die Gewissheit holt einen jeden ein: „Gott, bald ist alles verloren.“ Aus dem Berauschen wird schnell ein Betäuben dann, doch die Gewissheit bleibt nackt und klar im Türrahmen stehen, bis sie begrüßt wird. Und dann mag man sich vor ihr zu Boden werfen und über die grausame Sinnlosigkeit eines Menschenlebens jammern. Für den scharfsinnigen Menschen der sinnlichen Welt nur, muss am Ende alles sinnlos und unsinnig erscheinen. Und man mag mit Gott im Übersinnlichen hadern, warum er sich denn nicht zeigt. Dann wird eine Stimme leise aus dem eigenen Herzen fragen: „Weil du niemals wirklich gesucht hast?“

Alles Wissen über die Welt und aller Treuglauben an Gott wird vom Vergessen zur Tür hinaus begleitet und ist verloren. Was der Mensch darüber hinaus besaß, das besitzen nun andere, bis sie es ihrerseits verlieren. Was vom Menschen selbst zurückbleibt, ist nur das, was über den Besitz, über den Leib, über die Sinne und die Gedanken hinaus den Menschen im Herzen überhaupt erst zum Menschen machte: was bleibt ist die Seele, die nicht verstanden, nicht besessen und nicht erblickt werden kann. Und sie bleibt nur dem, der sie mit ganzen Herzen und in Demut suchte…, der sie in sich selbst und im anderen suchte. Sie bleibt nur dem, der keine Seele im Leben verkümmern ließ und sie mit Gefühlen und Liebe nährte, weil er alle Seelen als die (S)EINE erkannte.

Sonst bleibt nichts.

Die Zeit tickt erbarmungslos herunter
und reißt alles mit sich hinfort.
Da bleibt kein Nest im Weltengeäst,
in dem wir uns vor ihr verbergen können.
Und auch im Dickicht unserer Gedanken
finden wir keine Zuflucht vor ihr.
Wir mögen alles besitzen und wissen,
doch der Zeit ist es völlig egal,
ob wir arm oder reich,
im Recht oder Unrecht sind.
In ihrer Gleichgültigkeit verschmäht
sie alles, was nicht wahrhaftig ist.
Darum folge deinem Herzen,
bevor es stehen bleibt. Folge deinen
sanften Gefühlen, bevor sie sich in
haltlosen Gedanken verirren.
Folge deiner Intuition ins wahrhaftige
Wunder deiner Gegenwart.

– janice jakait #Gedanken

Es ist dein Weg

Wenn du dir etwas in den Kopf gesetzt hast, dann höre damit auf, es irgendwie nur zu erwägen oder halbherzig zu versuchen, – sondern tue es, wage es, mit allem was du bist und kannst, bring es zu Ende. Ansonsten höre auf darüber nachzudenken, lass es los und finde dich endgültig mit der Gegenwart ab. Sich Dinge nur zu erträumen und vorzustellen, sie aber nicht auch konkret anzupacken, ist die mit Abstand größte Verschwendung von Lebenszeit… in Form von unnützer Denkzeit und Tagträumerei. Du hast ein Ziel? – Ein anderer Job vielleicht, eine andere Stadt, ein anderes Land, ein anderer Partner, ein ganz anderes Leben etwa? Was hast du zu verlieren? Dich und dein bisheriges Leben? Wenn du abwartest und deine Lebenszeit weiter verstreichen lässt, verlierst du ebenfalls jeden Tag ein Stück von dir selbst, und am Ende verlierst du ohnehin alles. Und wenn es schief geht mit deinen Zielen? Dann wird dich das Richtige erst finden in diesem Prozess, – es gibt kein Scheitern für den, der seinem Herzen folgt. Vertrau mir. Ich habe alle meine Träume angepackt und verwirklicht im Leben. Einiges davon entpuppte sich im Nachhinein als unfassbarer Irrsinn und Leichtsinn. Und doch haben mich selbst meine größten Irrwege weiter zu mir selbst und zu „Gott“ geführt. Jenseits von richtig oder falsch gibt es einen Weg … es ist dein Weg, geh ihn mit ganzem Herzen!