Eines Tages …

Eines Tages, wenn du lange genug dieses Spiel mitgespielt hast, wirst du womöglich aufschrecken und erwachen. Jedenfalls mit ganz viel Glück, wenn du dann noch nicht vollständig geistig erodiert und emotional degeneriert bist, dem Altersstarrsinn verfallen oder gar mit Demenz oder Alzheimer in einem Altenheim vorm Fernsehapparat dahinwelkst. Dann wirst du noch rechtzeitig begreifen, dass es diesem System nie um dein Leben oder auch nur um dein Glück ging. Wie auch, es kannte und fühlte dich nicht persönlich, noch deine dir nahen Menschen, – es handelte sich lediglich um ein geistiges Konstrukt, um Ideen, Berechnungen, Regeln, Gebote und Hoffnungen, – um eine Fata Morgana also, die nur in den Köpfen vieler Menschen existierte, und die sie zu verwirklichen strebten. Und kaum einer kannte und fühlte wirklich einen anderen mehr im Herzen, je mehr er sich als Teil und Sprössling dieses Systems begriff. Du solltest einfach produktiv sein, das waren die Regeln, nicht hungrig, aber auch nie zu satt, – immer eine Karotte vor der Nase noch, und stets gut unterhalten, das war alles. „Never change a running system“, und solange du noch mitlaufen kannst, ist doch alles gut, oder? Die anderen, denen das nicht mehr gelingt, um die kümmert sich schon jemand.
 
Für den Staat, den du mit deinem Treuglauben mitermächtigst, bist du lediglich eine Zahl, und stets eine andere, in stets neuen Statistiken. Die letzte Statistik, in der man dich „finden“ wird, wird eine Statistik über deine Todesumstände sein. Herz-Kreislauf, Krebs, Unfall, Schlaganfall, Corona… irgendwo darin wird man dich dann finden, als eine Nummer, als 0,00000…1 prozentiger Anteil in irgendeiner Spalte. Noch für dein Grab wird dann einer bezahlen müssen, und vielleicht noch für den Nachruf in irgendeinem Käseblatt, dass man sich erinnert, dass es dich wirklich gab. Mehr ist nicht, das wars. Was bleibt, ist einzig die Trauer derer, die dir wirklich „begegnet sind“ und die dich in ihr Herz geschlossen hatten – aber wie nah waren sie dir am Ende tatsächlich noch?
 
Wärest du schwer erkrankt, und wären nur genug andere ebenfalls betroffen, würde gegebenenfalls wiederum nur eine Zahl, nämlich dein Alter, darüber bestimmen, ob und wie du medizinisch behandelt würdest. So wie auch im Kriegsfall die gleiche Zahl darüber entscheiden würde, ob du an die Front marschierst oder in die Produktion von Panzern; ob dich ein Feldwebel antreibt oder eben ein Fabrikant. Das ließe sich beliebig fortdenken. Du wirst zum Helden und unersetzlichen Menschen stilisiert; in ausschweifenden, grundsätzlichen Gesetzestexten wird auch noch deine Würde abgehandelt. Und weil es dann da steht, muss es auch wahr sein. Und du bist frei, steht da, so lange jedenfalls, wie dir glückliche Umstände dieses Privileg hier gewähren können.
 
Doch du bleibst nur ein kleiner Bauer auf einem Schachbrett mit vielen Millionen Feldern; und jedes bekommt seine Grenzen und Koordinaten. Und selbst wenn du dich als König oder Königin wähnen darfst und sollst, wir sind alle nur Bauern. In jedem ideologischen System, Paradigma und Weltbild, das nur souverän und wahrhaftig genug erscheint, weil genügend Menschen daran glauben, gerät das Individuum schnell nur noch zur Person und Persönlichkeit … zum Namen und Status also, zur Nummer, zum Bildungs- und Karriereweg, zur Aufgabe, zum Modestil, Kontostand und Grundbucheintrag … zum reinen Ding im Kopf also. Und ständig ist dieses Ding auf der Suche nach wirklicher Identität und Erfüllung durch Vergleich mit der Gruppe und durch ihre Bestätigung.
 
Aber alles im Kopf ist leer, abstrakte Gedanken können kein lebendiges Wesen mit schlagendem Herzen erfüllen. Dann ist man zwar wer, auf dem Papier jedenfalls, wenn man viel von dem weiß, was als wahr gilt, oder wenn man viel besitzt von dem, was man als wertvoll bemisst … oder wenigstens viel davon „verdient“. Doch keiner besitzt hier etwas, es ist alles nur auf Lebenszeit geborgt. Besitz und Wissen sind Kopfgeburten, mehr nicht. Und der Mensch allein macht das Gold zum Gold und den Dreck zum Dreck. Die Natur, und so auch die wahre Natur des Menschen, weiß solcherlei Unterschiede und Urteile nicht. Und wo einem Kind noch Murmeln aus Glas reichen, um zu staunen, so reicht ihm später kein Edelstein mehr, je länger es das Spiel der Erwachsenen spielt. Am Ende ist sich der Mensch selbst nie genug.
 
Gold und Diamanten sind selten, also werden sie auch noch weggeschlossen, damit sie noch seltener und damit vermeintlich kostbarer und begehrenswerter werden. Was für eine irrige Logik, die auch noch als vernünftig gilt! Wer hinterfragt dieses Paradigma schon? Doch was ist mit diesem Augenblick jetzt? Er ist einmalig und schon gleich für immer verloren, wie kostbar ist der? Und was ist mit dir selbst? Weder Gold noch Diamanten haben dich als Kind interessiert, bis du in Filmen und Büchern über ihren „Wert“ erfahren hast, dann wurde es auch deiner. Und so vollzog es sich mit den meisten Werten, an die du nun vielleicht glaubst, sie entsprangen irgendwelchen Märchen. Nur ab dem 7. Lebensjahr stand es nicht mehr explizit auf den Buchdeckeln und Filmplakaten. Und so gerät das ganze Leben dann zum Märchen, zur Geschichte im Kopf; die eine wird Beauty-Prinzessin und träumt von ihrem Prinzen und der romantischen Liebe, der andere jagt als Banker das Geld, wie Indiana Jones einst den heiligen Gral, – bis irgendwann dann doch die Realität anklopft und das Erwachen droht. Aber wer will das schon? Weiterträumen!, um jeden Preis, sonst wäre ja alles verloren und umsonst gewesen, das meint man jedenfalls.
 
Je mehr man sich einem System unterordnet, sich dessen Ideologie und Wahrheiten unterwirft, desto mehr verkauft man mit Treuglauben seine Seele; und vor allem Kinder glauben doch alles in ihrem noch unerschüttertem Vertrauen, bis es dann ihre Wahrheit wird, wo sie es nur oft genug erfahren. Und je mehr Macht dieses System hat, je mehr Menschen daran glauben, desto effizienter wird es darin, lebendige Individuen zu folgsamen Persönlichkeiten zu formen, die stets nach noch mehr von diesem System rufen. Und je früher man sie formt, desto weniger werden sie ihre Existenz jemals hinterfragen; sie scheint alternativlos, und in ihren Köpfen wiederholen sie unentwegt, was sie im Herzen kaum mehr spüren: „Das Leben ist kostbar! Wir sind frei!“ Und das lehren sie dann ihren Kindern weiter, auf dass sie es ihnen gleichtun.
 
Doch hast du jemals bedacht: Wird ein Kind in einen Kerker hineingeboren, so ist der Rahmen der Freiheit, der ihm darin gewährt wird, doch alle Freiheit, die es kennt. Es muss die ganze Freiheit sein! Und solange es nicht wenigstens aus dem Fenster schauen kann und die Vögel singen hört, solange wird es sich frei wähnen. Und wo es sich sorgt und fürchtet, da wird es noch bereit sein, diese Freiheit weiter zu Gunsten der Sicherheit einzuschränken. Gleichsam den Gefangenen in Platons Höhlengleichnis¹ wird sich ein Mensch, der nur die Schatten in seiner Höhle kennt, sogar vor der Sonne und dem blauen Himmel fürchten oder sie wenigstens als Unsinn abtun.
 
Jeder Mensch der in Ketten geboren ist wird sich frei wähnen, ganz gleich ob die Ketten sich um seine Glieder schlingen oder durch seinen Kopf ziehen. Am Ende braucht es nicht einmal mehr Aufseher, dann legen sich alle freiwillig und gegenseitig an die Ketten, und wo der eine daran zieht, um etwas weiter gehen zu können, da wird die Kette eines anderen umso kürzer. Das beschreibt längst die Welt im Ganzen. Damit die einen zum Beispiel im Überfluss alles aus der Welt auf ihren Tellern haben können, müssen zehn Millionen andere Menschen jedes Jahr an den Folgen von Hunger sterben; das ließe sich endlos fortführen und diese Freiheit kann doch nur mit Scheuklappen zu „genießen“ sein. Alle Menschen auf diesem Planeten sind aneinandergekettet, Freiheit und Erfüllung haben nun immer einen Preis, nichts ist umsonst; du musst dich bemühen, es dir verdienen, das machst du doch schon dein ganzes Leben lang, spätestens seit der ersten Klassenarbeit. Aus Erfüllung wurde Erfolg, aus Freiheit ein Privileg. Und die Regel ist ganz einfach:
 
Sind deine Ketten nur lang genug, und reichen sie bis zum Fenster, dann stell dich davor, damit auch die anderen nicht hinausschauen und hinaushören können … lass lieber dich anhimmeln und dir zuhören, als dass sie wieder den Himmel sehen und den Vögeln lauschen! Denn wirst du erst einmal angehimmelt, dann „bist du jemand“, obgleich du nur bist wie alle anderen, in Ketten. Du wirst deinen Fensterplatz mit Leib und Leben verfechten, und meinst du nur genug Macht zu haben, in deiner Ohnmacht, und wohnt dir zu wenig Demut inne, wirst auch du Sorge dafür tragen, dass sich jeder dir beugt; dich neidet um dein Wissen und Haben. Das ist die Regel. Nur hinausschauen aus dem Fenster, das solltest du besser nie. Einen wirklich Schuldigen zu suchen, ist allerdings vergebliche Mühe; es gibt die, ohne Bewusstsein, die die sich besser zu bereichern wissen, und die, auch ohne Bewusstsein, an denen man sich bereichert. Es will halt keiner unten liegen, in Armut und Leid, verständlich, doch wirklich „oben“, in seiner wahren Größe ruhend, steht so gewiss keiner.
 
Was ebenfalls in jedem Gefängnis zu beobachten ist, ist die Bildung von Gruppen. Man schließt sich aus ganz pragmatischen Gründen zusammen, weil es eben passt, schlimmstenfalls zu Gangs und Banden. Alle diese Gruppen sind dem gleichen System unterworfen, doch sie wähnen sich in der Gemeinschaft als eigene Macht, als Andersdenkende, als eigene Welt. Und keine Persönlichkeit kann ohne eine andere sein, ohne Status, Aufmerksamkeit und Bestätigung. Die innere Leere des Menschen braucht einen ständigen Zufluss von außen, wehe er bleibt aus! Dann wird die unerfüllbare Lust zum Treiber.
 
Und das ist dann auch alles was ich zur aktuellen Krise schreiben möchte. Kaum einer erblickt wirklich mehr den Himmel, lauscht den Vögeln und lässt sich berühren, die Meisten ziehen nur an ihren Ketten. Und Gruppen bilden sich: Befürworter der aktuellen Politik und auch Kritiker, die immer wütender werden, weil man zu sehr an ihren Ketten zieht. Und jede Partei sucht sich seine Anführer und Gurus, seine Sprachrohre. Die stellt man dann vors Fenster. Und das Fenster interessiert keinen mehr, wenn nur alle aufgebracht genug sind und … sich bestenfalls noch fürchten. Das bringt wieder alle auf Linie, auf die eine oder auf die andere; doch sie verlaufen beide in die ewiggleiche Richtung.
 
Nur was geschieht, wenn zum Beispiel Impfgegnern erstmal die Nadel auf den Arm gesetzt wird, zwangsweise!? Schlimmstenfalls bricht sich ihr Zorn dann frei, doch erzürnen sie sich über das Falsche. Als sich die Kommunisten mit den Nazis vor der Machtergreifung in den Straßen metzelten, einem Bürgerkrieg gleich, da entlud sich doch nur der gleiche Zorn: die Ketten zu kurz, die Falschen vorm Fenster. Dank der Hyper-Realität² des Informationszeitalters, die realer und bunter als die Wirklichkeit erscheinen will und die Menschen mit abstrakten Informationen und Urteilen überflutet, und Dank dem Meta-System der Globalisierung, das dem Individuum jeden gesunden und überschaubaren Maßstab raubt, irgendwann, irgendwo, in irgendeinem Land stehen sie dann wieder auf den Straßen, und dann greift es erneut um sich, wie ein Flächenbrand.
 
Der Mensch verliert in jedem System, das zu einflussreich wird, seine Seele. Als Ersatz erhält er den Glauben daran, dass dem nichts so sei. Dann wird er schon als Kind in Klassenzimmern konditioniert und auf Linie gebügelt, so wie die Soldaten in Kasernen. Wenn es klingelt sitzen und stehen alle in Reih und Glied. Wahr ist, was vorgesagt wird, bestraft wird jedes Andersdenken. Wer sich wenigstens müht, der wird belohnt.
 
In allem was der Mensch zur Erfüllung sucht, sucht er am Ende doch immer nur sich selbst. Und wenn er sich nicht selbst begegnet, kann er auch keinen anderen wirklich erkennen, als das, was er ist, hinter all den Masken und Rollen der Persönlichkeit. Etymologisch leitet sich das Wort „Person“ übrigens vom lateinischen Wort persōna her, welches so viel wie: „Maske des Schauspielers“ bzw. „Bühnenrolle“ bedeutet. Würden sich die Menschen wirklich selbst erkennen, sie würden sich auch im anderen begegnen. Was für eine Welt das wäre! Wahrhaftigkeit statt Heuchelei, Mitgefühl statt Moral, Tugendhaftigkeit statt Regeln, Vertrauen statt Sicherheit, Liebe statt Angst.
 
Sich finden kann der Mensch aber bestenfalls noch unter Menschen, die ihm wirklich nahe sind, die sich im ebenfalls öffnen. Werden diese bedingungslosen Gemeinschaften aber abstrakten Konzepten von Gesellschaften und BeZIEHungen geopfert, die eher einem Handel gleichen, aus denen alle möglichst Vorteile und Sicherheiten schlagen können, da werden aus Menschen bald nur noch Maschinen, deren Köpfe man beliebig programmieren kann. Dann finden sie selbst gut, was andere gut finden; dann wähnen sie wahr, was andere als die Wahrheit wähnen. Und vor allem: dann verfechten sie ihre Lebensumstände um jeden Preis und preisen sich bzw. ihr (Glaubens-)System als alternativlos an.
 
Doch nichts ist der Wahrheit ferner als das! Nie ist der Mensch sich selbst, und damit seinem göttlichen Kern, seiner wahren Weisheit und Freiheit ferner als da. Und wäre den Menschen nur der unfassbare Preis bewusst, den sie für ihre vermeintlichen Freiheiten und Sicherheiten hier bezahlen, sie würden sich geeint erheben … erheben gegen die Herrschaft der Angst und der Vernunft des Denkens allein. Ganz gleich was sie sonst noch alles so meinen und besitzen. Ein jeder, der nach mehr Staat, nach mehr Religion oder jedwedem anderen System schreit, der schreit immer auch nach mehr Vernunft und Regeln und damit nach weniger Tugend und Menschennatur, was in einem Teufelskreis enden kann. Zumindest bewusst sollte das jedem sein, damit man gründlich abwägen kann.
 
Finde dich selbst, und finde damit die anderen³! Keine Ideologie kann dir jemals zeigen, wer du wirklich bist und wofür das Wort Gott wahrhaftig steht. Und kein erdachtes System, ja, kein noch so großer Gedanke kann uns so begegnen, wie wir es verdienen … als unvorstellbares Wunder. Also, habe Mut dich wieder deines eigenen Herzens und deiner wahren Freiheit zu bedienen! – jj.
 
via: https://www.jakait.com/2020/05/eines-tages/
 
¹) „Höhlengleichnis“, s. Platon, Dialogs Politeía, 7. Buch
²) „Hyperreal“, s. Baudrillard, Jean, „Simulacres et Simulation“, Paris, 1981
³) „Liebe deinen Nächsten … aber warum?“: https://bit.ly/3feOYCH

Volle Kraft zurück!

Schon bei kleinen Krisen und bei Plagen,
hört man die Massen wieder klagen:
„Ach, früher, was war das ein Glück!“,
mit voller Kraft wolln sie zurück.
Wer das versteht, versteht den Staat,
und warum er seine Bürger hat;
und seine Grenzen und Armeen,
sieht man die Angst, da kann man sehn,
wie die Macht ganz eng die Zügel hält,
ganz so, wie es ihr gefällt.
Bis sich im Volk der Zweifel mehrt,
der treue Bürger aufbegehrt.
Wo die Macht kurz nicht regiert,
wird an die Panik delegiert …
Sie macht die Seelen weiter krank,
baut mehr Spitäler, erntet Dank;
lässt ihre Marionetten höher springen,
und vom großen Fortschritt singen,
von Mitgefühl und Sicherheit,
Politiker im Heuchelkleid.
Ja, im Angesicht drohender Not,
sorgt sich das Volk nur noch ums Brot.
Und so beginnt von vorn das Spiel,
bis alles wieder viel zu viel …
Zu viel zu essen, innere Leere,
zu viele Gedanken, Seelenschwere.
Zu viele Menschen, doch meist allein,
das kann doch nicht das Leben sein?!
Brechen die Familien nicht Entzwei?
Auf den Staat ein Jubbelschrei!
Ach, was meckern diese Reime,
… Kinder-, Pflege-, Altenheime!
So viele Pläne noch, so wenig Sinn,
wo sind nur die Gefühle hin?!
Auch daran muss keiner zerbrechen,
bunt die Welt der Werbeversprechen.
Der Wahn der Menschen ist dabei,
in jedem Überfluss wähnt man sich frei.
Auch im Überfluss an Träumen,
kann man das Leben leicht versäumen.
Und schnell vergessen jedes Klagen,
wenn sie kurz an trockner Rinde nagen,
und sich fürchten, und sich sorgen:
wärs nur wie gestern wieder morgen!
Ganz dienlich auch die Dritte Welt,
die stets erinnert, wie es hier gefällt.
Hier muss es doch großartig sein,
so viele Menschen wolln grad rein!
Und wenn selbst das nicht reicht,
ist die Lösung kinderleicht:
ein Krieg bringt alle wieder auf Spur,
da reicht doch schon die Drohung nur.
So tickt sie runter, die Lebensuhr,
vergessen ist die Mensch-Natur;
vergessen Millionen Hungertote,
Hauptsache wieder Nutella-Brote.


Seltsam verlassen sind die Wälder hier,
im Lidl gibts wohl Klopapier …

Das Diamant-Sutra

Eine spirituelle Strömung oder Religion kann bestenfalls nur eine nützliche Ideologie sein; ein Konglomerat von anschaulichen Konzepten; ein längerer von vielen Fingern, die auf den Mond zeigen, doch niemals selbst der Mond sein können. Alle Lehren gleichen einem mehr oder eben weniger seetüchtigen Floss, mit dem man einen Fluss überqueren kann. Wenn das andere Ufer aber erreicht ist, gilt es dieses Floss zurückzulassen, es hat seinen Dienst getan. Gleich einem Schlüssel, der seinen Zweck erfüllt hat, wo das Schloss erst einmal geöffnet ist, – dann gilt es nicht mehr am Schlüssel festzuhalten, sondern endlich durch die Tür zu gehen.

Genau daran erinnert das Diamant-Sutra, das zu den bedeutsamsten Texten des Mahayana-Buddhismus zählt; und eben darin ermahnt der Buddha in einer Lehrrede, dass auch der Buddha selbst und alle seine Reden und Lehren letztlich zurückgelassen werden müssen, gleich einem Floss, gleich einem Schlüssel, – seine Aufgabe ist dann erfüllt, auch die Verkörperung eines Buddha glich nur einem Finger, der auf das wahre Selbst wies, doch niemals das Selbst war.

Es gab und gibt kein erleuchtetes Wesen, denn es existiert keine in sich verwirklichte Form und keine wahrhaftige, unabhängige Gestalt – in allem Sinnlichen und Vergänglichen findet sich kein unabhängiger Wesenskern dessen man habhaft werden könnte und der da zu erleuchten wäre. Alles bedingt etwas anderes, nichts ist in sich selbst ganz. Alles ist nur ein Schattenspiel im großen Licht.

„Erleuchtung ist die absolute Enttäuschung für das Ego“¹, es gab niemals wirklich auch nur einen Blumentopf zu gewinnen, geschweige denn eine Erleuchtung zu erringen. Erst wenn dies und alles aufgegeben und verloren ist; wenn die Dunkle Nacht, wie Johannes vom Kreuz sie nannte, den Geist und die Seele vollends umhüllt und sie damit von Verblendung und Ignoranz befreit, dann bricht es herein, dann offenbart es sich wieder, das wahre Licht, und es erleuchtet alle Welten, ja, es ist aller Welten Licht … doch einen Namen hat es nicht.

*¹ Zitat nach Chögyam Trungpa, XI. Trungpa Tulku, Linienhalter und Tertön im tib. Kagyü und Nyingma(-Buddhismus)

Belichtet

Ist das wahre Licht der Lichter nur erst einmal erblickt, so gleicht das Bewusstsein einem Film aus Zelluloid, der bereits vollständig belichtet wurde; fortan hinterlässt das schwache Glimmen und Leuchten ganz alltäglicher Erscheinungen, denen du einst als Irrlichter hinterher jagtest, kaum einen Eindruck mehr. Auch wenn der Geist sich noch eine Weile erfolglos darum bemüht. Gedanken und sinnliche Regungen verschwinden bald ebenso unspektakulär, wie sie erschienen sind, du hast dann nichts mehr damit zu tun; du bist allem gewahr, mehr nicht, – so wie du auch dem Körper gewahr bist, in dem der Lebensatem für eine kurze Zeit nur verweilt. Dieser Körper besteht nur aus Nahrung, und er zerfällt wieder zu Nahrung für die Würmer und die Blumen. Da ist keine Person, kein Individuum mehr, da fließt nur ein unendlicher Strom sich ewig wandelnder Materie und ein unendlicher Strom an Gedanken… Erinnerungen, Begierden und Befürchtungen. Und am Ende ist auch Geist und Materie einerlei und keinerlei. Alles ist gefügt und miteinander verwoben, nichts ist ohne ein anderes, nichts ist ein Selbst, nichts ist bedingungslos und wahrhaftig. Nichts davon ist deine unabhängige und wahre Natur. Lass alles geschehen, das Schöne, das Unschöne, ohne Urteil mehr ist auch das einerlei. Sei dir stets gewahr, dass nichts davon mehr etwas mit dir zu tun hat, dann badest du wieder ganz im Weltenmeer, aus dem alles, wahrlich alles entspringt … und in das doch gleichsam alles wieder mündet … ein Meer des Friedens, ein Meer absoluter Liebe. Und dieses Meer, das bist du.

Aus ganzem Herzen

Oh Herrin, Oh Herr …
dein Geschlecht weiss ich nicht zu nennen,
und womöglich stehst du auch
über all diesen irdischen Dingen,
als Licht der Lichter,
als Kraft aller Kräfte;
doch ich wünschte mir
die gütige Milde einer Mutter
und die gütige Strenge eines Vater in dir.
Am meisten sehnt es mich aber
in deinen weichen Schoss,
mehr noch als in deine starken Arme.
Wie dem auch sei und wer du auch bist,
es ändert so gar nichts an mir und meinen Worten.
Gesündigt habe ich ein Leben lang,
in Ignoranz und Stolz mich gebadet,
mich hinter Sicherheiten und
Schuldzuweisungen verkrochen,
mich vor der Verantwortung und
dem Ur-Vertrauen davongestohlen.
Ängste, Neid und Eifersucht
und Bequemlichkeit über allem.
Und gern würde ich sagen, dass mir alle
meine Sünden nun vor Augen stehen,
und entschuldigen würde ich viele davon,
denn ich wollte doch nur …
und oft konnte ich nicht anders …
Doch auch das wäre zu kurz gefasst,
wäre gelogen, feige und dumm.
Du weisst es letztlich besser,
kannst in meinem Herzen sehn,
was ich selbst kaum zu erblicken vermag,
vor lauter Gedanken.
Und gern würde ich dir erklären:
ja!, jetzt habe ich verstanden,
ja!, nun bereue ich und spüre es!
Doch es gelingt mir nicht immer.
Als Närrin wünschte ich mir Weisheit,
als Weise wäre ich gern eine Närrin.
Denn welchen Unterschied macht es,
am Ende meiner Tage.
Wie viele Narren jubelten sich ins hohe Alter,
und wie viele Reumütige und Gerechte
wurden zu früh aus dem Leben gerissen.
Und vielem Wissen folgt das Gewissen,
mit der Weisheit offenbart sich auch das Leid.
Aber wozu will man all das sehen?
Die einen feiern und tanzen,
die anderen sind ohne Ausweg
und zählen die Kranken und Toten.
Doch warum und warum nicht?
Die Suche nach einer letzten Antwort,
nach einem Sinn im Sinn selbst,
gleicht dem Versuch, den Regen
in meiner löchrigen Schürze zu sammeln.
Ich werde nur nass, das ist alles.
Man mag an Himmel und Hölle glauben
oder an Karma und an Wiedergeburt
oder am Ende daran, dass eben doch
alles nur geschieht, wie es geschieht,
dass es nun mal so ist, wie es ist.
All das gleicht wieder nur dem Versuch,
den Regen in einer Schürze zu sammeln.
Letztlich landet jeder Tropfen im
unergründlichen Meer. Immer.
Alles entsteht, alles vergeht,
woher, wohin, ich weiss es nicht.
Ich habe so viele Missetaten begangen,
und doch, im Augenblick meines Handelns
habe ich stets mein Bestes gegeben.
Und wie viele Verfehlungen werde
ich noch begehen, ganz gleich wie
achtsam und bewusst ich lebe …
Wir verstehen das Leben nur rückwärts!
Ist es dann aber nicht zu spät?
Und was weiß ich schon von deinen Gesetzen,
was verstehe ich schon davon,
wie du diese Welt erblickst und ordnest.
Ist dein richtiges auch mein richtiges?
Und ist dein falsches auch mein falsches?
Und entsprang aus vielen meiner Verfehlungen
am Ende nicht doch oft ein Quell des Rechten?
Und mündete das Rechte nicht
immer wieder und wieder im Unrechten?
Ach Herrin, ach Herr … Was weiß ich schon.
Schwer ist mein Haupt ob all der Gedanken, –
ich wüsste nicht, vor was oder wem
ich mich verbeugen sollte,
doch neigt sich mein Kopf bei dem Gewicht
ganz von selbst zu Boden nun,
und es krümmt sich unter der Last
des Alters ganz von selbst mein Rücken.
Wo ich mich setze oder niederknie,
da kniet nur die Angst oder die Vernunft,
da knie ich niemals grund- und bedingungslos,
nicht aus Demut, nicht aus Liebe.
Also, was willst du damit?!
Das Leben beugt mich schon von allein.
Der Berg der Wahrhaftigkeit bezwingt mich,
ich selbst ringe mich vor dir zu Boden.
Das ist alles was ich tun kann.
Es heißt, man solle aus seinem Herzen beten,
nicht aus seinem Kopf heraus.
Und ich verstehe, ich verstehe wahrlich.
Doch wer ist schon im Stande dazu,
wer ist schon so selbstlos,
als dass er aus ganzem Herzen beten könnte.
Ich jedenfalls kann es nicht.
Alles was ich tun kann, ist,
wieder und wieder zu versuchen,
mir mein Scheitern einzugestehen,
mich zu entlarven und zu entkleiden und
in meiner Enttäuschung vor mir selbst zu stehen.
Dann erst kann ich vor dir knien.
Wahrlich, ich habe es versucht.
Doch nichts an mir ist so rein
dass es dir gerecht würde.
Die Bücher sprechen von Gnade,
die dem Menschen zuteil würde,
wo er sich nur öffnet und offenbart,
in seiner Fehlbarkeit, in seiner Sündhaftigkeit.
Was bringt es also, um Gnade zu bitten,
mit Worten und mit Spenden,
solange man noch bitten kann.
Ist nicht erst der, der nicht mehr bitten kann
in der Lange dazu und im Herzen rein?
Gnade wird einem dann Zuteil oder eben nicht.
Was also willst du mit meinen Worten,
vielleicht weist du mir einen neuen Weg,
auf dem ich im Schweigen das Rechte
wirken und bewirken kann.
Dich mit Worten um Vergebung zu bitten,
das empfinde ich als Heuchelei,
unmöglich kann ich dir ins Antlitz sehen,
dazu bin ich zu klein und mein Ego ist zu groß.
Aber du hast dich gezeigt, immer wieder,
und manchmal hast du mich getragen.
Vielleicht spürst du ja meine Dankbarkeit …
Also, Herrin, Herr, Werauchimmer
Ich weiß nicht wie viel Zeit mir bleibt,
ich weiss nur, dass ich bereits
zu viel Zeit verloren habe.
Und schau ich mich um, in dieser Welt,
scheint manchmal fast alles verloren.
Aber womöglich ist kein Morgen zu erwarten,
bevor die dunkle Nacht nicht durchschritten ist.
Vielleicht erkennt man erst im dunkelsten Dunkel
das wahrhaftige Licht wieder.
Und so will ich weiterschreiten,
mit einer Kerze in meiner Hand,
mit einem Funken in meinem Herzen …
an der Seite derer, die mir ein Licht sind.
Nur ein Mensch unter Menschen.
Je weniger ich kann und bin,
desto mehr scheinst du.
All das werfe ich dir nun entgegen,
vorbei an vielen Ohren,
die davon nichts hören wollen.
Du wirst schon verstehen …

Die Luft zum atmen

Ich äußere mich äußerst ungern zum Thema Klimawandel und zur Abholzung der Regenwälder. Es gibt unzählige Gründe, die Natur zu schützen, aber es erschreckt mich bisweilen, dass wir panische Klimaschutzdebatten auf Grundlage völlig falscher Annahmen führen. EINE dieser unsinnigen Annahmen ist, dass die Wälder unsere Luft zum atmen generieren und Kohlendioxid binden. Was denn sonst!, könnte man meinen… und auch wenn wir das in der Schule lernen, es bleibt trotzdem FALSCH!

Der Wald verbraucht selbst so viel Sauerstoff, wie er durch Photosynthese generiert. Etwa die Hälfte des Sauerstoffs wird bei der Verrottung des organischen Materials wieder in Kohlendioxid umgesetzt, die andere Hälfte setzen die (beteiligten) Mikroorganismen um, die in diesem Wald leben. Jedes Biom ist in seiner Sauerstoff-Kohlendioxid Bilanz ausgeglichen. Es bringt also wenig, nun schnell mal Millionen von Bäumen in Monokulturen zu pflanzen! Im Gegenteil, es generiert unzählige neue Probleme. Künstliche Wälder sind z.B. viel anfälliger für Waldbrände, Sturmschäden und Schädlingsbefall – zahlreiche andere Effekte können wir gar nicht kalkulieren. Die Natur ist eben Natur, weil der Mensch mit seiner „Vernunft“ nicht eingreift – wir können die Natur und das natürliche Gleichgewicht nicht erzwingen, – wir können nur aufhören die Natur zu zerstören und sie möglichst in Ruhe lassen und uns darin einfügen. Greifen wie an einer Stelle ein, zeigt sie uns an anderer Stelle den Mittelfinger.

Der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre liegt bei etwa 0,04 Prozent – durch Photosynthese aller Pflanzen dieser Erde kann also unmöglich mehr als 0,04 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre erzeugt werden. (Photosynthese bedeutet: Wasser + 6 CO₂ → Glukose + 6 O₂) Wäre übrigens zu wenig Kohlendioxid in der Atmosphäre, würden mehr Pflanzen sterben und verrotten, was wieder Sauerstoff benötigt und Kohlendioxid freisetzt.

Nun sind aber 21 Prozent Sauerstoff in der Luft vorhanden, und nicht nur 0,04 Prozent! Das ist 525 Mal so viel, wie alles, was Pflanzen weltweit mit Photosynthese umsetzen. Wo kommt der Sauerstoff dann her?

Der Sauerstoff wurde über Milliarden von Jahren vor allem im Meer erzeugt. Da das organische Material unter Wasser auf Grund des Sauerstoffmangels nicht verrotten konnte, entstand ein Sauerstoffüberschuss. Dieser reicherte sich in der Atmosphäre an. Das Gleiche passierte unter der Erde mit unseren fossilen Brennstoffen, – sie wurden luftdicht eingeschlossen und konnten nicht verrotten. Auf ähnliche Weise verhindern die Permafrostböden die Verrottung von organischem Material, – tauen sie auf, wird wieder Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid erzeugt. In den Böden ist kein Kohlendioxid eingeschlossen, wie es oft heißt, sondern einfach nur organisches Material (Kohlenstoff, C) das noch nicht an der Luft (Di-Oxid, O₂) verrottet ist. Vereinfacht eben: C + O₂ → CO₂

Genau diesen Sauerstoffüberschuss verbrauchen wir dann auch, wenn wir fossile Brennstoffe verheizen, wie etwa Kohle, die unter Luftabschluss aus Holz entstand oder Öl, das vorwiegend aus Algen gebildet wurde. Entsprechend fällt bei der Verbrennung dann auch das Kohlendioxid an, das vor Millionen Jahren bei der Verrottung angefallen wäre. Nein, gut ist das nicht fürs Klima!, aber verstehen sollte man die Grundlagen besser schon, bevor man nun nach schnellen Lösungen gegen den Klimawandel schreit …. denn gerade schelle Lösungen und „Mehr und mehr von allem“ sind ein Teil des Problems.

Solange wir das nicht begreifen, sollten wir auch nicht wild über Strategien zur Klimarettung spekulieren. Erst wenn wir unsere Rolle in diesem System endlich erkennen, liegt die Lösung geradezu auf der Hand. Was die Unterwerfung und Zerstörung der Natur mit dem Verlust unserer eigenen menschlichen Natur zu tun hat, darüber habe ich dann etwas mehr im neuen Buch geschrieben, das ist dann schon eher mein Thema.

Quellen: Mehr zu den Zahlen findet man z.B. hier im Artikel der National Geographic.

Verwickle dich nicht!

Nein, du bist nicht krank oder verrückt, es ist nur dein Herz, das noch schlägt. Was sich da in dir wehrt, was sucht und sich noch sehnt, das, mein Freund, das ist das Leben und die Liebe! Die, die in dieses System passen und die nichts mehr suchen, sondern alles auf schönbunten Plakaten, in Magazinen und Katalogen finden, und die sich mit Informationen vollstopfen, das sind die neuen Prototypen. Roboter!

Man drückt einen Knopf, und sie lachen; man drückt einen anderen Knopf und sie schimpfen für zwei Wochen; man drückt ihn nochmal, dann schimpfen sie über was anderes. Dann zieht man an einem Hebel und sie denken und sie träumen… aber nur auf der Basis dessen, was man in ihren Köpfen verankert hat! Damit können sie sogar mal alles in Frage stellen, außer ihre Fragen selbst. Als Schmetterlingsdompteure kommen sie in die Schulen, als Ingenieure oder Einzelhandelsfachfrauen gehen sie wieder raus. Und die am Längsten hinter den Schulbänken sitzen, die machen dann Wirtschaft oder Politik. Selbst was sie richtig und schön finden, hat man ihnen allen eingespielt, so überzeugend, dass sie es nun den anderen bestätigen. Nur mit sich selbst dürfen sie niemals Frieden machen, sonst blieben sie stehen und würden staunen, statt zu träumen, zu produzieren und zu kaufen.

Auch Roboter halten sich für frei, alles eine Frage der Programmierung. Sie sperren sich ein, sie schließen sich aus, lang lebe ihre Freiheit! Finde eine Wohnungstür ohne Schloss, und dort findest du einen, der die Wahrheit kennt. Genau!, und so kann man jedes Leben zur Freiheit erklären. Keine Widerrede! Finde einen, der ohne Geld überleben kann, dann frage ihn nach der Wahrheit. Genau!, und so kann man jedes Leben zum Reichtum erklären. Keine Widerrede!
Die Familien kaputt – Kinderheime, Altenheime, Pflegeheime … Läuft! Das System heilt sogar schon Krankheiten, die man ohne das System niemals hätte. Wahnsinn! Ihre Heiler stecken sie schon als Teenager als Verrückte in Kliniken, bis sie selbst glauben, dass sie irre seien. An der Logik allein sollen die Roboter genesen, Gefühle ohne Zweck sind krank! Weisst du wer sogar für sein eigenes Grab noch bezahlt und das nichtmal irre findet? Richtig … ! Sie müssen es nicht selbst schaufeln, sie bezahlen einfach jemanden dafür. Am Ende ist es das Gleiche. Da schufften sie ein Leben lang, für Staat, Familie und Soziales, am Ende ist nicht mal das Kreuz umsonst. Aber die Kinder werdens schon richten. Bis es ihre Kindeskinder richten müssen.

Vor den Toren verhungern die Völker, aber jeder, der auch ins gelobte Land will, könnte ihnen etwas wegnehmen, und genau darin meinen sie, sie hielten wirklich etwas in ihren Händen. Sie sind so blind, dass sie sich unter den Einäugigen nicht mal mehr selbst erkennen. Den wirklich Andersdenkenden und Anderslebenden wurde längst die Stimme geraubt, und natürlich auch ihr Land und ihre Bodenschätze, – jetzt darf jeder reisen, und jeder hat das Recht auf freie Meinung, die im Meer der Belanglosigkeit untergeht. Ist erstmal alles gleichgemacht, können die Grenzen auch weg. Wo wollen sie denn hin?!

Freiheit und Meinungsfreiheit… Dafür gingen sie mal auf die Straße drüben. Wirklich zugehört hat ihnen keiner. Und jetzt marschieren sie eben wieder, die Alten. Die Jungen werden lieber „Influencer“. Zugeschissen hat man den Osten nach der Wende, die keine Wende war, sondern eine Markterweiterung für die Drogen des Konsums. Die kamen mit LKWs voller Bananen und haben sie von der Ladefläche geworfen, ich stand mit großen Augen darunter als Kind. Schau wer zuerst in dein Land einrollt, dann weißt du, worum es geht. Die Börsen-AG steckte hinter dem Mauerfall, die Sonnenschein-Bank und alle ihre Freunde. I’ve be looking for freedom! You’ve been hunting for my soul. 17 Millionen neue „Kunden“. 50 Millionen verkaufte Zahnbürsten im Jahr. Und alles mussten sie neu kaufen! Da die Fernsehapperate und Kühlschränke aber jemand bauen, liefern und mit „Inhalt“ befüllen muss… Jobs, Jobs, Jobs! Und finden sie keinen Sinn darin, medikamentiert man sie fit und steckt sie in Jobs, wo sie am Telefon noch andere ohne Lebensinn über den Tisch ziehen können.

Ohne Geld bist du ein Niemand, ohne Geld, da hast du nichts! … nichtmal Zeit und keinen Wecker, der dich morgens um sechs aus dem Bett peitscht; denn nur Arbeitszeit macht frei! … außer die, die ohnehin schon immer das Geld ohne Arbeit hatten, dafür aber jede Menge Arbeiter. Früher bauten sie Pyramiden, heute bauen sie Fabriken. In Friedenszeiten für Autos, in Kriegszeiten für Panzer. Und alle vier Jahre darf ein kleiner Mann in ihre elitären Sphären aufsteigen – von der Geschirrspülmaschine zum Millionärsroboter. Ein Lebenslicht für alle anderen. Und so geht das schon seit tausenden Jahren, ein Vergleich mit dem dunklen Mittelalter erübrigt sich also. In 500 Jahren vergleichen sie sich mit uns heute. Aber das müssen Roboter nicht wissen. Und wie sie wieder rumlaufen, mit ihren Falten und billigen Klamotten, weitercremen, weitershoppen, weiterschufften!

Nun ja, und die Wahrheit ist: Eigentlich stand da eben: „Arbeit macht frei!“- der Satz schrieb sich im Schreibfluss von selbst aufs Papier. Und dann dachte ich nur „WOOOOAAH Fuck!“ Lösch das! So ein Satz stand doch auch am Tor von Buchenwald, oder? Und dann hab ichs geprüft … Shit! Kannste nicht schreiben sowas. Moment!, ich muss die Balkontür zusperren, ich wohne im Erdgeschoss. Kannste in der Stadt nicht offenlassen!

Tja, „So ist er eben, der Ossi“, titelt da DER SPIEGEL in seiner letzten Ausgabe auf meinem Tisch. Passt ja. Ja, so isser! Jetzt, dreißig Jahre später jedenfalls wacht er auf aus diesem Rausch, der Ossi, und er beginnt zu begreifen, dass man ihm nur alten Wein in neuen Schläuchen aufgetischt hat. Jetzt droht Dosengulasch bei der mickrigen Rente, aber wenigstens der Gulag ist weg. Und trotzdem ist er noch betrunken, Wein ist eben Wein. Und so pöbelt er eben zusammen mit denen, die am lautesten schreien und die einen kompletten Fehler in der kackbraunen Hirnmechanik haben.

Jeder braucht seinen Rausch, jeder seine Abhängigkeit. Und wenn er nur abhängig von Schlaf- oder Blutdrucktabletten ist. Und sogar die sind ein Mega Geschäft, – da hätte sich Honecker wenigstens noch geschämt dafür. Und wenn den Bürger die Langeweile überfällt, und der Blutdruck und der Puls abstürzt, dann hilft noch immer die Angst aus irgendeiner Flimmerkiste. So läuft der Laden schon. Die Roboter sind so gut programmiert, dass sie sich selbst das Fürchten beibringen. Und vom Reichtum der ganzen Welt ist ihr Seelenfrieden dann wieder abhängig, aber dass in dieser Welt jedes Jahr zehn Millionen Menschen deswegen verhungern, das müssen sie nicht wissen. Das Leiden der großen Weltkriege ging nie zu Ende, – die exakt gleiche Anzahl der Leichen stapeln sich jedes Jahr einfach nur anderswo – dort, wo man sie nicht sieht:

1939 – 1945 Sechzig Millionen
2013 – 2019 Sechzig Millionen
Die Millionen der letzten Kriege noch gar nicht dazugerechnet.

Aber ….. !

Aber – eines der wichtigsten Worte in ihrer Sprache. Zu entschuldigen, zu erklären, zu relativieren und zu rechtfertigen haben sie gelernt, genau das, was sie ihre Welt nennen. Und genau deswegen denken und denken sie immer mehr. Kommen nicht aus dem System, nicht aus ihrem Job, und nichtmal mehr aus ihren oft kaputten Beziehungen.
Lass dich niemals ganz einwickeln, werde kein Co-Abhängiger! – lass dich bloss nicht einwickeln und packe deine Gefühle nicht in Smileys. Schlimm genug, dass es um dein Leben geht. Aber wenns dumm läuft, gehts es ja vielleicht doch um deine Seele … ?! Und ich flüstere dir ohne Zweifel zu: Ja, genau darum geht es! Glaubst du wirklich, dass das alles hier die Antwort ist? Und falls ja, überdenke mal deine Frage. Denn ganz tief in dir, da fürchtest du längst, dass es stimmt. Lass dich bloss nicht ganz verwickeln, sonst haben sie dich, die Roboter, die die Roboter programmieren! PS: Und nein, nicht jeder Fortschritt ist schlecht, – aber wenn der Fortschritt den Menschen selbst überholt, und sein Herz gar nicht mehr Schritthalten kann, dann ist er nur ein Rückschritt. Mach die Augen auf und schau um dich, dann mach die Augen zu und schaue in dein Herz. Wenn die Menschen immer mehr mechanisch nach Regeln und Vernunft leben, dann werden sie Maschinen. Und das ist alles. Und manchmal muss man es ein bisschen schwarz malen, damit man es rechtzeitig erkennt.

– Janice Orwellkowski Jakait

Gelesen vom Fortschritt selbst, ihm ist das alles egal: ROBOTER.mp3

#morgenbinichwiedernett

Alles in allem

Einst erwachte ein Mann in einem lichtdurchfluteten, aber völlig leeren Raum. Es gab jedoch weder eine Lichtquelle, noch eine Tür oder ein Fenster. Er hatte keinerlei Idee, wo er sich befand. Nachdem er sich etwas gesammelt hatte, und nichts Sinn machte, beschlich ihn der Verdacht, dass er gestorben sein könnte und sich nun in einer Art Himmel oder Zwischenwelt befand. Da erschien ihm im Licht ein seltsames und doch irgendwie vertrautes Wesen mit menschlichen Zügen und begrüßte ihn.
„Bin ich gestorben und im Himmel?“, fragte der Mann. Das Wesen nickte zustimmend … „Japp! Du hattest einen Autounfall; was für eine Sauerei! Aber nun bist du ja erstmal wieder hier.“

„Bist du dann Gott?“, fragte der Mann weiter. Und das Wesen antworte, dass das Wort „Gott“ für den Moment eine ganz passable Beschreibung wäre, wenngleich es die Wahrheit nicht wirklich gut abbilden würde … „Aber ja, im weitesten Sinne bin ich sowas wie Gott. Passt schon, mehr kannst du im Moment unmöglich begreifen!“, fügte es an.

„Was passiert nun mit mir, und was meintest du mit: „ich wäre wiedermal hier?“, wollte der Mann wissen, und er erfuhr, dass er nun, wie schon unzählige Male vorher, eben wiedergeboren werden würde, – so oft noch, bis er endlich alles ganz verstünde. Diesmal nun als ein kleines chinesisches Mädchen im achtzehnten Jahrhundert; ihr Name wäre Kaiwen.

Der Mann war sichtlich irriert, nahm er doch an, man würde immer nach seinem letzten Leben wiedergeboren, also in der Zukunft, wenn es überhaupt so etwas wie Wiedergeburt geben würde. Doch das Wesen schüttelte mit dem Kopf … „Ach was, Unsinn!, du wirst in jedem Moment, in jeder Epoche, in jedem Menschen wiedergeboren irgendwann, – ja, in jeder Kreatur sogar, aber damit fange ich jetzt besser erst gar nicht an. In der vermeintlichen Zukunft, in der Vergangenheit, mal hier, mal dort, völlig egal! – aber deine begrenzten Vorstellungen von Raum und Zeit machen es noch unmöglich, das zu verstehen.“

Der Mann dachte kurz nach, dann merkte er an, dass er nach dieser Logik auch irgendwann in allen seinen eigenen Kindern und sogar in seinen Eltern wiedergeboren werde müsste. Und auch da nickte das Wesen zustimmend; zuckte mit den Schultern, als wäre das die normalste Sache der Welt.

„Aber dann wäre ich ich ja selbst wie Gott!!!“, stellte der Mann überrascht fest.

„Ja, so ganz langsam beginnst du zu verstehen, sehr gut! Wir sehn uns, bis bald!“, antworte das Wesen und verschwand mit einem schallenden Lachen.
Dann wurde es auf einmal dunkel, und dann wieder hell, und da sieht er zwei Schneereiher über die Reisfelder ziehen.

* (Habe ich mal irgendwo aufgeschnappt die Geschichte und mit nun mit eigenen Worten und meinen üblichen dramatischen Übzeichnungen niedergeschrieben… so ungefähr jedenfalls ging sie.

Wahr ist …

Wahr ist nur das, was uns wieder aus dem Kopf heraus und in die Wirklichkeit hineinbringt; ins unvorstellbare Erleben und Erfahren. Die meisten Gedanken führen aber einfach nur zu weiteren Gedanken, ganz gleich wie endgültig, wahr und klug sie erscheinen. Und darin offenbart sich ihre unwirkliche Natur. Gedanken die sich für wahrhaftig halten, müssen sich ständig um sich selbst drehen, damit ihre Paradigmen und Dogmen, ihre Selbst- und Weltbilder nur nicht ins drohende Nichts stürzen. Und so feuern sie sich gegenseitig an oder peitschen sich in Bewegung; loben oder verletzen sich; machen sich Lust auf sich selbst oder gegenseitig Angst. Hast du denn nie bemerkt, dass sich meist nur Gedanken vor Gedanken fürchten? Damit sperren sie sich in ihre Welt ein, die aber gar nicht wirklich existiert; die nur eine phantastische Vorstellung ist, die jedoch schnell aus dem Ruder läuft. Doch das Nichts, das sie fürchten, ist alles andere als nichts … es ist einfach unvorstellbar und die Gedanken beißen sich daran die Zähne aus.

Wissen führt in den Kopf,
Weisheit führt aus dem Kopf.
Der Kluge denkt, dass er viel weiß,
der Weise weiß sich als einen Narren.
Was sie eint, ist das Streben nach Wahrheit,
doch der eine wähnt sie nur im Kopf,
der andere tanzt in allen ihren Welten.

Keiner hat wirklich einen Plan hier. Immer werden sich Menschen finden, die die Meinungen anderer als Narrentum entlarven oder als schlichtes Nachplappern. Die Kunst, heute dennoch mit seinem vermeintlichen Wissen erfolgreich zu sein, und möglichst viele Zuhörer zu finden, ist einfach nur die: Finde etwas, das möglichst viele Menschen interessiert, aber mit dem sich nur wenige mehr beschäftigt haben, als du. Damit kommt man dann in der Regel gut durch und keiner merkt was. Und dann kann man sich auch selbst weiterhin für blitzgescheit halten.

Wir sind alle nur kleine Gedankendealer. Hat ein anderer uns erstmal mit seinen Ideen anfixt, verkaufen wir eben seinen Stoff weiter.

Leben ist Leiden

Leben ist Leiden, das sagte schon der Buddha. Und wir leiden, weil wir [etwas Bestimmtes] begehren, so fügte er hinzu. Wer in die Fülle des Lebens eintauchen will, wer im Licht wandeln mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich auch der Dunkelheit zu stellen. Alles ist vergänglich, – wo etwas kommt, da muss etwas gehen; wo etwas geht, da wird etwas anderes erscheinen. Zum Mut oder zur Hoffnung gehört die Enttäuschung ebenso, wie die Erfüllung. Alles wirkt immer nur vor dem Hintergrund eines Gegenteils, alles braucht einen Kontrast. Entweder wir fühlen alles davon, oder wir fühlen gar nichts mehr. Wir können nicht das Licht begehren – all die schönen Dinge! – und gleichsam das Dunkle und Unerwünschte ausblenden. Das ist kein wahrer Frieden, das ist Ignoranz und Selbsttäuschung. Am Ende entziehen wir uns nur dem Ganzen und der Fülle damit, stumpfen vollständig ab, werden von der Angst regiert und leben im sicheren Kopf und machen dort Kino.

„Immer nur gut drauf sein“, das steht auf den Fahnen unserer Zeit – aber sie wehen im Wind der Ignoranz. Wer es versucht, der brennt aus und fällt am Ende doch in die Dunkelheit und Enttäuschung. Und wirklich tief erfahren hat er bis dahin nichts, außer Theater.

Wer ein erfülltes Leben will, der muss auch das Leiden „wollen“. Beides gehört untrennbar zusammen. Was also ist wahrer Frieden? Frieden ist der Frieden mit dem Unfrieden, – es ist der Frieden mit dem Licht und mit allen Schatten. Da ist kein Leben ohne den Tod, keine Geburt ohne Schmerz, da ist kein Mut ohne die Angst, keine Erfüllung ohne die Leere. Das ist der Tanz der Welt. Menschen, die nur im Licht tanzen, sind Traumtänzer. Wer Licht und Schatten annimmt und beides umarmt, der findet einen wahrhaftigen und tiefen Frieden, – in allem, das ist – in allem, das er tut. Und gerade darin gibt es für ihn nichts mehr wirklich zu gewinnen, aber auch nichts mehr zu verlieren, er kann sich ganz auf das Leben einlassen, sich hingeben, fallenlassen, vertrauen und alles zutiefst erfahren, – so, wie es eben ist!; ohne dass er sich daran verblendet oder darin zerbricht. Das ist wahrer Frieden. Wir haben hier nichts zu verlieren, jede Erfahrung im Leben ist ein Privileg, das nur dem Lebendigen vorenthalten ist. Und so eben auch das Leiden und das Scheitern. Erkennt der Mensch dies, so kann er auch über den Tellerrand der Welt hinausschauen und erfahren, was hinter all diesen Licht- und Schattenspielen steckt … nur er selbst. Aber das ist eine andere Geschichte . . . – jj.

Sicherheit ist nichts als die Feigheit vor dem wahren Leben … oder in den Worten von Bukowksi: »Man muss erst einige Male sterben um wirklich leben zu können.«