Aus ganzem Herzen

Oh Herrin, Oh Herr …
dein Geschlecht weiss ich nicht zu nennen,
und womöglich stehst du auch
über all diesen irdischen Dingen,
als Licht der Lichter,
als Kraft aller Kräfte;
doch ich wünschte mir
die gütige Milde einer Mutter
und die gütige Strenge eines Vater in dir.
Am meisten sehnt es mich aber
in deinen weichen Schoss,
mehr noch als in deine starken Arme.
Wie dem auch sei und wer du auch bist,
es ändert so gar nichts an mir und meinen Worten.
Gesündigt habe ich ein Leben lang,
in Ignoranz und Stolz mich gebadet,
mich hinter Sicherheiten und
Schuldzuweisungen verkrochen,
mich vor der Verantwortung und
dem Ur-Vertrauen davongestohlen.
Ängste, Neid und Eifersucht
und Bequemlichkeit über allem.
Und gern würde ich sagen, dass mir alle
meine Sünden nun vor Augen stehen,
und entschuldigen würde ich viele davon,
denn ich wollte doch nur …
und oft konnte ich nicht anders …
Doch auch das wäre zu kurz gefasst,
wäre gelogen, feige und dumm.
Du weisst es letztlich besser,
kannst in meinem Herzen sehn,
was ich selbst kaum zu erblicken vermag,
vor lauter Gedanken.
Und gern würde ich dir erklären:
ja!, jetzt habe ich verstanden,
ja!, nun bereue ich und spüre es!
Doch es gelingt mir nicht immer.
Als Närrin wünschte ich mir Weisheit,
als Weise wäre ich gern eine Närrin.
Denn welchen Unterschied macht es,
am Ende meiner Tage.
Wie viele Narren jubelten sich ins hohe Alter,
und wie viele Reumütige und Gerechte
wurden zu früh aus dem Leben gerissen.
Und vielem Wissen folgt das Gewissen,
mit der Weisheit offenbart sich auch das Leid.
Aber wozu will man all das sehen?
Die einen feiern und tanzen,
die anderen sind ohne Ausweg
und zählen die Kranken und Toten.
Doch warum und warum nicht?
Die Suche nach einer letzten Antwort,
nach einem Sinn im Sinn selbst,
gleicht dem Versuch, den Regen
in meiner löchrigen Schürze zu sammeln.
Ich werde nur nass, das ist alles.
Man mag an Himmel und Hölle glauben
oder an Karma und an Wiedergeburt
oder am Ende daran, dass eben doch
alles nur geschieht, wie es geschieht,
dass es nun mal so ist, wie es ist.
All das gleicht wieder nur dem Versuch,
den Regen in einer Schürze zu sammeln.
Letztlich landet jeder Tropfen im
unergründlichen Meer. Immer.
Alles entsteht, alles vergeht,
woher, wohin, ich weiss es nicht.
Ich habe so viele Missetaten begangen,
und doch, im Augenblick meines Handelns
habe ich stets mein Bestes gegeben.
Und wie viele Verfehlungen werde
ich noch begehen, ganz gleich wie
achtsam und bewusst ich lebe …
Wir verstehen das Leben nur rückwärts!
Ist es dann aber nicht zu spät?
Und was weiß ich schon von deinen Gesetzen,
was verstehe ich schon davon,
wie du diese Welt erblickst und ordnest.
Ist dein richtiges auch mein richtiges?
Und ist dein falsches auch mein falsches?
Und entsprang aus vielen meiner Verfehlungen
am Ende nicht doch oft ein Quell des Rechten?
Und mündete das Rechte nicht
immer wieder und wieder im Unrechten?
Ach Herrin, ach Herr … Was weiß ich schon.
Schwer ist mein Haupt ob all der Gedanken, –
ich wüsste nicht, vor was oder wem
ich mich verbeugen sollte,
doch neigt sich mein Kopf bei dem Gewicht
ganz von selbst zu Boden nun,
und es krümmt sich unter der Last
des Alters ganz von selbst mein Rücken.
Wo ich mich setze oder niederknie,
da kniet nur die Angst oder die Vernunft,
da knie ich niemals grund- und bedingungslos,
nicht aus Demut, nicht aus Liebe.
Also, was willst du damit?!
Das Leben beugt mich schon von allein.
Der Berg der Wahrhaftigkeit bezwingt mich,
ich selbst ringe mich vor dir zu Boden.
Das ist alles was ich tun kann.
Es heißt, man solle aus seinem Herzen beten,
nicht aus seinem Kopf heraus.
Und ich verstehe, ich verstehe wahrlich.
Doch wer ist schon im Stande dazu,
wer ist schon so selbstlos,
als dass er aus ganzem Herzen beten könnte.
Ich jedenfalls kann es nicht.
Alles was ich tun kann, ist,
wieder und wieder zu versuchen,
mir mein Scheitern einzugestehen,
mich zu entlarven und zu entkleiden und
in meiner Enttäuschung vor mir selbst zu stehen.
Dann erst kann ich vor dir knien.
Wahrlich, ich habe es versucht.
Doch nichts an mir ist so rein
dass es dir gerecht würde.
Die Bücher sprechen von Gnade,
die dem Menschen zuteil würde,
wo er sich nur öffnet und offenbart,
in seiner Fehlbarkeit, in seiner Sündhaftigkeit.
Was bringt es also, um Gnade zu bitten,
mit Worten und mit Spenden,
solange man noch bitten kann.
Ist nicht erst der, der nicht mehr bitten kann
in der Lange dazu und im Herzen rein?
Gnade wird einem dann Zuteil oder eben nicht.
Was also willst du mit meinen Worten,
vielleicht weist du mir einen neuen Weg,
auf dem ich im Schweigen das Rechte
wirken und bewirken kann.
Dich mit Worten um Vergebung zu bitten,
das empfinde ich als Heuchelei,
unmöglich kann ich dir ins Antlitz sehen,
dazu bin ich zu klein und mein Ego ist zu groß.
Aber du hast dich gezeigt, immer wieder,
und manchmal hast du mich getragen.
Vielleicht spürst du ja meine Dankbarkeit …
Also, Herrin, Herr, Werauchimmer
Ich weiß nicht wie viel Zeit mir bleibt,
ich weiss nur, dass ich bereits
zu viel Zeit verloren habe.
Und schau ich mich um, in dieser Welt,
scheint manchmal fast alles verloren.
Aber womöglich ist kein Morgen zu erwarten,
bevor die dunkle Nacht nicht durchschritten ist.
Vielleicht erkennt man erst im dunkelsten Dunkel
das wahrhaftige Licht wieder.
Und so will ich weiterschreiten,
mit einer Kerze in meiner Hand,
mit einem Funken in meinem Herzen …
an der Seite derer, die mir ein Licht sind.
Nur ein Mensch unter Menschen.
Je weniger ich kann und bin,
desto mehr scheinst du.
All das werfe ich dir nun entgegen,
vorbei an vielen Ohren,
die davon nichts hören wollen.
Du wirst schon verstehen …

Die Luft zum atmen

Ich äußere mich äußerst ungern zum Thema Klimawandel und zur Abholzung der Regenwälder. Es gibt unzählige Gründe, die Natur zu schützen, aber es erschreckt mich bisweilen, dass wir panische Klimaschutzdebatten auf Grundlage völlig falscher Annahmen führen. EINE dieser unsinnigen Annahmen ist, dass die Wälder unsere Luft zum atmen generieren und Kohlendioxid binden. Was denn sonst!, könnte man meinen… und auch wenn wir das in der Schule lernen, es bleibt trotzdem FALSCH!

Der Wald verbraucht selbst so viel Sauerstoff, wie er durch Photosynthese generiert. Etwa die Hälfte des Sauerstoffs wird bei der Verrottung des organischen Materials wieder in Kohlendioxid umgesetzt, die andere Hälfte setzen die (beteiligten) Mikroorganismen um, die in diesem Wald leben. Jedes Biom ist in seiner Sauerstoff-Kohlendioxid Bilanz ausgeglichen. Es bringt also wenig, nun schnell mal Millionen von Bäumen in Monokulturen zu pflanzen! Im Gegenteil, es generiert unzählige neue Probleme. Künstliche Wälder sind z.B. viel anfälliger für Waldbrände, Sturmschäden und Schädlingsbefall – zahlreiche andere Effekte können wir gar nicht kalkulieren. Die Natur ist eben Natur, weil der Mensch mit seiner „Vernunft“ nicht eingreift – wir können die Natur und das natürliche Gleichgewicht nicht erzwingen, – wir können nur aufhören die Natur zu zerstören und sie möglichst in Ruhe lassen und uns darin einfügen. Greifen wie an einer Stelle ein, zeigt sie uns an anderer Stelle den Mittelfinger.

Der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre liegt bei etwa 0,04 Prozent – durch Photosynthese aller Pflanzen dieser Erde kann also unmöglich mehr als 0,04 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre erzeugt werden. (Photosynthese bedeutet: Wasser + 6 CO₂ → Glukose + 6 O₂) Wäre übrigens zu wenig Kohlendioxid in der Atmosphäre, würden mehr Pflanzen sterben und verrotten, was wieder Sauerstoff benötigt und Kohlendioxid freisetzt.

Nun sind aber 21 Prozent Sauerstoff in der Luft vorhanden, und nicht nur 0,04 Prozent! Das ist 525 Mal so viel, wie alles, was Pflanzen weltweit mit Photosynthese umsetzen. Wo kommt der Sauerstoff dann her?

Der Sauerstoff wurde über Milliarden von Jahren vor allem im Meer erzeugt. Da das organische Material unter Wasser auf Grund des Sauerstoffmangels nicht verrotten konnte, entstand ein Sauerstoffüberschuss. Dieser reicherte sich in der Atmosphäre an. Das Gleiche passierte unter der Erde mit unseren fossilen Brennstoffen, – sie wurden luftdicht eingeschlossen und konnten nicht verrotten. Auf ähnliche Weise verhindern die Permafrostböden die Verrottung von organischem Material, – tauen sie auf, wird wieder Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid erzeugt. In den Böden ist kein Kohlendioxid eingeschlossen, wie es oft heißt, sondern einfach nur organisches Material (Kohlenstoff, C) das noch nicht an der Luft (Di-Oxid, O₂) verrottet ist. Vereinfacht eben: C + O₂ → CO₂

Genau diesen Sauerstoffüberschuss verbrauchen wir dann auch, wenn wir fossile Brennstoffe verheizen, wie etwa Kohle, die unter Luftabschluss aus Holz entstand oder Öl, das vorwiegend aus Algen gebildet wurde. Entsprechend fällt bei der Verbrennung dann auch das Kohlendioxid an, das vor Millionen Jahren bei der Verrottung angefallen wäre. Nein, gut ist das nicht fürs Klima!, aber verstehen sollte man die Grundlagen besser schon, bevor man nun nach schnellen Lösungen gegen den Klimawandel schreit …. denn gerade schelle Lösungen und „Mehr und mehr von allem“ sind ein Teil des Problems.

Solange wir das nicht begreifen, sollten wir auch nicht wild über Strategien zur Klimarettung spekulieren. Erst wenn wir unsere Rolle in diesem System endlich erkennen, liegt die Lösung geradezu auf der Hand. Was die Unterwerfung und Zerstörung der Natur mit dem Verlust unserer eigenen menschlichen Natur zu tun hat, darüber habe ich dann etwas mehr im neuen Buch geschrieben, das ist dann schon eher mein Thema.

Quellen: Mehr zu den Zahlen findet man z.B. hier im Artikel der National Geographic.

Verwickle dich nicht!

Nein, du bist nicht krank oder verrückt, es ist nur dein Herz, das noch schlägt. Was sich da in dir wehrt, was sucht und sich noch sehnt, das, mein Freund, das ist das Leben und die Liebe! Die, die in dieses System passen und die nichts mehr suchen, sondern alles auf schönbunten Plakaten, in Magazinen und Katalogen finden, und die sich mit Informationen vollstopfen, das sind die neuen Prototypen. Roboter!

Man drückt einen Knopf, und sie lachen; man drückt einen anderen Knopf und sie schimpfen für zwei Wochen; man drückt ihn nochmal, dann schimpfen sie über was anderes. Dann zieht man an einem Hebel und sie denken und sie träumen… aber nur auf der Basis dessen, was man in ihren Köpfen verankert hat! Damit können sie sogar mal alles in Frage stellen, außer ihre Fragen selbst. Als Schmetterlingsdompteure kommen sie in die Schulen, als Ingenieure oder Einzelhandelsfachfrauen gehen sie wieder raus. Und die am Längsten hinter den Schulbänken sitzen, die machen dann Wirtschaft oder Politik. Selbst was sie richtig und schön finden, hat man ihnen allen eingespielt, so überzeugend, dass sie es nun den anderen bestätigen. Nur mit sich selbst dürfen sie niemals Frieden machen, sonst blieben sie stehen und würden staunen, statt zu träumen, zu produzieren und zu kaufen.

Auch Roboter halten sich für frei, alles eine Frage der Programmierung. Sie sperren sich ein, sie schließen sich aus, lang lebe ihre Freiheit! Finde eine Wohnungstür ohne Schloss, und dort findest du einen, der die Wahrheit kennt. Genau!, und so kann man jedes Leben zur Freiheit erklären. Keine Widerrede! Finde einen, der ohne Geld überleben kann, dann frage ihn nach der Wahrheit. Genau!, und so kann man jedes Leben zum Reichtum erklären. Keine Widerrede!
Die Familien kaputt – Kinderheime, Altenheime, Pflegeheime … Läuft! Das System heilt sogar schon Krankheiten, die man ohne das System niemals hätte. Wahnsinn! Ihre Heiler stecken sie schon als Teenager als Verrückte in Kliniken, bis sie selbst glauben, dass sie irre seien. An der Logik allein sollen die Roboter genesen, Gefühle ohne Zweck sind krank! Weisst du wer sogar für sein eigenes Grab noch bezahlt und das nichtmal irre findet? Richtig … ! Sie müssen es nicht selbst schaufeln, sie bezahlen einfach jemanden dafür. Am Ende ist es das Gleiche. Da schufften sie ein Leben lang, für Staat, Familie und Soziales, am Ende ist nicht mal das Kreuz umsonst. Aber die Kinder werdens schon richten. Bis es ihre Kindeskinder richten müssen.

Vor den Toren verhungern die Völker, aber jeder, der auch ins gelobte Land will, könnte ihnen etwas wegnehmen, und genau darin meinen sie, sie hielten wirklich etwas in ihren Händen. Sie sind so blind, dass sie sich unter den Einäugigen nicht mal mehr selbst erkennen. Den wirklich Andersdenkenden und Anderslebenden wurde längst die Stimme geraubt, und natürlich auch ihr Land und ihre Bodenschätze, – jetzt darf jeder reisen, und jeder hat das Recht auf freie Meinung, die im Meer der Belanglosigkeit untergeht. Ist erstmal alles gleichgemacht, können die Grenzen auch weg. Wo wollen sie denn hin?!

Freiheit und Meinungsfreiheit… Dafür gingen sie mal auf die Straße drüben. Wirklich zugehört hat ihnen keiner. Und jetzt marschieren sie eben wieder, die Alten. Die Jungen werden lieber „Influencer“. Zugeschissen hat man den Osten nach der Wende, die keine Wende war, sondern eine Markterweiterung für die Drogen des Konsums. Die kamen mit LKWs voller Bananen und haben sie von der Ladefläche geworfen, ich stand mit großen Augen darunter als Kind. Schau wer zuerst in dein Land einrollt, dann weißt du, worum es geht. Die Börsen-AG steckte hinter dem Mauerfall, die Sonnenschein-Bank und alle ihre Freunde. I’ve be looking for freedom! You’ve been hunting for my soul. 17 Millionen neue „Kunden“. 50 Millionen verkaufte Zahnbürsten im Jahr. Und alles mussten sie neu kaufen! Da die Fernsehapperate und Kühlschränke aber jemand bauen, liefern und mit „Inhalt“ befüllen muss… Jobs, Jobs, Jobs! Und finden sie keinen Sinn darin, medikamentiert man sie fit und steckt sie in Jobs, wo sie am Telefon noch andere ohne Lebensinn über den Tisch ziehen können.

Ohne Geld bist du ein Niemand, ohne Geld, da hast du nichts! … nichtmal Zeit und keinen Wecker, der dich morgens um sechs aus dem Bett peitscht; denn nur Arbeitszeit macht frei! … außer die, die ohnehin schon immer das Geld ohne Arbeit hatten, dafür aber jede Menge Arbeiter. Früher bauten sie Pyramiden, heute bauen sie Fabriken. In Friedenszeiten für Autos, in Kriegszeiten für Panzer. Und alle vier Jahre darf ein kleiner Mann in ihre elitären Sphären aufsteigen – von der Geschirrspülmaschine zum Millionärsroboter. Ein Lebenslicht für alle anderen. Und so geht das schon seit tausenden Jahren, ein Vergleich mit dem dunklen Mittelalter erübrigt sich also. In 500 Jahren vergleichen sie sich mit uns heute. Aber das müssen Roboter nicht wissen. Und wie sie wieder rumlaufen, mit ihren Falten und billigen Klamotten, weitercremen, weitershoppen, weiterschufften!

Nun ja, und die Wahrheit ist: Eigentlich stand da eben: „Arbeit macht frei!“- der Satz schrieb sich im Schreibfluss von selbst aufs Papier. Und dann dachte ich nur „WOOOOAAH Fuck!“ Lösch das! So ein Satz stand doch auch am Tor von Buchenwald, oder? Und dann hab ichs geprüft … Shit! Kannste nicht schreiben sowas. Moment!, ich muss die Balkontür zusperren, ich wohne im Erdgeschoss. Kannste in der Stadt nicht offenlassen!

Tja, „So ist er eben, der Ossi“, titelt da DER SPIEGEL in seiner letzten Ausgabe auf meinem Tisch. Passt ja. Ja, so isser! Jetzt, dreißig Jahre später jedenfalls wacht er auf aus diesem Rausch, der Ossi, und er beginnt zu begreifen, dass man ihm nur alten Wein in neuen Schläuchen aufgetischt hat. Jetzt droht Dosengulasch bei der mickrigen Rente, aber wenigstens der Gulag ist weg. Und trotzdem ist er noch betrunken, Wein ist eben Wein. Und so pöbelt er eben zusammen mit denen, die am lautesten schreien und die einen kompletten Fehler in der kackbraunen Hirnmechanik haben.

Jeder braucht seinen Rausch, jeder seine Abhängigkeit. Und wenn er nur abhängig von Schlaf- oder Blutdrucktabletten ist. Und sogar die sind ein Mega Geschäft, – da hätte sich Honecker wenigstens noch geschämt dafür. Und wenn den Bürger die Langeweile überfällt, und der Blutdruck und der Puls abstürzt, dann hilft noch immer die Angst aus irgendeiner Flimmerkiste. So läuft der Laden schon. Die Roboter sind so gut programmiert, dass sie sich selbst das Fürchten beibringen. Und vom Reichtum der ganzen Welt ist ihr Seelenfrieden dann wieder abhängig, aber dass in dieser Welt jedes Jahr zehn Millionen Menschen deswegen verhungern, das müssen sie nicht wissen. Das Leiden der großen Weltkriege ging nie zu Ende, – die exakt gleiche Anzahl der Leichen stapeln sich jedes Jahr einfach nur anderswo – dort, wo man sie nicht sieht:

1939 – 1945 Sechzig Millionen
2013 – 2019 Sechzig Millionen
Die Millionen der letzten Kriege noch gar nicht dazugerechnet.

Aber ….. !

Aber – eines der wichtigsten Worte in ihrer Sprache. Zu entschuldigen, zu erklären, zu relativieren und zu rechtfertigen haben sie gelernt, genau das, was sie ihre Welt nennen. Und genau deswegen denken und denken sie immer mehr. Kommen nicht aus dem System, nicht aus ihrem Job, und nichtmal mehr aus ihren oft kaputten Beziehungen.
Lass dich niemals ganz einwickeln, werde kein Co-Abhängiger! – lass dich bloss nicht einwickeln und packe deine Gefühle nicht in Smileys. Schlimm genug, dass es um dein Leben geht. Aber wenns dumm läuft, gehts es ja vielleicht doch um deine Seele … ?! Und ich flüstere dir ohne Zweifel zu: Ja, genau darum geht es! Glaubst du wirklich, dass das alles hier die Antwort ist? Und falls ja, überdenke mal deine Frage. Denn ganz tief in dir, da fürchtest du längst, dass es stimmt. Lass dich bloss nicht ganz verwickeln, sonst haben sie dich, die Roboter, die die Roboter programmieren! PS: Und nein, nicht jeder Fortschritt ist schlecht, – aber wenn der Fortschritt den Menschen selbst überholt, und sein Herz gar nicht mehr Schritthalten kann, dann ist er nur ein Rückschritt. Mach die Augen auf und schau um dich, dann mach die Augen zu und schaue in dein Herz. Wenn die Menschen immer mehr mechanisch nach Regeln und Vernunft leben, dann werden sie Maschinen. Und das ist alles. Und manchmal muss man es ein bisschen schwarz malen, damit man es rechtzeitig erkennt.

– Janice Orwellkowski Jakait

Gelesen vom Fortschritt selbst, ihm ist das alles egal: ROBOTER.mp3

#morgenbinichwiedernett

Alles in allem

Einst erwachte ein Mann in einem lichtdurchfluteten, aber völlig leeren Raum. Es gab jedoch weder eine Lichtquelle, noch eine Tür oder ein Fenster. Er hatte keinerlei Idee, wo er sich befand. Nachdem er sich etwas gesammelt hatte, und nichts Sinn machte, beschlich ihn der Verdacht, dass er gestorben sein könnte und sich nun in einer Art Himmel oder Zwischenwelt befand. Da erschien ihm im Licht ein seltsames und doch irgendwie vertrautes Wesen mit menschlichen Zügen und begrüßte ihn.
„Bin ich gestorben und im Himmel?“, fragte der Mann. Das Wesen nickte zustimmend … „Japp! Du hattest einen Autounfall; was für eine Sauerei! Aber nun bist du ja erstmal wieder hier.“

„Bist du dann Gott?“, fragte der Mann weiter. Und das Wesen antworte, dass das Wort „Gott“ für den Moment eine ganz passable Beschreibung wäre, wenngleich es die Wahrheit nicht wirklich gut abbilden würde … „Aber ja, im weitesten Sinne bin ich sowas wie Gott. Passt schon, mehr kannst du im Moment unmöglich begreifen!“, fügte es an.

„Was passiert nun mit mir, und was meintest du mit: „ich wäre wiedermal hier?“, wollte der Mann wissen, und er erfuhr, dass er nun, wie schon unzählige Male vorher, eben wiedergeboren werden würde, – so oft noch, bis er endlich alles ganz verstünde. Diesmal nun als ein kleines chinesisches Mädchen im achtzehnten Jahrhundert; ihr Name wäre Kaiwen.

Der Mann war sichtlich irriert, nahm er doch an, man würde immer nach seinem letzten Leben wiedergeboren, also in der Zukunft, wenn es überhaupt so etwas wie Wiedergeburt geben würde. Doch das Wesen schüttelte mit dem Kopf … „Ach was, Unsinn!, du wirst in jedem Moment, in jeder Epoche, in jedem Menschen wiedergeboren irgendwann, – ja, in jeder Kreatur sogar, aber damit fange ich jetzt besser erst gar nicht an. In der vermeintlichen Zukunft, in der Vergangenheit, mal hier, mal dort, völlig egal! – aber deine begrenzten Vorstellungen von Raum und Zeit machen es noch unmöglich, das zu verstehen.“

Der Mann dachte kurz nach, dann merkte er an, dass er nach dieser Logik auch irgendwann in allen seinen eigenen Kindern und sogar in seinen Eltern wiedergeboren werde müsste. Und auch da nickte das Wesen zustimmend; zuckte mit den Schultern, als wäre das die normalste Sache der Welt.

„Aber dann wäre ich ich ja selbst wie Gott!!!“, stellte der Mann überrascht fest.

„Ja, so ganz langsam beginnst du zu verstehen, sehr gut! Wir sehn uns, bis bald!“, antworte das Wesen und verschwand mit einem schallenden Lachen.
Dann wurde es auf einmal dunkel, und dann wieder hell, und da sieht er zwei Schneereiher über die Reisfelder ziehen.

* (Habe ich mal irgendwo aufgeschnappt die Geschichte und mit nun mit eigenen Worten und meinen üblichen dramatischen Übzeichnungen niedergeschrieben… so ungefähr jedenfalls ging sie.

Wahr ist …

Wahr ist nur das, was uns wieder aus dem Kopf heraus und in die Wirklichkeit hineinbringt; ins unvorstellbare Erleben und Erfahren. Die meisten Gedanken führen aber einfach nur zu weiteren Gedanken, ganz gleich wie endgültig, wahr und klug sie erscheinen. Und darin offenbart sich ihre unwirkliche Natur. Gedanken die sich für wahrhaftig halten, müssen sich ständig um sich selbst drehen, damit ihre Paradigmen und Dogmen, ihre Selbst- und Weltbilder nur nicht ins drohende Nichts stürzen. Und so feuern sie sich gegenseitig an oder peitschen sich in Bewegung; loben oder verletzen sich; machen sich Lust auf sich selbst oder gegenseitig Angst. Hast du denn nie bemerkt, dass sich meist nur Gedanken vor Gedanken fürchten? Damit sperren sie sich in ihre Welt ein, die aber gar nicht wirklich existiert; die nur eine phantastische Vorstellung ist, die jedoch schnell aus dem Ruder läuft. Doch das Nichts, das sie fürchten, ist alles andere als nichts … es ist einfach unvorstellbar und die Gedanken beißen sich daran die Zähne aus.

Wissen führt in den Kopf,
Weisheit führt aus dem Kopf.
Der Kluge denkt, dass er viel weiß,
der Weise weiß sich als einen Narren.
Was sie eint, ist das Streben nach Wahrheit,
doch der eine wähnt sie nur im Kopf,
der andere tanzt in allen ihren Welten.

Keiner hat wirklich einen Plan hier. Immer werden sich Menschen finden, die die Meinungen anderer als Narrentum entlarven oder als schlichtes Nachplappern. Die Kunst, heute dennoch mit seinem vermeintlichen Wissen erfolgreich zu sein, und möglichst viele Zuhörer zu finden, ist einfach nur die: Finde etwas, das möglichst viele Menschen interessiert, aber mit dem sich nur wenige mehr beschäftigt haben, als du. Damit kommt man dann in der Regel gut durch und keiner merkt was. Und dann kann man sich auch selbst weiterhin für blitzgescheit halten.

Wir sind alle nur kleine Gedankendealer. Hat ein anderer uns erstmal mit seinen Ideen anfixt, verkaufen wir eben seinen Stoff weiter.

Leben ist Leiden

Leben ist Leiden, das sagte schon der Buddha. Und wir leiden, weil wir [etwas Bestimmtes] begehren, so fügte er hinzu. Wer in die Fülle des Lebens eintauchen will, wer im Licht wandeln mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich auch der Dunkelheit zu stellen. Alles ist vergänglich, – wo etwas kommt, da muss etwas gehen; wo etwas geht, da wird etwas anderes erscheinen. Zum Mut oder zur Hoffnung gehört die Enttäuschung ebenso, wie die Erfüllung. Alles wirkt immer nur vor dem Hintergrund eines Gegenteils, alles braucht einen Kontrast. Entweder wir fühlen alles davon, oder wir fühlen gar nichts mehr. Wir können nicht das Licht begehren – all die schönen Dinge! – und gleichsam das Dunkle und Unerwünschte ausblenden. Das ist kein wahrer Frieden, das ist Ignoranz und Selbsttäuschung. Am Ende entziehen wir uns nur dem Ganzen und der Fülle damit, stumpfen vollständig ab, werden von der Angst regiert und leben im sicheren Kopf und machen dort Kino.

„Immer nur gut drauf sein“, das steht auf den Fahnen unserer Zeit – aber sie wehen im Wind der Ignoranz. Wer es versucht, der brennt aus und fällt am Ende doch in die Dunkelheit und Enttäuschung. Und wirklich tief erfahren hat er bis dahin nichts, außer Theater.

Wer ein erfülltes Leben will, der muss auch das Leiden „wollen“. Beides gehört untrennbar zusammen. Was also ist wahrer Frieden? Frieden ist der Frieden mit dem Unfrieden, – es ist der Frieden mit dem Licht und mit allen Schatten. Da ist kein Leben ohne den Tod, keine Geburt ohne Schmerz, da ist kein Mut ohne die Angst, keine Erfüllung ohne die Leere. Das ist der Tanz der Welt. Menschen, die nur im Licht tanzen, sind Traumtänzer. Wer Licht und Schatten annimmt und beides umarmt, der findet einen wahrhaftigen und tiefen Frieden, – in allem, das ist – in allem, das er tut. Und gerade darin gibt es für ihn nichts mehr wirklich zu gewinnen, aber auch nichts mehr zu verlieren, er kann sich ganz auf das Leben einlassen, sich hingeben, fallenlassen, vertrauen und alles zutiefst erfahren, – so, wie es eben ist!; ohne dass er sich daran verblendet oder darin zerbricht. Das ist wahrer Frieden. Wir haben hier nichts zu verlieren, jede Erfahrung im Leben ist ein Privileg, das nur dem Lebendigen vorenthalten ist. Und so eben auch das Leiden und das Scheitern. Erkennt der Mensch dies, so kann er auch über den Tellerrand der Welt hinausschauen und erfahren, was hinter all diesen Licht- und Schattenspielen steckt … nur er selbst. Aber das ist eine andere Geschichte . . . – jj.

Sicherheit ist nichts als die Feigheit vor dem wahren Leben … oder in den Worten von Bukowksi: »Man muss erst einige Male sterben um wirklich leben zu können.«

Die Qual der Wahl

Auf keinem Weg und mit keiner Mühe der Welt ist vollkommener Frieden zu erlangen. Nur im Frieden selbst ist jeder Schritt, ist jede Tat vollendet. Im größten Überfluss ist keine Erfüllung zu erspüren. Im Moment tiefster Dankbarkeit und Demut aber wird es keinem mehr an etwas mangeln. In der größten Sicherheit ist keine Ewigkeit zu erfahren. Doch dem Augenblick des höchsten Vertrauens und der vollkommenen Hingabe, die erst wieder aus dem Mut erwachsen, wohnt die Zeitlosigkeit inne. Das längste Leben weiß keine unvergängliche Liebe. Die allgegenwärtige Liebe aber weiß keine Vergänglichkeit. Gedanken kennen keine Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit kennt keine Gedanken. Erreichten Zielen folgen bald neue Ziele – aber hier ist hier! Auch jedes Morgen wird bald zum Gestern – aber jetzt ist jetzt! Dem Denken folgt nur Denken – aber sein ist sein! Dazwischen wankt und schwankt der Mensch; bis er stürzt und eben ganz hineinfällt, entweder ins bodenlose Nichts der Gedanken oder in die grenzenlose Weite im Herzen. Hier hat er tatsächlich eine freie Wahl im Leben, doch der wahre freie Wille des Menschen wohnt in seiner Brust, – ist doch nichts so beschränkt, beeinflusst, bedingt und von den Umständen abhängig, wie sein wankelmütiges Denken. Die Frage war also niemals, welchen Weg er im Leben wählt – sondern allein, womit er entscheidet … mit dem Kopf oder mit dem Herzen. Denn nur dort kommt er am Ende auch an.

Die Sonne scheint und wärmt,
aber verschickt keine Rechnung.
Die ganze Erde dreht sich,
und bildet sich nichts darauf ein.
Wolken bringen neuen Regen,
selbst wenn keiner klatscht.
Bäume wachsen in den Himmel,
ohne ihre Größe zu vermessen.
Flüsse fließen zusammen
und annektieren nicht ihren Weg.
Blumen erblühen am Ufer,
ohne um die Bienen zu streiten.
Aber dann …
dann ist da der Mensch.

Ohne Ziel

Je klüger der Mensch wird, umso abhängiger ist er davon, dass er ständig Ziele vor Augen hat oder sein Wissen erweitert, nur so bleibt die Gedankenflut weitgehend sortiert und fokussiert. Verliert er jedoch seine Ziele und sein Interesse – weiß er also nicht mehr recht, was er will – so werden die Gedanken sprunghaft und diffus; sie drehen sich dann nur noch um sich selbst. Am Ende bleibt nichts als ein dichter Nebel im Kopf, auch kein Gefühl dringt mehr hindurch. Darum benötigen die meisten Menschen immer eine Karotte vor der Nase, mit Aussicht auf Erfüllung und Glück, da sie im Augenblick der Ziellosigkeit verrückt werden würden. Mit irgendwas müssen sie sich immer beschäftigen und unterhalten. Je weiser der Mensch jedoch wird, umso mehr durchdringt er diesen funktionalen Mechanismus, der niemals zur Ruhe kommt und nur selten irgendwo hinführt, außer weg von sich selbst. Das höchste Ziel des Weisen ist wieder die Gegenwärtigkeit und Bewusstheit, sowie die Wirklichkeit außerhalb der beschränkten Vorstellungen. Darin findet er seinen Frieden, seine Gefühle und Klarheit wieder .. und vor allem: das Wunder der Welt und sich selbst.

»Das, was dich Erfüllung im Lärm suchen ließ, sucht nun Erfüllung in der Stille. Verstehst du, warum es so nicht funktionieren kann?! Die Erfüllung ist das Ende allen Suchens …«

»Je mehr sie über diese Welt wissen, desto mehr haben sie vergessen, wie die Welt einmal war, bevor sie so viel darüber nachgedacht haben.« –jj.

Einfach kompliziert

Eigentlich ist es ganz einfach! Ein Mensch, der dich wirklich sieht, und nicht nur sich selbst, der setzt dich niemals unter Druck, noch bringt er dich in unangenehme Situationen. Im Gleichklang erspürt er deine Wünsche und Ängste und spielt niemals mit ihnen. Du bedeutest ihm so viel, dass er weder deine Grenzen missachtet, noch deine Mauern umstürzt. Er zieht nicht an dir, noch schiebt er dich herum. Er setzt sich einfach zu dir auf deine Mauer und bringt Kuchen. Dann schaut er sich mit dir zusammen deine Welt an, versucht sie mit deinen Augen zu sehen. Und dann zeigt er dir seine Welt, und zwar so, wie sie wirklich ist. Im Grunde also nichts anderes, als das, was du mit jedem tust, dem du offen und mitfühlend begegnest. Aber was bedeutet das nun in letzter Konsequenz? Nun, fühlst du dich oft unwohl, oder auch nur unsicher oder unter Druck, dann wurdest du bereits aus deiner Mitte und in ihre Welt gelockt – aber nur wenn zwei in ihrer Mitte bleiben können, ist Begegnung und Nähe möglich. Nur dort können sie gemeinsam fließen. Leider verhindern gerade die erste Euphorie und die Blumensträuße aus Versprechungen und Hoffnungen, dass du umgehend bemerkst, wie du dich von dir selbst entfernst. Also ja!, verliebe dich, fliege hoch und stürze auch wieder ab, – lass dein Herz springen und deinen Puls rasen, auch das ist das Leben, – aber wenn du wirklich wissen willst, was wahre Liebe ist, dann achte darauf, wo dein Herz in einem anderen Menschen Ruhe und Halt findet …. und deine Seele endlich Frieden.

– – – –
Auf dem inneren Auge blind

Die wirklichen Stärken eines Menschen bleiben ihm selbst leider meist verborgen. Entsprechen sie doch seiner grundlegenden Natur, ganz unspektakulär, auf diesem Auge ist er blind – sie erscheinen ihm so normal, dass er schnell meint, so sei doch jeder. Und so begegnet er jedem. Aber er irrt sich und verirrt sich in der Welt der anderen. Und gerade darin, dass er dann dort nach etwas Besonderem strebt, das seiner Natur nicht entspricht, – nach dem aber alle anderen streben!, – da entfernt er sich immer weiter von sich selbst, von seiner Einzigartigkeit und Besonderheit. Er verliert sich selbst, seine Mitte und Balance, seinen Frieden. Eben dies ist die Herausforderung für jeden Menschen im Leben: sich seine eigenen Stärken überhaupt sichtbar zu machen, – sich seiner wahren und bedingungslosen Tugenden bewusst zu werden … sich in diesem Sinne also endlich selbst zu begegnen.

Erst wenn es brennt

Als im heißen September 1666 das große Feuer in London ausbrach, das 400 Straßen, 13.200 Häuser und 89 Kirchen zerstörte, und etwa 100.000 Menschen obdachlos machte, da war es vielen plötzlich wichtiger noch, die Schuldigen zu finden, als das Feuer zu löschen und zu trauern. Und die Schuldigen waren schnell ausgemacht! Obgleich das Feuer Augenzeugen zufolge in einer Bäckerei ausbrach, mussten es einfach die Fremden und Ausländer gewesen sein! So verfolgte man nun die Jesuiten, Franzosen und Holländer, – wollte sie töten, bis es für keinen „Fremden“ mehr sicher war, in dieser Stadt zu verweilen. Am Ende hängte man sogar öffentlich einen zweifelsfrei Unschuldigen, und die Wut konnte sich entladen. Interessanterweise spiegelten sich in diesem Hass auch die damaligen weltpolitischen Zerwürfnisse wieder. Aber viel mehr noch offenbarte dieses Ereignis wieder, dass das Dunkle und Unterdrückte im Menschen immer nur auf eine unbeherrschbare Gelegenheit wartet, um freizubrechen. Und noch immer in der Geschichte fand sich irgendwann der rechte Anlass, – dann, wenn nur der Schmerz oder die Angst groß genug waren, dann offenbarte sich noch immer alles Verdrängte und Verborgene und wurde über den Zeigefinger auf andere projiziert. Auch wenn man es längst überwunden meinte. Was wirklich in den Tiefen der Menschen köchelt, vor allem das Gefühl der Schuld, bleibt unsichtbar, solange alle nur beschäftigt und satt sind. Wenn keiner darben muss, kennen Toleranz und Entschuldigung nur wenige Grenzen. Doch man kann den Menschen unmöglich an den Worten und Taten in guten Zeiten messen. Erst wenn aller Schein erloschen ist, wenn es kalt und dunkel um ihn wird, da erst erkennt man sein wahres Licht. Das gilt für den Menschen in der großen Gesellschaft ebenso, wie in jeder Freundschaft und Beziehung. -jj.