8 Tage, 8 Stunden, 8 Minuten, 8 Sekunden

Ein Blick auf die Uhr mahnt mich zur Eile. Schon wieder fast 3:30 Uhr Morgens, und dabei wollte ich doch nur noch schnell blogen … naja. Dienstag Nacht, also in drei Tagen, breche ich auf und verabschiede mich aus Deutschland. Da ich immer noch keine Koffer gepackt habe -und ich benötige ja zwei (Portugal/Karibik)- muss ich langsam doch mal etwas Gas geben. Wobei das natürlich harmloser klingt als es ist. Ich gestehe: Ich rotiere wie ein Kreisel. Gestern die Pressekonferenz in Speyer. Tapfer zusammen mit Sigrid von OceanCare von 10:00 bis 18:00 gegen die Eiseskälte gezittert, heute Morgen dann alles verstaut, gewogen und das Boot eingepackt. Passt! Wobei: Hatte mit Rainer und Patrick wieder ganz starke Unterstützung – allein packe ich das wirklich im Moment alles nicht mehr. Morgen Koffer stopfen, iPods füllen, Backup’s ziehen, Dokumente drucken, … , …. , … . Am Montag dann die nächsten Interviews, das Boot verabschieden, Atmen. Und ja, Verabschiedungen … auch so ein Thema. Ich drehe jetzt meine Runden und blicke ein letztes Mal in die Augen meiner Familie und Freunde – auch nicht wirklich ganz so einfach. Ja! ich habe doch Gefühle, wer hätte das geahnt. Nun denn, selbst schuld! Soweit ist alles in Ordnung – und Unglücke vermeiden Langeweile. So haben wir einen Tag vor Verpackung des Bootes die falsche Schrumpffolie geliefert bekommen. Früher hätte ich das im Blog als Katastrophe getagt, heute finde ich, ist schon ein Schulterzucken Zeitverschwendung. Es finden sich immer Lösungen, vor allem wo ich mich auf mein Team hier voll verlassen kann! Und so ist das Boot eben -wenn auch anders als geplant- nun doch startklar „verpackt“. Sagen wir: es ist eine „individuelle“ Lösung gefunden haben (Siehe Foto). Und natürlich im Hinterkopf immer diese eine Frage, nun, wo das Boot komplett „eingewickelt“ ist: „Habe ich auch alles eingeladen???“ … und falls ja, vielleicht doch viel zu viel davon?!.

Die PK gestern war auch ein voller Erfolg, das Boot sieht sooo Klasse aus – Gott was bin ich stolz. Am Monatag Morgen dann noch ein paar Interviews, und dann muss ich mich endgültig auch von den Jungs in Speyer verabschieden, meinen Felsen in der Brandung, von Georg und Andreas, das Team Lehr Gestaltung , aber eben auch von Rainer. Fast ein halbes Jahr werde ich weg sein – mag gar nicht dran denken! Und so tickt die Uhr herunter. Das Boot geht in Kürze mit der BSH Verkehrstechnik GmbH auf die Reise und wir treffen uns voraussichtlich am Donnerstag in Portmao wieder – ich und mein Boot. Wetterprognose stimmt mich nach wie vor optimistisch – dann geht alles hoffentlich ganz schnell über die Bühne Kaimauer. Wir werden seh’n – wir werden seh’n. Jetzt aber, ja, jetzt aber werden wir erst einmal schlafen! Ruhet wohl!

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First Light

Wie mir berichtet wurde, war wohl Traumwetter in den letzten Tagen angesagt. Viel mitbekommen habe ich davon allerdings nicht, da ich wieder Sonderschichten am Boot eingelegt habe. Na gut, einmal war ich dann doch vor der Tür. Hatte nach drei Tagen endlich die neuen Solarzellen auf dem Dach, und ihnen ein kurzes First-Light spendiert. Aber der Reihe nach:

Die alten Panels waren mit 2 x 80 Watt nicht wirklich extrem unterdimensioniert, aber aufgrund der längeren Reise, die auf einem ungünstigeren Breitengrad beginnt, entschied ich mich für neue, leistungsfähigere Panels von Centrosolar. 2 x 105 Watt. Da diese allerdings deutlich kürzer, etwas höher und geringfügig breiter sind, waren die alten Halterungen nicht mehr zu verwenden. Neue mussten angefertigt und befestigt werden, um optimale Stabilität und Unterlüftung zu gewährleisten. Und um ehrlich zu sein: Eine ganz schöne Herausforderung bei der runden Form der hinteren Kabine. Das Biegen der schrägen Winkel war Millimeterarbeit und kostete mich inklusive der Montage fast zwei komplette Tage. Dazu die neue Verdrahtung, der neue Laderegler, abdichten und schliessen alter Löcher im Rumpf – ein hartes Stück Arbeit. Aber es hat sich gelohnt! Auch der Anstellwinkel der Rahmen wurde verändert. Dazu sollte man wissen, dass Sonnenlicht im Lot auf die Solarzellen fallen sollte, um maximale Effizienz zu ermöglichen. Dazu müssen die Zellen aber auch in den Tropen in etwa dem Winkel des Breitengrades montiert werden. Wie auch immer, die Aktion war erfolgreich. Hier auch noch mal ein Dankeschön an die Firma SAB Berschneider für all das Isolations- und Kontaktfett (alle Anschlussdosen wurden damit kiloweise komplett verfüllt bzw. alle Kontakte behandelt). Und auch an die Firma Klumpp aus Altlußheim, die mir ganz kurzfristig mit dem Material für die Winkel ausgeholfen hat. Und, klar, ganz lieben Dank an Centrosolar für die neuen SOLARA Panels und den Laderegler. Das war wirklich Klasse!

Und was tun mit all der Energie? Es wurde Zeit die Elektronik und Verkabelung zu modifizieren. Und wo fängt man an? Richtig, man erstellt erstmal eine Zeichnung von dem alten Wirrwarr. Das Resultat: Schlagartig wurde mir dann auch klar, warum manche Geräte nie einwandfrei arbeiteten, und warum der Stromverbrauch zu hoch war. Und mir wurde klar, wie wenig Wert auf Sicherheit gelegt wurde. Das wird sich ändern, und ich werde NICHTS von dem alten Konzept übernehmen. Aber das war ja sowieso der Plan nach dem Kauf. Unter Testbedienungen läuft die Kommunikation aller neuen Geräte bereits fast perfekt. Einziges Problem war der Autopilot, der sich nicht einen Millimeter bewegen wollte. Aber auch das Problem konnte ich heute nach vollständiger Demontage der Antriebseinheit lösen. Sobald der neue Batteriemonitor zur Verfügung steht, werden alle Komponenten neu verkabelt und ausreichend abgesichert – Geräte am Bussystem werden galvanisch getrennt (über Opto-Koppler) und eben nicht nach dem „Hauptsache billig“-Prinzip zusammengeklemmt. Ein neuer NMEA Buffer und Mulitplexer zur galv. Trennung kostest zwar gleich wieder mehrere schmerzliche hundert Euro – aber ich versprach ja: An der Sicherheit wird nicht gespart!

Und als nächstes? Die Medikamentenliste muss weiter zusammengestrichen werden, ein Arzt der’s verschreibt gefunden werden *lacht*. Ein neuer Para-Sturmanker wird benötigt, ein Sonnenschutz muss dran, neue Antennenhalter, Innenbeleuchtung, Wellenschutz. Ruderanlage und Fuss-Steuereinheit muss umgesetzt, Pumpen installiert werden. Ich muss weitere Lebensmittel organisieren, das Wasser- und Ballasttankproblem lösen, Entsalzer muss wieder im Boot verbaut werden und alle Ventile im Rumpf müssen raus. Ich muss die Ruderschienen abdichten, beide großen Decksluken müssen ersetzt werden … STOP! … nein, langweilig wird mir so schnell nicht.

Die Morgen danach

Kalt wird’s draußen des Nachts. Und trotzdem, im Boot schlafe ich im Moment am Tiefsten. Im Schlafsack verkrochen – das Audiosystem hat die Batterien leergesaugt, die Teelichter sind gelöscht. Ganz allein mit dem Fauchen des Windes in einer stockdunklen, hundert Meter langen, ausgekühlten Vorkriegs-Industriehalle am Rande der Erdscheibe. Solange ich den warmen Schlafsack nicht verlassen muss, raus muss in die Kälte, ist die Welt noch wunderbar und in Ordnung. Das Kondenswasser läuft angestrengt die Luken und Wände herunter, der Regen fällt unstetig -dann aber in langen Bindfäden- durch die Löcher im hohen Glasdach aufs Boot und schlägt auf dem Deck ein wie ein schwerer Blutstropfen, der in meinem Krimi gestern noch dem Serienkiller vom Messer tropfte. Ich sollte wieder mehr Fachbücher lesen, so entscheide ich just in diesem Moment. Aber mal ernsthaft: Gewöhnen könnt‘ ich mich daran, aber wer soll das schon verstehen? Und die nackte Sinnfrage einmal nicht in den Raum geworfen – ja, ich erfahre diese Zeit mit dem Boot als ungemein inspirierend und, doch, wirklich entspannend, erdend. Ganz bewusst konfrontiert mit der Enge, dem Luftmangel in der hermetisch verschlossenen Kabine in dunkelster Nacht – jeder Zentimeter des Bootes erschliesst sich mir, jeder Griff findet wieder in der Dunkelheit sein Ziel. Die Zahl der blauen Flecke an meinen Beinen nimmt Woche um Woche ab – ein Indiz dafür, dass ich mit dem neuen Boot zusammenwachse. Auf die harte Tour eben.

Die alten Batterien – Burned out. Laden, Entladen, Laden … Tag um Tag. Schwer zu beschreiben warum ich soviel Zeit mit meinem Baby verbringe. Schnell wäre alles ausgebaut, Zuhause verkabelt und gemessen. Will ich aber nicht. Ich will frieren – ganz bewusst. Schon sonderbar welche Beziehung man zu einem Boot aufbauen kann, welches nur allzu bald über mein Leben wachen muss. Und sonderbar auch, wie das Vertrauen erst wächst wo man z.B. über das Ladekabel stürzt und mit der Schulter gegen das massive GfK knallt. *Knack* Es sind diese Berührungen der unsanften Art, die meinem unschmeichelbaren, unbestechlichen Gewissen Ruhe bringen. Schlag um Schlag, Beule um Beule. Und ja, mein Kopf ist voll davon. Meine Art eben, um die Mikro-Dimensionen meiner Schlafkabine zu erkunden. Man stößt sich nur einmal an der gleichen Stelle, am gleichen Bolzen – gut also, wo mir langsam die Schlachtfelder an der Decke ausgehen. Und Ende verschwindet das Skelett dann sowieso hinter dicken Matten – aber gelernt ist eben gelernt. Ja, wir wachsen zusammen. Ich fühle mich unglaublich wohl – in meiner „Zweitwohnung“ *lacht*. Das alles klingt sicher total abgefahren. Jede Wette. Aber auf hochhaushohen Wellen bekommt die Definition vom „Vertrauen ins Material“ eine andere Bedeutung. Jeder Segler weiß das.

Schön ist es dann, wenn es am nächsten Morgen konkret weiter geht. Wenn man sich zerknautscht aus dem warmen Schlafsack schält, wenn Rückschläge vergessen, weggeträumt wurden. Heute z.B. war so ein Tag. Kaum bin ich erwacht, da besuchte mich schon Michael aus Frankfurt von der Firma Navico (Simrad / Lowrance) und überbringt mir zum Frühstück gute Nachrichten, tolles Equipment und brilliante Ideen.

Ich benötige neue GPS Karten-Plotter und ein Handgerät. Dazu noch ein neues, effizienteres Audiosystem und der Autopilot – die Krone der Herausforderungen. Mit den Geräten von Simrad und Lowrance fahre ich hier auf der sicheren Seite. Und, frei heraus: mit dem Team, das mir dort zur Seite steht, fühle ich mich sehr, sehr wohl.

Dazu passt perfekt die nächste Neuigkeit: Erst gestern noch hatte ich ein tolles Gespräch mit Navionics, dem Markführer im Bereich elektronische Seekarten. Karten, die mir natürlich auch in den Karten-Plottern das Leben ungemein erleichtern würden. Ich bekam sofort die Unterstützung und schon heute Nachmittag, per Express Post, wurden mir die SD-Karten aus Holland zugestellt. Geht es überhaupt noch schneller und unkomplizierter? Perfekt! Und so kann ich Dank meinem von Michael überbrachten Lowrance HDS-5 Testgerät und den Karten von Navionics schon 24h nach unseren Telefonaten testen. Wo nur jede Herausforderung so unkompliziert zu stemmen wäre 🙂