Und immer noch 25 Tage

*tick* Und da steht die Uhr plötzlich still. Das Boot ist bepackt, und ich liege nicht eine einzige Minute hinter meinem Zeitplan. Gibt’s ja nicht. Scherze machen sie schon über mich in England, so typisch deutsch wäre ich – so pünktlich, durchplant und organisiert. Also irgendwas muss doch noch kaputt- oder schiefgehen. Wo bleibt denn sonst die Dramatik. Ja, Dramatik – Pustekuchen. Nicht mal aufgeregt bin ich mehr. Alles weg, total entspannt, irgendwie wie ausgeklinkt, stressimmun bin ich da plötzlich. Gerade Ich! Ich sollte Haare raufen, panisch durch die Welt telefonieren, eilig packen, testen, reparieren und trainieren.

Ich verstehe es ja auch nicht, weiß nicht wo im Drehbuch der Fehler lag und die Protagonistin aus dem Drama in die Komödie schlitterte. Nach so langer Vorbereitung, nach all den Achterbahnfahrten *klick* alles weg – nur tiefste innere Zufriedenheit, Leichtigkeit und Überzeugung. Und dabei habe ich noch nichtmal abgelegt. Ich weiß ich habe das beste Boot, ich weiß ich bin fit … und der Kopf? Bin ich mental bereit? Bin ich „heiß“ auf das Abenteuer?

Ich leuchte! Mein Herz leuchtet! Es explodiert nicht, es zerspringt nicht – schlägt keine Loopings. Es glüht nicht in heißem Orange, es ionisiert das Blutplasma mit einem kühl leuchtenden Blau, und pumpt es, elektrisiert, noch in die letzten Zellen meines linken kleinen Zehs. Alles läuft nun zusammen im kleinen Zeh Europas, in Portimao, Portugal. Bestes Equipment, optimale Vorbereitung und Fitness und jetzt ist der Kopf auch frei. Die Sensoren öffnen sich wieder, subtile Eindrücke wuchten sich plötzlich wie schwere Reissäcke über das emotionale Grundrauschen. Hämmern so brachial gegen mein Trommelfell, blenden mir die Augäpfel – überstrahlen all den Mist, der mich die letzten 2 Jahre lang versucht hat von diesem Weg abzubringen. Es spielt alles keine Rolle mehr, egal was mich nächtelang wachhielt, was zerbrach oder daneben ging. Alles bedeutungslos. Das Boot ist bereit und ich stehe hier und leuchte.

Täglich erreichen mich nun auf dem Postweg versiegelte Briefe und Glücksbringer für die Reise. CD’s, Glücksbänder, Ausgefallene Süssigkeiten. Ich genieße das. Bin reichlich stolz auf das Vertrauen. Und gestern dann, ich wollte gerade am Boot zusammen räumen, ein kleiner magischer Moment: Ein Mann tauchte plötzlich neben dem Boot auf, und sprach mich an. „Er hätte etwas für mich, wo es noch ins Boot passen würde“. Ich solle meine Augen schließen und die linke Hand öffnen. Steine! Sechs Stück umschmeichelten meine Finger. Schwer. Rau. Ich öffnete die Augen und fand Chondrite in meiner Hand. Meteoriten. Wow! „Ich solle fühlen, und mir einen aussuchen“. Ich wählte den kleinsten, den rundesten. Meinen neuen Glücksbringer.

Wie ich später erfuhr, sammelte der Mann die Meteoriten seit vielen Jahren in der Sahara. Als Einzelgänger unterwegs – und jetzt, wo er gerade daran war wieder Wurzeln in Deutschland zu schlagen, kreuzte ich mit meinem kleinen Boot seinen Lebensweg. Und bei aller Rationaliät, der Moment war einfach durchschlagend, magisch. Und vielleicht lag es nicht an dem Meteoriten, sondern an der Energie, die da durch den Raum zwischen zwei Menschen übertragen wurde, die sich verstehen. Magisch, was immer das im Auge des Betrachters für Bilder zu erzeugen vermag.

Ja, ich genieße jede Minute, jede Sekunde im Moment. Bin glücklich um die Menschen die ich gerade um mich weiß. Meine Familie, meine Freunde. Alles läuft perfekt. Ich bin zurück in Speyer, bei Georg und Andreas, dem Team Lehr-Gestaltung, die Jungs die das Boot wieder neu bekleben … bezaubern. Ich fühle mich schrecklich wohl dort. Auch Rainer Magin, der mir der immer da ist wenn ich am Boot nicht weiter weiß , ach … ich würde Euch alle gern einpacken und mitnehmen 🙂 Ich vermisse Euch ja jetzt schon!

Aber in 25 Tagen ist all das vorbei, in 25 Tagen lächelt niemand mehr wenn ich morgens aus dem Bett krieche, niemand trinkt Kaffee mit mir, niemand hält mir einen Schraubenschlüssel. Keine Augen in die ich schauen kann für viele, viele Monate. Nun denn, auf geht’s!

Am 14.11 wird das Boot nach Portugal gezogen. Also in genau 19 Tagen. Ich bin sehr, SEHR erleichtert, dass ich das Boot nicht selbst über mehr als 2500 Kilometer in die Algarve ziehen muss. Den Transport übernimmt die BSH Verkehrstechnik GmbH aus der Schweiz. Für die im Schwertransport erprobten Jungs ist das Boot dann natürlich mal ein Leichtgewicht mit ca. 1500kg inklusive Trailer. Für mich ist wichtig dass ich mein Baby in guten Händen weiß, und mich auf die Logistik vor Ort konzentrieren kann, während das Gespann nach Portugal rollt. Daher noch mal meinen ganzen Dank an das Team in der Schweiz! Ich bereite nun alles für den Transport vor.

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Noch 42 Tage

Und wieder acht Striche an die Wand gemalt. Noch 42 Tage. Ich packe nach wie vor das Boot und meine Seesäcke und Pelicases zusammen. Sogar das „Erste Hilfe“ und Medikamentenkit ist nun vollständig, was allein neun Kilogramm auf die Goldwage bringt. Das macht dann genau 4,15 € pro Feinunze – auch nicht schlecht. Ob ich das ohne die erfahrenen Mediziner und die extrem achtsamen Helferinnen der Apotheke überhaupt zusammenbekommen hätte? Nein, natürlich nicht! Dankeschön!

Und da stehe ich nun vor 230 Kilogramm an Lebensmitteln, die ich ebenfalls einpacken muss. Die Hände vorm Gesicht zusammengeschlagen. „Wie soll ich das nur alles in Boot bekommen?“. Allein 60 Kilogramm an gefriertrockneten Menüs vom Outdoorfoodshop. 450 Stück. Und dazu müssen 140 Day-Packs eingetütet werden. Einer pro Tag – gefüllt mit Schokolade, Cerealen-Riegel, Trockenfleisch, Vitamine, Bonbons und Pastillen, Nüsse, Trockenfrüchte, TEE … und einem Brief zum lesen (jedenfalls glaube ich fest daran, dass jemand noch welche schreibt!) Besondere Aufmerksamkeit bekommen die Tüten für Weihnachten, Silvester und die Geburtstage der Familie, die ich nicht mitfeiern kann. So gibt es im Moment nicht viel zu erzählen … es wäre besser euch einzuladen, damit ihr alle mithelfen könntet. Aber wird schon.

Am … -ohje, wann war das noch- ah … am Mittwoch war das SWR Fernsehen hier und hat gefilmt. Der Beitrag lief am gleichen Abend, und ich muss gestehen, ich habe ihn noch nicht wirklich gesehen. Die folgenden Sendetermine, auch bei den anderen Sendern, gibt es dann wie gewohnt wieder auf Facebook, da ich meist unterwegs bin und nicht immer blogen kann, wo ich sie kurzfristig erfahre.

Gut, ich lasse dann mal wieder Bilder sprechen. Heute haben Sie, so denke ich, eine besondere „Anziehungskraft“.

PS: Die Website hat ein letztes großes Make-over erfahren heute. Sollten euch noch gröbere Fehler auffallen, sollte etwas essentiell Wichtges fehlen oder nicht funktionieren – bitte gebt mir bescheid, noch kann ich die Seiten editieren. Dankeschön.
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Das Boot ist eine Zeitmaschine

Da bin ich inzwischen schon wieder ein Jahr älter geworden und hätte es fast nicht einmal bemerkt. 34 Jahre also, hmmm. Nunja, wenn ich die Zeit anhalten möchte, dann sollte ich mir dringend ein anderes Projekt aussuchen. Kann es für Außenstehende, in einem anderen Inertialsystem, nicht schnell genug gehen – im Boot selbst verbiegt sich bereits Zeit und Raum. Zeitdilatation. In den letzten Wochen ist unglaublich viel passiert, und vielleicht sollte ich wirklich einmal ein Buch darüber schreiben, oder zwei oder zwanzig. Es würde nicht mangeln an Erlebnissen – und weniger werden es sicher auch nicht ab Dezember. Fast täglich versuche ich, wo immer ich gerade im, am oder auch unterm Boot liege, ein Meldung in den sozialen Netzwerken abzusetzen – aber nun ist es wieder einmal an der Zeit das Erlebniskondensat der letzten Tage und Wochen in einen neuen Blogeintrag zu gießen. Nur noch drei Monate, zwölf Wochen, dann lege ich ab. „Ob ich denn Lampenfieber hätte?“, werde ich nun fast täglich gefragt, „ob ich aufgeregt sei?“. Braucht es wirklich eine Antwort darauf?

Das Boot lag nun einige Zeit im Wasser, wir beide haben fast ein Dutzend Unwetter, teils schwere Gewitter gemütlich überstanden und wir sind, würde es nun noch beladen werden, eigentlich bereit für die Reise. Meinem Perfektionismus ist es allerdings geschuldet, dass nun doch noch für einige Operationen im September das Werkzeug gewetzt wird. So wandert der Meerwasserentsalzer in eine andere Luke, etwas weniger vom Kondenswasser belastet; die Isolation im Innenraum wird modifiziert (ebenfalls dem Kondenswasser geschuldet) oder auch ein Sonnenschutz (Netz) fehlt noch. Doch soweit so gut: Bonusprobleme, Zeit dafür sollte sich noch finden.

Bifröst liegt hervorragend im Wasser, machte eine tolle Figur vor den Kameras und, wo ich mich richtig in die Ruder legte, schiesst sie mit 2.5 Knoten in den Sonnenuntergang. Die neuen, hochspeziellen Gleitlager für den Rudersitz sind eingebaut, Navigations- und Kommunikationsequipment läuft probemlos und die Leistung der Centrolsolar Solarzellen ist einfach nur phantastisch. Natürlich habe ich mit beiden Panels zu je 105 Watt ordendlich „Power“ auf dem Dach, aber vor allem wo die Sonne schwächelt, zeigt sich, dass es vor allem die Effizienz der Zellen ist, die mir ein Weitladen der Batterien ermöglichen. Bei knappem Sonnenstand im Winter von nur 30° in Portugal, werde ich diese auch benötigen.

Nun wird es also Zeit das Boot mit den benötigten Lebensmitteln zu beladen. Die 450 gefriertrockneten Menüs, in all der großen Sortenvielfalt, die mit den Experten vom Outdoorfoodshop zusammengestellt wurden, sind bereits in den Luken verstaut, nun folgen fast 400 Clif Bar Riegel, kiloweise leckere Schokolade, Bonbons, Saatgut, gesunde Naturprodukte und eine große Vielfalt an Wetfood (Lebensmitteln, die ohne Zugabe von Wasser zubereitet werden können), Konserven, Nüssen, Eiweißriegeln. Dank Wasgau kommen diese per LKW direkt ans Boot. Dann beginnt das Lukentetris. Nicht nur das hunderte an Kilogramm überhaupt erstmal unter Deck Platz finden müssen, nein, das Boot muss dabei auch noch getrimmt werden. Wer die Anzahl und Größe der Kartons hier sieht, und versucht sie anzuheben, der schlägt meist die Hände über dem Kopf zusammen und der nächste Satz beginnt dann mit ziemlicher Sicherheit mit dem Wörtchen „Wie?“

Die Brenntests der beiden Titan Gaskocher, die mir Bergzeit unter anderem zur Verfügung gestellt hat, wurden ebenfalls erfolgreich abgeschlossen – der genaue Gasverbrauch ermittelt. Er liegt exakt im Bereich dessen, was theoretisch vorher errechnet wurde. Perfekt! Ich werde 8 Gaskartuschen zu je 450g weit, weit entfernt vom Schlafbereich, tief im Kiel verstauen. Ja, somit sind in Kürze also Lebensmittel mit einem Gesamtnähwert von täglich 6000 bis 8000kcal für deutlich mehr als die 4 Monate an Bord, dazu Brennstoff, Kocher und Geschirr. Auch nicht zu unterschätzen: Der Bedarf an Getränkepulvern, die das Trinkwasser aufpeppen, bzw. mich mit zusätzlichen Kalorien versorgen.

Auch das Satellitentrackingsystem ist nun einsatzbereit. Die Details gebe ich Euch in Kürze weiter, aber das Boot wird wie geplant während der ganzen Reise seine Position in regelmäßigen Abstanden über Inmarsat-Satelliten an das Team von Satpro übermitteln, die die Daten dann grafisch aufbereiten und veröffentlichen.

Also, so langsam können wir uns für einen Countdown warmmachen. The blog is available in german, but due to the increasing interests, we are going to translate all content at the moment. Please come back agian soon.

7000 Kilometer voraus, dann eine Weile nichts

Warum tue ich das – Warum nur diese Herausforderung? Nichts schlägt mir im Moment häufiger entgegen als diese eine Frage. Und immer hole ich aus, und erzähle vom Funken, dem Zeitungsartikel über Tori Murden, welcher den Flächenbrand in mir entzündete. Und ich denke, irgendwo findet jeder seinen seltsamen Funken, der zündet, wo er nur genug trockenes Holz findet. Irgendetwas trägt jeder von uns in seinem Herzen, und meint es sei zu riskant, zu gefährlich, zu teuer die Flammen lodern zu lassen. Aber so richtig löschen wollen wir auch nicht. Also halten wir ein winziges Flämmchen am Leben. Oder etwa nicht? Doch wo man nur ganz genau hinschaut, da begleitet uns doch ständig die Angst, dass ein kalter Schwall von Realität die Flamme löschen könnte. Dann wird’s wieder dunkel. Also halten wir uns gut an den Ketten und Schnürren im Leben und schreiten im Tross voran. Sicherheitshalber. Tag um Tag. Sollte das stimmen, ist die Frage nach dem „Warum“ eigentlich hinfällig. „Warum nicht?“ sollte sie lauten. Warum nicht aufstehen, und Benzin ins Feuer schütten. So richtig hell wird’s dann. Vor 10 Jahren hielt ich es für unmöglich selbst über einen so rauen Ozean zu rudern, obgleich ich dieses Flämmchen im Schosse hütete. Die primäre Herausforderung liegt nicht in der Ankunft auf der anderen Seite, nein, sie liegt auf dem Weg bis zur Kaimauer in Portugal, wo ich das Boot abstoße. „Ich hab’s getan!“ Dann habe ich die schwerste Last gestemmt. Alles andere ist Bonus … hart, quälend aber eben trotzdem ein Bonus. Macht das Sinn? Nimmt man erst mal die erste Hürde, wird so ein Projekt zum Selbstläufer. Tausende Gründe und Rechtfertigungen lassen sich auf dem Weg einsammeln. Rollt der Mühlenstein erst einmal, so reißt er auf seinem Weg ach so viele andere Weidenzäune und Grenzen mit weg. Klar könnte ich lang analysieren, warum ich gerade das Rudern über einen Ozean so faszinierend finde – warum ich nicht segle oder über’s Wasser laufe. Könnte ich vielleicht, ja. Tue’s aber nicht, sondern jage meinen Mühlenstein und werfe ihn am Ende vielleicht doch noch irgendwann um. Dann verweile ich darauf, und schaue zurück … mal sehn was ich angerichtet habe.

Also, was soll ich auf die Frage antworten? Alles findet an einem Punkt zusammen. Dieses Projekt ist die Essenz meiner Erfahrung und meiner Erwartungen. Es war nicht der Funke, oder das Streichholz allein, welches den Flächenbrand verursachte. Es gab nie diesen einen Grund. Ich tue es, weil ich so bin wie ich bin, und zufällig im richten Moment ein Streichholz gefunden habe, um den ganzen Haufen anzustecken 🙂 Und wo’s erst mal lichterloh brennt, da spiele ich nun den Feuerteufel und kann nicht mehr von den Flammen ablassen. Asche auf mein Haupt.

Aber genug davon. Schauen wir uns mal die Häkchen in der Aufgabenliste an:

  • Die Ruder sind da! ENDLICH. Drei Paar, 3.05 Meter lang, 2.5 Kilo schwer (Karbon-Kevlar). Was eine schwere Geburt! Was immer auch schiefgehen konnte – meine Ruder hat’s erwischt. Am Ende habe ich sie in England auf eigene Kosten fertigen lassen, um nicht noch mit den Händen nach Antigua paddeln zu müssen. Hier auch mal ein ganz großes Dankeschön an die Logistik-Profis von Wincanton, die mir das Überraschungspaket in Überlänge nach Mannheim gebracht haben. Schon einmal, als ein neun Meter langes Boot-Trailer Gespann nach Deutschland geholt werden musste, konnte ich mich auf die großartige Unterstützung von Wincanton verlassen. Manche Dinge laufen eben einfach … und andere nie. Wünschte Wincanton würde auch Ruder bauen 🙂 Danke auch an Norbert von der RGS für den Transport nach Speyer.

  • Die gefriertrockneten Menüs und Dessert vom Outdoorfoodshop sind auch eingetroffen. Nicht 50, nicht 100 Stück, nein, 450 Packungen! Nur wer die Karton in den 2 Stock schleppen durfte, der weiß, wie viel das ist. Und trotzdem, eine große Last ist von meinen Schultern gefallen als ich diesen Haken in der Liste machen konnte. Danke Michael!

  • Und was brauchen wir für die Menüs? Wasser, richtig. Welch’ Glück, hat Katadyn mir gerade auch den neuen Meerwasser-Entsalzer vorbeigebracht. Plus unzählige Filter, Schläuche, Ersatzteile – alles was ich für Einbau und Überquerung benötige. Auch das winzige Notfall-Ersatzgerät , der kleinste Entsalzer der Welt, war im Service und ist nun prinzipiell einsatzbereit für die Rettungsinsel. Der große Power Survivor 40E Entsalzer ist das Herz meines Bootes. Klein, stark und extrem effizient. Wo hier etwas schief gehen würde, hätte ich ganz, ganz, GANZ große Probleme. Wird also seine Gründe haben, dass ich genau diese Gerät einbaue. Und es nimmt natürlich auch viel Druck von mir, wo ich mit Katadyn die Experten an meiner Seite habe.

  • Probleme gab es dagegen leider mit dem GfK-Laminat beim Kleben des Kojensegels. Die Haken haben leider nicht auf dem Substrat gehalten, da der Untergrund nicht optimal zu schleifen, und zu dünn war. Und nun? Glücklicherweise waren gleich die Klebe-Profis von 3M am Boot und haben mit mir einen Alternativplan geschmiedet. Mit neuen Materialien und Ideen werden wir das Ganze schon an die Wand bekommen. Ich habe jetzt neue Aluminium Profile auf das Fiberglas-Laminat geklebt und werde daran die bigHeads befestigen.

  • Dann, auch absolut phantastisch: Ich habe ein Satelliten-Telefon bekommen! Als Leihgabe von Michael (Superlieben Dank!) inklusive des Daten-Kits, Antenne und Ersatzakkus. Ich weiß noch nicht ob ich ein Backup-Gerät mitnehme, was sehr sinnvoll, aber teuer wäre – doch prinzipiell steht damit einem Live-Blog nichts mehr im Wege. Große Bilder oder Video sind damit zwar nicht senden, aber ein tägliches Update in Textform – das war ja auch der erste Plan. Schauen wir mal was noch kommt. Die Gesprächs/Daten-Einheiten im Iridium Netz sind natürlich astronomisch. Etwa 1,50US$ pro Minute + 50US$ Post-Paid Monatsgebühr. Das Senden einer Email mit unkomplizierten 2400bps dauert also eine Weile und kostet richtig. Zum Vergleich: Ein Bild mit der Größe von einem Megabyte dauert im Upload etwa eine Stunde – das wären 90US$ oder 65€ für ein schickes Wal-Foto 🙂 Ich suche noch nach einer Backup-Lösung für das Notebook. Technisch sollte ein uralter Psion 5MX guten Dienst tun. Sollte noch jemand einen im Keller haben, oder anderen Ersatz mit COM Schnittstelle wissen: Bitte melden.

  • Ach ja! Und meine Feuerlöscher habe ich live getestet. Dank der FFW Neulußheim wurde an dem Abend mal richtig gezündelt. Eines ist sicher: Ein Brand ist das schlimmste was an Bord passieren kann – egal welcher Puppenstuben-Löscher am Ende mitkommt. Daher jetzt auch wieder so viel Aufwand mit der Isolation in der Kabine. Aber dazu mehr beim nächsten Mal.

Hier nun die Bilder. Ich hoffe ich habe nichts vergessen – fürchte aber das dem so sein wird. Aber ihr wisst ja: Auf Facebook schreibe ich tagaktuell.

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Die neue Welle

Eine tolle Woche? Mein Trainingszeitplan geriet gehörig ins Wanken, als unvorhersehbare, menschgemachte Probleme am Horizont auftauchten. Harte Entscheidungen standen an: Warten, aussitzen und darauf hoffen dass das versprochene Wunder noch passiert – oder durchatmen, Anlaufen nehmen und vom falschen Zug abspringen. Nur nicht gegen die Fahrtrichtung – obacht! Nicht dass es einem noch den Boden unter den Füssen wegzieht und man unter die Räder gerät. Aber eines habe ich ja gelernt: Aussitzen und nichts tun, gar keine Entscheidung treffen, ist am Ende meist die schlechteste Option. Naja, ich habe nun aufgeräumt und mir Sicherheit erkauft. Richtig, richtig teuer erkauft. Mist! Aber das Einzige was zählt ist, dass das Boot optimal ausgerüstet ist und im Dezember sicher in Portugal im Wasser liegt. Das wird es – also ist alles andere sowieso nur Wegzehrung.

Nun, diese letzten Zeilen waren der Anfang des ursprünglichen Blogeintrages, der da seit letztem Wochenende hier herumdümpelte und auf Fertigstellung hoffte. Wurde aber nix, da der Wind drehte und plötzlich mir die positiven Neuigkeiten nur so ins Gesicht blies. Achterbahn mal wieder – ihr kennt das ja schon. Weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Am Besten ich teile den Blogeintrag und mache zwei daraus. Also …

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wird eine umfangreiche Reportage über mein Projekt drehen. Sie begleiten mich nun durch die Vorbereitung, an die Startlinie und holen mich in Antigua ab. Das Boot bekommt ein kameratechnisches Make-over und ihr dürft auf das Resultat gespannt sein. Ich habe eine Menge Anfragen aus den Medien und arbeite an konkreten Projekten – dieses hier ist nun das erste einer Welle die ich endlich mit euch teilen darf. Ich finde es sehr spannend – bin aber auch reichlich nervös. Muss da erstmal reinwachsen. Ich gebe zu: ich bin sehr stolz, aber auch schrecklich aufgeregt *lacht* Aber wird schon. Muss!

Dann habe ich zusammen mit Michael Blümel vom Outdoorfoodshop meine Liste für die gefriertrockneten Hauptmahlzeiten und Desserts abgestimmt. 120 Tage = 300 Menüs, 150 Desserts sowie eine ganze Menge an spezieller Nahrung. Dazu werde ich euch aber einen separaten und ausführlichen Blogeintrag schreiben – Ihr werdet staunen was ich alles an Nahrung mitnehme! 8000kcal am Tag, ihr erinnert euch. Jetzt bin ich erst mal gespannt, wo ich überhaupt genug Platz finde um die ganzen Tagesrationen zu packen. Energie- und Proteinriegel fehlen noch … mein

Auch mein Equipment von Waeco ist angekommen. Vor allem ein neues spezielles Ladegerät für hochwertige AGM Batterien tat dringend Not. Meine alten Batterien von 2007 waren so sulfatiert, dass sie am Ende einen dicken Bauch bekommen hatten. Da ich dies erst nachts bemerkte, und direkt mit der Schlafmatte darüber lag, musste ich im Halbdunkel einer Taschenlampe die 32 Kilogramm schweren Batterien ausbauen und umverkabeln. So lernt man auch sein Boot kennen. Aber dank neuer Lifeline Leihbatterien von Setronic und dem Landgerät von Waeco kann ich endlich wieder unbesorgt schlafen und jetzt erstmal weiter an der Elektronik schrauben. Im Dezember starte ich dann natürlich mit neuen Batterien durch – wenn mein Budget dass noch zulässt *g. Ach, und außerdem gab’s noch einen neuen Sinus-Wechselrichter, der 12 Volt in 230 Volt wandelt und eine, ja lacht nur!, kleine, sparsame mobile Kühlbox (Bilder im Anhang)

Und wo wir schon bei Batterien sind: Mörer, mein tatkräftiger Ausrüster im Schiffselektronikbereich, hat mir auch gleich mit einem neuen Batteriemonitor aus der Patsche geholfen. Ein Messgerät, welches es mir ermöglich den exakten Ladestand der Batterien abzuschätzen. Gar nicht so einfach wie man meint. Das Gerät misst über sogenannte Mess-Shunts in beiden Batterie-Stromkreisen den entnommenen und von den 210 Watt SOLARA Panels zugeführten Strom, und weiß so zu jeder Zeit was noch an Restenergie in den Zellen schlummert. Für mich natürlich enorm wichtig zu wissen.

Sehr gute Neuigkeiten auch für meine Haut! Ihr wisst ja dass die UV Strahlungs-Belastung auf See weitaus höher ist als an Land. Und in den Breiten in denen ich rudere (ja fast am Äquator) ist Hautschutz dann natürlich ein ganz, ganz großes Thema. Lang habe ich überlegt, habe mich mit vielen Extrem-Wassersportlern beraten. Ich bin ständig nass vom Meerwasser, schwitze, rudere 12 Stunden in der prallen Sonne. Die Lösung: Ultrasun – Sonnenschutzprodukte die auch für so eine Herausforderung geeignet sind. Die gute Nachricht: Ultrasun wird mich nun bei dem Projekt unterstützen und mir die Produkte zur Verfügung stellen. Und ja, das ist eine ganze Menge für 4 bis 5 Monate auf hoher See. Lieben Dank dafür!

Ganz tolle Neuigkeiten auch für meine Ohren: Mit Audible konnten ich das weltweit größte Internetportal für den Download von Hörbüchern als Ausrüster gewinnen. Audible.de stellt mir alle für die Überquerung benötigten Hörbücher zur Verfügung. Ich rudere 12 Stunden am Tag, das 120 mal – ja dann, jetzt benötige ich noch einen Sponsor für größere iPods. Nein, war kein Scherz *lacht* Ich werde ca. 60 oder 70 Hörbücher mitnehmen. Nicht nur zum Spaß – aber auch. Der Reizentzug und die körperliche Erschöpfung sind ein gefährliches Paar. Musik und Hörbücher sind die einzigen Waffen um nicht verrückt zu werden. Und das meine ich vollen Ernstes.

Sooo. Damit ich zukünftige Probleme am Horizont nun schneller entdecken kann, habe ich mir auch hier Unterstützung ins Boot geholt. Ich bekomme ein hochwertiges und zuverlässiges Marine-Fernglas von Steiner. Natürlich unverzichtbar für mich. Alles technische Equipment zur Kollisionsverhütung an Bord ist schön und gut – aber wenn der Kaptain des Öltankers sein AIS oder Radar ausgeschaltet hat, dann hilft es nicht weiter. Daher muss ich auch alle zwei Stunden raus und den Horizont absuchen. Von wegen durchschlafen!

Aber gut … genug für heute. Mehr heiße News täglich auf Facebook und Twitter.