Und immer noch 25 Tage

*tick* Und da steht die Uhr plötzlich still. Das Boot ist bepackt, und ich liege nicht eine einzige Minute hinter meinem Zeitplan. Gibt’s ja nicht. Scherze machen sie schon über mich in England, so typisch deutsch wäre ich – so pünktlich, durchplant und organisiert. Also irgendwas muss doch noch kaputt- oder schiefgehen. Wo bleibt denn sonst die Dramatik. Ja, Dramatik – Pustekuchen. Nicht mal aufgeregt bin ich mehr. Alles weg, total entspannt, irgendwie wie ausgeklinkt, stressimmun bin ich da plötzlich. Gerade Ich! Ich sollte Haare raufen, panisch durch die Welt telefonieren, eilig packen, testen, reparieren und trainieren.

Ich verstehe es ja auch nicht, weiß nicht wo im Drehbuch der Fehler lag und die Protagonistin aus dem Drama in die Komödie schlitterte. Nach so langer Vorbereitung, nach all den Achterbahnfahrten *klick* alles weg – nur tiefste innere Zufriedenheit, Leichtigkeit und Überzeugung. Und dabei habe ich noch nichtmal abgelegt. Ich weiß ich habe das beste Boot, ich weiß ich bin fit … und der Kopf? Bin ich mental bereit? Bin ich „heiß“ auf das Abenteuer?

Ich leuchte! Mein Herz leuchtet! Es explodiert nicht, es zerspringt nicht – schlägt keine Loopings. Es glüht nicht in heißem Orange, es ionisiert das Blutplasma mit einem kühl leuchtenden Blau, und pumpt es, elektrisiert, noch in die letzten Zellen meines linken kleinen Zehs. Alles läuft nun zusammen im kleinen Zeh Europas, in Portimao, Portugal. Bestes Equipment, optimale Vorbereitung und Fitness und jetzt ist der Kopf auch frei. Die Sensoren öffnen sich wieder, subtile Eindrücke wuchten sich plötzlich wie schwere Reissäcke über das emotionale Grundrauschen. Hämmern so brachial gegen mein Trommelfell, blenden mir die Augäpfel – überstrahlen all den Mist, der mich die letzten 2 Jahre lang versucht hat von diesem Weg abzubringen. Es spielt alles keine Rolle mehr, egal was mich nächtelang wachhielt, was zerbrach oder daneben ging. Alles bedeutungslos. Das Boot ist bereit und ich stehe hier und leuchte.

Täglich erreichen mich nun auf dem Postweg versiegelte Briefe und Glücksbringer für die Reise. CD’s, Glücksbänder, Ausgefallene Süssigkeiten. Ich genieße das. Bin reichlich stolz auf das Vertrauen. Und gestern dann, ich wollte gerade am Boot zusammen räumen, ein kleiner magischer Moment: Ein Mann tauchte plötzlich neben dem Boot auf, und sprach mich an. „Er hätte etwas für mich, wo es noch ins Boot passen würde“. Ich solle meine Augen schließen und die linke Hand öffnen. Steine! Sechs Stück umschmeichelten meine Finger. Schwer. Rau. Ich öffnete die Augen und fand Chondrite in meiner Hand. Meteoriten. Wow! „Ich solle fühlen, und mir einen aussuchen“. Ich wählte den kleinsten, den rundesten. Meinen neuen Glücksbringer.

Wie ich später erfuhr, sammelte der Mann die Meteoriten seit vielen Jahren in der Sahara. Als Einzelgänger unterwegs – und jetzt, wo er gerade daran war wieder Wurzeln in Deutschland zu schlagen, kreuzte ich mit meinem kleinen Boot seinen Lebensweg. Und bei aller Rationaliät, der Moment war einfach durchschlagend, magisch. Und vielleicht lag es nicht an dem Meteoriten, sondern an der Energie, die da durch den Raum zwischen zwei Menschen übertragen wurde, die sich verstehen. Magisch, was immer das im Auge des Betrachters für Bilder zu erzeugen vermag.

Ja, ich genieße jede Minute, jede Sekunde im Moment. Bin glücklich um die Menschen die ich gerade um mich weiß. Meine Familie, meine Freunde. Alles läuft perfekt. Ich bin zurück in Speyer, bei Georg und Andreas, dem Team Lehr-Gestaltung, die Jungs die das Boot wieder neu bekleben … bezaubern. Ich fühle mich schrecklich wohl dort. Auch Rainer Magin, der mir der immer da ist wenn ich am Boot nicht weiter weiß , ach … ich würde Euch alle gern einpacken und mitnehmen 🙂 Ich vermisse Euch ja jetzt schon!

Aber in 25 Tagen ist all das vorbei, in 25 Tagen lächelt niemand mehr wenn ich morgens aus dem Bett krieche, niemand trinkt Kaffee mit mir, niemand hält mir einen Schraubenschlüssel. Keine Augen in die ich schauen kann für viele, viele Monate. Nun denn, auf geht’s!

Am 14.11 wird das Boot nach Portugal gezogen. Also in genau 19 Tagen. Ich bin sehr, SEHR erleichtert, dass ich das Boot nicht selbst über mehr als 2500 Kilometer in die Algarve ziehen muss. Den Transport übernimmt die BSH Verkehrstechnik GmbH aus der Schweiz. Für die im Schwertransport erprobten Jungs ist das Boot dann natürlich mal ein Leichtgewicht mit ca. 1500kg inklusive Trailer. Für mich ist wichtig dass ich mein Baby in guten Händen weiß, und mich auf die Logistik vor Ort konzentrieren kann, während das Gespann nach Portugal rollt. Daher noch mal meinen ganzen Dank an das Team in der Schweiz! Ich bereite nun alles für den Transport vor.

Sorry, only available in german language

Traum, Drama, Trauma, Drama, Traum …

Womöglich habt ihr schon darüber gelesen, aber ich dachte ich greife den heftigen Zwischenfall mit Bifrösts Schwesterschiff noch mal im Blog auf. Keith Whelan startete im Mai in Geraldton, Australien mit dem Ziel Mauritius. Geplante 6000 Kilometer über den Indischen Ozean. Nach einigen größeren Zwischenfällen trat dann, nach fast 4 Wochen, auch noch der Supergau ein. Nach einem extrem lauten „Schlag“ in der Dunkelheit, wurde Keith durch die Kabine geschleudert. War’s ein Tanker der das Boot gerammt, und es womöglich nicht einmal bemerkt hatte? Nein, das Boot war augenscheinlich in Ordnung. Nachdem sein Adrenalinpegel geringfügig gesunken war, bemerke er, dass er sehr stark blutete. Am Kopf! Keith war nicht in der Lage die Wunde an dieser Stelle selbst zu nähen und benötigte Unterstützung. Nach zahlreichen Telefonaten seines Teams an Land, konnte ein Containerschiff „in der Nähe“ gefunden und umgeleitet werden. In der Hoffnung auf schnelle medizinische Versorgung und eine rasche Rückkehr ins Ruderboot, wagte Keith das Abenteuer und versuchte an Bord des 200 Meter langen Riesen zu klettern. Er ist zwar wieder wohlauf, doch das Ruderboot wurde bei dieser Aktion schwer beschädigt. Das vorläufige Ende des Abenteuers. Die ganze Geschichte findet ihr, klar, bei Keith im Blog -allerdings würde ich, nach Rücksprache mit ihm, euch gern die Bilder der Aktion hier zeigen:

Warum? Die meisten Besucher an meinem Boot sind erstaunt ob all der Elektronik, Lichter, Signalmittel (Raketen, Handfackeln, Laser etc.) und dem ganzen „technischen Firlefanz“. Und ich muss immer wieder ausholen mit dem Satz: „Mich sieht da draußen niemand!“. Ich denke die Bilder von Keith machen nun auch deutlich was ich damit meine. Ein weißes Boot zwischen weißen Wellenkämmen … nun ja. Und das war am Tag, bei durchschnittlichem Wellengang. Ich hoffe also, dass ihr jetzt etwas besser versteht, warum ich diesen ganzen Aufwand treibe. Warum ich Signallaser, Leuchtrakten, Reflex- und Lumineszenzfolien, Handfakeln, AIS Systeme, Funkgeräte, Satellitentelefone und aktive Radar-Zielverstärker da über den großen Teichen wuchte. Da viele meiner Besucher am Boot nicht segeln, geschweige denn über Ozeane rudern, kann ich die Verwunderung natürlich verstehen. Mein Boot ist so winzig – wenn der Wind nur hüstelt, dann verschwinde ich in den Wälentälern und bin praktisch unsichtbar. Das Auge reicht auch bei spiegelglatter See (wie übrigens auch im besten Fall mein Funkgerät) bis zum Horizont. Welcher Entfernung entspricht das? Schaut mal hier. Ganze fünf Kilometer weit kann ich auf dem Deck sehen. Ca. 2.7 Seemeilen. Nur bei wirklich spiegelglatter See wohlgemerkt! Und selbst das ist nicht wirklich viel, oder? Ein 450 Meter langer Tanker benötigt etwa neun Kilometer zum Aufstoppen. Mal im Verhältniss. Ein Containerschiff mit einer Geschwindigkeit von 15 Seemeilen pro Stunde (kn) legt die Distenz zu meinem Horizont in genau (60min/(15kn/2,7sm)) = 11 Minuten! zurück. Will heißen: Selbst bei optimalem Wetter und Wellengang hätte ich nur elf Minuten Zeit etwas zu unternehmen, um eine potentielle Kollision zu vermeiden. Kommt starker Wellengang und verminderte Sicht ins Spiel, relativiert sich das noch mal erheblich … bis vollständig. Es sei hier natürlich angemerkt, dass die Aufbauten eines Containerschiffs mit seiner enormen Höhe auch hinter dem Horizont sichtbar wäre. Ihr sehr also: Höhe ist alles auf See! Das gilt für Augen, Antennen, Lichter, Moral und Überzeugung.

Keith wird übrigens einen neuen Versuch unternehmen. Ich fand ein passendes Zitat bei ihm:

“Fear holds us and binds us and keeps us from growing. It kills a small piece of us each day. It holds us to what we know and keeps us from what’s possible, and it is our worst enemy. Fear doesn’t announce itself; it’s disguised, and it’s subtle. It’s choosing the safe course; most of us feel we have “rational” reasons to avoid taking risks. The brave one is not the one without fear, but the one who does what he must despite being afraid. To succeed, you must be willing to risk total failure; you must learn this. Then you will succeed.” von George Bernard Shaw.

Na gut … genug. Ich übe mal wieder an der Nadel.. Wer weiß wo für’s noch gut ist …

Ansonsten läuft hier alles wie am Schnürchen. Bis auf die blöde Geschichte mit dem Raben … Mist! Aber das verdränge ich mal gleich wieder und therapiere mich auf Facebook. Wie ihr an den Bildern sehen könnt, sind nun die Peli-Cases angekommen (extrem robuste und wasserdichte Koffer). Und sofort stellt sich die Frage: Was kommt da noch rein, außer dem überlebenswichtigen Satelliten-Telefon und Fernglas? Zwei große Koffer sind ja noch frei. Und selbst wenn einer für die Medikamente wäre – was ist mit dem Notebook-Koffer?

Ok, da kommt natürlich nicht irgendein Noteboot rein, auch klar. Und sein wir ehrlich, es gibt nur eines, welches mutig und „taff“ genug ist, für so ein nasses Abenteuer: Ein Panasonic Toughbook. Könnt‘ loslegen und erzählen wie sehr ich gehofft hatte DASS … aber frei nach dem dem Motto: „‚I had an idea that turned into a dream, that became a passion that is now a reality!'“ – Die ultimative Herausforderung steht vor mir – und Panasonic steht mir mit bestem Equipment im Bereich Notebook und Kameras zur Seite. Dann kann nichts mehr schief gehen!

The blog is available in german, but due to the increasing interests, we are going to translate all content at the moment. Please come back again soon.