Noch 42 Tage

Und wieder acht Striche an die Wand gemalt. Noch 42 Tage. Ich packe nach wie vor das Boot und meine Seesäcke und Pelicases zusammen. Sogar das „Erste Hilfe“ und Medikamentenkit ist nun vollständig, was allein neun Kilogramm auf die Goldwage bringt. Das macht dann genau 4,15 € pro Feinunze – auch nicht schlecht. Ob ich das ohne die erfahrenen Mediziner und die extrem achtsamen Helferinnen der Apotheke überhaupt zusammenbekommen hätte? Nein, natürlich nicht! Dankeschön!

Und da stehe ich nun vor 230 Kilogramm an Lebensmitteln, die ich ebenfalls einpacken muss. Die Hände vorm Gesicht zusammengeschlagen. „Wie soll ich das nur alles in Boot bekommen?“. Allein 60 Kilogramm an gefriertrockneten Menüs vom Outdoorfoodshop. 450 Stück. Und dazu müssen 140 Day-Packs eingetütet werden. Einer pro Tag – gefüllt mit Schokolade, Cerealen-Riegel, Trockenfleisch, Vitamine, Bonbons und Pastillen, Nüsse, Trockenfrüchte, TEE … und einem Brief zum lesen (jedenfalls glaube ich fest daran, dass jemand noch welche schreibt!) Besondere Aufmerksamkeit bekommen die Tüten für Weihnachten, Silvester und die Geburtstage der Familie, die ich nicht mitfeiern kann. So gibt es im Moment nicht viel zu erzählen … es wäre besser euch einzuladen, damit ihr alle mithelfen könntet. Aber wird schon.

Am … -ohje, wann war das noch- ah … am Mittwoch war das SWR Fernsehen hier und hat gefilmt. Der Beitrag lief am gleichen Abend, und ich muss gestehen, ich habe ihn noch nicht wirklich gesehen. Die folgenden Sendetermine, auch bei den anderen Sendern, gibt es dann wie gewohnt wieder auf Facebook, da ich meist unterwegs bin und nicht immer blogen kann, wo ich sie kurzfristig erfahre.

Gut, ich lasse dann mal wieder Bilder sprechen. Heute haben Sie, so denke ich, eine besondere „Anziehungskraft“.

PS: Die Website hat ein letztes großes Make-over erfahren heute. Sollten euch noch gröbere Fehler auffallen, sollte etwas essentiell Wichtges fehlen oder nicht funktionieren – bitte gebt mir bescheid, noch kann ich die Seiten editieren. Dankeschön.
Entry only available in german …

Schaulauf

Hier noch ein paar nachträgliche Bilder vom Drehtag, die mich heute erreichten. Gefilmt wurde, natürlich!, am heißesten Tag des Jahres … war ja klar. Die leichte Schlagseite an Steuerbord sei der fehlenden Rettungsinsel an diesem Tag geschuldet – ich schwöre aber, es waren wirklich genug rettende Boote dabei 🙂

The blog is available in german, but due to the increasing interests, we are going to translate all content at the moment. Please come back again soon.

Ein kamerataugliches Projekt

Ich glaube ich bin im Hauptstrom angekommen. Die Wassertemperatur steigt, die Fische springen nun häufiger ins Boot und der Abstand zum nächsten Wegpunkt schmilzt wie warme Butter. Was im Moment alles passiert, raubt mir den Atem. Die Pressetermine nehmen zu, die Arbeit am Boot wird aber auch nicht weniger – was also dazu führt, dass ich Meetings mittlerweile in Arbeitskleidung abhalte und schon nicht einmal mehr versuche die vom Epoxid und Siccaflex auf Wochen ruinierten Hände vor der Linse zu verbergen. Aber irgendwo passe ich auch nicht mehr in Sonntagskleidung auf mein Boot – also, was soll’s.

Nachdem ich diese Woche einige Zeitungsinterviews gegeben hatte, war ich vor allem sehr gespannt auf das erste Treffen mit dem Team vom ZDF. Welche Kameras werden installiert und wohin? Wie bekommen wir das Audio in den Kasten? Wie überspiele ich die Videos, wie bekommen wir das mit dem Live-Stream hin? Was wird mit dem Live-Tracking? … Fragen über Fragen. Auf der einen Seite finde ich den Aufwand gigantisch gut, auf der anderen aber auch gigantisch gigantisch. Schwieriger Spagat – wieder einmal. Aber das Team vom ZDF kümmert sich um die Technik, berücksichtigt meine Möglichkeiten und Wünsche – also wird’s auch gigantisch gut werden. Für die Kampagne -für euch!- ziehe ich das dann auch konsequent durch und mache keine halben Sachen.

Im Moment schaut es danach aus, dass wir eine Kamera außen auf der hinteren Kabine montieren, dazu ein/zwei GoPro’s auf flexiblen Mounts und eine richtige Handcam für das tägliche Videotagebuch. Dazu dann eine praktische Lösung für das Backup der SD Karten. Das System muss leicht und 100% wasserdicht sein, wenig Energie benötigen, und ich habe natürlich weder Zeit noch Energie mich damit stundenlang jeden Tag auseinander zu setzen. Gar nicht so einfach.

Ganz besonders habe ich mich über die neuen Kojensegel gefreut, die mir die Albert Pohle GmbH in Handarbeit gefertigt hat. Es handelt sich dabei um zwei verstellbare Gurtband-Netze, die mich bei der Durchkenterung vor schweren Verletzungen bewahren werden. Dazu werden sie auf beiden Seiten der Schlafmatte gespannt und über klebbare Bigheads am Rumpf verankert. Damit fange ich in den nächsten Tagen an. Sind die Sockel erstmal befestigt, kann ich mich um die Polsterung und Isolierung der Kabinenwände kümmern. Auch nicht so einfach bei den extremen Rundungen im Boot.

Ganz unkompliziert half mir letzte Woche auch die Firma Thiecom mit einem neuen Handfunkgerät aus. Somit bin ich nun im Besitz eines zweiten Gerätes und kann das alte mit einem Satz an AA Batterien in meine Grabbag packen – die Tasche, die ich bei einem Notfall als erstes schnappe wo ich von Bord muss. Da gehört natürlich unbedingt ein Funkgerät rein. Und apropos Funk: Ich benötige jetzt eine neue Funkantenne für die Funkstation. Würde gern auf 2,40 Meter Länge gehen, aber die Frage ist, wie sich eine solch lange Antenne beim Durchkentern schlägt. Aber es gibt nur einen Weg das heraus zu finden – über einen Kentertest im Sommer. Dann kann ich sie ja immer noch tauschen. Und wo wir beim Kentern sind: Endlich auch mal ein Foto von meinem 12 Fuss Para-Sturm-Anker – der ja genau Das verhindern soll.

Die neue Welle

Eine tolle Woche? Mein Trainingszeitplan geriet gehörig ins Wanken, als unvorhersehbare, menschgemachte Probleme am Horizont auftauchten. Harte Entscheidungen standen an: Warten, aussitzen und darauf hoffen dass das versprochene Wunder noch passiert – oder durchatmen, Anlaufen nehmen und vom falschen Zug abspringen. Nur nicht gegen die Fahrtrichtung – obacht! Nicht dass es einem noch den Boden unter den Füssen wegzieht und man unter die Räder gerät. Aber eines habe ich ja gelernt: Aussitzen und nichts tun, gar keine Entscheidung treffen, ist am Ende meist die schlechteste Option. Naja, ich habe nun aufgeräumt und mir Sicherheit erkauft. Richtig, richtig teuer erkauft. Mist! Aber das Einzige was zählt ist, dass das Boot optimal ausgerüstet ist und im Dezember sicher in Portugal im Wasser liegt. Das wird es – also ist alles andere sowieso nur Wegzehrung.

Nun, diese letzten Zeilen waren der Anfang des ursprünglichen Blogeintrages, der da seit letztem Wochenende hier herumdümpelte und auf Fertigstellung hoffte. Wurde aber nix, da der Wind drehte und plötzlich mir die positiven Neuigkeiten nur so ins Gesicht blies. Achterbahn mal wieder – ihr kennt das ja schon. Weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Am Besten ich teile den Blogeintrag und mache zwei daraus. Also …

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wird eine umfangreiche Reportage über mein Projekt drehen. Sie begleiten mich nun durch die Vorbereitung, an die Startlinie und holen mich in Antigua ab. Das Boot bekommt ein kameratechnisches Make-over und ihr dürft auf das Resultat gespannt sein. Ich habe eine Menge Anfragen aus den Medien und arbeite an konkreten Projekten – dieses hier ist nun das erste einer Welle die ich endlich mit euch teilen darf. Ich finde es sehr spannend – bin aber auch reichlich nervös. Muss da erstmal reinwachsen. Ich gebe zu: ich bin sehr stolz, aber auch schrecklich aufgeregt *lacht* Aber wird schon. Muss!

Dann habe ich zusammen mit Michael Blümel vom Outdoorfoodshop meine Liste für die gefriertrockneten Hauptmahlzeiten und Desserts abgestimmt. 120 Tage = 300 Menüs, 150 Desserts sowie eine ganze Menge an spezieller Nahrung. Dazu werde ich euch aber einen separaten und ausführlichen Blogeintrag schreiben – Ihr werdet staunen was ich alles an Nahrung mitnehme! 8000kcal am Tag, ihr erinnert euch. Jetzt bin ich erst mal gespannt, wo ich überhaupt genug Platz finde um die ganzen Tagesrationen zu packen. Energie- und Proteinriegel fehlen noch … mein

Auch mein Equipment von Waeco ist angekommen. Vor allem ein neues spezielles Ladegerät für hochwertige AGM Batterien tat dringend Not. Meine alten Batterien von 2007 waren so sulfatiert, dass sie am Ende einen dicken Bauch bekommen hatten. Da ich dies erst nachts bemerkte, und direkt mit der Schlafmatte darüber lag, musste ich im Halbdunkel einer Taschenlampe die 32 Kilogramm schweren Batterien ausbauen und umverkabeln. So lernt man auch sein Boot kennen. Aber dank neuer Lifeline Leihbatterien von Setronic und dem Landgerät von Waeco kann ich endlich wieder unbesorgt schlafen und jetzt erstmal weiter an der Elektronik schrauben. Im Dezember starte ich dann natürlich mit neuen Batterien durch – wenn mein Budget dass noch zulässt *g. Ach, und außerdem gab’s noch einen neuen Sinus-Wechselrichter, der 12 Volt in 230 Volt wandelt und eine, ja lacht nur!, kleine, sparsame mobile Kühlbox (Bilder im Anhang)

Und wo wir schon bei Batterien sind: Mörer, mein tatkräftiger Ausrüster im Schiffselektronikbereich, hat mir auch gleich mit einem neuen Batteriemonitor aus der Patsche geholfen. Ein Messgerät, welches es mir ermöglich den exakten Ladestand der Batterien abzuschätzen. Gar nicht so einfach wie man meint. Das Gerät misst über sogenannte Mess-Shunts in beiden Batterie-Stromkreisen den entnommenen und von den 210 Watt SOLARA Panels zugeführten Strom, und weiß so zu jeder Zeit was noch an Restenergie in den Zellen schlummert. Für mich natürlich enorm wichtig zu wissen.

Sehr gute Neuigkeiten auch für meine Haut! Ihr wisst ja dass die UV Strahlungs-Belastung auf See weitaus höher ist als an Land. Und in den Breiten in denen ich rudere (ja fast am Äquator) ist Hautschutz dann natürlich ein ganz, ganz großes Thema. Lang habe ich überlegt, habe mich mit vielen Extrem-Wassersportlern beraten. Ich bin ständig nass vom Meerwasser, schwitze, rudere 12 Stunden in der prallen Sonne. Die Lösung: Ultrasun – Sonnenschutzprodukte die auch für so eine Herausforderung geeignet sind. Die gute Nachricht: Ultrasun wird mich nun bei dem Projekt unterstützen und mir die Produkte zur Verfügung stellen. Und ja, das ist eine ganze Menge für 4 bis 5 Monate auf hoher See. Lieben Dank dafür!

Ganz tolle Neuigkeiten auch für meine Ohren: Mit Audible konnten ich das weltweit größte Internetportal für den Download von Hörbüchern als Ausrüster gewinnen. Audible.de stellt mir alle für die Überquerung benötigten Hörbücher zur Verfügung. Ich rudere 12 Stunden am Tag, das 120 mal – ja dann, jetzt benötige ich noch einen Sponsor für größere iPods. Nein, war kein Scherz *lacht* Ich werde ca. 60 oder 70 Hörbücher mitnehmen. Nicht nur zum Spaß – aber auch. Der Reizentzug und die körperliche Erschöpfung sind ein gefährliches Paar. Musik und Hörbücher sind die einzigen Waffen um nicht verrückt zu werden. Und das meine ich vollen Ernstes.

Sooo. Damit ich zukünftige Probleme am Horizont nun schneller entdecken kann, habe ich mir auch hier Unterstützung ins Boot geholt. Ich bekomme ein hochwertiges und zuverlässiges Marine-Fernglas von Steiner. Natürlich unverzichtbar für mich. Alles technische Equipment zur Kollisionsverhütung an Bord ist schön und gut – aber wenn der Kaptain des Öltankers sein AIS oder Radar ausgeschaltet hat, dann hilft es nicht weiter. Daher muss ich auch alle zwei Stunden raus und den Horizont absuchen. Von wegen durchschlafen!

Aber gut … genug für heute. Mehr heiße News täglich auf Facebook und Twitter.