Am Katapuls des Lebens

Bisher lebte ich in einer Welt,
in der ich oft gar nicht mehr wusste,
wo wirklich oben ist, und wo unten –
was richtig ist, und was falsch.
Irgendwie wollte ich immer alles.
Einfach alles!
Mein Herz katapulsierte mich
durch alle Räume und Sphären.
Unbegrenzte Möglichkeiten!,
und jede habe ich wenigstens angeleckt.
Frauen, Männer, Zölibat …
Komödie, Drama, Nonnenkloster …
Manches kam mit großer Seele!,
und andres kam so wie ein Sturm.
Tausende Male auf Wolke Sieben –
Tausende Male im Keller Nummer zwölf.
Und alles wollte ich wissen,
noch vom letzten Winkel der Welt,
aber leider wollte ich auch alles verstehen!
Mich selbst habe ich jedenfalls nie begriffen.
Erst flog ich wie ein Vogel im Paradies,
dann saß ich wieder wochenlang
meditierend in einer Höhle,
oder trieb allein auf dem weiten Ozean,
um mit Wänden oder Walen zu sprechen;
um Kopf und Herz zu versöhnen;
um endlich „vernünftig“ zu werden!
Kein Vermögen auf der Bank,
kein Haus mit kleinem Garten,
ja nichtmal einen Küchentisch!
Wie kann ein Mensch,
der angeblich immer den Frieden suchte,
in so einem Leben Frieden finden?
Ich hatte nur Frieden mit meinem Unfrieden.
Ja!, wie kann ein Wesen,
das soviel Nähe und Liebe teilen wollte,
sich in so einem Leben selbst nahe bleiben?
Ich war mir ebenso nahe, wie ich mir fremd war.
Und alles habe ich erreicht –
alle meine großen Träume!
Dann habe ich immer wieder alles verloren, –
jeder Traum, in seiner Erfüllung: zerplatzt!
Aber kann man wirklich ankommen,
wenn man nicht auch alles
erfahren und gefühlt hat?
Weiß man, wo man zu Hause ist,
wenn man nicht an jedem Ort
für einen Tag sein Zelt aufgeschlagen hat?
Begreift man tatsächlich, wer man ist,
wenn man nicht auch alles gewonnen
und wieder verloren hat?
Bleibt nicht erst dann das Wahrhaftige übrig? –
das Wesentliche und die Essenz ….
Man selbst!
Und vielleicht wollte ich auch
einfach nur das eben … LEBEN!
Aber das Leben in seiner Fülle
ist ein ewiges Auf und Ab,
ist Licht und Schatten.
Und wie kann man dann festhalten,
wenn man nicht auch loslassen kann!
Um wirklich im Licht zu bleiben,
muss man auch im Regen tanzen wollen…
für nur so blassgraue Tage,
wäre mir das Schreibpapier zu schade.
Und doch, oft habe ich mich gefragt,
warum mir das alles nicht reicht,
was den Meisten anscheinend reichte.
Immer mal wieder wünschte ich mir,
ich wäre einfach nur „normal“.
Denn heimlich habe ich sie bewundert,
wie sie es da nach einem Weckerklingeln
bis um halb acht an ihre Stechuhr schafften,
und dann glücklich in der Frühstückspause
in der BILD-Zeitung versanken.
Wie viele Jahre hatte ich das versucht!
In ihrer Welt war dann einfach schon
Dieter Bohlen komplett Scheiße,
und als Highlight des Jahres
reichte ein Open-Air-Event mit Mario Barth.
Je weniger man wagen will, umso
wohler fühlt man sich in seiner kleinen Welt.
Jeden Sonntag meckerten sie über den Montag;
und jeden Freitag meckerten
die Männer wieder über die Frauen,
und die Frauen über die Männer.
Und niemals wurde ihnen langweilig davon…
Beeindruckend!!!
Mein Leben kannte keine Wochentage mehr,
und an so manchem Feiertag stand ich
wie ein Idiot vorm verschlossenen Supermarkt;
mit einem Einkaufszettel voller Bleistift-Herzen
in der Tasche deiner geliehenen Jacke.
Es war schon Donnerstag, und nicht Mittwoch.
Den Rotwein haben wir uns dann eben nachts
an der Tanke gekauft, manchmal im Tetra-Pack.
Und wenn wir dann durch die leeren Gassen tanzten,
schmeckte die Plörre sogar besser
als jeder preisgekrönte Chardonnay.
Wir brauchten nichtmal Gläser, wir hatten uns.
Berauscht voneinander staunten wir unter dem
Sternenhimmel, und wir dachten, wir seien auf LSD.
Dann haben wir die Sternbilder
in unseren Sommersprossen gesucht, –
und ich fühlte mich wie Fräulein Einstein,
weil ich alle ihre Namen wusste…
und sogar noch Platz am Firmament fand,
für ein Sternbild mit deinem Namen.
Da leuchtet es nun, auch wenn du nicht mehr da bist,
für die nächsten fünf Milliarden Jahre noch.
Die meisten Menschen schliefen dann schon.
Viele von ihren nur mit Schlaftabletten.
Gott, wie viele Nächte wir zum Tag gemacht haben,
und wie viele Tage zur Nacht.
Wenn wir da lagen und uns unsere Gedichte vorlasen,
unsere tiefsten Sehnsüchte und Gefühle auf Papier, –
den Kopf im Schoß, eine Hand im Haar;
oder wenn wir uns mit Edding
den Sinn des Lebens als Einzeiler
über den Bauchnabel kritzelten:
„Carpe diem!“, „Der Sinn des Lebens ist leben!“,
„Glück ist nur echt, wenn es geteilt wird!“;
wenn wir große Pläne fassten,
wie wir einfach abhauen würden morgen,
nach Indien, Tibet, Marrakesch …
um diese stumpfsinnige Welt hinter uns zu lassen …
da gab es für uns aber keinen anderen Ort,
als genau diesen einen Augenblick.
Und warte nur, der Tag kommt und wir sind weg!
Du und dich – Toi et moi!
Aber in diesem Augenblick wenigstens,
da gab es keine Regeln und Grenzen mehr,
da waren wir frei wie der Wind,
da haben wir uns ganz ineinander erkannt.
Da warst du genau so wie ich, und ich war wie du.
Und wir beide waren einfach nur irgendwie …
anders als alle anderen –
einfach nicht von dieser Welt.
Und irgendwie besteht die Hälfte meines Lebens
doch nur aus solchen Momenten.
Wenn wir uns stundenlang berührten,
mit Worten, Blicken, Händen …
Les mots sont mes mains,
… mon plus cher compagnon!
Die Augen nass vor Lachen,
Das Lippen nass von Seelentränen,
Die Körper nass voneinander,
da wollte ich auch niemand anders sein,
und mit niemand anderem.
Aber all das vergisst man,
wenn man sich nicht immer wieder
daran erinnert, indem man es
wieder erlebt, und erlebt, und erlebt.
Die einzig echte Erinnerung
ist das Leben selbst im Hier und Jetzt!
Und nun sitze ich hier,
mit einem alten Chardonnay,
und ich muss lachen,
über dieses ganze verrückte Leben.
Ich bin nur ein Trunkenbold …
total besoffen vom Zauber der Welt..
Im Herz bin ich Poet,
Im Kopf ein Philosoph,
In der Seele aber – in der Liebe,
da bin ich nur ein Narr.
Und irgendwann bin ich weg,
und irgendwer kommt mit.
Ich bring die Freiheit
du bringst den Rahmen,
damit die Farben nicht zerfließen,
dann malen wir uns ne eigne Welt.
Du und ich – Toi et moi!

Es ist einfach ..

Das Leben ist leichter
mit einem Eispanzer um die Seele.
Bis er am Ende doch zu schwer wird
und wir ihn nicht mehr tragen können;
wir nicht mehr weit mit ihm kommen.
Sicher, es hilft sich andere zu suchen,
die uns unseren Panzer tragen helfen.
Aber die Menschen, die ohne Panzer sind,
die will man oft gar nicht sehen,
ihre Wärme erscheint so bedrohlich.
Die anderen aber, die mit großen, warmen
Worten und Versprechungen winken,
die nur laut genug rufen,
die suchen meist auch jemanden,
der ihren Panzer tragen hilft.
Ja, das Leben ist einfacher
mit einem Eispanzer um die Seele.
Jedenfalls eine Lebensweile lang.
Aber er wird immer dicker und kälter.
Gewiss, man kann das Leben verstehen,
und all die unvermeidlichen
Lebensdinge einfach akzeptieren:
die Vergänglichkeit,
den Verlust geliebter Menschen,
die Schmerzen und Enttäuschungen.
C’est a vie! – So ist das Leben eben.
Aber das ist nicht das Leben! –
das ist leider nur das Leben im Kopf.
Ja, das Leben ist einfacher
mit einem Eispanzer um die Seele.
Aber am bitteren Ende dringt
gar nichts mehr hindurch, –
weder das Licht und die Wärme
anderer Menschen, noch die Wärme
und das Licht der Sonne.
Und dann wird es immer
dunkler und immer kälter
im Herzen und in der Seele.
Da hilft auch keine Musik mehr,
kein bunter Blumenstrauß,
kein heißer Kräutertee.
Alles wird so kalt wie wir selbst.
Ja, das Leben ist einfacher
mit einem Eispanzer um die Seele.
Und ja, man fühlt sich so sicher darin!
Doch man ist nicht sicher …
man ist einfach nur halbtot schon;
hat weniger zu verlieren,
man wagt nichts mehr,
man spürt nichts mehr.
Wer nicht mehr verwundbar ist,
den kann auch nichts mehr berühren.
Eben auch die Liebe nicht, –
nichtmal der Wind, noch der Regen.
Ja, das Leben ist einfacher
mit einem Eispanzer um die Seele.
Aber bring ihn bitte zum Schmelzen;
bevor du ganz vergisst, wie das Leben
einmal ohne diesen Panzer war
…oder bevor du womöglich sogar
niemals wirklich erfährst,
wie das Leben eigentlich ist.
Bring ihn bitte zum Schmelzen,
… bevor du darin erfrierst.


– Janice Jakait / 20.9.19

Deine Worte

Stell dir vor,
du wärest sprachlos,
und er steht vor dir,
dieser Mensch, der dich
wirklich hören kann –
dieses Herz, das dich
wirklich sehen kann.
Doch noch willst du
die Stimme anheben,
willst wieder erklären,
wer du warst und
warum und wieso
und weshalb.
Aber dann verstehst du,
dass er das längst weiß,
indem er spürt,
wer du bist.
Und dann spielt es
keine Rolle mehr,
was viel zu lange
eine Rolle spielte.
Da sinkt dein Herz
hinein in deine Seele,
und plötzlich
bist du ganz bei dir …
und ganz bei diesem
stillen Menschen.
Seine Worte sind so
stumm, dass sie
in dir vibrieren.
Du musst auch nicht
mehr wissen, wer er ist,
es reicht, wenn er
es sicher weiss.
Das Wesentliche
wirst du dann fühlen. – jj.

Tes mots sont si muets qu’ils crient en moi. Je vibre sous toutes les formes d’amour possibles. Savouer la vie en couleurs! Savouer l’amour en couleurs! L’amour… c’est le silence et la présence. L’immensité de l’émerveillement.

Schneeflocken

Schau in den Spiegel,
dann schau dir die Menschen an,
die dir nahe sind;
und dann die, die du nicht magst.
Schneeflocken,
die vom Himmel fallen.
Wir alle!
Das hier ist unsere Reise.
Und bald schon,
schmelzen wir alle
in der gleichen Pfütze.
Und nichts bleibt übrig.
Wie wollen wir also reisen?,
das ist die einzig bedeutsame Frage.
Gemeinsam, einsam?
Wollen wir am Leben vorbei leben,
hinter Masken und Fassaden?
Wollen wir uns und anderen
etwas vormachen und
nach ihren Maßstäben leben?
Wollen wir einen Film fahren,
der einfach abgespult wird;
oder doch lieber viel Theater?
Oder wollen wir einfach unseren
Frieden machen,
und wirklich miteinander leben?!
… im Bewusstsein, wie kostbar
unsere Zeit hier ist.
Das Ende vereint uns alle,
darin sind wir verbunden.
Also, warum nehmen wir uns
nicht gleich alle in den Arm.
Keiner hat hier wirklich Macht –
und keiner einen Plan;
alles wurde uns geborgt.
was reiben wir uns dran?
Aus der Demut erschließt sich
eine neue Welt.

Verwickle dich nicht!

Nein, du bist nicht krank oder verrückt, es ist nur dein Herz, das noch schlägt. Was sich da in dir wehrt, was sucht und sich noch sehnt, das, mein Freund, das ist das Leben und die Liebe! Die, die in dieses System passen und die nichts mehr suchen, sondern alles auf schönbunten Plakaten, in Magazinen und Katalogen finden, und die sich mit Informationen vollstopfen, das sind die neuen Prototypen. Roboter!

Man drückt einen Knopf, und sie lachen; man drückt einen anderen Knopf und sie schimpfen für zwei Wochen; man drückt ihn nochmal, dann schimpfen sie über was anderes. Dann zieht man an einem Hebel und sie denken und sie träumen… aber nur auf der Basis dessen, was man in ihren Köpfen verankert hat! Damit können sie sogar mal alles in Frage stellen, außer ihre Fragen selbst. Als Schmetterlingsdompteure kommen sie in die Schulen, als Ingenieure oder Einzelhandelsfachfrauen gehen sie wieder raus. Und die am Längsten hinter den Schulbänken sitzen, die machen dann Wirtschaft oder Politik. Selbst was sie richtig und schön finden, hat man ihnen allen eingespielt, so überzeugend, dass sie es nun den anderen bestätigen. Nur mit sich selbst dürfen sie niemals Frieden machen, sonst blieben sie stehen und würden staunen, statt zu träumen, zu produzieren und zu kaufen.

Auch Roboter halten sich für frei, alles eine Frage der Programmierung. Sie sperren sich ein, sie schließen sich aus, lang lebe ihre Freiheit! Finde eine Wohnungstür ohne Schloss, und dort findest du einen, der die Wahrheit kennt. Genau!, und so kann man jedes Leben zur Freiheit erklären. Keine Widerrede! Finde einen, der ohne Geld überleben kann, dann frage ihn nach der Wahrheit. Genau!, und so kann man jedes Leben zum Reichtum erklären. Keine Widerrede!
Die Familien kaputt – Kinderheime, Altenheime, Pflegeheime … Läuft! Das System heilt sogar schon Krankheiten, die man ohne das System niemals hätte. Wahnsinn! Ihre Heiler stecken sie schon als Teenager als Verrückte in Kliniken, bis sie selbst glauben, dass sie irre seien. An der Logik allein sollen die Roboter genesen, Gefühle ohne Zweck sind krank! Weisst du wer sogar für sein eigenes Grab noch bezahlt und das nichtmal irre findet? Richtig … ! Sie müssen es nicht selbst schaufeln, sie bezahlen einfach jemanden dafür. Am Ende ist es das Gleiche. Da schufften sie ein Leben lang, für Staat, Familie und Soziales, am Ende ist nicht mal das Kreuz umsonst. Aber die Kinder werdens schon richten. Bis es ihre Kindeskinder richten müssen.

Vor den Toren verhungern die Völker, aber jeder, der auch ins gelobte Land will, könnte ihnen etwas wegnehmen, und genau darin meinen sie, sie hielten wirklich etwas in ihren Händen. Sie sind so blind, dass sie sich unter den Einäugigen nicht mal mehr selbst erkennen. Den wirklich Andersdenkenden und Anderslebenden wurde längst die Stimme geraubt, und natürlich auch ihr Land und ihre Bodenschätze, – jetzt darf jeder reisen, und jeder hat das Recht auf freie Meinung, die im Meer der Belanglosigkeit untergeht. Ist erstmal alles gleichgemacht, können die Grenzen auch weg. Wo wollen sie denn hin?!

Freiheit und Meinungsfreiheit… Dafür gingen sie mal auf die Straße drüben. Wirklich zugehört hat ihnen keiner. Und jetzt marschieren sie eben wieder, die Alten. Die Jungen werden lieber „Influencer“. Zugeschissen hat man den Osten nach der Wende, die keine Wende war, sondern eine Markterweiterung für die Drogen des Konsums. Die kamen mit LKWs voller Bananen und haben sie von der Ladefläche geworfen, ich stand mit großen Augen darunter als Kind. Schau wer zuerst in dein Land einrollt, dann weißt du, worum es geht. Die Börsen-AG steckte hinter dem Mauerfall, die Sonnenschein-Bank und alle ihre Freunde. I’ve be looking for freedom! You’ve been hunting for my soul. 17 Millionen neue „Kunden“. 50 Millionen verkaufte Zahnbürsten im Jahr. Und alles mussten sie neu kaufen! Da die Fernsehapperate und Kühlschränke aber jemand bauen, liefern und mit „Inhalt“ befüllen muss… Jobs, Jobs, Jobs! Und finden sie keinen Sinn darin, medikamentiert man sie fit und steckt sie in Jobs, wo sie am Telefon noch andere ohne Lebensinn über den Tisch ziehen können.

Ohne Geld bist du ein Niemand, ohne Geld, da hast du nichts! … nichtmal Zeit und keinen Wecker, der dich morgens um sechs aus dem Bett peitscht; denn nur Arbeitszeit macht frei! … außer die, die ohnehin schon immer das Geld ohne Arbeit hatten, dafür aber jede Menge Arbeiter. Früher bauten sie Pyramiden, heute bauen sie Fabriken. In Friedenszeiten für Autos, in Kriegszeiten für Panzer. Und alle vier Jahre darf ein kleiner Mann in ihre elitären Sphären aufsteigen – von der Geschirrspülmaschine zum Millionärsroboter. Ein Lebenslicht für alle anderen. Und so geht das schon seit tausenden Jahren, ein Vergleich mit dem dunklen Mittelalter erübrigt sich also. In 500 Jahren vergleichen sie sich mit uns heute. Aber das müssen Roboter nicht wissen. Und wie sie wieder rumlaufen, mit ihren Falten und billigen Klamotten, weitercremen, weitershoppen, weiterschufften!

Nun ja, und die Wahrheit ist: Eigentlich stand da eben: „Arbeit macht frei!“- der Satz schrieb sich im Schreibfluss von selbst aufs Papier. Und dann dachte ich nur „WOOOOAAH Fuck!“ Lösch das! So ein Satz stand doch auch am Tor von Buchenwald, oder? Und dann hab ichs geprüft … Shit! Kannste nicht schreiben sowas. Moment!, ich muss die Balkontür zusperren, ich wohne im Erdgeschoss. Kannste in der Stadt nicht offenlassen!

Tja, „So ist er eben, der Ossi“, titelt da DER SPIEGEL in seiner letzten Ausgabe auf meinem Tisch. Passt ja. Ja, so isser! Jetzt, dreißig Jahre später jedenfalls wacht er auf aus diesem Rausch, der Ossi, und er beginnt zu begreifen, dass man ihm nur alten Wein in neuen Schläuchen aufgetischt hat. Jetzt droht Dosengulasch bei der mickrigen Rente, aber wenigstens der Gulag ist weg. Und trotzdem ist er noch betrunken, Wein ist eben Wein. Und so pöbelt er eben zusammen mit denen, die am lautesten schreien und die einen kompletten Fehler in der kackbraunen Hirnmechanik haben.

Jeder braucht seinen Rausch, jeder seine Abhängigkeit. Und wenn er nur abhängig von Schlaf- oder Blutdrucktabletten ist. Und sogar die sind ein Mega Geschäft, – da hätte sich Honecker wenigstens noch geschämt dafür. Und wenn den Bürger die Langeweile überfällt, und der Blutdruck und der Puls abstürzt, dann hilft noch immer die Angst aus irgendeiner Flimmerkiste. So läuft der Laden schon. Die Roboter sind so gut programmiert, dass sie sich selbst das Fürchten beibringen. Und vom Reichtum der ganzen Welt ist ihr Seelenfrieden dann wieder abhängig, aber dass in dieser Welt jedes Jahr zehn Millionen Menschen deswegen verhungern, das müssen sie nicht wissen. Das Leiden der großen Weltkriege ging nie zu Ende, – die exakt gleiche Anzahl der Leichen stapeln sich jedes Jahr einfach nur anderswo – dort, wo man sie nicht sieht:

1939 – 1945 Sechzig Millionen
2013 – 2019 Sechzig Millionen
Die Millionen der letzten Kriege noch gar nicht dazugerechnet.

Aber ….. !

Aber – eines der wichtigsten Worte in ihrer Sprache. Zu entschuldigen, zu erklären, zu relativieren und zu rechtfertigen haben sie gelernt, genau das, was sie ihre Welt nennen. Und genau deswegen denken und denken sie immer mehr. Kommen nicht aus dem System, nicht aus ihrem Job, und nichtmal mehr aus ihren oft kaputten Beziehungen.
Lass dich niemals ganz einwickeln, werde kein Co-Abhängiger! – lass dich bloss nicht einwickeln und packe deine Gefühle nicht in Smileys. Schlimm genug, dass es um dein Leben geht. Aber wenns dumm läuft, gehts es ja vielleicht doch um deine Seele … ?! Und ich flüstere dir ohne Zweifel zu: Ja, genau darum geht es! Glaubst du wirklich, dass das alles hier die Antwort ist? Und falls ja, überdenke mal deine Frage. Denn ganz tief in dir, da fürchtest du längst, dass es stimmt. Lass dich bloss nicht ganz verwickeln, sonst haben sie dich, die Roboter, die die Roboter programmieren! PS: Und nein, nicht jeder Fortschritt ist schlecht, – aber wenn der Fortschritt den Menschen selbst überholt, und sein Herz gar nicht mehr Schritthalten kann, dann ist er nur ein Rückschritt. Mach die Augen auf und schau um dich, dann mach die Augen zu und schaue in dein Herz. Wenn die Menschen immer mehr mechanisch nach Regeln und Vernunft leben, dann werden sie Maschinen. Und das ist alles. Und manchmal muss man es ein bisschen schwarz malen, damit man es rechtzeitig erkennt.

– Janice Orwellkowski Jakait

Gelesen vom Fortschritt selbst, ihm ist das alles egal: ROBOTER.mp3

#morgenbinichwiedernett

Auf dem Zahnfleisch

Alle ideologischen Gesellschafts-, Sozial- und Wirtschaftssysteme, die vom Menschen ersonnen und konstruiert wurden, waren nicht für den Menschen der Gefühle und der Gemeinschaft gemacht. Und so wurden die Menschen immer klüger, aber immer kälter … und so planten sie immer weiter. Bis sie clever genug waren, sich selbst zu täuschen und einzureden, wie menschlich und weise sie doch geworden waren. Dabei hatten sie ihre wahre Natur ebenso zerstört, wie die Natur vor ihren abgedichteten und doppelverglasten Fenstern. Hermetisch abgeriegelt. so wie ihre Herzen. Sie hofften und heuchelten sich eine heile Welt zusammen, von Leid und Kälte wollten sie nichts hören, – aber insgeheim waren sie doch fasziniert davon und erweckten das Verborgene in Filmen und Büchern zum Leben. Dort blieb es fiktiv und schien beherrschbar, – doch sie konnten das Verborgene nie wirklich beherrschen, immer wieder brach es auf und zeigte sich. Millionen Male ging in ihren Kinos die Welt unter. Dort feierten sie sich als Superhelden, auf ihren Straßen ließen sie aber die Menschen erfrieren, an ihren Stränden ließen sie sie ertrinken. Ihre Welt war ein großes Theater. Ihre Almosen feierten sie als Barmherzigkeit. Ihre Dankbarkeit war die Bestätigung und Dankbarkeit der anderen, und wehe, sie blieb aus! Ihr Vertrauen war die Gewissheit; ihre Geborgenheit war die Sicherheit; ihr Mitgefühl war ein Handel; ihre Demut war die Angst … ihre Liebe hatte immer einen Preis.

Wir alle aber wurden als hochsensitive Wesen geboren, doch gleich den beiden Gefangenen in Platons Höhle, bleibt uns letztlich nichts anderes übrig, als in eine Welt der Schatten hineinzuwachsen, die von einem Feuer an die Wand geworfen werden. Und irgendwann halten wir die zweidimensionalen Schatten, die Umrisse und Formen anderer Menschen und Tiere für die Wirklichkeit und geben uns damit zufrieden. In dieser Welt wähnen wir uns dann als Könige, dabei liegen wir in Ketten. Kommt einer aber von draußen und erzählt uns von der hellen Sonne und der Tiefe des Meeres, halten wir ihn für verrückt. Natürlich ist das nur eine Metapher.

Die Welt der Schatten ist die Welt die Gedanken, und wurden wir erst einmal in ihr eingesperrt, begegnet uns kaum mehr die wirkliche Welt, sondern nur mehr ihr Echo im Kopf … Erwartungen, Erklärungen, Vorstellungen, Meinungen. Die ständige Überreizung mit viel zu vielen Eindrücken und Informationen zwingt den Menschen aus dem Erleben im Augenblick heraus, – er kommt einfach nicht mehr zur Ruhe. Die Reizschwelle wird angehoben, sagt man – und genau dieser Filter, genau das ist das Denken! – alles wird beurteilt, kommentiert und bewertet. Sonst würde man es gar nicht ertragen. Als wäre alles eine einzige Aufgabe oder eine Bedrohung.

Als ich nach Monaten allein auf dem Ozean zurück an Land kam, waren meine Sinne wieder vollständig geöffnet. Ich fühlte mich wie in meine Kindheit zurückversetzt: die Erdbeeren schmeckten wieder genauso intensiv wie früher, – die Farben der Welt, die Pflanzen, die Vögel … rührten mich zu Tränen. Berührungen, Düfte – himmlisch! Ich hätte mir gar nicht mehr vorstellen können, dass man die Welt SO erfahren kann! Als ich dann in einen Supermarkt ging, fühlte ich mich völlig überfordert, alles war viel zu künstlich bunt und bettelte um Aufmerksamkeit. Und da war stets dieser menschgemachte Lärm überall: schnelle Autos, große Worte, endlose Informationen und Nachrichten, unendliche Möglichkeiten – kaum auszuhalten. Terror für meine Sinne – meine Gefühle kamen gar nicht mehr mit. Ebenso erschöpften mich plötzlich die meisten Gespräche, ich konnte regelrecht dabei zuschauen, wie mir meine Energie, meine Seele, aus dem Leib heraus gezogen wurde und meine Scheuklappen wieder hochfuhren. Dann braucht man wieder was im Außen, um aufzutanken. Aber alles verlor nach und nach seine Seele, seine Tiefe und wurde immer konstruierter und oberflächlicher, und entsprechend immer leerer … und immer lauter!

Je mehr ich mich wieder dem Tempo und der Musik der modernen Welt anpasste, um ganz normal zu funktionieren, desto mehr verlor die Welt ihren unvorstellbaren Zauber. Und steckt man dann erstmal ein paar Wochen wieder in diesem nüchternen, flachen Erleben, da hat man sich auch schon wieder daran gewöhnt. Es erscheint einem das Normalste der Welt, und an die intensive Gefühle vorher vermag man sich gar nicht mehr erinnern, kein Wunder, waren sie ja gerade keine Gedanken, sondern Gefühle … wie will man das erinnern, zurück im Kopf, , zurück im Gedankenwald!

Ich wollte mich unmöglich mit diesem Zustand abfinden, um einfach nur wieder zu funktionieren, um dann von Spektakel zu Spektakel zu eilen, damit mal wieder was über meine Reizschelle, – an den Gedanken vorbei! – ins Herz gelangt. Also blieben mir nur drei andere Möglichkeiten: Ich konnte wieder davonlaufen, ich könnte mir hier einen „Raum der Stille“ erschaffen und mich abgrenzen, oder es gelänge mir auf anderem Wege, offen und berührbar zu bleiben, und damit auch verletzbar!, ohne aus dem Feuer gegen zu müssen.

Sieben Jahre später komme ich jedenfalls zu folgendem Schluss: Schaue ich mir den Zustand der Welt und die Menschen an, scheinen die meisten tatsächlich in einer Schattenwelt zu leben. Regelrecht leer und dissoziiert … abgespalten von ihrem wahren Wesen. Weniger aufgrund eines einzelnen traumatischen Erlebnisses, sondern vielmehr als Folge einer chronischen Überreizung auf der einen Seite, und einer mangelnden Aufarbeitung und Genesung nach realen einschneidenden Erlebnissen, auf der anderen Seite, die keinem Menschen im Leben erspart bleiben. Stattdessen wird der Intellekt von Kindesbeinen an geschult und hochgezogen, damit man das alles auch aushalten, filtern, rechtfertigen und erklären kann. Und vor allem: damit man sich ständig neue Ziele setzen kann und ein Karotte vor der Nase hat. Immer etwas im Fokus, aber Achtsamkeit und Bewusstsein im gegenwärtigen Moment: unmöglich! Immer unterwegs, stets nach vorn schauen, nur nicht zur Seite und niemals in sich selbst hinein! Zukunft oder Vergangenheit, Grund oder Ziel, Hoffen oder fürchten, träumen oder bereuen, aber so wenig SEIN, so wenig JETZT! Ständiges Wachstum und Veränderung, immer auf der Reise! – das ist das Krebsgeschwür des Geistes, wenn er ungebremst wächst. Und alles wird dann auf sich selbst bezogen, – wer hat das denn nötig, außer einer, der meint, auf sich aufpassen und sich schützen zu müssen. Das Ego ist doch nichts anderes, als ein Mangel an Vertrauen. Höre ich mein Ohr selbst, habe ich einen Tinnitus, sehe ich mein eigenes Auge, ist es vielleicht ein Grauer Star … genauso ist es mit dem Ego.

Kein gesunder Mensch kann einen Blick in diese Welt werfen und dann einfach nur so weiter machen, wie bisher. Kein gesunder Mensch könnte wegschauen, wenn andere hungern, leiden, sterben. Es spielt keine Rolle wie klug wir uns wähnen, – wie dumm wir wirklich sind, das lässt sich nur daran ermessen, wie Menschen miteinander leben und wie sie mit dem Planten umgehen, den sie ihre Heimat nennen – und letztlich, was sie wirklich noch mit den Sinnen wahrnehmen in einer geheuchelten Welt des großen Theaters und der inszenierten Dramen. Erich Fromm hatte Recht: »Die normalsten sind die Kränkesten und die Kranken sind die Gesunden.« Es sind die, die nicht mehr recht mitkommen, die tatsächlich noch ein Herz haben, das funktioniert.

Das Wunder der Welt und des Lebens, es hat keinen Preis, es kostet keine Anstrengung, es ist bedingungslos zu erfahren. In jedem Augenblick. Die Erfüllung ist das Erleben, das ewige Streben erzeugt nichts als Gefühle des Mangels. Doch die Gedanken werden sich die Zähne am unvorstellbaren Augenblick ausbeißen, bis dem Menschen am Ende alle seine Zähne fehlen und seine Zeit hier, in der er auf dem Zahnfleisch ging, endgültig abgelaufen ist. – jj.

Alles in allem

Einst erwachte ein Mann in einem lichtdurchfluteten, aber völlig leeren Raum. Es gab jedoch weder eine Lichtquelle, noch eine Tür oder ein Fenster. Er hatte keinerlei Idee, wo er sich befand. Nachdem er sich etwas gesammelt hatte, und nichts Sinn machte, beschlich ihn der Verdacht, dass er gestorben sein könnte und sich nun in einer Art Himmel oder Zwischenwelt befand. Da erschien ihm im Licht ein seltsames und doch irgendwie vertrautes Wesen mit menschlichen Zügen und begrüßte ihn.
„Bin ich gestorben und im Himmel?“, fragte der Mann. Das Wesen nickte zustimmend … „Japp! Du hattest einen Autounfall; was für eine Sauerei! Aber nun bist du ja erstmal wieder hier.“

„Bist du dann Gott?“, fragte der Mann weiter. Und das Wesen antworte, dass das Wort „Gott“ für den Moment eine ganz passable Beschreibung wäre, wenngleich es die Wahrheit nicht wirklich gut abbilden würde … „Aber ja, im weitesten Sinne bin ich sowas wie Gott. Passt schon, mehr kannst du im Moment unmöglich begreifen!“, fügte es an.

„Was passiert nun mit mir, und was meintest du mit: „ich wäre wiedermal hier?“, wollte der Mann wissen, und er erfuhr, dass er nun, wie schon unzählige Male vorher, eben wiedergeboren werden würde, – so oft noch, bis er endlich alles ganz verstünde. Diesmal nun als ein kleines chinesisches Mädchen im achtzehnten Jahrhundert; ihr Name wäre Kaiwen.

Der Mann war sichtlich irriert, nahm er doch an, man würde immer nach seinem letzten Leben wiedergeboren, also in der Zukunft, wenn es überhaupt so etwas wie Wiedergeburt geben würde. Doch das Wesen schüttelte mit dem Kopf … „Ach was, Unsinn!, du wirst in jedem Moment, in jeder Epoche, in jedem Menschen wiedergeboren irgendwann, – ja, in jeder Kreatur sogar, aber damit fange ich jetzt besser erst gar nicht an. In der vermeintlichen Zukunft, in der Vergangenheit, mal hier, mal dort, völlig egal! – aber deine begrenzten Vorstellungen von Raum und Zeit machen es noch unmöglich, das zu verstehen.“

Der Mann dachte kurz nach, dann merkte er an, dass er nach dieser Logik auch irgendwann in allen seinen eigenen Kindern und sogar in seinen Eltern wiedergeboren werde müsste. Und auch da nickte das Wesen zustimmend; zuckte mit den Schultern, als wäre das die normalste Sache der Welt.

„Aber dann wäre ich ich ja selbst wie Gott!!!“, stellte der Mann überrascht fest.

„Ja, so ganz langsam beginnst du zu verstehen, sehr gut! Wir sehn uns, bis bald!“, antworte das Wesen und verschwand mit einem schallenden Lachen.
Dann wurde es auf einmal dunkel, und dann wieder hell, und da sieht er zwei Schneereiher über die Reisfelder ziehen.

* (Habe ich mal irgendwo aufgeschnappt die Geschichte und mit nun mit eigenen Worten und meinen üblichen dramatischen Übzeichnungen niedergeschrieben… so ungefähr jedenfalls ging sie.

Freund und Feind

Eines Tages wirst du erwachen.
Erst wird sie dich küssen und liebkosen,
dir dein bester Freund sein wollen;
aber du hast ihre Heuchelei durchschaut,
weißt, dass sie eine falsche Schlange ist, –
dass sie dir schon morgen wieder
feige in den Rücken fallen würde.
Dabei wird sie immer nur das tun,
was es braucht, um dich zu verwickeln.
Mal ein Gedanke, der ein Feuerwerk zündet,
mal ein Jucken am rechten Fuß,
mal ein Haar, das über dein Gesicht fällt.
Da du die teuflische Schlange, das Ego,
nun endgültig entzaubert und erkannt hast,
fällt sie dir schon heute in den Rücken,
mit allen ihren Armeen und Dämonen.
Albträume, Horror und das ganze Theater.
Dann schickt sie dir Panik durch den Leib,
und Schmerzen schickt sie hinterher.
Das Herz schlägt wild in der Brust,
den Körper scheint es zu zerreißen;
denn wenn alles nicht reicht,
wird dich die Furcht vorm Tode zähmen;
und sieh!, da reicht sie dir wieder die Hand,
um dich zu beruhigen und zu retten.
Wieder weiß sie eine Lösung,
aber schon morgen ein neues Problem.
Also wirst du einfach nur da sitzen, –
die Beine gekreuzt,
den Blick auf den Boden,
ein Lächeln in deinen Augen.
Sie kann ihre Giftfänge unmöglich mehr
in deine Seele setzen.
Es gelingt ihr nicht mehr,
dich in ihre falsche Welt zu entführen.
Wütend wird sie da und redet dir ein,
dass du dich völlig verlaufen hast,
und dass du für immer verloren bist;
so wie alles nun verloren sei …
die ganze weite Welt!
Aber du hast längst alles verloren,
und nichts davon war wahrhaftig.
Also wirst du einfach nur da sitzen, –
die Beine gekreuzt,
den Blick auf den Boden,
ein Lächeln in deinen Augen.
In ihrer Angst und in ihrer Wut
wird sie sich auflösen,
und nicht von ihr bleibt zurück.
Das Feuer, in dem sie tobte,
war einzig deine Zuwendung.
Nichts von ihr war wahrhaftig.
Dann steigt die Sonne in dir auf
und plötzlich bist du der blaue Himmel.
Wenn der Geist endlich ruht,
erwacht die ganze Welt
in deiner Ewigkeit zum Leben. -jj.

Gelesen / mp3: https://vocaroo.com/i/s065O3v7lGiW

Der Tanz der Dinge

Alles entsteht und alles vergeht,
nichts davon ist ewig und wahrhaftig.
Das Morgen ist bald ein Gestern,
nichts davon ist ewig und wahrhaftig.
Was gestern wichtig, ist morgen vergessen,
nichts davon ist ewig und wahrhaftig.
Alles ist bedingt und von anderem abhängig, –
kein Mensch ist ohne Luft und ohne Erde –
und die Erde ist nicht ohne das All.
In sich selbst ist alles nichts und leer,
und nichts ist unabhängig und wahrhaftig.
Das Kind, welches unter Menschen aufwächst,
lernt zu sprechen und zu denken wie Menschen,
und dann hält es sich für einen Menschen.
Das Kind aber, das unter Wölfen aufwächst,
lernt zu heulen und zu jagen wie Wölfe,
und dann hält es sich für einen Wolf.
Das ist die Natur der Persönlichkeit,
keine ist unabhängig und wahrhaftig.
Kein Gedanke ist ohne einen anderen,
der ihn für wahr oder unwahr weiß;
keiner davon ist unabhängig und wahrhaftig.
Der Körper, mit dem der Mensch geboren,
war ein anderer als der, mit dem er stirbt.
Nichts ist ewig, unabhängig und wahrhaftig,
außer die Veränderung selbst.
Was wäre das Morgen ohne das Gestern,
was wäre der Tag ohne die Nacht,
was wäre das Leben ohne den Tod.
Doch nichts davon ist das Wesen aller Dinge,
und nichts davon bist wirklich du.
Ich weiß aber wer du bist,
denn ich weiß wer ich bin.

Nur in der Dunkelheit lernt man
das Licht zu meistern.