Die Wand

Zwischen dem Menschen
und dem Wunder der Schöpfung
steht eine Wand aus Gedanken.
Wie eine Scheibe aus Milchglas
trennt das wenige Vorstellbare
die Seele vom Unvorstellbaren;
und das Glas wird immer dicker.
Gleichsam den beiden Augen,
sieht auch die Menschenseele
im Alter immer schlechter.

Was Grauer Star für die Pupille,
ist Graue Substanz fürs weise Herz. – jj.

Nur ein Lied

Mühe dich nicht länger damit ab,
dass dich alle verstehen und mögen.
Am Ende sprichst du nur ihre Sprache,
und verlernst die deine;
und dann verstehst du sie zwar,
aber dich selbst nicht mehr.
Was kümmert es die Nachtigall,
was die Spatzen pfeifen.
Flieg einfach zum Horizont;
ab und an setz dich nieder,
auf einen Ast, stimmt ein Lied an;
dann lausche, wer mit einstimmt. -jj.

Auf der Suche

Wiege dich nicht zu lange
im vergänglichen Glück;
wähne dich niemals
wirklich darin geborgen.
Wohl an, koste davon,
doch meine nicht,
jemals satt zu werden.
Letztlich geht ein jeder
am Hunger zugrunde,
der sein Herz nicht
mit dem ewigen Geist
der Wahrhaftigkeit füllt;
und ebendieser Geist wohnt
dem Vergänglichem nicht inne.
So bleibe stets hungrig,
auf der Suche
nach Weisheit und Freiheit,
nach Gott;
und so wird sich
dein Herz bald erfüllen,
Tropfen um Tropfen,
bis es dann überläuft. -jj.

Das Unvermeidliche

Sie irrten hin, sie irrten her,
jeder wusste, und wusste bald mehr.
Was gestern war, und was wird morgen,
das waren ihre Alltagssorgen.
Im Augenblick ganz taub und blind,
„Vernunft“ tauften sie das arme Kind,
und „Planung“ hieß fortan ihr Irren,
Macht und Kontrolle, ihr Verwirren.
Doch gar nichts hatten sie begriffen,
wie sie sich auch die Dinge schliffen,
eins beschwiegen sie gekonnt:
den Abgrund jäh am Horizont.
Wo sie auch nur in Pfützen traten,
griffen sie sogleich zum Spaten,
um alles wieder glatt zu streichen,
und nichts wirklich damit zu erreichen;
unvermeidlich und mit voller Wucht,
fiel bald ein jeder in die Schlucht.
Nur wog es dann tausendmal mehr,
all das Irren hin und her;
was sie zur Antwort auch erkoren,
ob wahr, ob falsch, alles verloren!
Wenn sie doch früher nur erkannt,
als der Zweifel zog durchs Land,
dass letztlich die Enttäuschung siegt,
über jeden, der sich im Sichren wiegt.
Ach, hätten sie sich nur gefragt,
woran der Zahn des Zweifels nagt;
hätten sie sich doch besonnen,
dem Abgrund wären sie entronnen.
Wer nicht in Demut still vertraut,
der selbst ist nur auf Sand gebaut,
hat doch die ganze Menschenmacht,
einen jeden noch ins Grab gebracht.
Was ewig bleibt, wer könnts verstehen,
man mags nur mit dem Herzen sehn;
nicht zu zwingen, nicht zu treiben,
kein Geist kann es sich einverleiben.
Man kommt nicht hin, es ruht um einen,
ruht auch in uns, muss nicht erscheinen.
Was auch erscheint, das bald vergeht,
wahrlich frei, wer das versteht.

In seinem Element

Es bringt nichts, Dinge zu erzwingen,
alles nutzlos, all das Ringen!
Geht es beschwerlich nur voran,
dann kommt auch niemand wirklich an;
und wo einer zum Ziel sich müht,
ist jede Freude doch verfrüht;
auf lange Sicht wohnt dort kein Glück,
bald muss er den ganzen Weg zurück.
Gewiss, auf Kindesbeinen schon,
lernt man, weiß jede Mühe ihren Lohn,
und so müht man sich von Ziel zu Ziel,
doch irgendwann wirds dann zu viel;
man schaut zurück und fragt den Wind,
wohin die ganzen Jahre sind.
Wo kam man an, auf dieser Reise,
stets brach man wieder auf ganz leise,
stahl sich davon, aus alten Träumen,
um neuer Hoffnung den Weg zu räumen.
Dann predigt man den Weg als Ziel,
andres übrig, bleibt nicht viel.
Auf jeden Mensch wartete das Meer,
ach!, wenn er doch nur geflossen wär,
dem Wasser gleich, in seinem Element,
doch sieh nur, wie ein jeder
stürzt und rennt.

Tag der Satire

Wenn Bill Gates euch alle impfen will,
dann seid mal dankbar und jetzt still!
Alles ganz sicher, ihr werdet sehn,
wie Excel, Word und Windows Zehn.
Und bald schon, in der halben Zeit,
ist der Corona-Impfstoff dann bereit,
und sind die Spritzen folgenschwer,
kommt halt ein Update hinterher.
Seine Software war nie frei von Viren,
jetzt kann er sich am Mensch probieren.

– – – – – – – – – – – 

Das Volksgewirr sucht Leitfiguren,
neue Züge auf den alten Spuren,
denn nur sicher ist, wie jeder weiß,
was sich sauber dreht im Kreis;
ist das Gestern erstmal rum,
bringts uns morgen auch nicht um.
Kommt dann doch was außer Plan,
tauscht man besser nur die Bahn.
Das ewig Alte, mit neuen Hüten:
Märchen, Fabeln, Wundertüten.
So geht das schon seit vielen Jahren,
stets im Kreis, und doch verfahren.

Vorsicht am Bahnsteig!

All das Geheuchle und Gewimmer,
über Moral und Empathie,
doch der Mensch ändert sich nimmer,
der Mensch ändert sich nie.
Jetzt dunkle Tage, reichlich Sorgen,
sich irgendwo halt Hoffnung borgen.
Die Aktien stürzen in den Keller,
bald schon klettern sie noch schneller;
so ists auch mit des Menschen Wesen,
schon in zwei Jahren, nichts gewesen, –
ist nur vorbei der ganze Spuk,
folgt gleich der nächste Höhenflug.
Der nächste Zug nach Nirgendwo
rauscht schon heran, im Eiltempo,
und Augen zu und Hopsasa,
wer zweifelt ist als Letzter da!

Herr der Zeit

Du wirst einen Punkt im Leben erreichen,
da alles Denken und Wirken keinen neuen Weg
mehr eröffnet und auch keinen Ausweg schafft.
Da steht die Wahrheit dann vor der Tür und
reicht dir ihren Kelch. Und alles andere,
wahrlich alles andere würdest du trinken,
damit du nur weiter träumen kannst, deinen Traum,
doch nicht der Wahrheit bitteres Gebräu.
Du hast leider auf Sand gebaut, bald schon kehrt
das Meer zurück, um alles wieder zu verschlingen –
dich, dein Leben, deine ganze verherrlichte Welt.
Du spielst auf Zeit, dabei kreiste die Zeit
schon immer wie ein Geier über deinem Haupt,
wann immer du ruhtest, aaste sie schon an dir, –
und seit deiner Geburt fütterst du sie auch noch,
wähnst sie als einen treuen Gefährten
und meinst, sie würde für dich arbeiten.
Nichts aber ist so faul wie die Zeit,
letztlich fällt ihr alles in den Schlund.
Schau in den Spiegel, wie sie dich zurichtet,
welche Lügen willst du denn noch herunterspülen,
um dir ihr Wirken und Verwirken schönzusaufen?
Schau vor deine Füße, wie sie jeden Weg verweht;
nichts hat sie je geboren, alles nur ewig neu verdaut.
Lass doch ab von den ganzen Märchen,
greif besser gleich zum Kelch der Wahrheit,
trink einen einzigen üblen Schluck nur,
dann geh elendig an ihr Zugrunde.
Da kannst du endlich aus ihrer Asche steigen,
und nichts mehr vermag dich zu verbrennen,
nicht in dieser Welt, noch in jeder anderen.

Niemals und nirgendwo

Bevor der Mensch überhaupt wieder etwas Bedeutsames wissen kann, muss er erst einmal aufhören, so viel zu denken; und erst wenn er auch zu schweigen weiß, da hat er wahrlich etwas zu sagen. Der nur, der in Bescheidenheit und Demut in seine Seele hinabsteigt, der seine Scheinheiligkeit und Ahnungslosigkeit im Lichte Gottes erfährt, der seine Fesseln erkennt, der allein kann mit weitem Herzen und offenem Geist wieder ins Unvorstellbare emporgehoben werden, – der jedoch, der nur selbstgefällig und selbstherrlich nach oben strebt, in seiner engen und kleingeistigen Welt, er stürzt am Ende ins bodenlose Nichts. Niemals und nirgendwo werden seine Wurzeln Halt finden, und niemals und nirgendwo vermag seine Seele zu wachsen und zu blühen. Sein Leben ist nichts als die Zeit, die ihm davonläuft.