Krieg und Frieden

Du glaubst, mich kümmern nur deine großen Erfolge, – die Siege, die du in den Schlachten des Lebens errungen hast? Nein, mich kümmern vor allem deine schrecklichsten Niederlagen! Ich will von den Schlachten hören, die du hoffnungslos verloren hast. Nur darin kann ich begreifen, was du bürdest und trägst und wer du wirklich bist. Wie du im Angesicht völliger Machtlosigkeit nicht zerbrochen bist; wie du dir deine Seele und dein Herz bewahrt hast, wie du wieder aufstehen und damit weiterleben konntest, das will ich wissen! Auch deine Waffen und Rüstungen interessieren mich nicht! Ich will nicht wissen, was du nun alles weißt oder besitzt, – ich will das erfahren, auf das du noch immer keine Antwort kennst; ich will dass du mir zeigst, was du verloren hast. Was ist denn all das wert, was du erreicht hast – wie kannst du all das schätzen – wenn du nicht ebenso viel verloren weißt?! Also sprich nicht so viel von deinen Siegen, öffne mir lieber dein Herz und gewinne damit meines; zeige mir all die klaffenden Wunden, die womöglich niemals verheilen; lass mich fühlen, was du allein nicht fühlen willst; offenbare mir deine Seele, teile deine Furcht und deine Tränen mit mir. Nur dann vermag ich mich in dir zu erkennen. Und nur dann erkennst du dich auch in mir. Und wenn wir dann, gemeinsam, aus tiefstem Herzen schweigen oder lachen, dann ist uns dieser Friede im Augenblick auch heiliger als jeder große Sieg in der Zukunft oder Vergangenheit. Ist doch alles andere als die Wahrhaftigkeit der Liebe am Ende ohnehin verloren. — jj. #mitternachtspoesie

„Die Menschen können dir nur so tief begegnen, wie sie sich selbst begegnet sind.“ – Verfasser unbekannt

Gute Reise!

Es ist völlig unmöglich, den Verstand mit Absicht oder Gedankenkraft zu kontrollieren oder zu überlisten. Denkst du auch um zehn Ecken herum, so wartet er dort schon auf dich, raucht inzwischen seine Zigarette. Und machst du ihm die Türe zu, dann kommt er durchs Fenster wieder rein. Wie ein Schachspieler, der jeden einzelnen deiner Züge im Voraus weiß, so kannst du dieses Spiel niemals und unmöglich gewinnen. Du kämpfst mit seinen Waffen doch nur gegen dich selbst. Und er wächst daran. Aber er wird dich stets hoffen lassen, auf einen letzten Sieg, – auf Freiheit, Glück und auf die Antwort aller Antworten; nur damit du weiter mit ihm spielst… weiter in Gedanken lebst und atmest. Immer wieder wird er dich feiern und loben, damit du weitermachst, und nie erkennst, wie er sich kleingeistig alles klein denkt, um es dann künstlich aufblasen zu können. So wie sich und dich! Und so läuft deine Uhr herunter, bis am Ende alles verloren ist. Für dich jedenfalls, oh Menschenseele! Das Wissen der Welt aber bedankt sich, für deine Lebenszeit und deine Energie. „Vielen Dank, dass Sie stets im Kopf gereist sind. Auf Wiedersehen!“ Das Wissen wird einfach mit denen weiterspielen, die dir nachfolgen, und denen du die Regeln des „rechten Denkens“ erklärt hast, so wie sie dir dereinst erklärt wurden. Für den Geist ist alles austauschbar. Auch du. Geht es doch nur um Gedanken. Wo der Verstand kein Diener mehr ist, da macht er sich die Seelen zum Knecht. Das Unvorstellbare aber vermag er sich nicht vorzustellen; die Angst ist seine rechte Hand, so wird er das Unergründliche niemals ergründen – das aber ist deine wahre Natur! Dieses Spiel kannst du nicht gewinnen. Und du gewinnst es womöglich doch, wenn du begreifst, dass es nie ein Spiel war, dass es tatsächlich um alles und um deine Seele ging, und du endlich nicht mehr mitspielst.

Wer zur höchsten Wahrheit gelangen will, zum vollkommenen Sein, der muss im Geist alles Vorstellbare und Vergängliche loslassen: Alles was er erwartet, was geschehen ist,und alles was er ist und besitzt. Es gibt keinen anderen Weg. Gedanken sind wie ein Nebel, in dem der Mensch wandelt. Ihr Lärm macht ihn taub für die Klarheit und Stille; ihr heller Schein macht ihn für das wahre Licht blind.

Die sechs Phasen

Die meisten spirituellen Menschen durchlaufen fünf Phasen im Leben, einige wenige sogar sechs. Je nach „karmischem“ Gepäck verlaufen diese intensiver oder extensiver, auch können sie sich überschneiden:

1. Der Mensch ist als Kind abhängig von anderen, damit die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Schutz und Zuwendung erfüllt werden. Auch erfährt er bereits als Kind und Jugendlicher bedingte Zuwendung, Bewunderung und Bestätigung, – ist er brav, angepasst und erfüllt alle Erwartungen, bekommt er sogar mehr als er braucht und wird belohnt; er muss es sich nur verdienen. Oder er erfährt das Gegenteil, und schließt daraus, er sei selbst niemals genug und er verdient gar nichts. Das Außen wird in der Sehnsucht nach Erfüllung und Bestätigung zum Spiegel und zur Projektionsfläche innerer Fülle, darin entsteht ein irrtümliches Gefühl von innerem Mangel und von Leere. Er ordnet sich ein, er ordnet sich unter, vor allem aber: vergleicht er sich nun! … da hängt er am Tropf der Gesellschaft.

2. Wird er älter, strebt er in beiden Fällen nach vermeintlicher Unabhängigkeit darin, dass er nun ausbricht und nach Erfüllung und Bestätigung in einem viel größeren Rahmen strebt. Dazu muss er sich weiter an die Gesellschaft und an die Umstände anpassen. Er beginnt voraus zu planen und Wissen und materiellen Besitz anzuhäufen. Er verwechselt Überfluss und unendliche Möglichkeiten mit Fülle und Freiheit. Doch wo er etwas erreicht, da will er bald mehr davon; wo er etwas weiß, will er bald mehr wissen; wo er irgendwo ankommt, will er bald woanders hin.

3. Als Erwachsener, den so mancher unerwartete Schicksalsschlag inzwischen eingeholt hat, sorgt er sich zunehmend darum, seine vermeintlichen Privilegien, Freiheiten und Errungenschaften wenigstens nicht zu verlieren und sich nicht mehr zu unterwerfen. Also strebt er zusätzlich nach Macht, Status (noch mehr Bestätigung), Kontrolle und Sicherheit. Sucht einen überschaubaren Rahmen. Job, Familie … Darin unterwirft er sich anderen und den Umständen aber nur immer weiter, er wird immer abhängiger; sogar von denen, die von ihm abhängig sind.

4. Er erkennt aber nun, dass Überfluss und Macht keine Erfüllung bringen, dass hier doch nichts wirklich von Dauer ist und dass durch Anpassung und Abhängigkeiten von äußeren Umständen und anderen Menschen weder bedingungslose Liebe, noch wirkliche Freiheit erfahren werden können. Auch fühlt sich Sicherheit nicht wirklich nach Geborgenheit an. Ganz im Gegenteil, spürt er sich doch immer weniger, denkt aber immer mehr. Eine seltsame Leere beginnt sich zu offenbaren. Die Vernunft beginnt sich nun selbst und das System zu hinterfragen. Und sie sucht nach einfachen, naheliegenden und rationalen Auswegen und Schuldigen. Der halbe Buchmarkt lebt davon.

5. Er versucht auszubrechen. Sammelt auf anderen Wegen vielleicht auch für Momente andere Erfahrungen. Mit Vernunft allein hat es scheinbar nicht funktioniert, also beginnt er sich tiefer mit spirituellen Themen wie Achtsamkeit, Liebe, Hingabe und Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Und mit sich selbst. Vielleicht wagt er sich sogar (wieder) an Gott. Der lange Weg der bewussten Spiritualität beginnt an diesem Punkt, – die andere Hälfte des Buchmarktes lebt davon, denn …

… da er ein Leben lang gelernt hat, dass alles einen Grund und Preis hat (also bedingt ist), und das nichts von Wert bedingungslos und umsonst ist, macht er sich mit dieser Überzeugung auf, strengt sich auch auf dem spirituellen Weg an; müht sich ab, um sich aus dem alten Hamsterrad zu befreien. Das kann aber langfristig nicht funktionieren, bestenfalls kurzfristig. Zudem verspricht die Spiritualität [zu Beginn noch!] endlich auf alle Fragen eine Antwort liefern zu können, und das hat der Mensch doch schon in der Schule gelernt: alles immer beantworten und erklären zu müssen. Da könnte er womöglich selbst zum Lehrer werden bald, wenns gut läuft, das spürt er oft. Und wieder ist da Bestätigung und Bewunderung im Spiel.

Doch er ist (weiter unbewusst) davon getrieben, dass sich etwas verändern muss, und dass er sich selbst verändern muss, um Erfüllung, Freiheit und Liebe zu erfahren. Die Konfrontation mit den eigenen Schatten führt zudem nun dazu, dass er glaubt, noch mehr an sich arbeiten zu müssen, um sein Ego zu vermindern; dass er noch mehr entschuldigen und vergeben muss, um es „wert zu sein“, bedingungslos geliebt zu werden und selbst bedingungslos lieben zu können, vor allem sich selbst. Dieser Prozess legt den Fokus aber immer mehr auch die eigene Persönlichkeit, auf das Ego – und verfängt den Menschen auch schnell wieder in hockkomplizierten Beziehungen und Umständen.

Auch wenn er nun in spirituellen oder religiösen Paradigmen und Sphären der „Liebe“ herumgeistert, ist er noch immer nicht bei sich in der Unabhängigkeit, in der Tugend und im Herzen angekommen; er kontrolliert noch, hinterfragt alles, will jeden kleinen Luftzug des Schicksals verstehen und einordnen, will alles richtig machen, idealisiert vieles, aber entwertet ebenso auch weiter sich und andere; ist nicht wirklich ehrlich, ist anfällig für Heuchelei und Selbstbetrug; glaubt immer noch, und jetzt vor allem, dass er sehr viel weiß und verstanden hat und dem „Ziel“ nahe ist.

Dieser Prozess verbraucht immer mehr Energie, es wird immer anstrengender in dieser Scheinwelt zu leben. Das Leben wandelt sich mehr und mehr zu einem Auf und Ab; am Ende zu einer wilden Achterbahnfahrt. Episoden der Euphorie und absoluter Überzeugung erden sich über Nacht in tiefsten Sinneskrisen. „Das Alte“ funktioniert einfach nicht mehr, der Widerstand gegen die eigene Wahrheit zu leben, wird immer größer. Mehr und mehr wird klar, dass es in diesem Prozess keine Kontrolle mehr gibt, dass der Mensch (vermeintlich) machtlos ist. Dabei war er schon immer weitgehend machtlos, denn die Macht die ihm innewohnte, war keine Macht; die Kontrolle war keine Kontrolle. Was er kontrollierte, das kontrollierte nur ihn selbst; was er im Griff hatte, das umklammerte ihn; was er alles wusste, vernebelte ihm die Einsicht, dass er das Wesentliche nicht sehen wollte …

Spätestens an dieser Stelle steigen die Meisten dann erstmal aus, es scheint das Ende. Dabei wäre es der Anfang. Sie arrangieren sich mit Kompromissen, mit Therapien, oder laufen im Außen wieder weg und idealisieren sich ihren gewiss schon harten Weg zum Ziel. Dabei drehen sie nur weiter ihre Runden. Aber letztlich ist es egal, wie lange man dreht, über wie viele Jahre oder Jahrzehnte. Das Unvermeidliche wird irgendwann geschehen … aber nur dann, wenn es geschehen kann und soll.

6. Hier nun beginnt der kurze Weg der Spiritualität. Hier werden die dunkelsten Räume der Seele besucht, hier gibt es keinen Weg mehr für den Menschen, denn hier schreitet der Weg nun durch den Menschen. Ganz von allein. Der Mensch begreift, dass es nun Geduld braucht und es nicht mehr nach eigenen, kleingeistigen, begrenzten Vorstellungen weiterlaufen kann. Er lernt zu vertrauen und loszulassen, auch alle Lehren, Lehrer und Erwartungen. Er wird stiller und sanfter, – er erkennt den wirklichen Gegner und die wahre Natur des Ego. Und er erkennt sich selbst dahinter. Trotz großer Sorgen und Existenzängste, „setzt er den Fuß mehr und mehr in die Luft“. Und er erlebt, „dass die Luft mehr und mehr trägt“.

Unerwartet öffnen sich da nun Türen; tausende von verrückten Zufällen und Snychronizitäten lassen ihn plötzlich staunen, gekostet hatte er ja schon davon. Aber das ist eine andere Welt; und das ist erst der Anfang, die Vorbereitung auf die Intensität, die in völliger Hingabe erfahren werden will. Dann nämlich schweigen die vernünftigen Vorstellungen ganz, – und alles was dann bleibt, ist wieder absolute Unvorstellbarkeit und wahrhaftige Tugend. Mit anderen Worten: Die Welt der Wunder, die er längst vergessen hat, ist wieder da – denn Denken war immer ein Vergessen all des Undenkbaren und Ungedachten. Diese Welt war immer da, hinter den Gedanken lag sie verborgen. Und nun wird der Mensch wieder ein Teil von ihr, und sie ein Teil von ihm. Damit kommt er bei sich … in allem … bei allen … an.

Erreicht er den Zustand, an dem er völlig loslassen kann, an dem nichts mehr getan oder erwartet werden kann, dann erfährt er plötzlich, dass nichts getan werden muss. Dann beginnt alles zu fließen; Vollendung geschieht nun als Tugend, nicht mehr als Akt der Vernunft. Lässt er ganz los, – und dieses Loslassen kann eben auch nicht erzwungen oder kontrolliert werden, denn dann wäre es kein Loslassen -, dann fällt er ganz in die Bedingungslosigkeit hinein. Dieses Loslassen war das ziellose Ziel dieses pfadloses Weges, der so weit erschien. Jeder Schritt war die Antwort, jeder Weg war ein Irrweg. Es war alles da, die ganze Zeit. Er erfährt sich in Gott, im Dao, im Namenlosen … , und er erfährt das Namenlose in sich. Alles was zwischen ihm und Gott stand, war er selbst. Was ihn trennte, war das vorgestellte „Ich“, die Summe aller Vorstellungen. Er erfährt nun, dass bedingungslose Liebe immer da ist, wo Grund- und Absichtslosigkeit und Gegenwärtigkeit erreicht ist. Nun braucht es dazu keine Menschenspiegel und Umstände im Außen mehr. Das ist das ganze Geheimnis. Liebe ist Gegenwärtigkeit, ist Sein …

Er weiß nun, dass dieser Zustand weder durch Licht- noch durch Schattenarbeit erreicht werden konnte, sondern dass es der Urzustand ist, und dass alle Anstrengung noch immer das Ego war, das nicht loslassen wollte. Nun lässt er los, sich selbst!, und erkennt, dass es nie etwas festzuhalten gab … nur Erfahrung, hier und jetzt. Und da kann alles kommen.

… und damit Guten Morgen. Das waren mal wieder #Kaffeegedanken … bevor die Rubrik einstaubt. j.j.

Epheser 2,8 »Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es!«

Matthäus 7,21 »Es werden nicht alle in das Himmelreich kommen. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet.«

Liebe deinen Nächsten … aber warum?

»Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.«
Das steht doch sogar klar in der Bibel, oder? Nein, tut es nicht!

Zitiert wird dieser Satz sehr oft. Nur selten mit Angabe seiner Quelle. Die soll sich im 3. Buch Mose, dem Buch Leviticus, Kapitel 19, Vers 18 finden.

Auf Hebräisch steht da: »Ve’ahavta l’reacha kamocha ani HVYH« (וְאָֽהַבְתָּ֥ לְרֵעֲךָ֖ כָּמ֑וֹךָ אֲנִ֖י יְהוָֽה׃)

Die Urtexte sind ohne Komma. Das heißt, der Übersetzer entscheidet oft über den Sinn der Verse und die Bezüglichkeit der Worte. Und wir alle wissen, wie heikel das sein kann! Schon ein kleines Komma kann jemandem das Leben retten!

»Hängt ihn nicht, laufen lassen!« – bedeutet etwas völlig anderes als:
»Hängt ihn, nicht laufen lassen!«

Man KANN das Bibel-Zitat also folgenderweise übersetzen:

»Ve’ahavta l’reacha kamocha (**KOMMA**) ani HVYH«
Also: »Liebe deinen Nächsten wie (als) dich selbst, ich bin Dein Gott (JHWH).«

Wobei tatsächlich nicht auszuschließen ist, dass der Satz in seiner Bezüglichkeit besser mit dem Wort „als“ und nicht „wie“ übersetzt werden sollte. (כְּמוֹ, hebräisch: Konjunktion: „wie“ bzw. „als“ oder als Adverb: „als ob“ bzw. „als wärest du er selbst“) Das bemerkte sogar Schopenhauer schon. Also: »Liebe deinen Nächsten ALS dich selbst.«
Das wäre schon eine ganze andere Botschaft, nämlich: erkenne dich auch in ihm! Aber lasst diesen Satz trotzdem mal wirken, denn welchen Sinn macht der Ausruf: „denn ich bin dein Herr / Gott!“ an dieser Stelle? Irgendwie keinen, richtig!, es scheint deplatziert. Hier auch mal die Version der englischen King James Bible zum Vergleich, wie sie exakt da zitiert ist: »But thou shalt love thy neighbour as thyself: I am the Lord.« oder als interlineare Übersetzung: »Love your fellow AS yourself: I am the LORD.«

Doch es geht eben auch anders, dann macht der Ausruf auch Sinn. Genauso können wir das Komma an anderer Stelle erwarten:

»Ve’ahavta l’reacha (**KOMMA***) kamocha ani HVYH«

Dann steht da: »Liebe deinen Nächsten, ich Gott bin wie du (und jeder andere!)«

Entsprechend der Genesis, die dem 3. Buch Mose voransteht, ist der Mensch in Gottes Gleichnis erschaffen. Gott ist wie der Mensch. Nicht der Mensch ist Gott gleich, sagt jetzt der Satz, sondern Gott ist es, der dem Menschen gleich ist und – Ve’ahavt – genau wie wir nach seiner Liebe dursten, so durstet ER nach unserer. Und damit ist Gott eben auch „im Nächsten“ – im Nächsten begegnen wir Gott, so wie in uns selbst.

Daher gilt:

Es gibt keine Übersetzung die gültig ist, außer eurer eigenen!

Ein falsches Komma kann nicht nur Sätze trennen, sondern auch Menschen von Menschen … und Menschen von Gott.

»Liebe deinen Nächsten, so wie dich selbst« bedeutet Vergleich, Spiegelung und Trennung und bestenfalls Sympathie und Empathie … aber ist das LIEBE? Das ist nicht ansatzweise die gleiche Botschaft, wie den anderen als einen Teil von sich zu begreifen, und sich und jeden als Teil von Gott zu erfahren. Nur darin aber würde das Mitgefühl als wirkliche Tugend des Herzens und nicht als reiner Akt der Vernunft erwachsen.

Laozi schrieb vor fast 2500 Jahren einmal über die Tugend: »Wo der große Geist, das Dao, untergegangen ist, da gelangen Menschensinn, Gerechtigkeit und Regeln zur Geltung. Wo Überlegung und Klugheit erscheinen, da einen sie sich mit großer Heuchelei. Wo unter Blutsverwandten kein Friede mehr ist, da predigt man dann Liebe und Familiensinn. Wo Aufruhr das Land regiert, wird gehorsam und Treue gepriesen.« (Daodejing, Absatz 18.)

Ich hatte bereits Artikel über die Genesis verfasst, in wie weit dort überhaupt steht, dass Eva aus Adams Rippe erschaffen wurde. Das ist natürlich völliger Unsinn, vom Patriarchat zusammengesponnen! (Siehe auch hier.) Nun also ein weiterer Artikel.

Auf halbem Weg

Was du suchst, das sucht auch dich, so heißt es.
Nur müsse man Gott auf halbem Wege entgegenkommen,
ermahnte uns Jesus. Doch wie genau tut man das?
Etwa indem man Gutes tut, gleich einer Mutter Teresa;
die am Ende eines Lebens voller guter Absichten
doch bitterböse und enttäuschte Briefe an Gott schrieb?
Wo wahrhaft Gutes getan wird, bedingungslos,
als Tugend des Herzens, da wirkt Gott bereits in uns.
Doch wo der Geist danach strebt, das Richtige zu tun,
da hat alles seinen Grund und seinen Zweck.
Da handelt er bedingt und entfernt sich genau darin
immer weiter von Gott, der Liebe und aller Tugend.
Wer nur Gutes tut, um gutes Karma anzuhäufen,
dem wird dafür gutes Karma abgezogen,

dieser Satz fasst es ganz wunderbar zusammen.
Wer nur handelt und wirkt, um dem Licht näher zu sein,
der wandelt in einem Schein, der die Dunkelheit verbirgt.
Wer nur ins Leuchten strebt, ohne auch in die Dunkelheit
zu schauen, der bleibt für das wahre Licht ewig blind.
Wo der große Geist, das Dao, verloren ist,
da machen sich Rechtschaffenheit und Heuchelei breit
,
das gab uns Laotse im Daodejing mit auf den Weg …
Da würden Liebe und Menschensinn nur mehr gepredigt.
Wie also kommt man Gott auf halbem Wege entgegen?
Nur indem man sich seine Schatten bewusst macht!
Indem das Wissen solange um Wissen ringt,
bis es erkennen will, dass es überhaupt nichts weiß.
Indem der Wille solange nach Kontrolle und Macht strebt,
bis er erkennen will, dass er absolut machtlos ist.
Dann erst erlangt der Mensch wirkliche Weisheit
und gelangt in den unbändigen Strom der Tugend.
Dann ist er wieder in Gott, so wie Gott in ihm ist.
Dann erst begreift der Mensch, dass gut gemeint
noch lange nicht gut ist; und dass Gottes Maß
jenseits des irdischen Richtig und Falsch angelegt wird.
Wenn das Kartenhaus des kleinen Geistes zusammenfällt,
dann erst ist der halbe Weg zum großen Geist gegangen.
Dafür braucht es den ganzen Mut und größte Ehrlichkeit,
seinen Schatten und Verfehlungen mitfühlend zu begegnen,
und ebenso viele große Enttäuschungen zu erfahren.
Denn nur sie sind das Ende jeder Täuschung …
und damit der Beginn der Wahrhaftigkeit.

Darüber spricht man doch nicht

Der bekannte britische Neuropsychologe und Neuropsychiater Peter Fenwick gilt mit seinen 84 Jahren längst als ein Pionier in der Untersuchung von Nah-Tod-Erfahrungen. Unzählige Studien mit zehntausenden Patienten fasst er so zusammen: „Es gibt keinen Zweifel an dem Phänomen, er selbst war einst der größte Zweifler. Und es sind weitaus mehr Menschen mit diesen oder vergleichbaren Erfahrungen konfrontiert worden, als man erwarten würde. Die Erklärungen im Gehirn allein zu suchen, sei einfach nur engstirnig.“
Doch eines fand ich besonders interessant in seinen Aussagen: Seine Studien belegen klar, dass es in der Natur dieser Erfahrungen starke kulturelle Unterschiede gibt. Was Menschen nach Infarkten, Schlaganfällen oder nach schweren Unfällen erfahren, ist stark von der Prägung durch die Kultur und die Religionen abhängig. Während die Amerikaner und Europäer nach der klassischen körperlichen Selbstentgrenzung zumeist durch einen Tunnel gehen, ist es bei Japanern fast immer ein Fluss, der sie fortträgt oder zu überqueren ist. Und was auch immer die Natur dieses Phänomens sein mag, es wird oft als realer und wirklicher erfahren, als das alte Leben selbst. Diese Tatsache allein scheint mir ausreichend, um das Thema ernst zu nehmen und nun auch hier einmal näher zu beleuchten.

Warum finde ich das faszinierend? Weil es sich exakt mit dem deckt, was ich zweimal erlebt und über viele Jahre versucht habe zu ergründen. Mich trieb die Frage, welchen Einfluss haben Geist und Persönlichkeit auf derartige Erfahrungen bzw. welche Konsequenzen haben unser Verhalten zu Lebzeiten und unsere Prägung auf das, was wir während dem Sterben dann erfahren … und zumindest möglicherweise auch danach.

Natürlich spricht man erstmal nicht so gerne über das Sterben und die Möglichkeit, dass das Bewusstsein selbst mindestens noch ein Weile nach dem Tod des Körpers aktiv bleiben könnte. Erstens, weil es mit der Ratio unmöglich zu erklären ist; und Zweitens, weil es nach wie vor in unserem Kulturkreis ein Tabu ist. Doch selbst wenn diese Phänomene im Hirn selbst passierten, – und da wird mir jeder der es erlebt hat zustimmen, – dann muss das Gehirn auch zweifellos dazu in der Lage sein, vermeintliche Realitäten zu erschaffen, die auf allen Ebenen und bei Weitem alles übersteigen, wozu unser Hirn im Alltag im Stande scheint. Allein das wäre schon mehr als nur bemerkenswert! Die Erfahrungen überschreiten derart unser Vorstellungsvermögen und alles, was wir aus Träumen kennen, dass die meisten Menschen sie zweifellos als mystische Erfahrung oder Gotteserfahrung beschreiben würden. Auf der anderen Seite kann auch festgestellt werden, dass unser Alltag selbst eine reine Projektion und Vorstellung sein könnte dann; was wiederum den Lehrmeinungen des Hinduismus oder Buddhismus sehr nahe kommt.

Mich persönlich führten die eigenen beiden Nah-Tod-Erfahrungen und eine amerikanische Studie mit todkranken Patienten, denen man die Angst vor dem Sterben nehmen wollte, damals zu Experimenten mit nicht-suchterzeugenden psychoaktiven Substanzen. So lassen sich unter anderem mit Dimethyltryptamin (DMT), Ibogain oder Psilocybin (Magic Mushrooms) vergleichbare Zustände herbeiführen. Erst später fand ich den Zugang auch über die Mediation, auch das ist möglich. Die absolut überwiegende Anzahl der Patienten, denen in der Studie reines Psilocybin verabreicht wurde, sprach von lebensveränderten Erfahrungen, – es konnte gezeigt werden, dass diese Zustände den meisten Patienten sogar weitgehend die Angst vor dem Sterben nehmen konnte. Das war erwartet worden und konnte bestätigt werden. Das eine derartige Studie überhaupt genehmigt wurde, ist natürlich ein seltener Glücksfall.
Zu Beginn neigt man allerdings nach derartig extremen Erfahrungen dazu, sie recht schnell wieder in die alten Schubladen des Denkens einzusortieren und abzuheften; bis zur nächsten Reise, die einem wieder den Kopf wäscht und das Ego kleinlaut werden lässt. Man verliert sich sehr schnell wieder in einem Paradigma, das man dann für die neue Wahrheit hält. Erst nach Jahren beginnt man wirklich, diesen Umstand und die Natur des Denkens selbst zu betrachten.

Aber was kann ich heute mit etwas Abstand und meinen Erfahrungen zu dem Thema feststellen?

Nun, es bestehen für mich keinerlei Zweifel mehr darin, dass unser Selbstbild und Weltbild eine mentale Projektion ist. Gern z.B. auch im Visuellen Kortex, also im Sehzentrum im Gehirn. Nur ist auch der Kopf, den wir sehen, selbst davon betroffen. Im Grunde ist alles was wir a priori mit unseren fünf Sinnen wahrzunehmen (Objekte), als auch die Wahrnehmung selbst (Aktion) und der Wahrnehmer (Subjekt) im Geist eine Interpretation, also ein Abbild und damit objektiviert und beeinflusst. Nichts anderes steht in den Veden oder Upanishaden seit tausenden Jahren übrigens. Frei nach Friedrich Nietzsche: „Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen.“ Kein Licht gelangt in unseren stockdunklen Schädel. Was wir sehen, wäre dann lediglich ein Feuer der Neuronen. Wenn es den eigenen Körper aber erst einmal in zwei Hälften gerissen hat, und man dann reines omniperspektivisches Bewusstsein bzw. Gewahrsein (oder gern auch „Gott“) erfahren durfte, oder wenn man während der OP aus dem Körper und vom Operationstisch stieg, dann kann es keinen Zweifel mehr an der imaginären Natur unserer vermeintlichen Wirklichkeit geben. Auf der anderen Seite ist es ohne so eine Erfahrung unmöglich, sich das auch nur vorzustellen.

Doch ich komme zu folgendem Schluss: Ganz gleich ob wir dem Tode nahe sind oder mit psychotropen Substanzen experimentieren; ob wir in Trance fallen oder meditieren: der Zustand unseres Geistes entscheidet massgeblich darüber, in welche Erfahrung wir dann hineinfallen, ob in einen Fluss oder in einen Tunnel … und das ist erst der Anfang natürlich. Erleben wir erst einmal die Selbstentgrenzung selbst, geht die Essenz unserer Überzeugungen alsbald wieder in Resonanz mit Erscheinungen, die wir da nun erfahren und selbst manifestieren. Man könnte das gut und gerne auch karmische Verstrickung nennen. Bei der erstbesten Möglichkeit assoziiert sich dieses geistige Residuum, – dieser Rest der Persönlichkeit! – , wieder mit anderen Erscheinungen, und verliert und vergisst sich darin… und verirrt sich dabei auch mal komplett. Gerade deshalb zitieren tibetische Mönche über Tage neben dem Leichnam aus dem tibetischen Totenbuch, dem Bardo Thödröl, das eine Art Wegweiser auf dieser Reise sein soll.

Nun, welche Konsequenzen hat das für das Sterben?

Letztlich die: Das zum Beispiel ein gieriger oder egoistischer Mensch mit hoher Wahrscheinlichkeit „Darüber spricht man doch nicht“ weiterlesen

Trugbilder der Tugend

Als die menschlichen Tugenden verloren gingen, und als die Herzen immer seltener die Sprache der Bedingungslosigkeit sprachen, da begannen die Menschen mit bedingten Gedanken nach Tugenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Güte zu streben. Rechtschaffend wollten sie sein, stets das Rechte und Richtige denken, fühlen und tun. Damit war auch erst das Falsche und Unrechte geboren. Mit Ratio, Logik und vermeintlicher Vernunft rangen sie fortan um die natürlichsten Dinge, so wie Liebe, Treue, Freiheit, Achtung und Mitgefühl, – die Tugend bekam einen nachvollziehbaren Grund, machte nun Sinn und wurde zum großen Ziel erklärt. Das Selbstverständlichste der Welt noch musste fortan erst verwirklicht und erreicht werden. Alles diente einem Zweck nun und bekam auch seinen Preis. Wahrhaftige, sanfte, aber tiefe Gefühle wichen lauten und spektakulären Gedanken; große Visionen, Pläne, Träume kamen in die Welt, aber Gegenwärtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Vertrauen und Mut starben langsam aus. Und wo sie sich doch noch zeigten, da wurden sie gefeiert und auf die Bühne gezerrt. Alles Echte wurde idealisiert und darin weiter vergeistigt, doch die Menschen spürten sich selbst immer weniger. 
Ihre künstliche Welt drehte sich immer schneller als Scheinwelt unzähliger Gedanken im Kopf. Heuchelei, Hypokrisie, Vorstellungen, Ideale, Werte, Regeln und Gesetze bestimmten da über die Geschickte der Herzen. Die Tugenden selbst wichen Trugbildern, in denen die Jugend heranwuchs; und denen sie zur vermeintlichen Realität geriet. Als die Menschen aus den Tugenden gottgleiche Götzen gemacht hatten, und sie verehrten und anbeteten, da hatten sie endgültig alles Göttliche in sich verloren. Und da wachten sie auf, oft einsam und leer in der Seele, und versuchten nun auch noch mit großer Anstrengung und Absicht wieder absichtslos zu werden; zu fließen, im Augenblick anzukommen und einfach bedingungslos ZU SEIN. Mit Kontrolle und Absicht versuchten sie wieder loszulassen und sich hinzugeben … aber das ist eine andere Geschichte.

»Wo der große Geist verloren ist, da breiten sich Rechtschaffenheit und Heuchelei aus, und da werden Liebe und Treue gepredigt.« – Laozi / Daodejing

Denken in schwarzen Löchern

»Es ist nicht so, dass die Vergangenheit realer wäre als die Zukunft. Wir wissen nur einfach mehr über sie. Eigentlich wissen wir gar nichts wirklich über die Zeit, da bedient sich die Physik auch nur bei den Philosophen. Das einzige was wir bezeugen können, ist die Gegenwart« – frei nach Professor Sean Carroll, Physiker


Ich liebe es wenn Physiker ihre Hosen herunterlassen und auch mal laut aussprechen, dass ihre fundamentalen Grundannahmen selbst ein freidefiniertes – aber doch nur metaphysisches! – Fundament sind, auf dem sie aber all die hohen Gebäude errichten, die sie dann oft „Wahrheit“ nennen. In der Schule hört man sowas nicht, – da lernt man das Wort Zeit, die Uhr zu lesen, das Symbol, die Einheit .. dann wird gerechnet und danach gelebt. Schon der Mathematiker Kurt Gödel, der selbst Einstein beflügelte, bewies die Unbeweisbarkeit der Grundannahmen und Axiome der Mathematik selbst und damit ihre Unvollständigkeit. Ähnliche Ansätze finden sich in der Linguistik, Neuropsychologie und Bewusstseinsforschung. Denken mag sehr nützlich sein, doch Erdachtes selbst ist niemals wirklich: Am Ende wissen wir nichts als das, was wir uns über die Dinge ausdenken und darauf folgend zu stimmigen Versen „zusammenreimen“, die sich an der Wirklichkeit bewähren. Wie ein Text zu einer Melodie eben.

Die Gefahr besteht darin, den Unterschied zwischen der Melodie und unserem Liedertext aus Interpretationen und Ausdeutungen nicht mehr zu erkennen! Wenn es kein Gesang ist, wird die Welt nur mehr eine Welt der Worte und Gedanken .. die Gedanken werden zum Ding an sich, zur Musik, und damit konstruieren sie sich ihre Welt dann selbst. A priori = a posteriori. Dann unterwerfen wir uns dieser Zeit und ihren vermeintlichen Regeln am Ende komplett … und damit den Gedanken. Dann leben wir uns immer mehr in eine selbstgemalte Landkarte hinein, die wir über der Welt ausrollen. Und wo sie ausgerollt ist, ist die Landkarte alle Welt die noch ist. Nichts ist mehr „natürlich“, alles künstlich und erdacht. Das Wort Hölle meinte in seiner ursprünglichen Auslegung übrigens genau das! Und wofür im (Ur)Christentum dann ursprünglich der Teufel bzw. im Buddhismus Mara steht, kann man sich dann auch „denken“.

Jedes Denken und jede Wissenschaft basiert auf Grundannahmen, die in sich selbst nicht beweisbar sind. Jede Logik ist auf sich selbst bezogen und angewendet ein Paradox. Es gleicht dann der Singularität eines Schwarzen Loches … und das ist die Natur eines Paradigmas. Es ist aus sich selbst heraus, mit den eigenen Mitteln nicht zu durchschauen, nicht zu erkennen, und eben nicht zu verlassen. Fällt der Mensch der zu viel denkt erstmal über den Ereignishorizont ganz ins Denken hinein, kommt er mit keiner Methodik des Denkens selbst mehr aus dem Denken heraus. Im Gegenteil, er zieht alle mit hinein, die nicht selbst denken wollen. Doch welche Logik hat die Logik ohne sich selbst? Welchen Sinn macht Sinn ohne den Sinn selbst? Die Logik versucht alles zu erklären, damit sie sich nur selbst nicht in Frage stellen muss. Die Unlogik ist nur ihr Kind … und das geht jetzt wieder spielen – Jeanne

Die Zeit … sie vergeht um eine Sekunde pro Sekunde.
That’s the only rule … Have a good time!

Ruhe!

Meine gegenwärtige Situation, dass ich einfach alles fließen lasse, damit ich selbst endlich wieder ganz fließen kann, lässt sich an folgendem Beispiel wunderbar verdeutlichen. Ich notiere mir zwei Sachen auf dem Einkaufszettel: Tabak und Zahncreme. Und dann denke ich mir noch: ‚Ach was, wenn der Tabak leer ist, dann hör ich halt auch noch auf zu rauchen.‘ Und dann geh ich zum Briefkasten, und was ist drin: Eine Tube Zahncreme … so ein mittelgroßes Testpäckchen. So in etwa, jeder Tag! Es funktioniert mit Zahncreme, und sogar mit Menschen! – es findet uns, was zu uns gehört, wenn wir uns diesem Vertrauen nur immer weiter öffnen; und es findet uns auf Wegen, die wir mit der Vorstellung nicht erwartet hätten. Und das macht das Sein wieder zum Wunder, zum Unvorgestellten! Und das steht im Kontrast zu allem, wirklich allem, was ich gelernt habe und für „vernünftig“ halte. Denn alles in dieser Welt hat doch einen Preis, nicht wahr? Und alles von Wert kostet große Mühe und Anstrengung … und so mühen wir uns ein Leben lang, wenn es oft auch nur darum geht, bloß nichts wieder zu verlieren. Dabei würde uns alles Wesentliche in jedem Augenblick neu geschenkt, wenn wir doch nur …
… und schon der Buddha mahnte uns, dass wir nur leiden würden, weil wir etwas anderes begehren, als das, was einfach sein will, und was stets rein und vollkommen wäre.

Die Ironie nun aber ist, um dorthin zurückzugelangen, musst du nun auch erstmal alles gegeben haben, irgendwo, irgendwie. So wie Siddhartha sich da selbst erstmal gegen jede Vernunft und fast zu Tode mühen musste, weil er an die Erleuchtung und Buddhaschaft glaubte. Und dann macht sogar dieser Satz in der Bibel Sinn, wo Gott nur die suchst, die ihn mit aller Anstrengung suchen. Nicht die, die nur an ihn glauben, und sich dann in materielle Sicherheiten flüchten. Es ist nämlich der Weg zurück von einem Irrweg, den wir nur alleine zu Ende gehen können, weil wir ihn auch allein begonnen haben. Zurück ins Vertrauen, zu Gott und zurück zu uns selbst finden wir nur, indem wir diesen Irrweg gegen alle existenziellen Ängste und Zweifel auch zu Ende gehen; und es ist egal für welchen Weg wir uns entschieden haben…. und woran wir da nun glauben, ob an profunde Ziele oder an Gott oder gar an die große Erleuchtung. Auf dem Weg selbst wird aus Zweifel dann Vertrauen … und aus Vertrauen wieder Gewissheit. Und was wir dann finden, dafür findet sich kein Wort mehr. Es ist einfach wieder „DAS“, was wirklich ist und was wir wirklich sind, – und es ist nichts mehr von dem, was wir da denken. Egal wie viel und wie „groß“ wir denken.

Ich habe einen Zustand erreicht, in dem es mir völlig egal ist, was ich an materiellen Dingen und „von mir“ noch verlieren könnte. Und was man wirklich braucht und will, mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf!, das findet einen. Es ist irre, wie frei das macht, und dass es umso besser funktioniert, je mehr das Vertrauen zur Gewissheit wächst. Und man kann das nicht erzwingen, es ist eine Konsequenz, es wird eine Tugend, die man auf dem Weg erlangt, – und das braucht auch die Zeit, die du brauchst, damit der Mut wächst. Denn das allein ist Mut! – mit aller Kraft vertrauen, wo du noch keine Gewissheit hast! Das ist kein moderner Trend zum Minimalismus und kein bequemer „Ab heute vertraue ich auf Gott“-Vorsatz und kein „Alles ist schon erleuchtet“-Gequatsche. Es ist einfach nur so wie es jetzt ist, – nur in der Erfahrung selbst! – und die nimmst du dann an. Allein das spült dich auf deinen Weg … ein Weg, der mir vor einem Jahr als Kontrollfreak noch allergrößte Panik gemacht hätte. Davon zu träumen ist das eine, aber dann wirklich zu fließen und in allem zu „sein“ … es ist der Untergang einer kompletten Scheinwelt im Kopf, die mein Leben und die ich selbst geworden war. Es kam fast einem Sterben nahe, um endlich das Wunder des Lebens und der Schöpfung wirklich wieder erfahren zu können. Es auch als mein Wunder erfahren zu können.

Als ich völlig allein auf dem Atlantik damals Thor Heyerdahl las, hatte ich ihn noch nicht ganz verstanden, was er da über das Vertrauen schrieb, als er ebenfalls mit seinem Floß über den Pazifik trieb. Aber ich begann zu ahnen, und selbst zu erleben. Er begriff zutiefst, dass selbst auf dem Meer alles zu dir findet, wenn du es kommen lässt, wenn du wirklich vertraust, und nicht zweifelst oder nur hoffst. Das ist dann Gewissheit, und was erstmal gewiss ist, ist dann wahr und da. Alles was uns von allem trennt, ist nur der Zweifel und die Zeit … und das ist auch alles, was uns von Gott trennt, und damit von uns selbst.

Was lebst du denn noch wie ein Bettler! Hast du denn vergessen, dass du ein Teil Gottes bist? Oder lies eben eine schlecht übersetze Ausgabe der Bibel, und dann sei eben auch nur ein Kind Gottes, das wäre doch ebenfalls schon genug um nicht mehr zu betteln und dich zu fürchten.

»Die Apostel mühen sich ab, das Boot unter Kontrolle zu halten, und nutzen ihre ganze Erfahrung, um es sicher durch den Sturm zu bringen. Aber es ist aussichtslos! Den Tod vor Augen wecken sie Jesus und flehen: „Herr, rette uns, wir sterben!“ (Matthäus 8:25). Da fragt Jesus: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr so wenig Glauben?“ Dann spricht er ein Machtwort zu dem Wind und befiehlt dem See: „Ruhe!“«

Und damit gebe ich auch schon wieder zurück an Facebook und seine Masterclass- und Webinar-Wunderwelten zum Thema „Netzwerk-Marketing“ und „Mit Daytrading zum Millionär“. Schönen Abend euch. – Jeanne via Facebook

Musik beim Schreiben:

Mit jedem Schritt

Eigentlich hatte ich alles im Leben. Verlobungsringe, reichlich Fame und Funk, viele Garantien und Sicherheiten, Geld und Aktien, Traumjob, großes Haus, Weltrekorde, Bestseller … Und gewiss hätte ich noch viel mehr davon haben können. Vor mir lagen so unglaublich außergewöhnliche Chancen. Aber alle hab ich in den Sand gesetzt Veni, vidi, violini – ich kam, sah und vergeigte eben. Nur weil mein Herz einfach keine Ruhe fand und stets weiter drängte; weil alles zwar oft sehr groß war, aber doch nicht meins; weil es mich eher verdrehte und nach unten verbog, mich kleiner und unauthentischer machte, oft lange kaum spürbar allerdings. Und so packte ich meine alte Gitarre wieder ein und folgte meinem Herzen, oft gegen jede Vernunft und gegen die allergrößten Widerstände und Hoffnungen. Auch in so manchen bodenlosen Abgrund hinein, – in lange, stockdunkle und hoffnungslose Nächte.

Jetzt habe ich nichts mehr, außer mich selbst und mein tollkühnes Herz, – weit wie die Welt, offen wie ein Scheunentor… und darin: Gott selbst und ein paar Menschen, für die das schon alles sehr richtig so ist, für die ich richtig so bin, und wirklich nah und groß. Vor mir liegt mal wieder nichts als der Horizont, und er erwartet meinen nächsten Schritt. Der Zauber, der jedem Anfang inne wohnt, er wohnt nun jedem meiner Schritte inne, wo ich nur wahrhaftig und aufrecht schreite. Und das ist alles. Nichts bleibt, alles fließt und ist bis zum Loslassen einfach nur so, wie es hier und jetzt eben ist. Aber im Augenblick dann ist es ganz und vollkommen. Und ich wurzle nirgendwo mehr, außer in mir selbst und damit auch in Gott, und in den Menschen, die ebenfalls in sich und damit in Gott wurzeln. Damit verwurzeln wir uns miteinander, ohne uns zu fesseln. Uns gehört nur der Horizont, und alles Verborgene dahinter. Hier gehört uns nichts mehr, hier sind wir nur mehr Gäste, und alles ist uns nur in jedem Augenblick neu geschenkt. Was kommt, kommt ganz; was geht, das geht für immer. Wer sich daran klammert, der klammert sich an nichts; und irgendwann klammert das Nichts dann zurück. Und wenn ich eines gelernt habe im Leben, dann das: Menschen, die das Nichts schon in den Armen hält, die reißen jeden mit sich, den sie da irgendwie noch zu fassen bekommen. Und alles was uns warnen kann… ist unser Herz. Habt Mut und hört es wieder schlagen!

Der Schauspieler Jim Carrey wünschte uns allen einmal, dass wir uns alle unsere Wünsche, und Träume erfüllen könnten, alles besitzen, alle unsere Ziele erreichen und allen Erfolg dieser Welt hätten, damit wir endlich mit eigenen Augen erkennen würden, dass das allein die Antwort nicht ist. Recht hatte er! — Jeanne via Facebook

Musik beim Schreiben: