Noch 24 Stunden

Habe richtig gut schlafen heute Nacht, und denke, ich werde wohl den halben Tag im Bett bleiben. Wer weiß wie viele Kurzschlafphasen ich in den nächsten Tagen bekomme. Habe wirklich phantastische Träume zur Zeit, wache morgens meist auf, weil ich laut lache. Fühle mich also wirklich gut und ausgeruht. Das ist wichtig. Freue mich auch das letzte heiße Bad, denn das wird es für die nächsten 4 bis 5 Monate definitiv nicht mehr geben. Gestern Abend haben wir alle wieder phantastisch gegessen und ein letztes Mal gemeinsam im Dunkel den Wellen gelauscht. Alles steht auf Go! für morgen. Vorhersage: Wind 8kn aus NW bis NNW; See bei 1,5m und 12 Sekunden. Dienstag dann doch 23kn (43km/h), aber mit Wind aus NNW wird’s voraussichtlich ein Wellenritt in die richtige Richtung. Ich werde bis zur Hafermole von einigen Booten begleitet, dann, sobald ich auf dem offenen Wasser bin, bin ich allein. Soweit der Plan.

Könnte mir Schlimmeres vorstellen als hier in Portimao zu bleiben, Urlaub zu machen. Aber so langsam wird der Ruf der See doch etwas lauter und bestimmter – es wird also Zeit, ich sollte gehen! Mein Koffer bleibt morgen früh ganz leer im Hotel zurück – und alles was ich wirklich benötige, habe ich dann im Herz, im Kopf und im Boot. Ich werde mich sicher noch kurz melden morgen, aber solltet Ihr nichts von mir hören, dann geht es mir gut.

Noch etwas zu den Status-Updates in den sozialen Netzwerken: Ich werde natürlich in Zukunft erst einmal keine Kontakte mehr bei Facebook bestätigen können, was schon in den letzten Tagen schwierig wurde. Bitte abonniert einfach meine Nachrichten, dann könnt Ihr trotzdem alle Einträge lesen. Auch ist natürlich Twitter eine Option. Und ich bitte ich Euch nochmals: Geht bitte auf die Facebook Seite von OceanCare, dort gibt es alle Neuigkeiten zum Projekt + zahlreiche Hintergrundinformationen in deutscher Sprache.

Nun denn … passt auf Euch auf, entschleunigt die Welt ein wenig und denkt ab und an mal an mich. Wir sehen uns alle gesund im nächsten Jahr wieder. Ich bedanke mich bei Euch allen, die Ihr mir das Vertrauen geschenkt habt, die Ihr mich unterstützt habt in den letzten Jahren, an mich geglaubt habt. Und ich bedanke mich bei all denen, die Zweifel hatten, aber wenigstens den Mut besassen es laut auszusprechen. Nun denn … jetzt bin ich dran. Ich denke es ist alles gesagt – jetzt werde ich einfach ohne großes Szenen aufbrechen.

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11 Tage 11 Stunden 11 Minuten 11 Sekunden

Fast! Nur noch wenige Meter, dann ist’s endlich soweit. Sogar das Startgedicht halte ich schon in Händen, und habe noch genug Zeit es zu erweitern. Los jetzt: TICKE SCHNELLER UHR! Das Boot ist bereit für die lange Reise nach Portugal, fehlt nur noch die Transportfolie. Zuvor jedoch stehen Sigrid Lüber von OceanCare und ich noch am Freitag, dem 11.11.2011 um 11:00, bei einem offiziellem Presseevent in Speyer Rede und Antwort. Freue mich sehr auf den Termin, und hoffe wieder auf ein richtig „lautes“ Medienecho für unsere Kampagne für die Stille in den Weltmeeren. Übrigens: Bitte folgt OceanCare auf der offiziellen Facebook Seite – dort gibt es regelmäßig Nachrichten in deutscher Sprache während meiner Überfahrt, verknüpft mit spannenden Fakts zur aktuellen Position – und natürlich mit vielen Infos zum Thema Unterwasserlärm und den konkreten Projekten, die wir zusammen mit der Kampagne Row for Silence beflügeln möchten.

Wetter schaut gut aus bisher. Ein Hoch baut sich über den Azoren auf. Prognose für den 21.11. wäre dann optimalerweise auch ein Wind aus Nord. Daumen drücken.

Kleinere Überraschungen gab es dann noch auf der Wage. Inklusive Trailer (Bootsanhänger): 1530 Kilogramm. Ich verschweige jetzt lieber das Trailergewicht, und verschweige auch, dass ich noch mal gewaltig an Gewicht reduziert habe. Heute aktuell beträgt nun das Startgewicht des Bootes bei voller Beladung 1080 Kilogramm (jedoch ohne Ruderin). Ist ok. Etwas nachgeholfen, und ich erreiche auch noch die 1075Kg als meine persönliche Zielsetzung als Obergrenze in der Vorabplanung. Also doch die Zahnbürstengriffe absägen?

Spannend wurde es noch mal, wo das Antifouling (Bewuchsschutzfarbe) abgeschliffen werden musste. Dazu wurde das Boot mit über einer Tonne an zwei Gurten am Gabelstapler emporgehoben. Sehr beruhigend wo ich dann unter der schwebenden Last mit Sandpapier das ganze Unterwasserschiff bearbeiten musste. Ergebnis ist jedenfalls sehr gut geworden: Spiegelglatte Oberfläche – optisch toll. Leider ist das Schleifen eine absolute Drecksarbeit und ich war am Abend Zielscheibe allen Spots in Speyer mit meinem rotem Gesicht. Damit konnte ich leben, schlimmer war die Entdeckung am nächsten Morgen, dass sich der Schleifstaub auch auf dem Boot gesammelt hatte. Völlig unnötige Arbeit – lässt sich nur ganz schwer entfernen. Naja, selbst schuld.

Also noch 11 Tage, 11 Stunden, 11 Minuten und 11 Sekunden bis zum 21.11 – 10:oo UTC.

Hinaus aufs Meer wirst du getrieben
Der Hafen liegt schon in den Weh’n
Und Wind und Wellen schieben
Und die Uhr bleibt steh’n … um zehn.

Hinaus aufs Meer wirst Du getrieben
Von Wind und Strom und Salz im Blut
Nur eine Leine ist geblieben –
Ein Knoten der im Halse ruht

Hinaus aufs Meer wirst Du getrieben
und gleitest mit dem Kopf voraus
Das Meer wird dich nun fortan lieben!
…. oder es sieht übel aus!

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Und immer noch 25 Tage

*tick* Und da steht die Uhr plötzlich still. Das Boot ist bepackt, und ich liege nicht eine einzige Minute hinter meinem Zeitplan. Gibt’s ja nicht. Scherze machen sie schon über mich in England, so typisch deutsch wäre ich – so pünktlich, durchplant und organisiert. Also irgendwas muss doch noch kaputt- oder schiefgehen. Wo bleibt denn sonst die Dramatik. Ja, Dramatik – Pustekuchen. Nicht mal aufgeregt bin ich mehr. Alles weg, total entspannt, irgendwie wie ausgeklinkt, stressimmun bin ich da plötzlich. Gerade Ich! Ich sollte Haare raufen, panisch durch die Welt telefonieren, eilig packen, testen, reparieren und trainieren.

Ich verstehe es ja auch nicht, weiß nicht wo im Drehbuch der Fehler lag und die Protagonistin aus dem Drama in die Komödie schlitterte. Nach so langer Vorbereitung, nach all den Achterbahnfahrten *klick* alles weg – nur tiefste innere Zufriedenheit, Leichtigkeit und Überzeugung. Und dabei habe ich noch nichtmal abgelegt. Ich weiß ich habe das beste Boot, ich weiß ich bin fit … und der Kopf? Bin ich mental bereit? Bin ich „heiß“ auf das Abenteuer?

Ich leuchte! Mein Herz leuchtet! Es explodiert nicht, es zerspringt nicht – schlägt keine Loopings. Es glüht nicht in heißem Orange, es ionisiert das Blutplasma mit einem kühl leuchtenden Blau, und pumpt es, elektrisiert, noch in die letzten Zellen meines linken kleinen Zehs. Alles läuft nun zusammen im kleinen Zeh Europas, in Portimao, Portugal. Bestes Equipment, optimale Vorbereitung und Fitness und jetzt ist der Kopf auch frei. Die Sensoren öffnen sich wieder, subtile Eindrücke wuchten sich plötzlich wie schwere Reissäcke über das emotionale Grundrauschen. Hämmern so brachial gegen mein Trommelfell, blenden mir die Augäpfel – überstrahlen all den Mist, der mich die letzten 2 Jahre lang versucht hat von diesem Weg abzubringen. Es spielt alles keine Rolle mehr, egal was mich nächtelang wachhielt, was zerbrach oder daneben ging. Alles bedeutungslos. Das Boot ist bereit und ich stehe hier und leuchte.

Täglich erreichen mich nun auf dem Postweg versiegelte Briefe und Glücksbringer für die Reise. CD’s, Glücksbänder, Ausgefallene Süssigkeiten. Ich genieße das. Bin reichlich stolz auf das Vertrauen. Und gestern dann, ich wollte gerade am Boot zusammen räumen, ein kleiner magischer Moment: Ein Mann tauchte plötzlich neben dem Boot auf, und sprach mich an. „Er hätte etwas für mich, wo es noch ins Boot passen würde“. Ich solle meine Augen schließen und die linke Hand öffnen. Steine! Sechs Stück umschmeichelten meine Finger. Schwer. Rau. Ich öffnete die Augen und fand Chondrite in meiner Hand. Meteoriten. Wow! „Ich solle fühlen, und mir einen aussuchen“. Ich wählte den kleinsten, den rundesten. Meinen neuen Glücksbringer.

Wie ich später erfuhr, sammelte der Mann die Meteoriten seit vielen Jahren in der Sahara. Als Einzelgänger unterwegs – und jetzt, wo er gerade daran war wieder Wurzeln in Deutschland zu schlagen, kreuzte ich mit meinem kleinen Boot seinen Lebensweg. Und bei aller Rationaliät, der Moment war einfach durchschlagend, magisch. Und vielleicht lag es nicht an dem Meteoriten, sondern an der Energie, die da durch den Raum zwischen zwei Menschen übertragen wurde, die sich verstehen. Magisch, was immer das im Auge des Betrachters für Bilder zu erzeugen vermag.

Ja, ich genieße jede Minute, jede Sekunde im Moment. Bin glücklich um die Menschen die ich gerade um mich weiß. Meine Familie, meine Freunde. Alles läuft perfekt. Ich bin zurück in Speyer, bei Georg und Andreas, dem Team Lehr-Gestaltung, die Jungs die das Boot wieder neu bekleben … bezaubern. Ich fühle mich schrecklich wohl dort. Auch Rainer Magin, der mir der immer da ist wenn ich am Boot nicht weiter weiß , ach … ich würde Euch alle gern einpacken und mitnehmen 🙂 Ich vermisse Euch ja jetzt schon!

Aber in 25 Tagen ist all das vorbei, in 25 Tagen lächelt niemand mehr wenn ich morgens aus dem Bett krieche, niemand trinkt Kaffee mit mir, niemand hält mir einen Schraubenschlüssel. Keine Augen in die ich schauen kann für viele, viele Monate. Nun denn, auf geht’s!

Am 14.11 wird das Boot nach Portugal gezogen. Also in genau 19 Tagen. Ich bin sehr, SEHR erleichtert, dass ich das Boot nicht selbst über mehr als 2500 Kilometer in die Algarve ziehen muss. Den Transport übernimmt die BSH Verkehrstechnik GmbH aus der Schweiz. Für die im Schwertransport erprobten Jungs ist das Boot dann natürlich mal ein Leichtgewicht mit ca. 1500kg inklusive Trailer. Für mich ist wichtig dass ich mein Baby in guten Händen weiß, und mich auf die Logistik vor Ort konzentrieren kann, während das Gespann nach Portugal rollt. Daher noch mal meinen ganzen Dank an das Team in der Schweiz! Ich bereite nun alles für den Transport vor.

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Noch 50 Tage

Noch fünfzig Tage bis zum Start. Und erst gestern noch, so kommt es mir vor, waren es hundert. Aber dann wäre ja morgen … Ok, lassen wir das. Habe meine schnellsten Meilenstiefel angezogen und die Brille mit den Tunnelblick auf die Nase gesetzt. Erste gute Nachricht: Das Boot ist fertig! Einzig der Entsalzer bekommt einen finalen Service und Check bei Katadyn, aber ansonsten sind alle Schrauben festgezogen und mit Sicherungslack beträufelt. Zeit zum Packen also. Und das ist wirklich eine ganz andere Herausforderung. Mehr als 200 Kilogramm an Lebensmitteln, unzählige Medikamente, Tauwerk, Werkzeuge, Schrauben und sogar ganze vier Shirts und zwei paar Schuhe für bis zu 140 Tage. Fast schon dekadent! Es ist nicht wirklich einfach das angestrebte Endgewicht zu erreichen, und auch wo drei Shirts reichen, und das vierte nach einer Stunde im Wasser genauso verdreckt sein wird wie die anderen drei – es ist ein Kampf um jedes Gramm, und ab und verliere ich eben auch … und muss an anderer Stelle gewinnen.

Anderes:

  • Das offizielle Flaggenzertifikat wurde erteilt. Bin wohl nun das einzige Ruderboot in Deutschland unter offizieller deutscher Flagge. Ganz lieben Dank an das unglaublich nette Team vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie [1] in Hamburg.
  • Auch wenn das neue Iridium 9575 noch nicht lieferbar ist (Daumen drücken!), läuft die Kommunikation nun jedenfalls komplett über das spätere Backup-Telefon. Ich kann ohne Computer „Tweeten“ und „Facebooken“ – Blogeinträge schreibe ich auf dem Toughbook und schicke sie per Mail. Damit solltet Ihr also während der Überfahrt gut informiert werden. Ich gebe mir wirklich Mühe! Abonniert bitte Twitter (oder noch besser Facebook), da ich häufiger Statusupdates schreiben möchte, als ich Blogen kann. Ein einziger Twitter und Facebookeintrag kostet mich mindestens 1,35$ – also hoffe ich wirklich, dass Ihr mir auch alle treu bleibt 🙂
  • Dank UUPlus habe ich jetzt auch kostenlosen Zugang zu einem Mail-Kompressionsserver über Satellit. Bei extremen Latenzproblemen über Iridium und bei der aberwitzigen Bandbreite von nur 2400 Byte pro Sekunde, ist UUPlus meine Rettung. Somit sollte es auch möglich sein mal kleine Bilder hier und da in den Blog zu stellen. Erwartet bitte keine Megapixel-Wunder – aber ich versuche alles.

Only fifty days left! Yesterday, as far i remember, i had one hundred. So tomorrow actually should be … well. I jumped in my fastest mile-boats, wear the glasses with the nice tunnel vision on my nose. The boat is ready – now i have to clean and disinfect the lockers and have to get all the stuff into. Only the watermaker is missing, has a final check at Katadyn. More then 200 Kilogram of food, hundreds of medicaments, ropes, tools and screws … and even 4 shirts and 2 pairs of shoes, for 140 days. Luxary! It’s hard to reach the intended starting weight, i loose my fights with he gear here and there. I know three shirts might be enough, and the fourth one will smell like the other ones just one hour after getting it out of the waterproof sea bags. I lost here, and have to win the other fights. Maybe less pictures and the smaller sleeping bag?!

Other stuff:

  • Got my official flag certificate. The first rowing boat under german flag? Seems so!
  • Still wait for the new Iridium 9575 phone, which is not available yet. Fingers crossed please! But satellite communication is already running over my determinded backup phone. Be sure you follow me on Twitter and Facebook!
  • Thanks to UUPlus i have access to an E-Mail compression service now. A huge benefit for sending emails and, surprise!, pictures! Do not expect high resolution content every day, but a small picture here and there seems possible.

Schaulauf

Hier noch ein paar nachträgliche Bilder vom Drehtag, die mich heute erreichten. Gefilmt wurde, natürlich!, am heißesten Tag des Jahres … war ja klar. Die leichte Schlagseite an Steuerbord sei der fehlenden Rettungsinsel an diesem Tag geschuldet – ich schwöre aber, es waren wirklich genug rettende Boote dabei 🙂

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Trockenübung

Einen, vielleicht zwei Liter Wasser hatte ich vor der Messe im vorderen Schwimmkörper entdeckt. Klar, ich schlief nicht wirklich besonders gut, war alarmiert. Vor allem wo der Bereich vollständig zulaminiert wurde und man nicht mal eben so nach der Leckage suchen konnte. Natürlich Salzwasser, Mist! Trockengelegt war’s zwar schnell – aber woher kam das Wasser? Dringender Halsüberkopf-Reparaturbedarf bestand immerhin nicht, aber irgendwann sollte die Sache wohl überlegt angegangen werden. Besser zweimal nachdenken und nur einmal bohren. Ich würde nicht zugeben, dass ich das Mammutprojekt „Lecksuche“ absichtlich aufgeschoben, ja: etwas verdrängt habe, aber gerade in den letzten Nächten träumte ich wieder verstärkt davon, wie ich mich mit dem Endoskop durch den Schwertkasten zoome, und plötzlich ein Tintenfisch aus einer dunklen Ecke hervorspringt und in den Kamerakopf beißt. Hat ja dann da drinnen fast 3 Jahre lang nix gegessen 🙂 Nein, aber es nützte alles nichts: Ich musste die Sache nun angehen. Eines vorweg: Ursachen kann es tausende geben – Löcher im Unterwasserschief, im Rumpf selbst waren allerdings nicht wirklich zu erwarten. Es bestand 2007 ein Problem mit dem Schwertkasten (dort wird das Schwert eingeschoben), welcher nicht korrekt abgedichtet war. Das Problem wurde inzwischen behoben, aber ein Zusammenhang mit dem Wasser unter der vorderen Kabine konnte nicht ausgeschlossen werden. Leider besteht weder ein Zugang zum Schwertkasten, noch einer zum betroffenen Bereich im Vorschiff. Fummelarbeit mit dem Endoskop also. Aber was rede ich lang herum: Natürlich habe ich die Ursache gefunden 🙂 Längs- und Querschotts (GfK Platten/“Wände“) bilden im Boot die einzelnen, rechteckigen Sektionen. Einige sind über kleine Luken im Deck zugänglich, andere nicht. Im Fertigungsprozess werden diese Schotts fest im Bootskörper miteinander verklebt und erst dann wird das eigentliche Deck (also die „Decksplatte“, der Boden auf der man steht) über den Schotts angebracht. Und hier lag das Problem: Die Verbindungen der Schotts unter Deck mit der Decksplatte lassen sich im Fertigungsprozess natürlich nur sehr schwierig verkleben – vor allem zwischen zwei schwer zugänglichen Abteilungen. Man sieht ja nichts mehr. Eine dieser Stellen stellte die Verbindung zwischen dem Schwertkasten und der betroffenen Sektion her. Und das Wasser suchte sich seinen Weg. Jetzt wo der Schwertkasten korrekt und fachmännisch in der Karibik abgedichtet wurde, war zwar auch kein neues Wasser im restlichen Boot mehr zu erwarten – aber der Durchgang bestand trotzdem noch immer. Und jede Sektion muss absolut wasserdicht sein. Wasser in einer Sektion (was fast nie zu vermeiden ist) darf nicht in eine andere Sektion über ein Schott einlaufen. (Entwarnung: Selbst wenn fast alle Sektionen unter Wasser ständen, würde das Boot nicht sinken – eine schwimmende Rettungsinsel also.) Trotzdem wird jede Sektion am Ende auf absolute Dichtigkeit geprüft. Wo der Motor der Entsalzungsanlage unter Wasser geriete, nur weil die Nachbarsektion vollläuft – nicht auszudenken.

Nach diesem Erfolg also heute mal etwas früher Feierabend. War ja auch ein langer Tag. Am Morgen besuchte mich das Team von 3M, um mir direkten Support bei verschiedenen Klebearbeiten- und Problemen zu geben. Ich wurde mit so umfangreichem, teils neustem Equipment im Markt ausgestattet, dass ich natürlich sehr froh darum bin, dass die Experten immer wieder ein Auge auf’s Boot werfen und mir Rat und Optionen anbieten. Und zusammen stimmen wir die Produkte dann wirklich auf jede konkrete Situation ab und kleben nicht pauschal einfach mal alles mit irgendeinem PU-Kleber ein, wie meist üblich. Und wo ich irgendwo mal nicht 100% zufrieden mit meiner Arbeit bin, da weiß ich dass ich diesen Umstand mit der Erfahrung, Motivation und Hilfe von 3M ändern kann, und mich nicht mit beunruhigenden Kompromissen abfinden muss. Tausende Dinge sind zu bekleben, verkleben, verkletten, versiegeln, abzudichten, zu schützen … sinnvolle! Reparatursets für die Reise müssen zusammengestellt werden. Keine Kompromisse und am Ende stehe ich auch noch da und lege wert auf die Optik. Es ist unglaublich was wir zusammen alles am Boot „wuppen“ können. Und nicht nur am Boot, auch beim Hautmanagement bekomme ich tollen Support. Speziell für mich gefertigte Griphandschuhe, Pflaster, Verbände, Feuchtigkeitsbarrieren für die Haut. Unglaublich. Ein ganz, ganz großes Kompliment also auch mal an das Team von 3M. Ich find’s unglaublich toll wie kreativ man an mein Projekt herangeht, wie unkompliziert und persönlich ich ausgestattet, beraten und begleitet werde.

Nun sitze ich hier am Notebook und schaue einfach auf die mannshohe Rolle mit lumineszierendem 3M Klebeband, welches in der Dunkelheit grün leuchtet – und ich bin einfach beeindruckt. Wenn das erst Georg und Andreas, die kreativen Köpfe hinter dem aktuellen Bootsdesign (Lehr-Gestaltung in Speyer) in die Hände bekommen – Magie!

Die Wohnung füllt sich langsam mit großen, schweren Kartons. Die ganze Bekleidung ist beispielsweise angekommen! Marinepool hat mich mit schwerer Segelbekleidung, schnelltrocknenden Shirts und Hosen ausgestattet. Dazu kommen neue Automatikschwimmwesten, Mützen, Handschuhe und Jacken. Wieder ein hochkomplexes Thema das ich abhaken kann. Und wieder eine Thema, bei dem ich keine Kompromisse in Kauf nehmen musste – genau das Equipment zur Verfügung habe, welches ich da draußen wirklich dringend benötige.

Täglich erreicht mich neues Equipment. Antennen, Keimboxen, … oder etwa ein umfangreiches Sortiment an Sonnenschutzmitteln von Ultrasun. Natürlich meine ich wirklich umfangreich 🙂 Auch Simrad und Lowrance haben nach langen und intensiven Beratungen die geeignete Elektronik eingeschnürt und verschickt. Und stolz kann ich behaupten: Alles schon verbaut! Ich hatte sowieso das Boot komplett neu verkabelt. Die Installation der neuen Simnet-Geräte war dann ja sowieso ein Kinderspiel. Endlich ist dieser alte Datenbus-Salat mit all den Tücken und Fehlern aus dem Boot verschwunden. Die neuen Kabelquerschnitte passen endlich, alles ist korrekt abgesichert, abgedichtet und angeschlossen. Neu im Boot ist ein Windsensor inkl. passender Anzeige, ein neues Remote-Display für den Chartplotter, eine Logge. Neue Lampen, Inverter und der neue easyTRX2 AIS Transceiver von Weatherdock. Alles kommuniziert tadellos miteinander. Einzig fehlt noch ein neuer Rate-Compass, der besser mit der starken Krängung (Neigungsbewegung) umgehen kann, schnellere und umfangreichere Daten liefert. Der alte Fluxgate-Kompass wird also getauscht. Hallo, noch da?

Gut, also genug Technik für heute. Vielleicht noch ein Tipp: Roz Savage, eine Ozeanruderin aus England, die aktuell auf dem Wasser ist, generiert wöchentlich einen wirklich informativen Podcast. Da ich ein Cameo in der aktuellen Folge (32) habe, lege ich Euch den Podcast also doppelt ans Herz.

Und jetzt ab ich euch in Kino! Im aktuellen „Thor“ Film könnt Ihr eine Menge über mein Boot „Bifröst“ und den Hintergrund der Namensgebung lernen …

Die Morgen danach

Kalt wird’s draußen des Nachts. Und trotzdem, im Boot schlafe ich im Moment am Tiefsten. Im Schlafsack verkrochen – das Audiosystem hat die Batterien leergesaugt, die Teelichter sind gelöscht. Ganz allein mit dem Fauchen des Windes in einer stockdunklen, hundert Meter langen, ausgekühlten Vorkriegs-Industriehalle am Rande der Erdscheibe. Solange ich den warmen Schlafsack nicht verlassen muss, raus muss in die Kälte, ist die Welt noch wunderbar und in Ordnung. Das Kondenswasser läuft angestrengt die Luken und Wände herunter, der Regen fällt unstetig -dann aber in langen Bindfäden- durch die Löcher im hohen Glasdach aufs Boot und schlägt auf dem Deck ein wie ein schwerer Blutstropfen, der in meinem Krimi gestern noch dem Serienkiller vom Messer tropfte. Ich sollte wieder mehr Fachbücher lesen, so entscheide ich just in diesem Moment. Aber mal ernsthaft: Gewöhnen könnt‘ ich mich daran, aber wer soll das schon verstehen? Und die nackte Sinnfrage einmal nicht in den Raum geworfen – ja, ich erfahre diese Zeit mit dem Boot als ungemein inspirierend und, doch, wirklich entspannend, erdend. Ganz bewusst konfrontiert mit der Enge, dem Luftmangel in der hermetisch verschlossenen Kabine in dunkelster Nacht – jeder Zentimeter des Bootes erschliesst sich mir, jeder Griff findet wieder in der Dunkelheit sein Ziel. Die Zahl der blauen Flecke an meinen Beinen nimmt Woche um Woche ab – ein Indiz dafür, dass ich mit dem neuen Boot zusammenwachse. Auf die harte Tour eben.

Die alten Batterien – Burned out. Laden, Entladen, Laden … Tag um Tag. Schwer zu beschreiben warum ich soviel Zeit mit meinem Baby verbringe. Schnell wäre alles ausgebaut, Zuhause verkabelt und gemessen. Will ich aber nicht. Ich will frieren – ganz bewusst. Schon sonderbar welche Beziehung man zu einem Boot aufbauen kann, welches nur allzu bald über mein Leben wachen muss. Und sonderbar auch, wie das Vertrauen erst wächst wo man z.B. über das Ladekabel stürzt und mit der Schulter gegen das massive GfK knallt. *Knack* Es sind diese Berührungen der unsanften Art, die meinem unschmeichelbaren, unbestechlichen Gewissen Ruhe bringen. Schlag um Schlag, Beule um Beule. Und ja, mein Kopf ist voll davon. Meine Art eben, um die Mikro-Dimensionen meiner Schlafkabine zu erkunden. Man stößt sich nur einmal an der gleichen Stelle, am gleichen Bolzen – gut also, wo mir langsam die Schlachtfelder an der Decke ausgehen. Und Ende verschwindet das Skelett dann sowieso hinter dicken Matten – aber gelernt ist eben gelernt. Ja, wir wachsen zusammen. Ich fühle mich unglaublich wohl – in meiner „Zweitwohnung“ *lacht*. Das alles klingt sicher total abgefahren. Jede Wette. Aber auf hochhaushohen Wellen bekommt die Definition vom „Vertrauen ins Material“ eine andere Bedeutung. Jeder Segler weiß das.

Schön ist es dann, wenn es am nächsten Morgen konkret weiter geht. Wenn man sich zerknautscht aus dem warmen Schlafsack schält, wenn Rückschläge vergessen, weggeträumt wurden. Heute z.B. war so ein Tag. Kaum bin ich erwacht, da besuchte mich schon Michael aus Frankfurt von der Firma Navico (Simrad / Lowrance) und überbringt mir zum Frühstück gute Nachrichten, tolles Equipment und brilliante Ideen.

Ich benötige neue GPS Karten-Plotter und ein Handgerät. Dazu noch ein neues, effizienteres Audiosystem und der Autopilot – die Krone der Herausforderungen. Mit den Geräten von Simrad und Lowrance fahre ich hier auf der sicheren Seite. Und, frei heraus: mit dem Team, das mir dort zur Seite steht, fühle ich mich sehr, sehr wohl.

Dazu passt perfekt die nächste Neuigkeit: Erst gestern noch hatte ich ein tolles Gespräch mit Navionics, dem Markführer im Bereich elektronische Seekarten. Karten, die mir natürlich auch in den Karten-Plottern das Leben ungemein erleichtern würden. Ich bekam sofort die Unterstützung und schon heute Nachmittag, per Express Post, wurden mir die SD-Karten aus Holland zugestellt. Geht es überhaupt noch schneller und unkomplizierter? Perfekt! Und so kann ich Dank meinem von Michael überbrachten Lowrance HDS-5 Testgerät und den Karten von Navionics schon 24h nach unseren Telefonaten testen. Wo nur jede Herausforderung so unkompliziert zu stemmen wäre 🙂