Row hard no excuses

Review: Eigentlich hatte ich es schon aufgegeben, hatte mich damit abgefunden, dass ich diesen Film niemals in absehbarer Zeit irgendwo auf DVD beziehen könnte. Aber machmal geschehen kleine Wunder, manchmal trifft man zum richtigen Zeitpunkt auf genau die richtigen Menschen. Und William, Excutive Producer bei Latern Films, ist so einer. Er tütete mir nach einem Facebook-Chat einfach den 90min Screener ein, und schickte das Päckchen persönlich mit dem Ruderboot von San Francisco nach Heidelberg. Naja, so oder so ähnlich war’s jedenfalls. Nun, wo die DVD in einigen Wochen offiziell über die Latern Films Website zu ordern sein wird, ist es wirklich an der Zeit euch die ersten Tropfen Meerwasser auf die vertrockneten Lippen zu träufeln … entsalztes natürlich.

Ich weiß nicht genau wie viele Ocean-Rowing-Related Filme und Filmchen ich bisher gesehen habe -weiß ja nichtmal wie man das anständig übersetzt- und auch kaum mehr wie viele Bücher und Artikel ich im Kopfkino vertont und bebildert habe. Aber einige sind einfach in Erinnerung geblieben, haben sich tief und schmerzhaft ins Mark gebrannt, sich heiß und zähflüssig über die wunde Seele geteert. Und “Row hard no excuses” ist genau einer dieser schmerzhaften, dieser unsagbar tiefen Filme geworden. Und genau darum möchte ich darüber schreiben. Weil er mich kitzelt, mich erweckt, mich bewegt, mich belebt und letztlich mich immer wieder daran erinnert wofür ich mich hier Tag für Tag auf dem Rudergerät schinde. UND! ich möchte darüber schreiben, weil dieser Film -ungeachtet davon, ob man nun über den Atlantik rudern möchte, oder eben nicht- einfach sehenswert und eben so unglaublich belebend ist. Es ist ein Film für all jene, die sich nicht mit der Tristes des “So-Seins” abfinden können und wollen, ein Film für die Menschen, die bereit sind ihren Fokus neu zu setzen und ihre Perspektive dahingehend zu ändern, dass sie auch mal ein paar Schritte zurückgehen und das “Ganze” aus der Distanz betrachten – immer in der Gefahr dabei über die eigenen Beine zu stolpern. Und es ist ein Film für alle, die sich einer neuen Erfahrung, egal in welchem Alter!, nicht prinzipiell mit einer Gegenfrage, einer Sinnfrage, in den Weg werfen.

Warum auch sollten Menschen mit einem winzigen Ruderboot über den Atlantik rudern – 5500km gegen Wind, Wetter und den inneren Schweinehund kämpfen? Ja, warum!?

Das “Ward Evens Atlantic Rowing Race 2001” führte von Teneriffa nach Barbados, und ausgerüstet mit einer Videokamera, hatten die beiden Teilnehmer John Zeigler (51) und Tom Mailhot (41) also genug Zeit um eine mögliche Antwort auf Zelluloid zu bannen. 58 Tage um genau zu sein. Dazu kommen Rückblenden und Aufzeichnungen anderer Teilnehmer, wie etwa der unglaublichen Debra Veal (jetzt: Debra Searle) [1], die ihren schwer seekranken Ehemann auf dem Rettungsboot zurückließ und allein weiter ruderte. Sogar Tori Murden Mcclure herself, die erste Frau die den Atlantik im Ruderboot allein überquerte, steht unseren beiden Helden tatkräftig bei der Vorbereitung zur Seite.

Obgleich der Film natürlich seine rohen Bilder besitzt, ist es überraschenderweise kein Streifen geworden, der einzig vom Terror und der Kraft der Naturgewalten zehrt. Er dramatisiert nicht – erklärt nichts, was ohnehin keiner Erklärung bedarf. Nein, er porträtiert, skizziert tiefgebräunte Gesichter und malt ihnen die Fältchen großer Erwartungen und großer Ernüchterung auf die Stirn – dazu hier und da ein paar Närbchen, sicher. Aber er lässt auch Platz für die tiefen Falten eines stolzen Dauergrinsens und der verdienten Reife. Und dann setzt er diese Gesichter in ein erst nasses, ja triefendes, dunkles Aquarell – das langsam trocknend sich in ein Abbild von wunderschönstem Sonnenblond über dem tiefblauen Ozean der Belanglosigkeiten wandelt. Natürlich einer voller Delphine *g

Es ist eine Reise die eigentlich schon weit vor Teneriffa beginnt und längst nicht in Barbados ihren Zielhafen findet. Wie zu erwarten. Nur es bleibt dieses ungeliebte “Warum?”! W-a-r-u-m rudern man mit einer Nussschale über den Ozean? Midlife Crises? Todessehnsucht? Profilierungsneurose? Vielleicht von allem eine Prise? Es obliegt dem Betrachter die Symptome zu deuten, doch ich bin mir ziemlich sicher darin, dass es keine einheitliche Diagnose geben wird. Vielmehr reflektiertes, unbedeutendes Guesswork. Aber der Film vermag eines, er vermag aufzuzeigen, “warum” ein Diagnose überhaupt keine Rolle spielt. Er räumt auf mit Vorurteilen, dämpft aber zugleich auch die letzte Hoffnung auf eine tiefgreifende Erleuchtung oder die ultimative Erkenntnis auf der Zielgeraden. Womit sich die Reihe der “Warum”-Kandidaten weiter lichtet. Aber vielleicht ist gerade das seine Stärke. Auch wenn die Welt nach geruderten 5500km in den Armen, Beinen und im Hintern noch immer die gleiche ist – die Probleme, Ängste keinen Meter gewichen – die Luft ist dennoch gespenstisch erfüllt mit einem kühlen, weißen Nebel, den man auf der Stelle einatmen – und nimmer ausatmen möchte.

Man kann und darf sich diesen Film so bunt malen wie man es nur irgend vermag. Aber man darf ihn auch zerlegen, seine Einzelteile auf kleinste, beliebige Nenner bringen und diese mit nach Hause nehmen. Man darf sich selbst anstupsen, mit 30, mit 40 mit 50, mit 60 Jahren. Völlig egal. Auch darf man sich gern mal wieder die üblichen Ausreden verkneifen, mal auf den Tisch schlagen – aber natürlich muss man dies nicht, natürlich kann man sich auch einfach an den Bildern dieses Film erfreuen … mutig den nächsten Einkauf planen, ein Haus bauen oder sich ins Abenteuer windiger Steuererklärungen stürzen.

Ich lege euch den Film wirklich ans Herz. Sicher ist es im Moment einfacher einen anderen Film bei Amazon zu bestellen. Aber wo wäre da die Herausforderung, das Abenteuer?! Und wer dann noch nicht genug hat, der darf sich auch diesen Film hier besorgen: 189 days in may. Viel Spaß damit!Review: Eigentlich hatte ich es schon aufgegeben, hatte mich damit abgefunden, dass ich diesen Film niemals in absehbarer Zeit irgendwo auf DVD beziehen könnte. Aber machmal geschehen kleine Wunder, manchmal trifft man zum richtigen Zeitpunkt auf genau die richtigen Menschen. Und William, Excutive Producer bei Latern Films, ist so einer. Er tütete mir nach einem Facebook-Chat einfach den 90min Screener ein, und schickte das Päckchen persönlich mit dem Ruderboot von San Francisco nach Heidelberg. Naja, so oder so ähnlich war’s jedenfalls. Nun, wo die DVD in einigen Wochen offiziell über die Latern Films Website zu ordern sein wird, ist es wirklich an der Zeit euch die ersten Tropfen Meerwasser auf die vertrockneten Lippen zu träufeln … entsalztes natürlich.

Ich weiß nicht genau wie viele Ocean-Rowing-Related Filme und Filmchen ich bisher gesehen habe -weiß ja nichtmal wie man das anständig übersetzt- und auch kaum mehr wie viele Bücher und Artikel ich im Kopfkino vertont und bebildert habe. Aber einige sind einfach in Erinnerung geblieben, haben sich tief und schmerzhaft ins Mark gebrannt, sich heiß und zähflüssig über die wunde Seele geteert. Und “Row hard no excuses” ist genau einer dieser schmerzhaften, dieser unsagbar tiefen Filme geworden. Und genau darum möchte ich darüber schreiben. Weil er mich kitzelt, mich erweckt, mich bewegt, mich belebt und letztlich mich immer wieder daran erinnert wofür ich mich hier Tag für Tag auf dem Rudergerät schinde. UND! ich möchte darüber schreiben, weil dieser Film -ungeachtet davon, ob man nun über den Atlantik rudern möchte, oder eben nicht- einfach sehenswert und eben so unglaublich belebend ist. Es ist ein Film für all jene, die sich nicht mit der Tristes des “So-Seins” abfinden können und wollen, ein Film für die Menschen, die bereit sind ihren Fokus neu zu setzen und ihre Perspektive dahingehend zu ändern, dass sie auch mal ein paar Schritte zurückgehen und das “Ganze” aus der Distanz betrachten – immer in der Gefahr dabei über die eigenen Beine zu stolpern. Und es ist ein Film für alle, die sich einer neuen Erfahrung, egal in welchem Alter!, nicht prinzipiell mit einer Gegenfrage, einer Sinnfrage, in den Weg werfen.

Warum auch sollten Menschen mit einem winzigen Ruderboot über den Atlantik rudern – 5500km gegen Wind, Wetter und den inneren Schweinehund kämpfen? Ja, warum!?

Das “Ward Evens Atlantic Rowing Race 2001” führte von Teneriffa nach Barbados, und ausgerüstet mit einer Videokamera, hatten die beiden Teilnehmer John Zeigler (51) und Tom Mailhot (41) also genug Zeit um eine mögliche Antwort auf Zelluloid zu bannen. 58 Tage um genau zu sein. Dazu kommen Rückblenden und Aufzeichnungen anderer Teilnehmer, wie etwa der unglaublichen Debra Veal (jetzt: Debra Searle) [1], die ihren schwer seekranken Ehemann auf dem Rettungsboot zurückließ und allein weiter ruderte. Sogar Tori Murden Mcclure herself, die erste Frau die den Atlantik im Ruderboot allein überquerte, steht unseren beiden Helden tatkräftig bei der Vorbereitung zur Seite.

Obgleich der Film natürlich seine rohen Bilder besitzt, ist es überraschenderweise kein Streifen geworden, der einzig vom Terror und der Kraft der Naturgewalten zehrt. Er dramatisiert nicht – erklärt nichts, was ohnehin keiner Erklärung bedarf. Nein, er porträtiert, skizziert tiefgebräunte Gesichter und malt ihnen die Fältchen großer Erwartungen und großer Ernüchterung auf die Stirn – dazu hier und da ein paar Närbchen, sicher. Aber er lässt auch Platz für die tiefen Falten eines stolzen Dauergrinsens und der verdienten Reife. Und dann setzt er diese Gesichter in ein erst nasses, ja triefendes, dunkles Aquarell – das langsam trocknend sich in ein Abbild von wunderschönstem Sonnenblond über dem tiefblauen Ozean der Belanglosigkeiten wandelt. Natürlich einer voller Delphine *g

Es ist eine Reise die eigentlich schon weit vor Teneriffa beginnt und längst nicht in Barbados ihren Zielhafen findet. Wie zu erwarten. Nur es bleibt dieses ungeliebte “Warum?”! W-a-r-u-m rudern man mit einer Nussschale über den Ozean? Midlife Crises? Todessehnsucht? Profilierungsneurose? Vielleicht von allem eine Prise? Es obliegt dem Betrachter die Symptome zu deuten, doch ich bin mir ziemlich sicher darin, dass es keine einheitliche Diagnose geben wird. Vielmehr reflektiertes, unbedeutendes Guesswork. Aber der Film vermag eines, er vermag aufzuzeigen, “warum” ein Diagnose überhaupt keine Rolle spielt. Er räumt auf mit Vorurteilen, dämpft aber zugleich auch die letzte Hoffnung auf eine tiefgreifende Erleuchtung oder die ultimative Erkenntnis auf der Zielgeraden. Womit sich die Reihe der “Warum”-Kandidaten weiter lichtet. Aber vielleicht ist gerade das seine Stärke. Auch wenn die Welt nach geruderten 5500km in den Armen, Beinen und im Hintern noch immer die gleiche ist – die Probleme, Ängste keinen Meter gewichen – die Luft ist dennoch gespenstisch erfüllt mit einem kühlen, weißen Nebel, den man auf der Stelle einatmen – und nimmer ausatmen möchte.

Man kann und darf sich diesen Film so bunt malen wie man es nur irgend vermag. Aber man darf ihn auch zerlegen, seine Einzelteile auf kleinste, beliebige Nenner bringen und diese mit nach Hause nehmen. Man darf sich selbst anstupsen, mit 30, mit 40 mit 50, mit 60 Jahren. Völlig egal. Auch darf man sich gern mal wieder die üblichen Ausreden verkneifen, mal auf den Tisch schlagen – aber natürlich muss man dies nicht, natürlich kann man sich auch einfach an den Bildern dieses Film erfreuen … mutig den nächsten Einkauf planen, ein Haus bauen oder sich ins Abenteuer windiger Steuererklärungen stürzen.

Ich lege euch den Film wirklich ans Herz. Sicher ist es im Moment einfacher einen anderen Film bei Amazon zu bestellen. Aber wo wäre da die Herausforderung, das Abenteuer?! Und wer dann noch nicht genug hat, der darf sich auch diesen Film hier besorgen: 189 days in may. Viel Spaß damit!

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