Wer sieht dich?

༄ Und dann sagen sie dir vielleicht,
dass mit dir etwas nicht stimmt –
dass du sonderbar geworden,
ja, womöglich: dass du krank bist! –
Und dann machen sie sich Sorgen,
um dich, in sich, weil du das Boot verlässt –
weil es dir nicht mehr gelingt,
ihren Sinn im absolut Sinnlosen zu erkennen –
Weil du nicht weiter auf ihre Art abstumpfst
und dich nicht mehr auf ihre Weise abfindest. –
Weil deine Müdigkeit eine andere ist,
weil deine Seele selbst totmüde –
aber noch lebendig ist, und noch hofft –
doch aller Schlaf der Welt nichts mehr bringt. –
Weil es dich zu viel Kraft kostet,
deine Sinne weiter zu verschließen,
im betäubenden Äther
der blendenden Belanglosigkeiten,
in dem sie irgendwie herumrudern.
Dann können sie dich plötzlich
nicht mehr verstehen, sagen sie,
weil ihre Orientierungslosigkeit
nicht deine Orientierung mehr ist.
Doch du verstehst zum ersten Mal,
dass sie sich selbst kaum verstehen –
Und da verstehst du auch,
dass dich die Wenigsten wirklich
jemals gesehen und verstanden haben.
Nur dann, wenn ihre eigenen Gedanken
aus deinem Mund sprachen,
und dein Handeln ihr Handeln bestätigte,
und deine Gefühle ihre Gefühle wurden.
Du erkennst, dass kaum einer
wirklich für dich da war,
als du noch nicht wusstest,
dass du dich selbst verloren hast.
Und nun suchst du dich.
Aber unter ihren Augen,
und in ihren Ängsten,
da wirst du dich kaum finden.

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