Warten auf 20 Meter Wellen?

Noch immer stecke ich hier fest. Buoyweather überraschte mich gerade mit einer neuen Vorhersage über 20 Meter hohe Wellen für morgen. Und das bei 9 Sekunden Periode. Ich hätte kurz gezweifelt, wenn nicht erst vor wenigen Wochen hier der Surfrekord auf 30 Meter Wellen aufgestellt worden wäre. Aber trotzdem: 20 Meter? Morgen? Die Wetterkarten geben das nicht wirklich wieder. Also doch nur ein Bug?

Im Moment gewittert und regnet es. Sturm für die Nacht mit Spitzen von Windstärke 9 bis 10 (bis 90km/h) ist nicht ganz unwahrscheinlich – aber für Morgen schaut es auf den Wetterkarten doch ganz gut aus. Auch der Deutsche Wetterdienst bestätigte mir das. Zumindest keine 20 Meter Wellen. Wind sollte auf NE bis E drehen. Wobei E schon riskant wäre. Ich setze all meine Hoffnung auf morgen – ich will hier weg! Wenn es in 18 Stunden nicht besser wird, habe ich wirklich ein Problem, da ich dann vorerst nicht mehr mit Ebbe im Tageslicht auslaufen kann. Und nachts raus bei E/NE ist natürlich alles anderes als ungefährlich. In 12 Stunden wissen wir mehr.

Nun denn: http://www.youtube.com/watch?v=0X7d9hMVJWQ

Waiting for Silence

Wie ihr unschwer erkennen könnt, blink das Ruderboot noch immer in Portimao auf der Trackingkarte. Heute morgen stieg ich in meinen Raumanzug und begab mich in Richtung Raumkapsel. Der Countdown stand bei knapp 90 Minuten. Alles war bereit, verstaut – einzig das finale Meeting mit meiner Sicherheitscrew stand noch aus. Perfektes Wetter, warm, trocken, Wind aus Nord. Aber leider schaut die Vorschau für morgen gar nicht gut aus: Wind bis zu 40kn wäre möglich, (Windstärke 8 bis 9), der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Süd drehen könnte (Ganz schlecht!). Da ich heute nicht weit genug von vom Land weggekommen wäre, bestand also das Risiko, dass ich innerhalb weniger Stunden morgen wieder gegen die Küste gedrückt werde. Ein Risiko, das ich nicht eingehen kann, da es wirklich extrem gefährlich wäre. Die Entscheidung zum Abbruch war natürlich erst einmal absolut enttäuschend. Natürlich hätte ich auch gegen jeden Rat ablegen können, aber ich hänge doch ziemlich an meinem Leben und die Welt geht nicht unter, nur weil ich noch etwas warten muss.

Ab Mittwoch schaut es wieder besser aus. Neuer Termin also 23.11.11 um 12:00 UTC. Kann ich nicht ändern, muss das akzeptieren und aussitzen. Das Boot wieder ausladen, damit ich wieder ein paar Klamotten an Land habe. Den Tag heute habe ich dann wieder relativ entspannt verbringen können. Gut gegessen, tolle Gespräch, zahlreiche Einladungen auf anderen Booten. Wie schon gesagt: Es gibt schlimmere Plätze auf diesem Planeten um Zeit totzuschlagen. Nun ja, jetzt also liegen wieder zwei Nächte im warmen Bett vor mir. Aber vielleicht passiert auch ein Wunder und ich kann morgen schon los. Wieder die großen Abschiedszenen, wieder ins Ruderboot steigen und wieder den Finger in den Wind strecken. Passt schon. Drückt mir die Daumen für Mittwoch bitte!

Neuer Artikel bei HR3. Auch schön! Leider habe ich das Interview auf RPR1 noch nicht gehört. Sollte jemand einen Mitschnitt haben, würde mich sehr freuen!

Und immer noch 25 Tage

*tick* Und da steht die Uhr plötzlich still. Das Boot ist bepackt, und ich liege nicht eine einzige Minute hinter meinem Zeitplan. Gibt’s ja nicht. Scherze machen sie schon über mich in England, so typisch deutsch wäre ich – so pünktlich, durchplant und organisiert. Also irgendwas muss doch noch kaputt- oder schiefgehen. Wo bleibt denn sonst die Dramatik. Ja, Dramatik – Pustekuchen. Nicht mal aufgeregt bin ich mehr. Alles weg, total entspannt, irgendwie wie ausgeklinkt, stressimmun bin ich da plötzlich. Gerade Ich! Ich sollte Haare raufen, panisch durch die Welt telefonieren, eilig packen, testen, reparieren und trainieren.

Ich verstehe es ja auch nicht, weiß nicht wo im Drehbuch der Fehler lag und die Protagonistin aus dem Drama in die Komödie schlitterte. Nach so langer Vorbereitung, nach all den Achterbahnfahrten *klick* alles weg – nur tiefste innere Zufriedenheit, Leichtigkeit und Überzeugung. Und dabei habe ich noch nichtmal abgelegt. Ich weiß ich habe das beste Boot, ich weiß ich bin fit … und der Kopf? Bin ich mental bereit? Bin ich „heiß“ auf das Abenteuer?

Ich leuchte! Mein Herz leuchtet! Es explodiert nicht, es zerspringt nicht – schlägt keine Loopings. Es glüht nicht in heißem Orange, es ionisiert das Blutplasma mit einem kühl leuchtenden Blau, und pumpt es, elektrisiert, noch in die letzten Zellen meines linken kleinen Zehs. Alles läuft nun zusammen im kleinen Zeh Europas, in Portimao, Portugal. Bestes Equipment, optimale Vorbereitung und Fitness und jetzt ist der Kopf auch frei. Die Sensoren öffnen sich wieder, subtile Eindrücke wuchten sich plötzlich wie schwere Reissäcke über das emotionale Grundrauschen. Hämmern so brachial gegen mein Trommelfell, blenden mir die Augäpfel – überstrahlen all den Mist, der mich die letzten 2 Jahre lang versucht hat von diesem Weg abzubringen. Es spielt alles keine Rolle mehr, egal was mich nächtelang wachhielt, was zerbrach oder daneben ging. Alles bedeutungslos. Das Boot ist bereit und ich stehe hier und leuchte.

Täglich erreichen mich nun auf dem Postweg versiegelte Briefe und Glücksbringer für die Reise. CD’s, Glücksbänder, Ausgefallene Süssigkeiten. Ich genieße das. Bin reichlich stolz auf das Vertrauen. Und gestern dann, ich wollte gerade am Boot zusammen räumen, ein kleiner magischer Moment: Ein Mann tauchte plötzlich neben dem Boot auf, und sprach mich an. „Er hätte etwas für mich, wo es noch ins Boot passen würde“. Ich solle meine Augen schließen und die linke Hand öffnen. Steine! Sechs Stück umschmeichelten meine Finger. Schwer. Rau. Ich öffnete die Augen und fand Chondrite in meiner Hand. Meteoriten. Wow! „Ich solle fühlen, und mir einen aussuchen“. Ich wählte den kleinsten, den rundesten. Meinen neuen Glücksbringer.

Wie ich später erfuhr, sammelte der Mann die Meteoriten seit vielen Jahren in der Sahara. Als Einzelgänger unterwegs – und jetzt, wo er gerade daran war wieder Wurzeln in Deutschland zu schlagen, kreuzte ich mit meinem kleinen Boot seinen Lebensweg. Und bei aller Rationaliät, der Moment war einfach durchschlagend, magisch. Und vielleicht lag es nicht an dem Meteoriten, sondern an der Energie, die da durch den Raum zwischen zwei Menschen übertragen wurde, die sich verstehen. Magisch, was immer das im Auge des Betrachters für Bilder zu erzeugen vermag.

Ja, ich genieße jede Minute, jede Sekunde im Moment. Bin glücklich um die Menschen die ich gerade um mich weiß. Meine Familie, meine Freunde. Alles läuft perfekt. Ich bin zurück in Speyer, bei Georg und Andreas, dem Team Lehr-Gestaltung, die Jungs die das Boot wieder neu bekleben … bezaubern. Ich fühle mich schrecklich wohl dort. Auch Rainer Magin, der mir der immer da ist wenn ich am Boot nicht weiter weiß , ach … ich würde Euch alle gern einpacken und mitnehmen 🙂 Ich vermisse Euch ja jetzt schon!

Aber in 25 Tagen ist all das vorbei, in 25 Tagen lächelt niemand mehr wenn ich morgens aus dem Bett krieche, niemand trinkt Kaffee mit mir, niemand hält mir einen Schraubenschlüssel. Keine Augen in die ich schauen kann für viele, viele Monate. Nun denn, auf geht’s!

Am 14.11 wird das Boot nach Portugal gezogen. Also in genau 19 Tagen. Ich bin sehr, SEHR erleichtert, dass ich das Boot nicht selbst über mehr als 2500 Kilometer in die Algarve ziehen muss. Den Transport übernimmt die BSH Verkehrstechnik GmbH aus der Schweiz. Für die im Schwertransport erprobten Jungs ist das Boot dann natürlich mal ein Leichtgewicht mit ca. 1500kg inklusive Trailer. Für mich ist wichtig dass ich mein Baby in guten Händen weiß, und mich auf die Logistik vor Ort konzentrieren kann, während das Gespann nach Portugal rollt. Daher noch mal meinen ganzen Dank an das Team in der Schweiz! Ich bereite nun alles für den Transport vor.

Sorry, only available in german language

Noch 50 Tage

Noch fünfzig Tage bis zum Start. Und erst gestern noch, so kommt es mir vor, waren es hundert. Aber dann wäre ja morgen … Ok, lassen wir das. Habe meine schnellsten Meilenstiefel angezogen und die Brille mit den Tunnelblick auf die Nase gesetzt. Erste gute Nachricht: Das Boot ist fertig! Einzig der Entsalzer bekommt einen finalen Service und Check bei Katadyn, aber ansonsten sind alle Schrauben festgezogen und mit Sicherungslack beträufelt. Zeit zum Packen also. Und das ist wirklich eine ganz andere Herausforderung. Mehr als 200 Kilogramm an Lebensmitteln, unzählige Medikamente, Tauwerk, Werkzeuge, Schrauben und sogar ganze vier Shirts und zwei paar Schuhe für bis zu 140 Tage. Fast schon dekadent! Es ist nicht wirklich einfach das angestrebte Endgewicht zu erreichen, und auch wo drei Shirts reichen, und das vierte nach einer Stunde im Wasser genauso verdreckt sein wird wie die anderen drei – es ist ein Kampf um jedes Gramm, und ab und verliere ich eben auch … und muss an anderer Stelle gewinnen.

Anderes:

  • Das offizielle Flaggenzertifikat wurde erteilt. Bin wohl nun das einzige Ruderboot in Deutschland unter offizieller deutscher Flagge. Ganz lieben Dank an das unglaublich nette Team vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie [1] in Hamburg.
  • Auch wenn das neue Iridium 9575 noch nicht lieferbar ist (Daumen drücken!), läuft die Kommunikation nun jedenfalls komplett über das spätere Backup-Telefon. Ich kann ohne Computer „Tweeten“ und „Facebooken“ – Blogeinträge schreibe ich auf dem Toughbook und schicke sie per Mail. Damit solltet Ihr also während der Überfahrt gut informiert werden. Ich gebe mir wirklich Mühe! Abonniert bitte Twitter (oder noch besser Facebook), da ich häufiger Statusupdates schreiben möchte, als ich Blogen kann. Ein einziger Twitter und Facebookeintrag kostet mich mindestens 1,35$ – also hoffe ich wirklich, dass Ihr mir auch alle treu bleibt 🙂
  • Dank UUPlus habe ich jetzt auch kostenlosen Zugang zu einem Mail-Kompressionsserver über Satellit. Bei extremen Latenzproblemen über Iridium und bei der aberwitzigen Bandbreite von nur 2400 Byte pro Sekunde, ist UUPlus meine Rettung. Somit sollte es auch möglich sein mal kleine Bilder hier und da in den Blog zu stellen. Erwartet bitte keine Megapixel-Wunder – aber ich versuche alles.

Only fifty days left! Yesterday, as far i remember, i had one hundred. So tomorrow actually should be … well. I jumped in my fastest mile-boats, wear the glasses with the nice tunnel vision on my nose. The boat is ready – now i have to clean and disinfect the lockers and have to get all the stuff into. Only the watermaker is missing, has a final check at Katadyn. More then 200 Kilogram of food, hundreds of medicaments, ropes, tools and screws … and even 4 shirts and 2 pairs of shoes, for 140 days. Luxary! It’s hard to reach the intended starting weight, i loose my fights with he gear here and there. I know three shirts might be enough, and the fourth one will smell like the other ones just one hour after getting it out of the waterproof sea bags. I lost here, and have to win the other fights. Maybe less pictures and the smaller sleeping bag?!

Other stuff:

  • Got my official flag certificate. The first rowing boat under german flag? Seems so!
  • Still wait for the new Iridium 9575 phone, which is not available yet. Fingers crossed please! But satellite communication is already running over my determinded backup phone. Be sure you follow me on Twitter and Facebook!
  • Thanks to UUPlus i have access to an E-Mail compression service now. A huge benefit for sending emails and, surprise!, pictures! Do not expect high resolution content every day, but a small picture here and there seems possible.

Das Boot ist eine Zeitmaschine

Da bin ich inzwischen schon wieder ein Jahr älter geworden und hätte es fast nicht einmal bemerkt. 34 Jahre also, hmmm. Nunja, wenn ich die Zeit anhalten möchte, dann sollte ich mir dringend ein anderes Projekt aussuchen. Kann es für Außenstehende, in einem anderen Inertialsystem, nicht schnell genug gehen – im Boot selbst verbiegt sich bereits Zeit und Raum. Zeitdilatation. In den letzten Wochen ist unglaublich viel passiert, und vielleicht sollte ich wirklich einmal ein Buch darüber schreiben, oder zwei oder zwanzig. Es würde nicht mangeln an Erlebnissen – und weniger werden es sicher auch nicht ab Dezember. Fast täglich versuche ich, wo immer ich gerade im, am oder auch unterm Boot liege, ein Meldung in den sozialen Netzwerken abzusetzen – aber nun ist es wieder einmal an der Zeit das Erlebniskondensat der letzten Tage und Wochen in einen neuen Blogeintrag zu gießen. Nur noch drei Monate, zwölf Wochen, dann lege ich ab. „Ob ich denn Lampenfieber hätte?“, werde ich nun fast täglich gefragt, „ob ich aufgeregt sei?“. Braucht es wirklich eine Antwort darauf?

Das Boot lag nun einige Zeit im Wasser, wir beide haben fast ein Dutzend Unwetter, teils schwere Gewitter gemütlich überstanden und wir sind, würde es nun noch beladen werden, eigentlich bereit für die Reise. Meinem Perfektionismus ist es allerdings geschuldet, dass nun doch noch für einige Operationen im September das Werkzeug gewetzt wird. So wandert der Meerwasserentsalzer in eine andere Luke, etwas weniger vom Kondenswasser belastet; die Isolation im Innenraum wird modifiziert (ebenfalls dem Kondenswasser geschuldet) oder auch ein Sonnenschutz (Netz) fehlt noch. Doch soweit so gut: Bonusprobleme, Zeit dafür sollte sich noch finden.

Bifröst liegt hervorragend im Wasser, machte eine tolle Figur vor den Kameras und, wo ich mich richtig in die Ruder legte, schiesst sie mit 2.5 Knoten in den Sonnenuntergang. Die neuen, hochspeziellen Gleitlager für den Rudersitz sind eingebaut, Navigations- und Kommunikationsequipment läuft probemlos und die Leistung der Centrolsolar Solarzellen ist einfach nur phantastisch. Natürlich habe ich mit beiden Panels zu je 105 Watt ordendlich „Power“ auf dem Dach, aber vor allem wo die Sonne schwächelt, zeigt sich, dass es vor allem die Effizienz der Zellen ist, die mir ein Weitladen der Batterien ermöglichen. Bei knappem Sonnenstand im Winter von nur 30° in Portugal, werde ich diese auch benötigen.

Nun wird es also Zeit das Boot mit den benötigten Lebensmitteln zu beladen. Die 450 gefriertrockneten Menüs, in all der großen Sortenvielfalt, die mit den Experten vom Outdoorfoodshop zusammengestellt wurden, sind bereits in den Luken verstaut, nun folgen fast 400 Clif Bar Riegel, kiloweise leckere Schokolade, Bonbons, Saatgut, gesunde Naturprodukte und eine große Vielfalt an Wetfood (Lebensmitteln, die ohne Zugabe von Wasser zubereitet werden können), Konserven, Nüssen, Eiweißriegeln. Dank Wasgau kommen diese per LKW direkt ans Boot. Dann beginnt das Lukentetris. Nicht nur das hunderte an Kilogramm überhaupt erstmal unter Deck Platz finden müssen, nein, das Boot muss dabei auch noch getrimmt werden. Wer die Anzahl und Größe der Kartons hier sieht, und versucht sie anzuheben, der schlägt meist die Hände über dem Kopf zusammen und der nächste Satz beginnt dann mit ziemlicher Sicherheit mit dem Wörtchen „Wie?“

Die Brenntests der beiden Titan Gaskocher, die mir Bergzeit unter anderem zur Verfügung gestellt hat, wurden ebenfalls erfolgreich abgeschlossen – der genaue Gasverbrauch ermittelt. Er liegt exakt im Bereich dessen, was theoretisch vorher errechnet wurde. Perfekt! Ich werde 8 Gaskartuschen zu je 450g weit, weit entfernt vom Schlafbereich, tief im Kiel verstauen. Ja, somit sind in Kürze also Lebensmittel mit einem Gesamtnähwert von täglich 6000 bis 8000kcal für deutlich mehr als die 4 Monate an Bord, dazu Brennstoff, Kocher und Geschirr. Auch nicht zu unterschätzen: Der Bedarf an Getränkepulvern, die das Trinkwasser aufpeppen, bzw. mich mit zusätzlichen Kalorien versorgen.

Auch das Satellitentrackingsystem ist nun einsatzbereit. Die Details gebe ich Euch in Kürze weiter, aber das Boot wird wie geplant während der ganzen Reise seine Position in regelmäßigen Abstanden über Inmarsat-Satelliten an das Team von Satpro übermitteln, die die Daten dann grafisch aufbereiten und veröffentlichen.

Also, so langsam können wir uns für einen Countdown warmmachen. The blog is available in german, but due to the increasing interests, we are going to translate all content at the moment. Please come back agian soon.

tick tick tick

Wie Sand verrinnt die Zeit zwischen meinen Händen. Ein großer Sandhaufen aus glitzernden Erinnerungskörnchen liegt vor mir, und wo immer ich mich darin versuche, auch nur eines davon zu fokussieren, da wird es auch schon vom Strom, der sich aus meinen Händen stürzt, überspült und fortgerissen. Und ich finde es einfach nicht wieder.

März 2010, vor zwölf Monaten war’s, wo ich da mit meinen Plänen herausrückte und über die Klippe in die Öffentlichkeit sprang. Kein Weg zurück mehr – ich ziehe das durch. Ich rudere allein über den Atlantik. Ab jetzt nur noch der freie Fall ins Wasser. Jahrelang im Stillen geplant und gewerkelt, riss ich damals die Vorhänge hoch. Einfach unglaublich was in den letzten zwölf Monaten alles passiert ist! Da stand ich noch ganz schüchtern in England vor diesem teuren Boot, zählte die Centstücke in meiner Jackentasche und dachte noch: „S***, das wird noch ein langer Weg!“. Und heute? Nun, die Cents zähle ich noch immer, aber dies jetzt an Bord meines Babys. Ich habe ein Boot, das meiste Equipment zusammen. Ein großes Team unterstützt mich und ich kann bestens vorbereitet schon den Starthafen riechen. Tage wie dieser zeigen mir wieder, was ich alles vorangetrieben habe. Ich bin unglaublich stolz auf das Erreichte – und heute fällt es mir leicht das auch mal zuzugeben. Was ein verrücktes Jahr! Bleibt einzig die Frage: Was werde in dann erst in weiteren 12 Monaten sagen. Dann sollte ich bereits den Geruch eines anderen Hafens in der Nase haben, einen auf der anderen Seite dieses Ozeans. Gott, (nur) noch neun Monate … tick tick tick.

Aber schon geht es weiter: Die neuen Panels sind da. Am Mittwoch bekam ich von Centrosolar die Zusage, und schon heute steht UPS vor der Tür. Mit ganz großen Paketen. Zwei SOLARA Panels zu je 105 Watt, und den passenden Laderegler gibt es auch noch obendrauf. Ich strahle über beide Ohren, denn diese Panels sind das Herz meines Bootes. Logisch auch, dass ich nicht irgendwelche Panels auf die Kabine schrauben kann. Wo sich meterhohe Wellen darauf brechen, Salzwasser seinen Weg in jede Ritze findet, wo der Platz begrenzt ist und hoher Energiebedarf besteht – und wo das Gewicht natürlich auch eine große Rolle spielt. Diese Module sind die einzigen am Markt, die diesen Anforderungen wirklich entsprechen. Monokristalin, mit höchster Leistungsdichte und Effizienz – und das meerwassertauglich. Danke Centrosolar! Danke für die tollen Gespräche am Boot und danke für den netten und verlässlichen Support. Jetzt bin ich dran … die Panels müssen gut verschraubt werden.

Und wo wir bei netten Sponsoren sind: Ein ganz großes Kompliment und Dankeschön an die Firma Liros, die mich mit dem gesamten Tauwerk ausstattet und berät. Und das ist übrigens eine ganze Menge für so ein winziges Ruderboot: Ankerleine, Sturmankerleinen, Retrival-line, Schleppleine, Halteleinen, Wurfleinen, Steuerleinen, Festmachleinen, Gummiseile, Kauschen, Schäkel, Takelgarn. Ich werde euch in Kürze meine Sturmanker vorstellen, und in diesem Zuge auch mal im Detail auf die Leinen an Bord eingehen. Ihr werdet staunen.

Ganz tolle Neuigkeiten auch: Ich werde euch in Zukunft mehr Bilder und Videos in meinen Netzwerken bereitstellen können. Blickvang, die Experten für Helm- und Outdoorkameras, unterstützen mich mit zwei speziellen HD Videokameras und Zubehör. Wasserdicht – will heißen: Ihr dürft euch auch auf tolle Außenaufnahmen auf dem Ozean freuen – auch bei schlechtem Wetter und Sturm. Keine halben Sachen und langweilige Urlaubsfotos 🙂

Ja, soweit die aktuellen Neuigkeiten. Hinweisen möchte ich euch noch auf ein Interview von heute bei Xsportsisters.de – also ganz aktuell. Ach ja, und zu einem ungewöhnlichen Gewinnspiel auf Twitter habe ich mich auch überreden lassen: Ein Candle Light Dinner im Boot gibt’s zu gewinnen. Zum Nachtisch lese ich dann Herman Melville. Also … wer traut sich das zu? Schwimmen solltet ihr allerdings können und einen Twitterakkount besitzen – alles andere findet sich 🙂

Ein Projekt kommt ins Rollen

Wie Ihr auf Facebook schon verfolgen konntet, ist diese Woche wieder eine ganze Menge am Boot passiert. Ich schrieb bereits, dass ich große Probleme mit den Standard-Kugellagern und Rollen am Rollsitz habe, und mich auf der Suche nach Alternativen befand. Die Anforderung an die Lager und Rollen sind natürlich extrem. Tausende Kilometer, monatelang, ständig von aggressivstem Salzwasser überspült – kein System hatte sich bisher wirklich bewährt. Den meisten Lagern konnte man beim Dahinrosten und Zerfallen zusehen. Selbst nichtrostende Titan- oder Keramiklager versagen in der Vergangenheit kläglich unter der harten Belastung. Was also tun? Es existierte nur eine Lösung, die auch unter dem Gesichtspunkt des Gesamtgewichtes wirklich in Frage kam – eine ungemein aufwendige: hochspezielle Industrielager, die einzig für diese Anforderung gefertigt werden. Aber woher nehmen bei solch‘ knappem Projektbudget? Einzelentwicklung und Anfertigung – das bedeutet Prototypen müssten entwickelt, Versuchsreihen gefahren werden. Nein, unmöglich. Und ich ahnte schon das Boot komplett mit Ersatzlagern und Rollen befüllen zu müssen. Nehme ich halt noch 10 Kilo ab vorher, und plane 30 Tage zusätzlich für den ständigen Austausch der Lager bei hohem Wellengang ein 😉 Aber ok – Nicht wirklich ganz so witzig, natürlich.

Vor wenigen Tagen dann die Überraschung: Eine Firma, die eben genau solche Lager entwickelt und das entsprechende Know-How und Material besitzt, war bereit die ungewöhnliche Herausforderung anzunehmen. Man vereinbarte einen schnellen Termin, und das Team wollten sogar extra aus Dortmund nach Speyer zu kommen, um direkt am Boot den Sachverhalt zu besprechen. Das ist eine Fahrtstrecke von fast 700 Tageskilometern – ich war natürlich sprachlos! Gestern war es dann soweit. Und tatsächlich: Punkt zwölf Uhr stand die Firma LFD Wälzlager GmbH bei mir am Boot. Wow!

Es wurde gefachsimpelt, beraten und, ganz ehrlich, auch viel gelacht. Offensichtlich verfügt das Unternehmen nicht nur über die notwendige Erfahrung, sondern hat auch richtig Spaß an dem Projekt. Perfekt! Das passt einfach!

Mein kompletter Rudersitz liegt jetzt im Labor. Die alten Lager werden genau untersucht. Und am Ende bedeutet das: Es wird eine individuelle, hochspezielle Lösung entwickelt. Keine Standard-Lager und Rollen – keine Kompromisse. Seid gespannt auf das Ergebnis! Und vielen Dank an das Team von LFD für dieses enorme Engagement! Ohne Experten wie euch wäre ich beim Material aufgeschmissen – das muss eben auch mal gesagt werden! Nichts an diesem Projekt lässt sich mal ebenso erledigen, völlig klar. Und alles an diesem Projekt ist eine Herausforderung und ein „Spezialfall“. Ich akzeptiere hier aber auch meine Grenzen in den Fachbereichen, und bin daher wirklich sehr glücklich darum, dass ich mir gerade dann ob der Unterstützung so vieler Experten und Unternehmen in diesem Projekt sicher sein kann, wo ich diese erreiche. Keine Experimente, keine Selbstüberschätzung! „Very german“ – wie man mir jetzt immer wieder nachsagt. Na dann 🙂

Alle Matten, Schlafsäcke, Decken und Kissen von Lestra sind nun auch im Boot. Und das Kojensegel wird gerade von der Seilerei Pohle gefertigt. Sieht also ganz danach aus, dass ich jetzt regelmässig im neuen Boot übernachten werde. Das Team von Bergzeit organsiert mir noch zwei brandneue Jetboil Kocher – also kann ich eigentlich gleich ganz einziehen, oder?

Ach, und im aktuellen Rudermagazin ist soeben ein schöner Artikel über das Projekt erschienen – schaut mal ob Ihr die Zeitschrift irgendwo auftreiben könnt. So, dass waren die News.